Das Bistum Hildesheim () ist eine römisch-katholische Diözese in Norddeutschland. Sie gehörte von ihrer Gründung im Jahr 815 bis 1805 zur Kirchenprovinz Mainz und war danach exemt. 1824 wurde das Bistum erheblich erweitert und kam 1930 zur damals geschaffenen Mitteldeutschen Kirchenprovinz. Seit 1995 ist das Bistum Hildesheim Teil der neu errichteten Norddeutschen Kirchenprovinz. Sitz des Bischofs ist der Hildesheimer Dom in Hildesheim.

Geografie Das Gebiet des Bistums entspricht dem östlich der Weser gelegenen Anteil Niedersachsens und Teilen des Landes Bremen, nämlich Bremen-Nord; also die Anteile der Stadt Bremen nördlich der Lesum, und Bremerhaven. Es ist eines der flächengrößten Bistümer Deutschlands, umfasst jedoch fast ausschließlich Regionen, in denen die Katholiken eine Minderheit bilden und damit in der Diaspora leben. Nur das im Süden des Bistums gelegene Dekanat Untereichsfeld sowie die Dörfer des alten „(kleinen) Stifts“ im Raum Hildesheim haben eine katholische Bevölkerungsmehrheit.

Geschichte

Bischöfe Siehe Hauptartikel Liste der Bischöfe von Hildesheim.

Gründung Um 800 errichtete Karl der Große das Missionsbistum für Ostfalen in Elze, das damals Aula Caesaris, kurz Aulica genannt wurde und etwa 19 km westlich des heutigen Hildesheim liegt. Die Diözese stand unter dem Patrozinium der Apostelfürsten Petrus und Paulus, deren Namen die (alte) Elzer Kirche bis heute trägt. Das Bistum wurde 815 von Karls Sohn Ludwig dem Frommen in Hildesheim neu gegründet und der Gottesmutter Maria geweiht (siehe auch Gründungssage; Hildesheimer Marienreliquiar). Bischof Gunthar, der angeblich aus R(h)eims kam, hat diese Verlegung umgesetzt.

mini|links|hochkant=0.8|Die Diözese Hildesheim (rot umrandet) von der Zeit ihrer Gründung bis zur Neuumschreibung der katholischen Diözesen nach dem Wiener KongressKartenausschnitt aus Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, 4. Aufl., Leipzig und Wien 1885.Atlas zur Kirchengeschichte, Freiburg etc. 1987, S. 97, Karte C. mini|hochkant=0.6|links|Wappen des Bistums Hildesheim mini|hochkant=1.3|Das Hochstift Hildesheim im Jahr 1645

Das Bistum Hildesheim umfasste zur Zeit seiner Gründung die 17 sächsischen Gaue Astfala (um Hildesheim, Hannover, Peine, Braunschweig, Leine bis Oker), Flutwidde (Dreieck Meinersen, Celle, Burgdorf), Liergau (Braunschweig Wolfenbüttel süd-westwärts der Oker), Saltgau (um Salzgitter-Bad), Wenzigau (Dreieck Bilderlahe, Liebenburg, Lutter am Barenberge), Ambergau (um Bockenem bis Woldenberg und Seesen), Flenithigau (Gandersheim, Winzenburg), Aringo (Gronau bis Alfeld), Tilithigau (Viereck Lauenstein, Lauenau, Bad Münder, Hameln), Valingau (Gronau, Poppenburg, Elze), Gudingau (um Eime zwischen Saale und Leine), Scotelingau (nördlich von Steuerwald), Muldese (um Isernhagen), Marstemgau (Calenberg, Spiegelburg, Hannover, Deister), Osterwalde (Zwischen Erse und Aller), Helingau (um Gifhorn) und Muthiwide (Zusammenfluss von Aller und Oker).

Unter Bischof Altfrid entstand 852–872 der erste steinerne Dombau, dessen Grundriss bis heute unverändert blieb. Seine größte Bedeutung erlangte das Bistum Hildesheim zur Zeit der Sachsenkaiser durch die heiligen Bischöfe Bernward (993–1022) und Godehard (1022–1038). Architektur- und Kunstschätze aus dieser Zeit prägen bis heute das Bild der Stadt.

Hochstift Von 1235 bis 1802 war der Bischof von Hildesheim zugleich Reichsfürst. Sein Territorium, das Hochstift Hildesheim, war kleiner als die Diözese. Ab 1500 gehörte es zum Niedersächsischen Reichskreis. Als Folge der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) wurde das Gebiet um die Hälfte verkleinert.

Das traditionelle Wappen des Bistums zeigt einen in Gold und Rot gespaltenen Schild. Die Bistumsfarben wurden nach 1300 in abgewandelter Form auch von der Stadt Hildesheim übernommen.

