Hamilton Place ist eine innerstädtische Straße in der schottischen Stadt Aberdeen. Entlang des Straßenzuges befinden sich 32 denkmalgeschützte Objekte.
Geschichte Die Straße ist benannte nach dem Mathematiker Robert Hamilton (1743–1829), der 1777 zum Professor für Naturphilosophie und später für Mathematik am Marischal College, einem der beiden Gründungsinstitutionen der University of Aberdeen, bestellt wurde. Das im Kirchhof der Kirk of St Nicholas befindliche, von John Smith gestaltete Grabmonument von Hamilton gilt als das größte Denkmal an einen Aberdeener Bürger.Hamilton Place, in: John M. Corall: Aberdeen Streets, S. 10.
Unter anderem der Neubau des Hafens Aberdeen und die Etablierung des Granithandels waren für die wirtschaftliche Entwicklung Aberdeens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verantwortlich. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt ging eine Expansion um die historische Kernstadt, insbesondere nach Westen, einher. Auf dem betreffenden Kartenblatt der Ordnance Survey aus dem Jahre 1871 ist die Straße noch nicht ersichtlich, wohingegen die nördlich parallel verlaufende Beechgrove Terrace bezeichnet als South Stockton Road bereits Bestand hatte.Kartenblatt der OS-Karte 1871 Auf dem Kartenblatt von 1879 ist Hamilton Place bereits als unbebaute Straße verzeichnet. Sie war zu diesem Zeitpunkt von ihrem Ostende bis ein kurzes Stück jenseits der Fountainhall Road (bezeichnet als St Swithin Street) ausgebaut.Kartenblatt der OS-Karte 1879 Vier Jahre später war bereits die projektierte Verlängerung inklusive der heute als Morningfield Road bezeichneten westlichen Fortführung verzeichnet. Des Weiteren sind nahe dem östlichen Abschluss von Hamilton Place sieben Häuser an dessen Nordseite und ein Doppelhaus an der Südseite markiert.Kartenblatt der OS-Karte 1883 Der am Ostende zuführende Belvidere Crescent bestand zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er wurde erst nach Abbruch des dort befindlichen Belvidere House gegen Ende des Jahrhunderts eingerichtet.
Lage Hamilton Place befindet sich im westlichen Aberdeener Stadtteil Midsocket. Im Osten beginnt der Hamilton Place als faktische Fortführung des Belvidere Crescent am der Kreuzung der Craigie Loanings. Ebenfalls mündet an der Kreuzung von Norden die dort endende Westfield Road ein. Es queren die Whitehall Road und die Fountainhall Road ehe der Hamilton Place an der Forest Road endet. Westlich der Forest Road ist er als Morningfield Drive fortgeführt. Über die gesamte Länge von etwa 840 Metern verläuft nördlich die Beechgrove Terrace parallel, die ab der Einmündung der Fountainhall Road unter dem Namen King’s Gate geführt ist. Von Süden münden die Hamilton Lane und der Blenheim Place ein.Karte der Ordnance Survey
mini|hochkant|2 Hamilton Place Gebäude Hausnummer 2 Bei dem Haus handelt es sich um das einzige Gebäude entlang des Hamilton Place, das sich östlich der Einmündung der Westfield Road befindet. Die zweigeschossige Villa ist aus lokalem Granit aufgemauert und im Scottish-Baronial-Stil ausgestaltet. Ihr Eingangsportal mit Oberlicht ist segmentbogig verdacht. Aus der linken Gebäudekanten tritt ein runder Eckturm mit schiefergedecktem Kegeldach heraus. Das Gebäude ist als Denkmal der Kategorie C klassifiziert.
Hausnummer 3 Die Villa 3 Hamilton Place nimmt das Eckgrundstück zwischen Hamilton Place und Craigie Loanings ein. Es handelt sich um eines von nur drei denkmalgeschützten Gebäudes auf der Südseite der Straße. Auf der Ordnance-Survey-Karte von 1883 war das Gebäude noch nicht verzeichnet. Die zweigeschossige Granitvilla ist im Schottish Baronial Style ausgestaltet und als Kategorie-C-Bauwerk denkmalgeschützt. Oberhalb ihres Portals ist ein Kämpferfenster mit der Inschrift „3 Hamilton Lodge“ mit ornamentiertem Segmentbogen, der mit schlichtem Schlussstein ausgeführt ist, eingelassen. Es kragen ein Erker und ein Ecktürmchen aus. Die Giebel der Lukarnen sind von steinernen Lilien- beziehungsweise Distelornamenten bestanden. Der First des grauen Schieferdachs ist mit Bleiplatten eingedeckt.
