Dirk van Rickelen (geb. um 1925) war ein deutscher Politiker (SED). Er gehörte von November 1951 bis April 1953 als Staatssekretär mit eigenem Geschäftsbereich für Chemie, Steine und Erden dem Ministerrat der DDR an.
Leben Über das Leben von Dirk van Rickelen ist wenig bekannt. Aus einem Bericht von Kurt Liebknecht, dem Präsidenten der Deutschen Bauakademie, geht hervor, dass er in der Sowjetischen Besatzungszone ein Mitarbeiter von Willi Stoph war, während dieser die Abteilung Baustoffindustrie und Bauwirtschaft der Deutschen Zentralverwaltung der Industrie leitete. Später übernahm van Rickelen die Leitung der Hauptverwaltung Steine und Erden in der Deutschen Wirtschaftskommission, nach der Gründung der DDR im Ministerium für Schwerindustrie. Im Zuge von dessen Aufgliederung wurde er mit Ministerratsbeschluss vom 2. November 1951 zum Leiter des Staatssekretariats für Chemie, Steine und Erden, dem Vorgänger des Ministeriums für Chemische Industrie, ernannt. Zuvor hatte der Chef der Sowjetischen Kontrollkommission, Armeegeneral Wassili Tschuikow, den Ministerpräsidenten Otto Grotewohl gebeten, van Rickelens Kandidatur für den Posten „im Zusammenhang mit der Flucht von dessen Bruder nach Westdeutschland noch einmal zu prüfen.“ Als Staatssekretär mit eigenem Geschäftsbereich nahm van Rickelen an Regierungssitzungen mit beschließender Stimme teil. Sein Nachfolger im umbenannten Staatssekretariat für Chemie war von April bis November 1953, als dieses erneut in das Ministerium für Schwerindustrie eingegliedert wurde, der Chemiker Werner Winkler.
Van Rickelen leitete darüber hinaus die Kontrollgruppe für Schwerindustrie bei der Zentralen Kommission für Staatliche Kontrolle (ZKK) der SED. Später, nachweislich im Jahr 1961, war der Bauökonom Leitungsmitglied des Instituts für Hochbau der Deutschen Bauakademie. 1979 wurde Dirk van Rickelen, weiterhin wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bauakademie der DDR, mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Bronze ausgezeichnet.
Beurteilung Die Leitung eines wirtschaftlich-technischen Fachressorts wie des Staatssekretariats für Chemie, Steine und Erden erforderte einen Experten, so die Politikwissenschaftlerin Ursula Hoffmann-Lange in ihrer Untersuchung Die Veränderungen in der Sozialstruktur des Ministerrates der DDR 1949–1969 (1971). Der westdeutsche DDR-Forscher Ernst Richert behauptet in seinem Buch Macht ohne Mandat (1958), van Rickelen sei demnach als „parteilich verdiente[r], aber fachlich unzulängliche[r]“ Staatssekretär „im Interesse der Sache abberufen bzw. degradiert“ worden. Der Historiker Thomas Horstmann bezeichnet ihn dahingegen in seiner Dissertation Logik der Willkür (2002) als „ausgewiesene[n] Fachmann“, der „von einer hohen Position in der staatlichen Industrieverwaltung zum Leiter der größten und wichtigsten Kontrollgruppe […] bei der ZKK wurde“. Er habe eine Ausnahme davon dargestellt, dass bei der ZKK „[a]lte Fachleute“ wegen ihrer „meist ‚kapitalistischen‘ Vergangenheit“ fast gänzlich gefehlt hätten.
Einzelnachweise
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