Die Bonner Stadtbahn ist Teil des öffentlichen Personennahverkehrs in Bonn, im umliegenden Rhein-Sieg-Kreis und in der Stadt Köln. Das Netz umfasst den Stadtbahnverkehr in Bonn und im umgebenden Rhein-Sieg-Kreis.
Je nach Tageszeit verkehren vier bis sechs Linien, durch seine zwei Überlandlinien ist das Netz mit dem der Stadtbahn Köln verknüpft. Daher werden die beiden Netze zusammengenommen gelegentlich als Stadtbahn Rhein-Sieg bezeichnet. Neben der Stadtbahn existiert in Bonn ein Straßenbahnnetz mit drei Linien, mit der sich die Stadtbahn zwei Streckenabschnitte teilt. Es gelten die Tarife des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS).
Im gesamten Netz verkehrt der gemeinsame Fahrzeugpark von SWB Bus und Bahn und der Elektrischen Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises (SSB). Auf den beiden Überlandlinien nach Köln kommen überwiegend Fahrzeuge der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) zum Einsatz, die SWB/SSB stellen auf beiden Linien etwa ein Viertel der Kurse.
Das gesamte Streckennetz hat eine Länge von 125,36 Kilometern, davon sind 95,84 Kilometer Stadtbahn und 29,52 Kilometer Straßenbahn, im Stadtbahnnetz misst der unterirdische Abschnitt 8,72 Kilometer. Von den 64 Bahnhaltestellen liegen 12 unterirdisch. Die meistfrequentierte Linie (66) befördert täglich rund 56 000 Fahrgäste.
Linien Stadtbahn
Die Bonner Stadtbahn verfügt über drei ständig verkehrende Linien, dazu kommen drei Linien mit eingeschränkten Verkehrszeiten:
Verlauf Länge Durchschnitt Haltestellenabstand 16 Köln-Niehl Sebastianstr. – Köln Hbf – Neumarkt – Wesseling – Hersel – Tannenbusch – Bonn Hbf – Heussallee – Hochkreuz – Bad Godesberg Bf – Stadthalle 45,6 km13,6 km in Bonn 33,4 km/h34,0 km/h in Bonn 950 m756 m in Bonn 18 Köln-Buchheim Herler Str. – Köln Hbf – Neumarkt – Hürth – Brühl – Bornheim – Alfter – Dransdorf – Bonn Hbf 48,4 km4,8 km in Bonn 33,4 km/h38,0 km/h in Bonn 1008 m1200 m in Bonn 63 Tannenbusch Mitte – Bonn Hbf – Heussallee – Hochkreuz – Bad Godesberg Bf – Stadthalle 12,3 km 32,1 km/h 724 m 66 Siegburg Bf – Sankt Augustin – Vilich – Beuel – Stadthaus –Bonn Hbf – Heussallee – Rheinaue – Ramersdorf – Oberkassel – Königswinter – Bad Honnef 30,0 km15,0 km in Bonn 31,0 km/h31,0 km/h in Bonn 833 m789 m in Bonn 67 Siegburg Bf – Sankt Augustin – Vilich – Beuel – Stadthaus –Bonn Hbf – Heussallee – Hochkreuz – Bad Godesberg Bf – Stadthalle 20,0 km13,7 km in Bonn 28,6 km/h26,5 km/h in Bonn 741 m721 m in Bonn 68 Bornheim – Alfter – Dransdorf – Bonn Hbf – Heussallee – Rheinaue – Ramersdorf 16,8 km12,5 km in Bonn 37,3 km/h36,3 km/h in Bonn 933 m893 m in Bonn
mini|hochkant=4|zentriert|Verlauf der Stadtbahnlinien (schematisch)
Straßenbahn
Neben den Stadtbahn- sind drei Straßenbahnlinien verblieben, die seit 1994 mit Niederflurfahrzeugen bedient und schrittweise barrierefrei ausgebaut werden. Teilweise befahren sie dieselben Strecken wie die Stadtbahnlinien. Weil die Straßenbahnlinien größtenteils auf Strecken ohne eigene Trassen verkehren, also vom Straßenverkehr abhängig sind, ergeben sich nahezu täglich während der Zeiten des Berufsverkehrs große Unregelmäßigkeiten im Fahrplan.
