Henri Marie Peschier (* 24. November 1741 in Genf; † 1791 in Puerto España (später Port of Spain, Trinidad)) war ein Schweizer Kaufmann und Besitzer mehrerer von Sklavinnen und Sklaven bewirtschafteter Plantagen auf den Antillen.
Biografie Henri Marie Peschier war der Spross einer hugenottischen Familie aus dem Languedoc. Sein Vater, der Apotheker Pierre Peschier, stammte aus Bagnols-sur-Cèze und hatte 1718 das Genfer Bürgerrecht erhalten. Seine Mutter, Anne Marguerite Blisson, war als Tochter protestantischer Glaubensflüchtlinge aus Grenoble und dem Languedoc in Bern zur Welt gekommen. Er hatte 17 Geschwister, darunter den in Kopenhagen erfolgreichen Kaufmann Pierre Peschier sowie Jean Peschier, der sich nach der britischen Inbesitznahme 1762 auf der Insel Grenada eine Existenz als Händler aufgebaut hatte. Jacques Peschier war sein Neffe. In den 1760er-Jahren reiste Henri Marie Peschier zu seinem Bruder nach Grenada, wo er 1770/1771 die auf der Insel geborene Céleste Rose de Beltgens heiratete. Deren Schwester, Rose Elisabeth de Beltgens, hatte sich ihrerseits 1770 mit Jean Peschier vermählt. Die Frauen entstammten einer Adelsfamilie aus den Spanischen Niederlanden. Einer ihrer Vorfahren hatte ab 1715 auf Grenada als Oberst der Milizen gedient.
Zusammen erwarben die beiden Brüder auf der Insel mehrere Plantagen, auf denen eine unbekannte Anzahl versklavter Menschen arbeitete (Sklaverei, Kolonialismus). Ebenfalls nicht dokumentiert sind die Erzeugnisse und Erträge der Güter. Tatsächlich wären die Geschäfte der Peschiers wohl vollständig im Dunkeln geblieben, hätten die beiden nicht 1774 bei einem weiteren Bruder, dem in Genf wohnhaften Apotheker Charles-Antoine Peschier, ein Darlehen für die Plantage Good Chance aufgenommen. Aus den notariellen Akten zum Kredit und zu dessen Rückzahlung geht hervor, dass die geliehene Summe 12'600 handelsübliche Pfund betrug. Zur Deckung des Kredits wurde das Gut mit einer Hypothek belastet. Die überlieferten Dokumente belegen, dass Good Chance verglichen mit der Mehrheit der mit Sklavenarbeit betriebenen Plantagen auf den Antillen des 18. Jahrhunderts ein relativ kleiner Betrieb war.
Aus unbekannten Gründen verliess Henri Marie Peschier 1781 Grenada und reiste mit seiner Familie sowie acht versklavten Menschen in die ebenfalls britische Antillenkolonie Trinidad; sein Bruder tat es ihm mit seinen Angehörigen gleich. Henri Marie Peschier liess sich in der Hauptstadt Puerto España nieder und erwarb ein Jahr nach seiner Ankunft mit Genehmigung der Kolonialbehörden das nahe gelegene, 72 Hektaren umfassende Gut Paradise Estate. Der friedvoll klingende Name steht in starkem Kontrast zur Tatsache, dass auf der Plantage Sklavinnen und Sklaven unter Zwang Zuckerrohr anbauen mussten. Beim Tod Peschiers erbte zunächst seine Witwe Paradise Estate, später fiel das Gut an die gemeinsamen Kinder, die es 1815 für 6000 Pfund Sterling der Munizipalität von Port of Spain verkauften.
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