mini|Rechts Nr. 4–6, links 8–10 Hausnummern 4–10 Gegenüber von 3 Hamilton Place befindet sich die Villa 4–6 Hamilton Place, die als Denkmal der Kategorie C eingestuft ist. Es handelt sich um das Eckhaus zwischen Hamilton Place und Westfield Road. Die eingeschossige Villa ist aus grauen Granitquadern aufgemauert. Ihre südexponierte Hauptfassade ist drei Achsen weit. Das zentrale Portal sowie die darüber angeordnete Gaube sind leicht nach links versetzt, wodurch die Symmetrie schwach gebrochen ist. Das Holzportal ist mit Zahnschnitt ornamentiert und bekrönt. Aus den Kreuzgiebeln auf den äußeren Achsen treten Ausluchten heraus. Die ostexponierte Fassade entlang der Westfield Road ist asymmetrisch aufgebaut mit dem abschließenden Giebel des Hauptkörpers mit firstständigem Kamin, einer zentralen Dachgaube und einer Lukarne rechts. Ein weiteres Portal links ist mit Rundbogen mit Schlussstein und ornamentiertem Kämpferfenster ausgestaltet. Die Firste der grauen Schieferdächer sind mit Bleiplatten belegt.
Die Doppelvilla mit der Hausnummer 8–10 ist bereits auf dem Kartenblatt von 1883 verzeichnet und zählt damit zu den frühesten Häusern am Hamilton Place. Das Gebäude weist zahlreiche Ähnlichkeiten zu der Villa Nr. 4–6 auf, ist jedoch als Doppelhaus konzipiert. Ebenso ist es als Kategorie-C-Denkmal geschützt. Die Hauptfassade des eingeschossigen grauen Granitbaus ist vier Achsen weit. Kontrastierend sind Einfassungen mit fein gearbeitetem Granit in helleren Grautönen ornamentiert. Die Portale schließen ebenso wie die Fenster der leicht heraustretenden Kreuzgiebel und jene der Dachgauben oberhalb der Portale mit Tudorbögen. Aus den Kreuzgiebeln treten abgekantete Ausluchten heraus. Ihre Windbretter sind verzierend ornamentiert.
mini|hochkant|14 Hamilton Place Hausnummern 14 und 60 Wie auch die rechts benachbarte Doppelvilla, ist auch die Villa Nr. 14 auf dem Kartenblatt von 1883 verzeichnet und gehört damit zu den frühesten Gebäude entlang des Hamilton Place. Möglicherweise entwarf der lokale Architekt John Rust die zweigeschossige Villa, die als Denkmal der Kategorie C klassifiziert ist. Entlang der südexponierten Hauptfassade ist das Mauerwerk aus grauen Granitquadern gelegt, während für die übrigen Fassaden Granitbruch verwendet wurde. Das auskragende Ecktürmchen, die zweigeschossige, abgekantete Auslucht und der mit Stufengiebel ausgeführte zentrale Kreuzgiebel sind Motive des Scottish Baronial. Das tudorbogige Portal rechts ist von einem Giebel bekrönt.
Bei Haus Nr. 60, der Eckvilla zwischen Hamilton Place und Whitehall Road, handelt es sich um die gespiegelte Ausführung von Haus Nr. 14, weshalb ebenfalls John Rust als Architekt angenommen wird und das Gebäude ebenfalls als Kategorie-C-Bauwerk klassifiziert ist.
Hausnummer 20 Die zum Haus Nr. 14 benachbarte Villa 20 Hamilton Place ist ebenfalls als Kategorie-C-Bauwerk geschützt. Das Mauerwerk der Hauptfassade des mit Motiven des Scottish Baronial ausgestaltete Villa ist aus Granitquadern gelegt, während entlang der übrigen Fassaden Granitbruch verwendet wurde. Das Portal an der asymmetrisch aufgebauten Hauptfassade ist segmentbogig bekrönt. Darüber ist eine blinde Wappenplatte eingesetzt. Links ist eine Auslucht über die gesamte Höhe geführt. Ihr polygonales Dach mit drei kleinen Gauben bildet den Abschluss des Kreuzgiebels. Schlichte Gesimse gliedern die Fassade horizontal. Das Dach ist mit grauen Schiefer eingedeckt und sein First mit Bleiplatten belegt. Der mit Gesims ornamentierte Kamin ist traufständig.
mini|hochkant|32 Hamilton Place Hausnummer 32 Für den Entwurf der zweigeschossigen Villa Nr. 32 zeichnet der lokale Architekt George Coutts (um 1851–1924) verantwortlich.George Coutts im Dictionary of Scottish Architects 1885 hatte Coutts bereits zwei Wohngebäude in der Straße geplant.Two houses, Hamilton Place im Dictionary of Scottish Architects. Am 31. Mai 1886 wurden die Planungsunterlagen eingereicht und der Bau am 3. Juni bewilligt.Dwelling house, Hamilton Place im Dictionary of Scottish Architects. Bauherr war James Lorimer. Das Gebäude ist als Kategorie-C-Denkmal eingestuft.
