500px|mini|Die Wahlkreisaufteilung des Deutschen Reichs. Der Reichstagswahlkreis Niederbayern 3 war ein Wahlkreis für die Reichstagswahlen im Deutschen Reich 1868 bis 1918.

Allgemeines Der Reichstagswahlkreis Niederbayern 3 (auch Reichstagswahlkreis Passau genannt) umfasste die Stadt Passau sowie die umliegenden Bezirksämter Bezirksamt Wegscheid, Bezirksamt Wolfstein, Bezirksamt Passau und die Gemeinde Eging vom Bezirksamt Vilshofen.

Der ländlich geprägte Wahlkreis war eine Parteihochburg der Zentrumspartei. 1883 hatte der Wahlbezirk 120.297 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1890 122.742 1895 123.371 1900 125.863 1905 130.307 1910 132.268

Berufszugehörige Männer Landwirtschaft Industrie und Gewerbe Handel und Dienstleistungen 1895 72,0 15,9 12,1 1907 68,5 17,5 14,0

Konfession Evangelisch Katholisch 1890 1,2 98,7 1905 1,2 98,7 1910 1,2 98,67

Abgeordnete Wahl Abgeordneter Partei Bild Zollparlamentswahl 1868 Adolf Krätzer Bayerische Patriotenpartei 100 px Reichstagswahl 1871 bis 1871 Franz Xaver Greil Zentrum Ergänzungswahl 1872 bis 1874 Franz Xaver Rosenberger Zentrum Reichstagswahl 1874 bis 1880 Adolf Krätzer Zentrum 100 px Ergänzungswahl 1880 bis 1882 Friedrich August Abt Zentrum 100 px Ergänzungswahl 1882 bis 1890 Johann Evangelist Diendorfer Zentrum Reichstagswahl 1890 bis 1893 Rudolf Joseph Jakob Weiß Zentrum 100 px Reichstagswahl 1893 bis 1912 Franz Seraph von Pichler Zentrum 100 px Reichstagswahl 1912 bis 1918 Sebastian Matzinger Zentrum 100 px

Wahlen

Zollparlamentswahl 1868 Bei der Zollparlamentswahl 1868 fand nur ein Wahlgang statt. Die Zahl der abgegebenen gültigen Stimmen betrug 9890. 51 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Adolf Krätzer Bayerische Patriotenpartei 8052

Reichstagswahl 1871 Bei der Reichstagswahl 1871 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 21.573, die Zahl der gültigen Wählerstimmen 12.612. Die Wahlbeteiligung betrug 58,5 %. 9 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen von Wulffen LRP 5653 Franz Xaver Greil Zentrum 6952 Sonstige 7

Ergänzungswahl 1872 Franz Xaver Greil starb am 14. Dezember 1871, daher kam es am 15. April 1872 zu einer Ergänzungswahl. Es fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 24.517, die Zahl der gültigen Wählerstimmen 12.889. Die Wahlbeteiligung betrug 56,6 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Max Wieninger NLP 2854 Franz Xaver Rosenberger Zentrum 10.991 Sonstige 34

Reichstagswahl 1874 Bei der Reichstagswahl 1874 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 25.041, die Zahl der gültigen Wählerstimmen 15.921. Die Wahlbeteiligung betrug 63,8 %. 52 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Max Wieninger NLP 2238 Adolf Krätzer Zentrum 13.667 Sonstige 16

Reichstagswahl 1877 Bei der Reichstagswahl 1877 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 25.432, die Zahl der gültigen Wählerstimmen 13.045. Die Wahlbeteiligung betrug 51,4 %. 38 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen NLP 2366 NLP 29 Adolf Krätzer Zentrum 10.516 Sonstige 134

Reichstagswahl 1878 Bei der Reichstagswahl 1878 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 25.151, die Zahl der gültigen Wählerstimmen 11.718. Die Wahlbeteiligung betrug 46,7 %. 17 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Dr. Egger NLP 2488 Adolf Krätzer Zentrum 9210 Sonstige 20

Ergänzungswahl 1880 Adolf Krätzer legte sein Mandat am 8. März 1880 krankheitshalber nieder, daher kam es am 21. Mai 1880 zu einer Ergänzungswahl. Es fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 25.151, die Zahl der gültigen Wählerstimmen 9385. Die Wahlbeteiligung betrug 38,2 %. 9 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Dr. Egger NLP 1790 Friedrich August Abt Zentrum 7494 Sonstige 101

Reichstagswahl 1881 Bei der Reichstagswahl 1881 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 23.959, die Zahl der gültigen Wählerstimmen 5668. Die Wahlbeteiligung betrug 23,7 %. 1 Stimme war ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Niedermayer Liberal 319 Gutsbesitzer Zahler Liberal 119 Bezirksamtmann Hilz Liberal 74 Gutsbesitzer Friedrich August Abt Zentrum 5095 Sonstige 61

Ergänzungswahl 1882 Friedrich August Abt starb am 1. Mai 1882, daher kam es am 20. Juli 1880 zu einer Ergänzungswahl. Es fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 23.959, die Zahl der gültigen Wählerstimmen 3540. Die Wahlbeteiligung betrug 14,8 %. 3 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Niedermayer Liberal 59 Gutsbesitzer Hilz Liberal 35 Gutsbesitzer Johann Evangelist Diendorfer Zentrum 3346 Sonstige 101

