miniatur|Stolperstein für Heinrich Geick Heinrich Geick (* 10. Oktober 1872 in Garstedt bei Hamburg; † 13. Februar 1935 in Neumünster) war ein deutscher Zimmerer, Kommunalpolitiker der KPD und Stadtverordneter in Pinneberg. Er wurde im April 1934 verhaftet, in den Untersuchungsgefängnissen Hamburg und Neumünster inhaftiert und starb infolge von Haftbedingungen und Misshandlungen.

Leben Heinrich Geick wurde am 10. Oktober 1872 in Garstedt bei Hamburg als Sohn des Landwirtschaftsarbeiters („Häuerling“) Johann Gaick und dessen Ehefrau Catharina Elisabeth, geborene Kuhlmann, geboren. In jungen Jahren kam er nach Pinneberg, wo er eine Lehre als Zimmerer bei Walter Rehm in der Pinneberger Lindenstraße absolvierte und in diesem Beruf tätig war.

Am 14. Juli 1894 heiratete er Olga Peters, eine Fabrikarbeiterin. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Ab 1905 lebte die Familie in der Friedenstraße 50 in Pinneberg. Die Söhne Heinrich, Willy und Richard wurden zu Beginn des 1. Weltkriegs in den Kriegsdienst berufen, nur der jüngste Sohn Herrmann war zu diesem Zeitpunkt zu jung. Heinrich Geick selbst wurde zunächst zurückgestellt, er wurde allerdings am 7. November 1916 mit 44 Jahren nachberufen und diente beim „Königlich Preußischen Straßburger Feldartillerie-Regiment 84“ als Kanonier. Der zweitälteste Sohn Willy fiel im Februar 1917 in Rumänien.

Nach der Novemberrevolution 1918 wurden auch in Pinneberg Arbeiter- und Soldatenräte gebildet und Heinrich Geick wurde in den Fürsorgeausschuss für die Durchführung der Erwerbslosenfürsorge gewählt. Geicks Sohn Richard, der die Oktoberrevolution in Russland miterlebte, gründete nach seiner Rückkehr eine Pinneberger Ortsgruppe der USPD, der sich wahrscheinlich auch Heinrich Geick anschloss.

Kommunalpolitik Heinrich Geick war Mitglied der Hochbaukommission und wurde auf Vorschlag des Gewerkschaftskartells vom Stadtverordneten-Kollegium am 12. März 1920 zum Mitglied des damals städtischen Arbeitsamtes gewählt. Am 4. Mai 1924 wurden er und auch seine Frau Olga bis 1928 als Stadtverordnete für die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) in die Pinneberger Stadtvertretung gewählt. Nach der Kommunalwahl änderten sich die Mehrheitsverhältnisse und die Mitglieder der kommunistischen Partei wurden zur Opposition gegen eine weitgehend bürgerliche Mehrheit. Im Januar 1928 wurden mit Thesdorf und Waldenau weitere Stadtteile in Pinneberg integriert und das Pinneberger Stadtverordneten-Kollegium musste neu gewählt werden. Zusammen mit Wilhelm Stehr, Heinrich Seilmann und Peter Lohmann wurde Heinrich Geick am 15. April 1928 Stadtverordneter der KPD in einem von der bürgerlichen Gruppe Duncker mit 10 Sitzen und der SPD mit sieben Sitzen dominierten Gremium. Durch eine Koalition der KPD mit der SPD wurde am 4. Mai 1928 Richard Köhn (SPD) zum Vorsitzenden und Heinrich Geick zu seinem Stellvertreter gewählt.

Verfolgung und Tod Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Verbot der KPD im Jahr 1933 versuchte Heinrich Geick gemeinsam mit anderen Parteimitgliedern, die politische Arbeit im Untergrund fortzusetzen. Im April 1934 wurde Heinrich Geick mit 61 Jahren und schwer herzkrank verhaftet. Er kam zunächst in das Untersuchungsgefängnis in Hamburg und wurde dort wegen seiner Beteiligung am Widerstand zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Am 25. Mai 1934 wurde er ins Gefängnis Neumünster überstellt. Während der Haft wurden ihm nach übereinstimmenden Berichten lebenswichtige Medikamente vorenthalten, zudem wies sein Körper deutliche Spuren von Misshandlungen auf.

Heinrich Geick starb am 13. Februar 1935 während der Haft in Neumünster, als offizielle Todesursache wurde ein „Schlaganfall“ angegeben. Zeitgenössische Berichte und spätere Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass sein Tod in direktem Zusammenhang mit den Haftbedingungen, dem Entzug notwendiger Medikamente und körperlicher Gewalt stand. Die Trauerfeier fand unter großer Beteiligung in der großen Halle des Krematoriums auf dem Ohlsdorfer Friedhof statt, die Urne wurde am 23. Februar 1935 auf dem Pinneberger Friedhof am Kirchhofsweg beigesetzt.

Erinnerung Am ehemaligen Wohnhaus der Familie in der Friedenstraße 50 in Pinneberg erinnert ein Stolperstein an Heinrich Geick.René Erdbrügger: Erinnerungskultur: Opfer der Nazis in Pinneberg: Ihre Namen sind nicht Schall und Rauch, shz.de, 22. Februar 2023 (Foto des Stolpersteins für Heinrich Geick) Der Stolperstein wurde im November 2009 im Rahmen des gleichnamigen Kunstprojekts von Gunter Demnig verlegt. Die Patenschaft übernahm die Integrierte Gesamtschule Thesdorf.

Nach Heinrich Geick wurde in Pinneberg die Heinrich-Geick-Straße benannt.René Erdbrügger: Neues Online-Projekt: Alt-Nazis im öffentlichen Dienst: Pinneberger Friedensaktivist stellt Broschüre im Internet zur Verfügung, shz.de, 31. Juli 2023 (Foto von Dieter Borchardt mit dem Straßenschild der Heinrich-Geick-Straße in Pinneberg) Zudem befindet sich auf dem Platz vor dem Rathaus ein Gedenkstein für die Pinneberger NS-Gegner Heinrich Geick, Heinrich Boschen und Wilhelm Schmitt. Das Denkmal wurde Ende der 1980er Jahre vom Stadtfriedhof an seinen heutigen Standort versetzt.

Literatur Der »Rückhalt der KPD«: Heinrich Geick. In: Hildegard Kadach, Dieter Schlichting: Drei Leben gegen die Diktatur. Die Pinneberger Nazigegner Heinrich Geick, Heinrich Boschen und Wilhelm Schmitt. VVN/Bund der Antifaschisten Pinneberg, 1988, S. 7–28 Online Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung im Kreis Pinneberg 1933–1945. Hamburg 1983. Fritz Bringmann, Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Antifaschistischer Widerstand und Naziterror in Elmshorn und Umgebung. Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-87682-040-5. Online

Weblinks Heinrich Geick bei Spurensuche Kreis Pinneberg

Einzelnachweise Der »Rückhalt der KPD«: Heinrich Geick. In: Hildegard Kadach, Dieter Schlichting: Drei Leben gegen die Diktatur. Die Pinneberger Nazigegner Heinrich Geick, Heinrich Boschen und Wilhelm Schmitt. VVN/Bund der Antifaschisten Pinneberg, 1988, S. 7–28 Online

Kategorie:Person, für die in Schleswig-Holstein ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:KPD-Mitglied Kategorie:Person (Pinneberg) Kategorie:Geboren 1872 Kategorie:Gestorben 1935 Kategorie:Mann Kategorie:Person der Novemberrevolution Kategorie:Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus) Kategorie:NS-Opfer