Reformationszeit Rat und Bürgerschaft der Stadt Hildesheim sowie die welfischen Territorien, die den größten Teil des Hildesheimer Diözesangebiets ausmachten, gingen im 16. Jahrhundert zum lutherischen Bekenntnis über. Nur der Dom und mehrere Klosterkirchen der Stadt sowie die Dörfer des Stiftsgebiets nach 1523, die sogenannten Stiftsdörfer Algermissen, Bettmar, Borsum, Detfurth, Diekholzen, Dinklar, Förste, Giesen, Harsum, Ottbergen, Moritzberg, Himmelsthür und andere, blieben katholisch. Von den norddeutschen Bischofssitzen bestand außer Osnabrück nur Hildesheim ununterbrochen fort.

Die kirchlichen Diözesangrenzen von 815 wurden bis 1823 nicht verändert, auch als die Nachbarbistümer Minden, Verden und Halberstadt untergegangen waren und ihre Diözesangebiete zu den Nordischen Missionen, später dem Apostolischen Vikariat des Nordens gehörten.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg mini|hochkant=1.3|Die Diözese Hildesheim von 815 bis 1802 (schwarz umrandet) und nach 1824/1834 (violett)

Im Zuge der territorialen Neuordnung des Reichs infolge des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Hochstift Hildesheim mit dem „Rezess von Goslar“ 1643 in den Grenzen vor 1523 wiederhergestellt. Die inzwischen lutherischen Gebiete, die nun wieder zur Herrschaft des Hildesheimer Stuhls gehörten, wurden jedoch nicht rekatholisiert. Lediglich einzelne Pfarreien (Amtspfarreien), Klöster und Gottesdienststationen entstanden neu (Bolzum, Gronau, Lamspringe, Peine, Poppenburg, Ringelheim, Ruthe, Westfeld und andere).

Im 18. Jahrhundert hielt sich das kleine Hochstift Hildesheim durch Personalunionen mit mächtigeren geistlichen Staaten Nordwestdeutschlands. Fürstbischof Clemens August aus dem Hause Wittelsbach regierte fast vier Jahrzehnte lang zugleich Köln, Münster, Paderborn, Osnabrück und Hildesheim. Das Hochstift endete mit der Säkularisierung unter Napoleon I. 1802.

Von Hannover annektiert und im Königreich Preußen Nach Hannovers Annexion einiger ehemaliger geistlicher Fürstentümer begann das Königreich Hannover 1816 Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl um ein Konkordat, die aber 1821 endgültig scheiterten.Pius Gams: Geschichte der Kirche Christi im neunzehnten Jahrhundert, mit besonderer Rücksicht auf Deutschland: 3 Bde., Innsbruck: Wagner, 1854–1856, Band 3 (1856), pp. 460seq. Daraufhin strebte Hannover – nach preußischem Beispiel von (De salute animarum) – nur noch eine Zirkumskriptionsbulle an. Gemäß Vertrag zwischen Hannover und Rom von 1824 erließ der Papst dann die entsprechende Bulle Impensa Romanorum Pontificum, die die Grenzen der hannoverschen Bistümer Hildesheim und Osnabrück neu zog, so dass das ganze Staatsterritorium zu einer der beiden Diözesen gehörte.Pius Gams: Geschichte der Kirche Christi im neunzehnten Jahrhundert, mit besonderer Rücksicht auf Deutschland: 3 Bde., Innsbruck: Wagner, 1854–1856, Band 3 (1856), p. 461. Allerdings blieb der Stuhl in Osnabrück zunächst unbesetzt und wurde von Hildesheim durch einen Generalvikar und Weihbischof mitbetreut, da Rom und Hannover über die Finanzierung dieses Bistums uneins geblieben waren und die Klärung auf später verschoben hatten.Pius Gams: Geschichte der Kirche Christi im neunzehnten Jahrhundert, mit besonderer Rücksicht auf Deutschland: 3 Bde., Innsbruck: Wagner, 1854–1856, Band 3 (1856), p. 462. Auch hat Hannover durchgesetzt, dass beide Bistümer nicht Suffragan eines ausländischen Metropoliten wurden, sondern Hildesheim exempt blieb und Osnabrück es wurde.Pius Gams: Geschichte der Kirche Christi im neunzehnten Jahrhundert, mit besonderer Rücksicht auf Deutschland: 3 Bde., Innsbruck: Wagner, 1854–1856, Band 3 (1856), p. 463.