Reichstagswahl 1890 Bei der Reichstagswahl 1890 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 23.633, die Zahl der Wähler 10.812. Die Wahlbeteiligung betrug 45,7 %. 14 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Johann Kerber NLP 2222 20,6 % Fabrikant, Granitwerkbesitzer, Kittlmühle, Büchlberg Georg von Vollmar SPD 312 2,9 % Rudolf Joseph Jakob Weiß Zentrum 8194 75,9 % Zentrum 30 0,2 % Sonstige 40 0,4 %

Reichstagswahl 1893 Bei der Reichstagswahl 1893 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 24.104, die Zahl der Wähler 13.438. Die Wahlbeteiligung betrug 55,8 %. 23 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Wimmer BB 6024 44,9 % Ökonom, Ergolding Georg von Vollmar SPD 634 4,7 % Franz Seraph von Pichler Zentrum 6712 50,0 % Sonstige 45 0,4 %

Ergänzungswahl 1895 Da das Mandat von Pichler für ungültig erklärt worden war, kam es zu einer Ergänzungswahl. Bei der Ergänzungswahl am 27. März 1895 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 24.958, die Zahl der Wähler 13.473. Die Wahlbeteiligung betrug 54,0 %. 16 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Kramer BB 2943 15,2 % Schmid BB 847 6,3 % Höpfl BB 817 6,1 % Franz Seraph von Pichler Zentrum 8817 65,5 % Schmerold Unabhängiger 915 6,8 % Sonstige 45 0,4 %

Reichstagswahl 1898 Bei der Reichstagswahl 1898 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 24.808, die Zahl der Wähler 11.112. Die Wahlbeteiligung betrug 44,8 %. 34 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Johann Habereder BB 3366 30,4 % Gastwirt, Tittling Ludwig Quidde DVP 100 0,9 % Schmid SPD 318 2,9 % Franz Seraph von Pichler Zentrum 7196 64,9 % Sonstige 108 0,9 %

Reichstagswahl 1903 Bei der Reichstagswahl 1903 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 25.489, die Zahl der Wähler 12.787. Die Wahlbeteiligung betrug 50,2 %. 48 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Anton Voreck BB 1294 10,2 % Kaminkehrer, Schöneck Johann Kerber NLP 1668 13,1 % Fabrikant, Granitwerkbesitzer, Kittlmühle, Büchlberg Georg von Vollmar SPD 1569 12,3 % Franz Seraph von Pichler Zentrum 8170 61,1 % Sonstige 38 0,3 %

Reichstagswahl 1907 Die liberalen Parteien NLP, FVP und DVP einigten sich auf einen NLP-Kandidaten als gesamtliberalen Kandidaten.

Bei der Reichstagswahl 1907 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 26.364, die Zahl der Wähler 16.452. Die Wahlbeteiligung betrug 62,4 %. 60 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Eisenberger BB 947 5,8 % Renauld NLP 1786 10,9 % Peter Holl SPD 1719 10,5 % Franz Seraph von Pichler Zentrum 11.893 72,5 % Sonstige 47 0,3 %

Reichstagswahl 1912 Der Gutsbesitzer Runkel war gemeinsamer Kandidat von NLP und Fortschrittlicher Volkspartei.

Bei der Reichstagswahl 1912 fand ein Wahlgang statt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 26.915, die Zahl der Wähler 18.541. Die Wahlbeteiligung betrug 68,9 %. 61 Stimmen waren ungültig.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Machl BB 1448 7,8 % Runkel NLP 1859 10,1 % Holl SPD 2481 13,4 % Sebastian Matzinger Zentrum 12.658 68,5 % Sonstige 34 0,2 %

Wahlkomitee der Zentrumspartei Das Wahlkomitee der Zentrumspartei im Wahlkreis bestand aus Geistlichen, Gemeindevorstehern, Bürgermeistern, Landwirten, Gewerbetreibenden und weiteren Honoratioren aus Stadt und Land des niederbayerischen Raums. Es wurde aufgrund der Reichstagswahl 1890 gebildet, die am 20. Februar 1890 stattfand. Im Vorfeld der Reichstagswahl 1890 veröffentlichte das Passauer Wahlkomitee einen öffentlichen Wahlaufruf sowie eine namentliche Unterstützerliste, um Geschlossenheit und Mobilisierungskraft zu demonstrieren.

In dem veröffentlichten Aufruf rief das Wahlkomitee die katholischen Wähler des Wahlkreises Passau dazu auf, geschlossen für den Kandidaten der Zentrumspartei zu stimmen. Der Text betonte die Bedeutung des katholischen Glaubens, der kirchlichen Rechte sowie der sozialen Ordnung und stellte die Zentrumspartei als Schutzmacht gegen liberalen und antikirchlichen Einfluss dar.

Das Wahlkomitee setzte sich aus einer breiten regionalen Elite zusammen. Unter den Unterzeichnern befanden sich:

Geistliche (Pfarrer, Benefiziaten, Domkapitulare) Bürgermeister und Gemeindevorsteher Landwirte, Müller und Gastwirte Kaufleute, Handwerker und Beamte

Diese Zusammensetzung spiegelte die enge Verbindung zwischen Kirche, lokaler Verwaltung und politischer Organisation der Zentrumspartei in Niederbayern wider.

Mitglieder des Wahlkomitee I. Vorsitzender: August Wisnet, Königlicher Advokat

II. Vorsitzender: Franz Xaver Rosenberger, Königlicher Kommerzienrath

Unterteilt in Namen, Beruf, Ort und den jeweiligen Bezirksamt Passau, Grafenau, Wolfstein, Wegscheid.Donau-Zeitung, Nr. 36, 12. Februar 1890