mini|Das Heinrich-Bosshard-Denkmal (2018) Das Heinrich-Bosshard-Denkmal ist ein Gedenkstein in Seen, einem Stadtkreis von Winterthur. Es erinnert an den Dichter und Lehrer Heinrich Bosshard (1811–1877) und wurde 1911 eingeweiht.

Geschichte Heinrich Bosshard wurde 1811 in bescheidenen Verhältnissen im Weiler Bolstern, der damals zur eigenständigen Gemeinde Seen gehörte und heute ein Ortsteil von Kollbrunn ist, geboren. 1834 trat er sein Amt als Lehrer in Schwamendingen an. Um diese Zeit schrieb er das «Sempacherlied» über die Schlacht bei Sempach und den legendarischen Heldentod Arnold Winkelrieds, das in der Vertonung von Johann Ulrich Wehrli zu einem schweizweiten Erfolg wurde. Nach ausgedehnten Reisen durch Nordamerika in den 1850er Jahren siedelte Bosshard 1860 dauerhaft in die Vereinigten Staaten über, wo er sich mit seiner Familie in der Schweizer Kolonie Highland (Illinois) niederliess und am 3. April 1877 an Typhus starb.Konrad Gachnang: Heinrich Bosshard. Ein Lebensbild. In: Schweizer Illustrierte. Heft 4, 1900, S. 598–600. Am 18. Mai 1901 wurde über dem Eingang des Schulhauses in Schwamendingen eine Gedenktafel für Bosshard angebracht.Konrad Gachnang: Schwamendingen. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 9, 27. Februar 1909, S. 1 (online). 1909 liessen Schweizer Kolonisten einen Gedenkobelisken in Highland errichten, der am 13. Juni im Beisein von Schweizamerikanern aus weitem Umkreis, unter anderem aus Chicago, St. Louis und Indianapolis, feierlich eingeweiht wurde.Das Boßhard-Denkmal in Highland. In: Der Bund. Band 60, Nr. 321, 11. Juli 1909, S. 5 (online). mini|Gedenktafel in SchwamendingenBosshards 100. Geburtstag am 8. April 1911 fand in der ganzen Schweiz Beachtung. Die Schweizerische Musikzeitung plädierte dafür, dass alle Schweizer Schüler das Sempacherlied, «dieses wichtigste, kräftigste aller Vaterlandslieder» singen müssten.Das «Sempacherlied» im Jahre 1911. In: Entlebucher Anzeiger. Band 33, Nr. 21, 15. März 1911 (online). Im Vorfeld konstituierte sich in Bosshards Geburtsgemeinde Seen unter der Leitung des Pfarrers Jakob Winkler ein Denkmalkomitee.Zürich. In: Der Bund. Abendblatt. Band 62, Nr. 168, 6. April 1911, S. 2 (online). Dieses eröffnete am 27. März eine Spendensammlung, nachdem die Einwohner bereits über 1400 Franken zusammengelegt hatten.Seen. In: Neue Zürcher Nachrichten. Zweites Blatt. Nr. 86, 28. März 1911, S. 3 (online). Den Entwurf für das Denkmal lieferten der Bildhauer Arnold Hünerwadel und der Architekt Robert Rittmeyer. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete, es solle «kein Hunderttausendfranken-Monument» werden, sondern «ein schlichtes, aber künstlerisch wirksames Denkmal», das «wie der Dichter und sein Lied – einfach, aber markig» – sei. Als Standort wurde ein Platz vor dem Ostportal der Kirche Seen ausersehen.

Die Ausführung wurde an den Bildhauer Müller in Winterthur übertragen. mini|Das Heinrich-Bosshard-Denkmal im Jahr 1911 Die Einweihung fand am Sonntag, 12. November 1911, mit einer «vielhundertköpfigen Volksmenge» statt. Zum Ein- und Ausgang spielte die «Harmonie Kyburg» je einen Militärmarsch. Pfarrer Winkler hielt als Präsident des Denkmalskomitees die Festrede. Die Gemeinde sang gemeinsam das Sempacherlied, und Sekundarschüler trugen das ebenfalls von Bosshard gedichtete Sennenlied Blybe gern bi myne Lobe («Bleibe gern bei meinen Kühen») vor.

Beschreibung und Deutung Das Denkmal steht auf einer kleinen Terrasse bei der Kirche Seen. Es wird von drei emblematischen Gegenständen bekrönt: einem Ritterhelm, einer Schriftrolle und einem Lorbeerkranz. Die Neue Zürcher Zeitung sah im Helm zunächst ein Symbol des SempacherliedsHeinrich Boßhard, der Dichter des Sempacherliedes. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Morgenblatt. Nr. 98, 8. April 1911, S. 1 f. (online). und präzisierte später, er verweise auf den Vers: «Im Helmglanz erbleicht die Mordschar».Konrad Gachnang: Die Einweihung des Heinrich Boßhard-Denkmals. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Morgenblatt. Nr. 316, 14. November 1911, S. 1 (online). Die Thurgauer Zeitung wiederum deutete ihn – wohl mit Bezug auf den Anfangsvers: «Lasst hören aus alter Zeit» – als «Symbol der alten Zeit». Die «Papierrolle» sei ein Symbol des Dichters, und der Lorbeerkranz stehe für Dichterruhm und Dichterehre.Vermischtes. In: Thurgauer Zeitung. Zweites Blatt. Nr. 269, 15. November 1911, S. 2 (online).

Auf dem Postament sind rundum Inschriften eingehauen. Im Gegenuhrzeigersinn gelesen, ergeben die obersten Zeilen die beiden ersten Verse des Sempacherlieds («Lasst hören aus alter Zeit / Von kühner Ahnen Heldenstreit»).

LASST HÖRENDEM DICHTER▭ DES ▭SEMPACHERLIEDESHEINRICHBOSSHARD AUS ALTER ZEITGEBOREN ZUBOLSTERN SEEN1811GESTORBEN ZUHIGHLAND♢ILLINOIS♢1877 VON KÜHNER AHNENDEMPATRIOTEN▭ DEM ▭WANDERER▭ UND ▭NATURFORSCHER HELDENSTREITVON SEINERHEIMATGEMEINDE▭ UND SEINEM ▭VATERLAND1911

Galerie

Siehe auch

Liste von Denkmälern im Kanton Zürich

Literatur Konrad Gachnang: Die Einweihung des Heinrich Boßhard-Denkmals. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Morgenblatt. Nr. 316, 14. November 1911, S. 1 (online).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Denkmal in der Schweiz Kategorie:Bauwerk in Winterthur Kategorie:Skulptur (1911)