Die Walpertskirchener Spange ist eine geplante eingleisige, elektrifizierte Eisenbahn‑Neubaustrecke in Oberbayern. Sie soll bei der Abzweigstelle Obergeislbach von der Bahnstrecke München–Simbach abzweigen und den künftig nördlich verlegten Bahnhof Erding erreichen. Das Vorhaben ist Bestandteil des Erdinger Ringschlusses zur verbesserten Schienenanbindung des Flughafens München aus dem Raum Südostbayern und soll eine Länge von ca. neun Kilometern haben.

Verlauf

Die Neubaustrecke soll bei Obergeislbach im Gemeindegebiet von Lengdorf an der Bahnstrecke München–Simbach beginnen, die bislang in diesem Bereich eingleisig ist und elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut werden soll. Das Gleis der Walpertskichener Spange mittig zwischen den beiden Streckengleisen der Strecke München–Simbach ausfädeln und dann das Streckengleis nach München über ein Überwerfungsbauwerk queren. Von dort soll die Strecke überwiegend in nordwestlicher Richtung verlaufen. Im weiteren Verlauf ist ein Trassenkorridor über das Gebiet der Gemeinde Bockhorn geplant, der nördlich an Schwarzhölzl vorbeiführt und die Ortsteile Breitasch und Papferding sowie den Bereich zwischen Neukirchen und Flanning quert. Das Strogental soll dort mit einer Talbrücke gequert werden. Anschließend ist eine enge Bündelung mit der Staatsstraße 2084 vorgesehen. Auf dem Gebiet der Stadt Erding ist ein überwiegend in Tieflage geführter Verlauf geplant, die Strecke soll mehrere Straßen unterqueren und im Abschnitt Wasserturm als Tunnel ausgeführt werden. Am künftig nördlich verlegten Bahnhof Erding im Nordosten der Stadt im Bereich der Anton‑Bruckner‑Straße und des ehemaligen Fliegerhorsts Erding ist ein unterirdischer Bahnsteig an der Walpertskirchener Spange vorgesehen. Westlich davon sollen zwei unterirdische Bahnsteige an dem ebenfalls zu errichtenden zweigleisigen Abschnitt Erding–Flughafen München der Bahnstrecke Markt Schwaben–München Flughafen gebaut werden. Nördlich des Bahnsteigbereichs sollen beide Strecken zunächst durch den dreigleisigen Tunnel Sempt verlaufen und dann oberirdisch zusammengeführt werden.

Geschichte Die Walpertskirchener Spange wurde vom Freistaat Bayern und der Deutschen Bahn als Teil des Erdinger Ringschlusses konzipiert, um eine direkte Schienenanbindung des Flughafens München aus Südostbayern zu schaffen. Bereits in den 2000er Jahren trieb der Freistaat die Vorplanung für die südöstliche Flughafenanbindung voran. In der kommunal- und landespolitischen Diskussion standen frühe Trassen- und Einbindungsskizzen im Raum, darunter eine Nordeinschleifung mit Kreuzungsbahnhof im Bereich des Fliegerhorstes Erding und eine Südvariante. 2011 berichtete die Lokalpresse über einen ministeriellen Kurswechsel zugunsten der Südvariante und dokumentierte den Verweis der Staatsregierung auf Wirtschaftlichkeit und Förderfähigkeit der Varianten. Zeitgleich wurden in Erding Varianten zur Regionalbahneinschleifung präsentiert, die Empfehlungen für die Bahnhofsfrage und die südliche Einbindung enthielten. In den fachlichen Unterlagen zum anschließenden Genehmigungsverfahren sind Variantenuntersuchungen für die Walpertskirchener Spange und die Bahnhofs- und Trassenlage im Stadtgebiet Erding ausgewiesen. Innerhalb des Gesamtvorhabens führt die Deutsche Bahn die Walpertskirchener Spange als Abschnitt B3 des Erdinger Ringschlusses und beschreibt sie mit Zweck, Maßnahmen und Abhängigkeiten zum Ausbau der Ausbaustrecke 38 (ABS 38).

Am 21. März 2019 beantragte die Deutsche Bahn die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens beim Eisenbahn-Bundesamt. Die öffentliche Auslegung der Unterlagen erfolgte 2021, im Dezember 2023 fanden nicht öffentliche Erörterungstermine statt. Nach Angaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft war das Anhörungsverfahren im Juni 2025 abgeschlossen. Ein Planfeststellungsbeschluss lag bis Januar 2026 nicht vor. Die Projektseite weist den Status weiterhin als Genehmigungsverfahren aus. Frühere Kostenschätzungen nennen für die Spange ca. 145 Millionen Euro auf Basis des Planungsstands 2017. Spätere Presseberichte nennen für die ABS 38 inklusive Walpertskirchener Spange eine Größenordnung von etwa 2,3 Milliarden Euro und verweisen darauf, dass belastbare Einzelsummen üblicherweise erst kurz vor Baubeginn veröffentlicht werden.

Der Abschnitt ab Streckenkilometer 7,030 im Bereich des Erdinger Stadtgebiets bildet zusammen mit dem Neubau des Abschnitts Altenerding–Schwaigerloh der Bahnstrecke Markt Schwaben–München Flughafen einen getrennten Planfeststellungsabschnitt.

Betrieb Im Deutschlandtakt ist im 3. Gutachterentwurf für Bayern als Zielbild eine Expresslinie (beschleunigter Regionalverkehr) vorgesehen. Sie verläuft stündlich auf der Relation Regensburg – Flughafen München – Erding – Mühldorf am Inn sowie zweistündlich weiter bis Salzburg.

Im Rahmen der überregionalen Schienenanbindung des Flughafens München verfolgt der Freistaat Bayern ein Vier‑Stufen‑Konzept. Die Walpertskirchener Spange ist darin als Voraussetzung der Stufe II ausgewiesen. Diese Stufe sieht als Zielbild durchgehende Flughafenexpress‑Verbindungen zwischen Mühldorf am Inn und dem Flughafen München mit zweistündlicher Weiterführung nach Salzburg vor.

Die Walpertskirchener Spange wird fernverkehrstauglich ausgerüstet. Die Aufnahme des Betriebs setzt die Elektrifizierung und den erforderlichen Ausbau der Ausbaustrecke 38 sowie den Lückenschluss im Gesamtprojekt Erdinger Ringschluss voraus.

Am Knoten Bahnhof Erding sind für den überregionalen Verkehr ein unterirdischer Bahnsteig sowie eigene S‑Bahn‑Bahnsteige vorgesehen. Dort entsteht der Umstieg zur in Richtung Flughafen verlängerten Bahnstrecke Markt Schwaben–München Flughafen und damit die Verknüpfung der Walpertskirchener Spange mit der östlichen Flughafenanbindung.

Weblinks Erdinger Ringschluss – Walpertskirchener Spange – offizielle Projektseite der DB InfraGO AG (Bahnausbau Region München)

Einzelnachweise

Kategorie:Eisenbahnprojekt in Deutschland Kategorie:Verkehrsbauwerk im Landkreis Erding Kategorie:Verbindungskurve