Der Beamtenwagen (später umbenannt in Beamtenwagen 1874/76 (1888), Beamtenwagen C/74/76 (1899) und Beamtenwagen 74/76 (1900)) war ein zweispännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für Oberapotheker und Inspektoren ab 1895.

Entwicklung Bei der Neuorganisation des Sanitätswesens im Deutschen Kaiserreich im Jahr 1867 bestand die Absicht, bei den Feldlazaretten einen Omnibus einzuführen. Darin wollte man die vorher berittenen Assistenzärzte und Beamten auf das Schlachtfeld bringen. Als ersten Wagen verwendete man dafür den Krankenwagen 1854. Im Jahr 1868 wurde ein Postwagen der Berliner Form Nr. III als Wagen zur Erprobung für solche Zwecke genutzt. Dabei stellte sich heraus, das bei diesem Wagen die Federung zu schwach war. Weitere Fehler im Wagen führten dazu, dass man von der Einführung in die Armee absah. In den Folgejahren setzte man sich an die Entwicklung eines solchen Wagens, welche sich jedoch als schwierig gestaltete. Da es zusätzlich an Geld für die Entwicklung und dem Bau fehlte, wurde der Plan im Jahr 1869 aufgegeben.

Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 waren die Ärzte weiterhin beritten, was sich damals als Vorteil herausstellte, da die Beamten so leicht wie möglich beweglich sein mussten. Nach dem Feldzug begann man zwar erneut mit der Entwicklung eines Transportwagens, allerdings nur für Beamte. Im Jahre 1874 wurde nach längeren Versuchen ein solches Fahrzeug eingeführt, welches 1876 leicht verbessert wurde. Im Jahr 1888 wurde es offiziell als Beamtenwagen bezeichnet, kurze Zeit später als Beamtenwagen 1874/76, und in die Armee eingeführt.

Technische Daten Der Beamtenwagen hatte ein Leergewicht von 600 kg und konnte 132 kg Zuladung aufnehmen. Damit hatte der Wagen ein zulässiges Gesamtgewicht von 732 kg. Die Lenkbarkeit nach jeder Seite betrug 90 Winkelgrad, nach oben oder unten konnte die Deichsel jedoch nicht gebogen werden. Die Achsen bestanden aus Schmiedeeisen ohne Achsfutter. Weiterhin bestand der Wagen aus einem Vorder- und Hintergestell. Die Vorderräder waren unterlaufend und hatten einen Durchmesser von 0,96 m. Die Hinterräder waren etwas größer und hatten einen Durchmesser von 1,23 m.

Das Vordergestell hatte eine Hinterbracke, zwei Deichselarme, zwei Druckfedern, ein Achsholz und zwei Zugstangen. Ein Spannnagel ging durch den oberen und unteren Lenkkranz hindurch und hielt den eisernen Kastenträger auf dem Vordergestell. Das Hintergestell verfügte über zwei Druckfedern, von denen der obere Teil mit dem Wagenkasten und der untere Teil mit der Hinterachse verbunden waren. Der Sitzkasten war mit einer lackierten Leinwand überzogen und verfügte über eine Klappe, welche nach vorn hin geöffnet werden konnte.

Der Wagenkasten bestand aus einem halbverdeckten Kutschkastenwagen und hatte ein Verdeck aus Leder, welches heruntergeklappt werden konnte. Im vorderen Bereich gab es zwei Vorhänge aus Leder, während es im hinteren Bereich einen abgeschlossenen Gepäckraum gab.

Einsatz Ab 1874 wurde der Beamtenwagen von Militärbeamten genutzt. Während Friedenszeiten wurden die Wagen jedoch kaum genutzt und eingelagert. Im Jahr 1901 musste eine größere Anzahl an das Ostasiatische Expeditionskorps abgegeben werden. Da es dadurch in Deutschland an solchen Wagen fehlte, baute man als Ersatz Halbverdeckwagen in Viktoriaform.

Siehe auch Liste von bespannten Fahrzeugen des Deutschen Heeres im Kaiserreich

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Militärlogistik (Deutschland) Kategorie:Militärisches Pferdefuhrwerk Kategorie:Militärsanitätswesen (Deutschland) Kategorie:Militärische Ausrüstung (Deutsches Kaiserreich)