Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt ist ein deutscher Musikfilm, den Charles Klein 1933 nach einem Drehbuch von Franz Rauch um den populären Walzerschlager „Die Dorfmusik“ (Liedanfang: „Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt“) von Mart Fryberg mit dem Text von Teo von Donop und Peter Kirsten für die Terra Film AG (Berlin) mit beliebten Darstellern wie Harry Liedtke, Maria Paudler, Werner Finck, Jakob Tiedtke, Else Elster, Carl de Vogt und Carsta Löck inszenierte.

In einer komischen Nebenrolle war der Magdeburger Musikant und Komiker Paul Beckers zu sehen, den das Kinopublikum bereits von seinen stummen Fliegentüten-Heinrich-Filmen her kannte. In einer weiteren Nebenrolle war der von seinen Auftritten in der „Katakombe“ und im Kabarett der Komiker „KaDeKo“ in Berlin bekannte Kabarettist und Autor Werner Finck besetzt.

Für die junge Carsta Löck war dies der Film, in dem sie ihren ersten Auftritt vor der Kamera hatte.

Handlung Der spleenige Baron Ottfried von Hannstein, ein weltabgewandter Gutsbesitzer, hat sich der Esoterik und Astrologie zugewandt und lässt seinen Gutshof zunehmend verkommen. Die Arbeit bleibt demzufolge liegen, obwohl Fritz Wendthofer, der treue Gutsverwalter des Barons, alles tut, den Betrieb irgendwie aufrechtzuerhalten. Trotz aller Mühen kann er aber nicht verhindern, dass das Anwesen kurz vor dem Ruin steht. Franz, dem Diener des Barons, geht es ähnlich, obwohl er bemüht ist, den Alltag seines Arbeitgebers auf seine Weise zu organisieren.

Die Lage ändert sich, als die erfolgreiche und mit Pragmatismus gesegnete Schriftstellerin Gerda Lansberg in das ländliche Dorf kommt. Lansberg ist eine moderne, warmherzige Frau, die hier das Leben studieren möchte. Als sie von dem exzentrischen Baron erfährt, ist sie neugierig und sucht die Nähe des seltsamen Mannes. Verhältnismäßig schnell ist ihr klar, dass sich der Baron nur in die Esoterik flüchtet, um sich der ihn umgebenden Einsamkeit nicht stellen zu müssen und seine Angst vor dem Leben zu verbergen.

Gerda Lansberg ist klug genug, um sich mit psychologischem Geschick, ihrem Humor und der ihr eigenen Tatkraft in das Leben von Hannsteins einzunisten und frischen Wind nicht nur in das Schloss, sondern auch in das Leben des Barons zu bringen. Tatsächlich erwacht die alte Tatkraft in ihm und gemeinsam mit seinem Gutsverwalter kümmert er sich um sein Anwesen und die bisher aufgeschobenen Dinge. Und das alles hat er Gerda zu verdanken, in die er sich längst verliebt hat. Zurück im realen Leben rettet er seinen Hof und Gerda wird die neue Baronin und die Frau an seiner Seite.

Produktionsnotizen Die Produktion der Berliner Terra-Film AG wurde von Karl Hasselmann photographiert. Paul May assistierte der Regie und besorgte den Filmschnitt. Aufnahmeleiter war Conny Carstennsen. Der Film lag der Reichsfilmzensur zur Prüfung am 22. August 1933 vor. Die Uraufführung fand am 25. August 1933 in Berlin statt.

Rezeption In der Zeitung Mitteldeutsche Neuste Nachrichten / Merseburger Korrespondent wurde der Film wie folgt rezensiert:

Aufführungen In Dresden führten die Zentrum-Lichtspiele, Seestraße 13,Zentrum-Lichtspiele. In: isgv.de, Erstaufführungstheater, 744 Sitzplätze, eigenes Orchester, Oskalyd-Orgel, versenkbarer Orchesterraum mit Platz für 20 Musiker. den Film am 24. August 1933 auf.

Laut einer Besprechung von E.v.K. in den Hamburger Nachrichten Nr. 423, Morgenausgabe vom 10. September 1933, S. 2.E.v.K.: Wenn am Sonntag Abend die Dorfmusik spielt. Lessing-Theater. In: Filmschau. HN, Morgenausgabe, 10.09.1933, Nr. 423, auf S. 2; dazu vgl. Segeberg, Scheidgen, Schröter: NS-Medien in der Metropolregion Hamburg. Fallstudien zur Mediengeschichte des Dritten Reiches, S. 124, Anm. 55 Besprechung einer Aufführung von Wenn am Sonntag Abend die Dorfmusik spielt. und S. 129 Anm. 55. lief der Film im Lessing-Theatereröffnet 1913 als Lessing-Theater, nachmals Ufa-Palast, vgl. UFA – PALAST. In: allekinos.com. am Gänsemarkt in Hamburg.

Die Tonbild-Bühne Leuna zeigte Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt am 6. Januar 1934.vgl. Mitteldeutsche Neuste Nachrichten / Merseburger Korrespondent, 60.Jahrg. Nr. 5 vom 6. Januar 1934, S. 5.

