Das Hülftebächli – früher in Schriftquellen auch als Hülftenbach aufgeführt – ist ein fast vier Kilometer langer Bach im Schweizer Kanton Basel-Landschaft und im Juragebirge. Es mündet in die Ergolz und ist damit ein indirekter Zufluss des Rheins. In der Basler Geschichte hatte das Gebiet am Brückenübergang der grossen Landstrasse kurz vor der Mündung des Baches eine Bedeutung als Schauplatz einer militärischen Auseinandersetzung im Jahr 1833 während der Basler Kantonstrennung.
Name Der 1366 erstmals bezeugte Flurname Hülften im Gebiet am Unterlauf des Hülftenbächli wird vom alten mundartlichen Pflanzennamen hülftere für den Wolligen Schneeball (viburnum lantana) hergeleitet. Das Gewässer selbst erscheint 1540 erstmals in einer historischen Quelle als Hülfftennbach.
Geographie Verlauf Der Lauf des Hülftebächli liegt fast auf seiner ganzen Länge im Gemeindegebiet von Frenkendorf, markiert im unteren Abschnitt die Grenze zwischen Frenkendorf und Pratteln und durchquert auf der kurzen letzten Strecke die Areale von Füllinsdorf und Pratteln.
Der Oberlauf des Baches heisst Weiherbächli und entwässert das Tal westlich von Frenkendorf zwischen den Bergen Madlechöpfli im Norden und Ätteberg-Bienenberg im Süden, die zum Kalkgebirge des Tafeljuras gehören. Der Bach entspringt unter dem Adlerhof, nimmt aus der Flur Rütene am Südhang des Tales mehrere kleine Nebenbäche auf und durchquert dann die Siedlung von Frenkendorf, wo die Gemeinde im Jahr 2021 einen unterirdischen Hochwasserentlastungskanal baute.
Neben dem langgezogenen Hügel in Frenkendorf, der ein Überrest einer Ebene aus Hochterrassenschotter ist, richtet der Bach seinen Lauf gegen Norden. Das Flüeacherbächli und das Erlibächli fliessen von der westlichen Anhöhe in das Tal, in welchem der Bach die Hülftematt erreicht. Am Sporn der Egg rechts vom Bach steht das 1836 errichtete Hülftendenkmal, das an die Ereignisse von 1833 erinnert. In der Schotterebene Hülfte hat sich der Bach einen bis zur Mündung in die Ergolz zunehmend tieferen Graben geschaffen, durch welchen neben dem Gewässer ein Fussweg verläuft. Der bewaldete Bachgraben hat eine ökologische Bedeutung als Wildtierkorridor durch das Ergolztal. mini|links|Luftbild des Ergolztals bei Frenkendorf, gegen Süden, mit bewaldetem Bachgraben des Hülftebächli in Bildmitte (1973) Das Hülftebächli wird von der Bahnstrecke Basel-Olten, von der Autobahn A22 und von der «Rheinstrasse» (Kantonsstrasse bzw. Hauptstrasse 2/Hauptstrasse 12) überquert. Die ehemalige Steinbrücke der Landstrasse von Basel nach Liestal wurde 1550 gebaut und später durch einen Erddamm ersetzt, um die Steigung der Strasse vom Rand des Bachgrabens zur Brücke hinunter zu verringern. Nach einer topographischen Interpretation durch Karl Stehlin dürfte bereits eine antike römische Landstrasse an dieser Stelle das Hülftebächli und möglicherweise anschliessend die Ergolz gequert haben.Karl Stehlin: Ausgrabungen in Augst 1890–1934. Augst 1994. S. 14. Eine Feldflur von Pratteln am historischen Bachübergang hat den Flurnamen Hülftebrugg. In diesem Bereich wurde um 2010 der zweistöckige Grosskreisel «Hülften» für den Knoten der A22 und der Hauptstrassen 2, 12 und 308 gebaut. Südlich der Strassenbrücke befand sich im 18. und im frühen 19. Jahrhundert die Feldbefestigung «Hülfteschanz»; heute stehen dort die Gebäude des Bauernhofes Hülftehof.
Der Mündung des Hülftebächli gegenüber liegt in Füllinsdorf das Gebiet Brütschimatt, was auf eine alte Stauvorrichtung (von mundartlich britsche für „Staubrett“, „Kanal“) hinweist. Bei der Bachmündung ist die Ergolz durch ein Wehr, das als Hülftefall bekannt ist, aufgestaut. Von dieser Staustufe aus verlief links vom Fluss und durch die Flur Widen der Mühlekanal zu der alten Mühle in Augst.Karl Stehlin: Ausgrabungen in Augst 1890–1934. Augst 1994. S. 11, 23. Das Mühlengebäude an der Ergolzbrücke von Augst wurde abgebrochen, und der Kanal ist seit der Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr in Betrieb.
In der Landschaft Hülfte und am Hülftengraben als natürliches Hindernis baute die Schweizer Armee im Zweiten Weltkrieg die «Sperrstelle Hülftenschanze».
Einzugsgebiet Das 2,61 km² grosse Einzugsgebiet des Hülftebächlis liegt im Schweizer Jura und wird über die Ergolz und den Rhein zur Nordsee entwässert.
Es grenzt im Süden und Südwesten an das Einzugsgebiet des Röserenbachs, der in die Ergolz mündet; im Westen und Nordwesten an das des Talbachs, der in den Rhein mündet und ansonsten an das der Ergolz direkt.
Das Einzugsgebiet besteht zu 24,9 % aus Bestockter Fläche, zu 44,8 % aus Landwirtschaftsfläche, zu 30,2 % aus Siedlungsfläche und zu 0,1 % aus unproduktiven Flächen.
Die Flächenverteilung
Die mittlere Höhe beträgt und der höchste Punkt ist der Ätteberg mit im Südwesten des Einzugsgebietes.
Zuflüsse Weiherbächli Lochmattbächli (rechts), 0,2 kmEigenmessung auf dem Geoserver Rütenenbächli (rechts), 0,3 km Rischbächli (rechts), 0,4 km Flüeacherbächli (links), 0,3 km Hülftebächli Hinderes Erlibächli (links), 0,3 km
Weblinks
Verlauf des Hülftebächlis auf dem Geoportal des Kantons Basel-Landschaft
Einzelnachweise
Kategorie:Frenkendorf