Hildesheims Diözesangebiet umfasst seitdem, mit wenigen Abweichungen, den östlich der Weser gelegenen Teil Hannovers beziehungsweise des Landes Niedersachsen, damit auch das ehemals kurmainzische, katholisch gebliebene Untereichsfeld mit Duderstadt und die bis dahin zur Nordischen Mission gehörenden ehemaligen Diözesangebiete Bremens ohne die nordelbischen Hamburg, Holstein und Dithmarschen, Mindens östlich der Weser und Verdens ohne die Altmark. Preußen annektierte Hannover 1866.

Nach dem Ersten Weltkrieg Nach dem Preußenkonkordat kam 1930 das Gebiet des Landkreises Grafschaft Schaumburg vom Bistum Fulda zum Bistum. 1965 ging das Gebiet des ehemaligen Landes Schaumburg-Lippe vom Bistum Osnabrück zu Hildesheim. Sie bildeten zusammen das Dekanat Bückeburg, das am 1. September 2012 mit dem Dekanat Hameln-Holzminden zum neuen Dekanat Weserbergland zusammengeschlossen wurde. Ebenfalls 1965 wurde Cuxhaven, das staatlich schon 1937 durch Gebietstausch von Hamburg zur Provinz Hannover gewechselt war, vom Bistum Osnabrück ins Bistum Hildesheim umgegliedert.

Die prägende Gestalt in der Zeit des Nationalsozialismus war ab 1934 Joseph Godehard Machens, der zunächst loyal war, sich aber ab 1937 gegen den Staat wandte. Der Gauführer drohte Machens zuletzt offen auf dem Hildesheimer Marktplatz. Dennoch setzte Machens sich weiterhin für Juden, „Zigeuner“, Menschen mit Behinderungen und Angehörige anderer verfolgter Gruppen ein.

Sein Nachfolger wurde (1957 bis 1982) Heinrich Maria Janssen.

Die Zahl der Diözesanen ist durch den Zuzug ostdeutscher Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg stark angewachsen (etwa 646.000 am 31. Dezember 2007). Diese stammten aus Schlesien, dem ostpreußischen Ermland und der Tschechoslowakei. Für sie wurden in allen Teilen der Diözese neue Pfarreien und Kirchen errichtet. Viele neue Kirchen entstanden in den 1950er und 1960er Jahren. Im Zuge der Einsparungen nach dem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen zum Jahrtausendwechsel ist auch die Schließung von Kirchen vorgesehen.

Bistumsweit stellen ehemalige Heimatvertriebene und deren Nachkommen, Zugezogene aus West- und Süddeutschland, Spätaussiedler aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion sowie Zuwanderer aus Italien, Spanien, Portugal und Kroatien große und den Alltag prägende Gruppen in den Gemeinden.

Während der Existenz der DDR gehörten sechs Kirchengemeinden auf ihrem Staatsgebiet zum Bistum Hildesheim. Sie waren dem apostolischen Administratoren in der DDR unterstellt: die Kirche in Neuhaus dem Administrator in Schwerin, die Kirchen in Blankenburg, Elbingerode, Hasselfelde und Hessen dem Administrator in Magdeburg und die Kirche in Niedersachswerfen dem Administrator von Erfurt und Meiningen. Die Kirche in Neuhaus gehört noch heute zum Bistum Hildesheim, die anderen Kirchen sind heute den seit dem 8. Juli 1994 bestehenden Bistümern Magdeburg und Erfurt zugeordnet.

Seit der Gründung des Erzbistums Hamburg am 7. Januar 1995 gehört das Bistum Hildesheim zur Hamburger Kirchenprovinz (vorher war es Suffragan des Erzbistums Paderborn). Die südlich der Elbe gelegenen Pfarreien Harburg und Wilhelmsburg, die seit 1937 staatlich zu Hamburg gehören, wurden an die benachbarte Erzdiözese abgetreten.

Neuorientierung im 21. Jahrhundert mini|Das Generalvikariat befindet sich in der ehemaligen Fürstbischöflichen Residenz. Bereits unter Bischof Hezilo (1054–79) soll sich an dieser Stelle ein Bischofshaus befunden haben. mini|Bischofshaus Domhof 25, erbaut 1701, seit 1829 Wohnhaus des Bischofs

Seit dem 13. November 1983 war Josef Homeyer Bischof von Hildesheim. Nachdem Papst Johannes Paul II. seinem Rücktrittsgesuch zum 75. Geburtstag stattgegeben hatte, übernahm im August 2004 der dienstälteste (seit 1992) Weihbischof Hans-Georg Koitz die Leitung der Diözese und wurde vom Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt. Am 29. November 2005 wurde der damalige Kölner Weihbischof Norbert Trelle zum 70. Bischof von Hildesheim ernannt. Die feierliche Amtseinführung (Inbesitznahme der Cathedra) war am 11. Februar 2006 im Dom zu Hildesheim.