Verlauf Länge Durchschnitt Haltestellenabstand 61 Dottendorf – Kessenich – Südstadt – Bonn Hbf – Stadthaus – Castell – Graurheindorf – Auerberg 8,8 km 16,5 km/h 400 m 62Dottendorf – Kessenich – Südstadt – Bonn Hbf – Stadthaus – Bertha-von-Suttner-Platz – Beuel – Beuel Bf – Küdinghoven – Limperich – Ramersdorf – Oberkassel Süd 12,0 km 22,5 km/h 480 m 65 (Ramersdorf – Limperich – Küdinghoven –) Beuel Bf – Beuel Mitte – Bertha-von-Suttner-Platz – Graurheindorf – Auerberg 9,5 km 22,8 km/h 500 m
mini|hochkant=4|zentriert|Verlauf der Straßenbahnlinien (schematisch) mini|hochkant=3|zentriert|Verlauf der Straßenbahnlinien im Stadtplan
Betrieb
Montag bis Freitag verkehren die Straßen- und Stadtbahnlinien ab 4:30 Uhr alle 30 Minuten und ab 5:30 Uhr verkehren die Linien 16, 61, 62 und 66 alle zehn Minuten (Ausnahme ist der Streckenast Bad Honnef–Ramersdorf/Königswinter, Linie 66). Die Linie 16 fährt zwischen 5:00 Uhr und 9:00 Uhr und zwischen 15:00 Uhr und 18:00 Uhr in einem Zehn-, sonst in einem Zwanzigminutentakt. Die Linie 63 dient hier als Taktlückenfüller und verkehrt in der Nebenverkehrszeit zwischen Tannenbusch Mitte und Stadthalle versetzt zu der Linie 16 ebenfalls im 20-Minuten-Takt, so dass ganztägig eine Taktfrequenz von 10 Minuten auf Bonner Stadtgebiet angeboten werden kann. In der Hauptverkehrszeit fährt die Linie 63 auch alle 20 Minuten, wodurch mit der Überlagerung mit der Linie 16 eine Angebotshäufigkeit von 9 Zügen pro Stunde zwischen Tannenbusch Mitte und Bad Godesberg entsteht (die Züge verkehren im Abstand von 2 bis 10 Minuten). An Wochenenden fahren zwei Takte stündlich der Linie 63 eine Station weiter nördlich bis Buschdorf, sie werden aber nicht als 63, sondern als Linie 16 gefahren. So kommt es vor, dass die Linie 16 an Wochenenden drei unterschiedliche Takte besitzt:
1. Köln-Niehl – Dom/Hbf – Wesseling
2. Köln-Niehl – Dom/Hbf – Wesseling – Bonn-Buschdorf – Bonn Hbf – Stadthalle
3. Bonn-Buschdorf – Bonn Hbf – Stadthalle
Auf der Linie 18 wird ein Zwanzigminutentakt angeboten, der durch die Verstärkerlinie 68 zwischen Bornheim und Hauptbahnhof in den Hauptverkehrszeiten in der Hauptlastrichtung während 40 Minuten auf einen annähernden zehnminütigen Takt verdichtet wird. Auch die Linie 67 besteht nur aus Einzelfahrten. Sie verstärkt an Schultagen in der Hauptverkehrszeit morgens den Siegburger Ast der Linie 66. Durch die Linien 67 und 68 werden einige direkte Fahrten bis ins Bonner Bundesviertel angeboten, da dort besonders viele Arbeitsplätze liegen.
Die Straßenbahnlinien 61 und 62 verkehren tagsüber im Zehnminutentakt, zwischen Stadthaus und Dottendorf ergibt sich durch Überlagerung ein Fünfminutentakt. In der Hauptverkehrszeit morgens zwischen 7 und 8 Uhr bzw. nachmittags zwischen 12 und 18 Uhr wird die Linie 61 zwischen Heinrich-Hertz-Europakolleg und Bonn Hauptbahnhof durch Verstärkerfahrten auf 9–10 Fahrten pro Stunde verstärkt. Die Linie 65 wird nur durch Ein- und Ausrückfahrten der Linie 61 und im Schülerverkehr bedient.
Nach 20:30 Uhr wird auf allen Linien ein 15- bzw. 30-minütiger Takt angeboten. Um 0:30 Uhr ist Betriebsschluss. Auf der Linie 66 besteht zudem seit Dezember 2013 in den Nächten von Freitag auf Samstag sowie von Samstag auf Sonntag ein durchgehender Nachtverkehr im Stundentakt zwischen Siegburg und Bonn Hbf mit Anschluss an die Nachtbusse. Die Linien 16 und 18 verkehren in den Nächten von Freitag auf Samstag sowie von Samstag auf Sonntag ebenfalls durchgehend bis nach Bonn.
Geschichte mini|Stadtbahnkonzept 1972 mini|Eröffnung der Stammstrecke (1975) mini|U-Bahn-Bau in Bad Godesberg (1989)
Mitte der 1960er Jahre gab es in Bonn Schienenstrecken, die fünf unterschiedlichen Unternehmen gehörten. Neben den Eisenbahnstrecken der Bundesbahn (DB) und der Köln-Bonner Eisenbahn (KBE) existierten gleich drei Straßenbahnbetriebe:
Die Bahnen der Stadt Bonn (SWB) betrieben ein innerstädtisches Straßenbahnnetz, das in den 1950er Jahren stark ausgedünnt worden war und teilweise durch den Oberleitungsbus Bonn ersetzt wurde. Die Elektrischen Bahnen der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises (SSB) betrieben zwei Überlandstraßenbahnstrecken von Bonn über Beuel nach Siegburg bzw. Bad Honnef. Die Straßenbahn Bonn–Godesberg–Mehlem (BGM) betrieb eine Straßenbahnstrecke von Bonn durch das Regierungsviertel über Bad Godesberg nach Mehlem.