Die "Luna-Lichtspiele" im Pfälzer Hof, nachmals Oli-Lichtspiele Nieder-Olm, führten Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt am 27. Oktober 1934 auf.Filmprogramme im amtlichen Nachrichtenblatt der Gemeinde Nieder-Olm, 4. Jhg., Nr. 43, bei: Peter Weisrock, Das Nieder-Olmer Kino, S. 16 : “1934.10.27 Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt 4. Jhg., Nr. 43"

Zeugnisse aus der Überlieferung Wie die NSDAP den Film in ihre Maßnahmen zur 'Volkserziehung' vorteilhaft einzuspannen wusste, belegt eine Parteiamtliche Bekanntmachung, welche die Mitteldeutsche Nationalzeitung, am Sonntag, 25. August 1935 abdruckte:

In derselben Rubrik wurde ein Filmabend mit diesem Film beim Wasserturm Süd als voller Erfolg [...] im überfüllten Saale beschrieben.

Derartige Einsätze waren kein Einzelfall:

Dass diese 'Erziehung' ihren Niederschlag bald auch in der Sprache fand, belegen die Formulierungen, die der Rezensent der Aufführung in der Tonbild-Bühne Leuna 1934 gebrauchte: „Durchbruch des neuen Wollens im deutschen Film“ – „aus dem Geist der Jetztzeit“ – „von deutschem Wesen“ – „auf deutscher Scholle“ … etc.

Auf der anderen Seite reizten der Filmtitel ebenso wie die Liedzeile zur Parodie an; überliefert ist die Fassung

die auf den ab dem 1. Oktober 1933 parteiamtlich angeordneten "Eintopfsonntag" anspielte.vgl. Max Vandrey: Der politische Witz im Dritten Reich. (= Band 1805 von Goldmanns gelbe Taschenbücher.) Verlag Wilhelm Goldmann, 1967, S. 79.; „Volkskanzler“ war die inoffizielle Bezeichnung für Adolf Hitler.

Remake Rudolf Schündler drehte 1953 ein Remake von Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt in Gevacolor.vgl. Filmplakat, abgebildet bei media-amazon.com Produzent war Kurt Ulrich in seiner Berolina-Film, das Drehbuch verfasste der Maler, Graphiker und Journalist Werner P. Zibaso. In den Hauptrollen waren Rudolf Prack, Walter Müller, Ingeborg Körner und Maria Sebaldt zu sehen. Die Filmmusik schrieb Willy Schmidt-Gentner.

Literatur Stefanie Mathilde Frank: Wiedersehen im Wirtschaftswunder: Remakes von Filmen aus der Zeit des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik 1949–1963. Verlag V&R Unipress, 2017, ISBN 978-3-8470-0743-2, S. 116, 122, 125, 155ff., 169, 174f., 184, 191, 256, 259ff., 264, 170f., 300, 369, 397, 400 und 402. Oskar Kalbus: Vom Werden Deutschen Filmkunst. Band 2, Der Tonfilm. Altona, Zigaretten-Bilderdienst 1935, S. 53. Helmut Korte: Der Spielfilm und das Ende der Weimarer Republik: ein rezeptionshistorischer Versuch. Vandenhoeck & Ruprecht, 1998, ISBN 978-3-525-20714-7, S. 431 u. 503. Miriam Mandt-Böckelmann: Iserlohn: Vortrag über Filme als Mittel der NS-Propaganda. In: Jserlohner Kreisanzeiger und Zeitung. (IKZ), 14. Dezember 2023. (ikz-online.de) „Dr. Walter Wehner hat untersucht, warum es den Nazis so wichtig war, was in den Iserlohner Lichtspielhäusern gezeigt wurde.“ Harro Segeberg, Irina Scheidgen, Felix Schröter (Hrsg.): NS-Medien in der Metropolregion Hamburg. Fallstudien zur Mediengeschichte des Dritten Reiches. Hamburg 2009. (Uni Hamburg; PDF) Jürgen Trimborn: Der deutsche Heimatfilm der fünfziger Jahre: Motive, Symbole und Handlungsmuster. Verlag Teiresias, 1998, ISBN 978-3-9805860-2-3, S. 116 u. 143. Max Vandrey: Der politische Witz im Dritten Reich. (= Band 1805 von Goldmanns gelbe Taschenbücher) Verlag Wilhelm Goldmann, 1967, S. 79. Peter Weisrock: Das Nieder-Olmer Kino. ("Luna-Lichtspiele" im Pfälzer Hof, nachmals die Oli-Lichtspiele Nieder-Olm); Geschichtswerkstatt Peter Weisrock, Nieder-Olm. (PDF)

Weblinks

Wennn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt (1933) kurzer Inhalt bei themoviedb.org Digitalisat bei archive.org Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt. (=Illustrierter Film-Kurier Nr. 2004.) Berlin 1933. Abbildungen Titelseite Jllustrierter Film-Kurier (Wien) No. 661 und Standbild aus dem Film mit Maria Paudler und Harry Liedtke bei virtual history.com. Photo des Schriftstellers, Schauspielers und Kabarettisten Werner Finck (1902–1978)

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1933 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Musikfilm Kategorie:Filmkomödie