Das Mauerwerk der zweigeschossigen Villa ist aus grauen Granitquadern gelegt. Das Portal rechts an der Hauptfassade ist mit Kämpferfernster und Rundbogen mit ornamentiertem Schlussstein ausgeführt. Ein Gesims auf Höhe des gekehlten Traufgesimses bekrönt das am Zwerchhaus darüber eingelassene Fenster. Das quadratische Zwerchhaus mit gefasstem Rundfenster schließt mit einer geschwungenen Bleihaube, die in einer dekorativen Wetterfahne ausläuft. Links des Portals ist eine abgekantete Auslucht über beide Geschosse geführt. Das Sprossenfenster im schließenden Schweifgiebel ist schlicht bekrönt.
Hausnummern 62–96 Das Gebäudeensemble nimmt die komplette Nordseite des Hamilton Place zwischen Whitehall Road und Fountainhall Road ein. Einzig Hausnummer 98, das Eckhaus an der Fountainhall Road, ist ausgenommen. Außer den geraden Hausnummern umfasst es auch die Villen Nr. 63 und 79 auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Sämtliche Gebäude sind separat als Denkmäler der höchsten Kategorie A geschützt. Des Weiteren bilden sie zusammen ein Denkmalensemble der Kategorie A. Die meist als Doppelvillen ausgeführten Häusern teilen sich einen gemeinsamen Grundplan, der mit individuellen Variationen umgesetzt wurde. Planer war das örtliche Architekturbüro Pirie & Clyne. Der 1892 an Tuberkulose verstorbene John Bridgeford Pirie bewohnte das Haus 24 Hamilton Place. Ab 1885 wurden die Gebäude, meist durch John Morgan, ausgeführt.Pirie & Clyne, Dictionary of Scottish Architects
mini|Blick von der Fountainhall Road entlang der Gebäudezeile Die verwendeten Motive zeigen den Einfluss der klassizistischen Greek-Revival-Architektur des bedeutenden schottischen Architekten Alexander Thomson auf die Motivwelt Piries und Clynes auf. Prominent ist die Verwendung von Patera-Ornamenten, die sich möglicherweise auf die Sonnenblumen- oder Narzissenmotive des Ästhetizismus beziehen.
Hausnummern 62, 62a und 62b Bei der Einzelvilla handelt es sich um das Eckhaus zwischen Hamilton Place und Whitehall Road. Sämtliche Villen haben die bossierte Hauptfassade gemein, die hier aus grauen Granitquadern gelegt ist. Die übrigen Fassaden sind aus Granitbruch aufgemauert. Links tritt eine abgekantete Auslucht heraus, die über beide Geschosse geführt ist. Analog dem rechts eingelassenen Fenster sind die drei Fenster der Auslucht mit stilisierten Pilasterkapitellen ornamentiert. Der flache Abschluss der Auslucht ist als Balkon ausgebaut. In den Giebel oberhalb ist ein Drillingsfenster von gedrungenen Pilastern flankiert. Er ist mit Paterae ornamentiert. Das aufsitzende Giebeldreieck ist mit Paterae und stilisierten Voluten und Blume ausgeführt. Als Eckhaus befindet sich das rundbogige Eingangsportal, dessen Einfassung ein stilisiertes Hufeisen darstellt, an der nordostexponierten Seitenfassade. Zwei Rundfenster flankieren das Portal. Die Fenster des Obergeschosses sind motivisch analog jenen der Hauptfassade ausgestaltet. Zwei Zierbänder gliedern die Fassade horizontal. Die Schieferdächer sind mit bleierner Firstdeckung ausgeführt.
1898 bewohnte James Moir die Villa, der Rektor einer Sekundarschule war.James Johnstone (Hrsg.): Fasti Academiae Mariscallanae Aberdonensis, Band 3, Aberdeen University Press, Aberdeen, 1898, S. 12.
Hausnummer 63 Die gegenüber des Haus Nummer 62 stehende Eckvilla 63 Hamilton Place ist als Kategorie-B-Denkmal geschützt. Im Vergleich ist sie deutlich schlichter ausgeführt. So fehlen die Patarae- und Pilasterornamente. Das Hauptportal links an der Hauptfassade ist fein gefasst. Oberhalb der Auslucht ist ein weites Rundbogenfenster eingelassen. Der Giebel darüber ist schlicht ausgeführt. An der rechten Gebäudekante kragt eine Ecktourelle aus, deren Kegeldach im Fischschuppenmuster eingedeckt ist.
1898 bewohnte George M. Thomson das Gebäude.
Hausnummern 64–66