Caldivirga ist eine Gattung von Archaeen in der Familie Thermoproteaceae des Phylums (Stamms) Thermoproteota. Di Typusart und einzige offiziell beschriebene Art ist Caldivirga maquilingensis, auch wenn es eine Reihe von Hinweisen auf weitere Arten durch Gensequenzen z. B. aus der Metagenomik gibt.
Beschreibung Der Erstbeschreibung der Gattung und ihrer Typusart liegen die beiden hyperthermophilen (extrem wärmeliebenden), stäbchenförmigen Stämme () IC-166 und IC-167 zugrunde, die aus Proben vom Boden einer sauer-heißen Quelle (Solfatar, 70 °C, ) respektive heißem Quellwasser (70 °C, ) auf den Philippinen isoliert wurden.
Morphologie und Vermehrung Die Zellen dieser Stämme sind nicht motil (zur aktiven Bewegung fähig), meist regelmäßig gerade oder leicht gekrümmt mit einer Breite von 0,4 bis 0,7 μm. Die Länge der Zellen ist sehr variabel und liegt meist zwischen 3 und 20 μm, gelegentlich bis zu 50 μm. Häufig sind neben gekrümmten auch verzweigte Zellen zu beobachten oder Zellen, die kugelförmige sog. Globularkörper tragen. Diese haben einem Durchmesser von 2–5 μm und bilden sich in der Regel an einem Ende der Zellen, manchmal auch an beiden Enden oder seitlich. Die Zellen scheinen sich durch Einengung zu teilen. Sie haben Pili, die terminal, lateral oder peripher angebracht sind. Die Lipide bestehen hauptsächlich aus verschiedenen cyclisierten (ringförmig geschlossenen) Glycerolbisdiphytanyl-Glycerol-Tetraethern.
Stoffwechsel und Kultivierung Die Isolate sind heterotroph und wachsen streng anaerob (ggf. mikroaerob – bei minimaler Sauerstoffkonzentration). Die Zugabe von Archaeen-Zellextrakt oder einer Vitaminmischung zum Medium stimuliert das Wachstum deutlich. Die Isolate wachsen in einem Temperaturbereich von 60–92 °C (optimal bei etwa 85 °C) und in einem pH-Bereich von 2,3–6,4 (optimal bei pH 3,7–4,2). Die beiden Isolate nutzen Glykogen, Gelatine, Rindfleischextrakt, Pepton, Trypton und Hefeextrakt als Kohlenstoffquellen. Als Elektronenakzeptoren benötigten sie Schwefel, Sulfat oder Thiosulfat. Das Vorhandensein von Kohlendioxid (C02) in der Gasphase fördert das Wachstum leicht. Als Folge des Wachstums lässt sich Sulfid nachweisen.
Genom und Systematik Die DNA des Genoms hat einen G+C-Gehalt von 43 mol%. Die 16S-rDNA für die 16S-rRNA enthält zwei kleine Introns. Der Vergleich der 16S-rDNA-Exonsequenzen ergab, dass die beiden Stämme eine eigenständige Linie (Gattung Caldivirga) innerhalb der Familie Thermoproteaceae darstellten, aber aufgrund ihrer hohen DNA-Verwandtschaft untereinander einer einzigen Spezies Caldivirga maquilingensis zugeordnet. Dabei wurde IC-167 als Typstamm von C. maquilingensis ausgewählt (mit Aliasen JCM 10307, 1200 oder ANMR 017).
Systematik Die derzeit akzeptierte Taxonomie basiert auf der (LPSN) und dem (NCBI), ergänzt um Einträge aus der (GTDB), Stand: 12. Januar 2026:
Gattung Caldivirga Itoh et al. 1999(L,N,G) Art Caldivirga maquilingensis Itoh et al. 1999(L,N,G) (Typusart) Stamm ANMR 178 alias ATCC 700844, DSM 13496, JCM 10307, MCC-UPLB 1200(L,N) oder (N,G) Stamm IC-166
Caldivirga sp001663375(G) Stamm MU80(N,G) Stamm MG_3(N,G) Stamm EvPrim.Bin7(N,G) Stamm RSNS11(N,G) Stamm RSEP4(N,G)
Spezies Caldivirga sp002506515(G) Stamm UBA161(N,G)
Spezies Caldivirga sp023256255(G) Stamm KMA_Bin28(G) Stamm MAG31(N,G)
Spezies Caldivirga sp028275645(G) Stamm RSNS23(N,G)
Spezies Caldivirga sp. SS15(N) Stamm SS15(N)
Spezies Caldivirga sp. SS79(N) Stamm SS79(N)
Spezies Caldivirga sp. SYC29(N) Stamm SYC29(N)
Spezies Caldivirga sp. CIS_19(N) [=?Thermoproteus sp. CIS_19 syn. Thermoproteus sp002077075(G)] Stamm CIS_19(N)
Spezies Caldivirga sp. JCHS_4(N) [=?Vulcanisaeta sp. JCHS_4 syn. Vulcanisaeta sp001516765(G)] Stamm JCHS_4(N)
L – (LPSN), Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) N – Taxonomie des (NCBI) G – (GTDB) Wo nicht anders angegeben ist der erste Stamm (bzw. das erste MAG) Typusstamm () für die jeweilige Spezies.
Etymologie Der Gattungsname Caldivirga setzt sich zusammen aus dem en Adjektiv und dem fem. Substantiv , bedeutet also ‚heißer Stab‘.
Der Artnamenszusatz maquilingensis bezieht sich auf den Mount Maquiling, einen Vulkan auf den Philippinen, der lat. adjektivische Suffix macht daraus die Bedeutung ‚zum Maquiling gehörig‘ oder ‚vom Maquiling‘.
Weiterführende Literatur
Andrea M. Lencina, Ziqiao Ding, Lici A. Schurig-Briccio, Robert B. Gennis: Characterization of the Type III sulfide:quinone oxidoreductase from Caldivirga maquilingensis and its membrane binding. In: Biochimica et Biophysica Acta (BBA): Bioenergetics, Band 1827, Nr. 3, 25. Oktober 2012, S. 266–275; doi:10.1016/j.bbabio.2012.10.010, , PMID 23103448 ().
Einzelnachweise LPSN: Genus Caldivirga Itoh et al. 1999. Dazu: BacDive: Caldivirga, Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ). NCBI: Caldivirga, Details: Caldivirga Itoh et al. 1999 (genus); graphisch: Caldivirga, auf Lifemap. GTDB: Caldivirga.
Takashi Itoh, Ken-ichiro Suzuki, Priscilla C. Sanchez, Takashi Nakase: Caldivirga maquilingensis gen. nov., sp. nov., a new genus of rod-shaped crenarchaeote isolated from a hot spring in the Philippines. In: International Journal of Systematic Bacteriology, Band 49, Nr. 3, 1. Juli 1999, S. 1157–1163; doi:10.1099/00207713-49-3-1157, PMID 10425774 ().
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