Insbesondere für eine Stadt von damals gerade einmal 140 000 Einwohnern erschien diese Vielfalt unzweckmäßig. Neben der wachsenden Konkurrenz durch den Autoverkehr kam als besonderer Faktor noch die Bundesregierung und der Sitz des deutschen Parlaments (Deutscher Bundestag) hinzu, die sich gerade auf einen längeren Verbleib in ihrer „provisorischen“ Bundeshauptstadt einrichtete und bestrebt war, das „Bundesdorf“ zu einer modernen Hauptstadt auszubauen. Da nach dem damaligen Verständnis von Modernität eine Straßenbahn nicht ins Stadtbild gehörte, war der Bund bereit, erhebliche Summen für deren Beseitigung bereitzustellen.
Der Bonner Stadtrat beschloss 1967 ein neues Verkehrskonzept, das den Bau einer U-Bahn zwischen Bonn und Bad Godesberg beinhaltete. Im Oktober des gleichen Jahres erfolgte in Anwesenheit der Bundesminister Strauß und Leber der erste Rammschlag. Das Konzept sah für den Tunnel einen Mischbetrieb von Straßenbahnzügen der SSB und projektierten dreiteiligen Aluminium-Schnelltriebwagen der KBE auf der Basis des „Silberpfeils“ vor. Letztere wurden nie gebaut, jedoch wurde kurz darauf nach ähnlichen Parametern die DB-Baureihe 420 entwickelt. Ende der 1960er Jahre geriet die KBE in ernsthafte finanzielle Schieflage und konnte nur durch Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen vor dem Kollaps bewahrt werden, womit ihre Expansionspläne hinfällig wurden.
Stattdessen sollten die Eisenbahnstrecken der KBE nach dem „Stadtbahnerlass“ von 23. Februar 1970 genutzt werden, um durchgehende Verbindungen in das Kölner Straßenbahnnetz zu schaffen. Die Anforderungen, die Fahrzeuge nach Eisenbahnrecht zuzulassen, die engen Kölner Straßenbahntunnel zu befahren, die begrenzten Lasten der Kölner Rheinbrücken und die deutlich geringeren Kosten führten schließlich zur Entwicklung der Stadtbahnwagen B anstelle der vom Land vorgesehenen Stadtbahnwagen A.
Schließlich wurde ein Gesamtkonzept „Stadtverkehr Bundeshauptstadt Bonn“ entwickelt, das der Stadtrat am 15. Juni 1972 verabschiedete. Für die Stadtbahn waren eine Nord-Süd-Achse A, eine Ost-West-Achse B und eine ergänzende Strecke C vorgesehen. Die Achse A wurde bis 1986 vollständig verwirklicht, die Achse B blieb auf den östlichen Teil beschränkt, im Westen klafft immer noch eine Lücke. Die C-Achse entspricht der Linie 61, die dauerhaft eine mit Niederflurwagen bediente Straßenbahnstrecke bleiben soll.
Nachdem seit 1974 bereits auf der Siegburger Bahn Stadtbahnwagen eingesetzt worden waren, begann mit der Eröffnung der Stammstrecke am 22. März 1975 offiziell der Stadtbahnbetrieb in Bonn.
Strecken
Die Strecken der Bonner Stadtbahn sind ehemalige Straßen- und Eisenbahnstrecken, die entweder oberirdisch für den Stadtbahnbetrieb umgerüstet wurden oder durch Tunnelabschnitte ersetzt wurden. Die einzige Strecke, die keinen Vorgänger hatte, ist die Strecke über die Südbrücke.
Die Aufteilung der einzelnen Strecken ist nicht immer eindeutig. Die hier gewählte Einteilung trennt die Strecken an den Punkten, an denen sich mehrere Linien treffen oder trennen.
Stammstrecke mini|Karte der Stammstrecke
Als Stammstrecke des Netzes kann man die acht Kilometer lange Strecke zwischen dem U-Bahnhof Hauptbahnhof und der Stadthalle im Stadtteil Bad Godesberg bezeichnen, die von fast allen Stadtbahnlinien zumindest teilweise bedient wird. Ein Teil der Strecke verläuft in einem 1975 eröffneten Tunnel, der die 1949 stillgelegte Strecke der Straßenbahnlinie 3 in der Adenauerallee und die bis 1975 oberirdische Strecke der Straßenbahn Bonn–Godesberg–Mehlem (BGM) in der Kaiserstraße ersetzte.
Da im Bereich des Anschlusses der Franz-Josef-Strauß-Allee an die Friedrich-Ebert-Allee zunächst ein Umbau der Straßenoberfläche nur geplant war und erst Jahre später (2008–2010) umgesetzt wurde, war eine spätere Verlängerung des Tunnels von 1975 um circa 500 Meter in Richtung der Haltestelle Ollenhauerstraße nötig geworden. Dazu konnte ein bis dahin für den Richtungswechsel genutztes Betriebsgleis unter dem südlichen Bereich der Haltestelle Heussallee mit verwendet werden. Mit Fertigstellung der neuen Rampe konnte dieser Streckenumbau 2010 in Betrieb genommen werden.