mini|hochkant|Kirche Müglenz (Lossatal) mini|hochkant|Seitenansicht Die evangelische Dorfkirche Müglenz ist eine barocke Saalkirche im Ortsteil Müglenz der Gemeinde Lossatal im Landkreis Leipzig in Sachsen. Sie ist mit ihrem hohen Kirchturm ortsbildprägend und gehört zur Kirchengemeinde Thallwitz-Lossatal im Kirchenbezirk Leipzig der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.
Geschichte und Architektur Ein Vorgängerbauwerk der Kirche wurde im Jahr 1765 von einem Blitzschlag zerstört. Der Neubau erfolgte nach Plänen von J. G. Nacke aus Dahlen in den Jahren 1766–1774. Beachtenswert ist das Rippengewölbe in gotischer Art, das zu dieser Zeit ausgeführt wurde. Restaurierungen wurden im Jahr 1874 durch Hugo Altendorff durchgeführt, wobei das Bauwerk neugotisch ausgestaltet wurde; weitere Restaurierungen erfolgten im Jahr 1911 (außen) und 1973–1989.
Das Bauwerk ist ein verputzter Bruchsteinbau mit konvexem Abschluss, gotisierenden Strebepfeilern und Korbbogenfenstern. An der Nordseite sind die Sakristei und die Herrschaftsloge angeordnet. Der schlanke Westturm über quadratischem Grundriss und mit oktogonalem Obergeschoss ist ungewöhnlich hoch ausgeführt; er wird mit welscher Haube, Laterne, Kugel und Wetterfahne abgeschlossen. Über dem Portal an der Westseite befindet sich das Wappen der Familie von Bünau und eine Inschrift H.v.B. 1774.
Ausstattung mini|hochkant|Blick von der Orgelempore mini|hochkant|Kanzelaltar und Taufstein mini|hochkant|Blick vom Altar aus Das Innere ist von der neugotischen Ausstattung geprägt. Der Chor endet im Innern mit einem Fünfachtelschluss, das regelmäßige Gabelrippengewölbe in Saal und Chor ist mit gemaltem Laubwerk versehen und bezeichnet mit „J.G. Nacke Maurermeister in Dahlen/1768“. Emporen sind an drei Seiten eingebaut. Die Sakristei schließt mit einem Kreuzgratgewölbe. Die Herrschaftsloge ist mit einem Korbbogen zum Chor geöffnet. Im Chor sind drei Farbglasfenster von 1874 eingesetzt.
Vom Vorgängerbauwerk ist der Rest einer Kreuzigungsgruppe aus Holz vom Anfang des 16. Jahrhunderts erhalten, die Christus und Maria zeigt; außerdem ein vermutlich mittelalterlicher, flacher Taufstein aus Rochlitzer Porphyr.
Ein Grabdenkmal aus Sandstein erinnert an Heinrich von Bünau († 1711) und seine Gattin Rahel († 1729) mit zwei großen Inschriftkartuschen. Darüber und darunter sind Wappen derer von Werther, Bünau und Hessler angebracht.
Der Abendmahlskelch von Müglenz ist das älteste Zeugnis der Goldschmiedekunst von Wurzen vom Anfang des 17. Jahrhunderts. Es gibt ein Bildnis von Frau von Bünau, erschaffen von Anton Graff. Die Restaurierung der Orgel, der Fenster und des Innenraumes erfolgte Anfang 2000, die komplette Außensanierung im Zeitraum um das Jahr 2015.Info Altpfarrer Klaus-Peter Schmidt, 31. Juli 2026
Orgel mini|Wiegand-Orgel in der Kirche Müglenz Die Orgel ist ein Werk von Emil Wiegandhttps://www.evlks.de/fileadmin/userfiles/EVLKS_engagiert/E._Materialien/PDF_Materialien/Steckbrief_Eschefeld.pdfhttps://www.stiftung-orgelklang.de/orgel-des-monats/reinigung-einer-robusten-konigin-4124.php aus Witznitz bei Borna aus dem Jahr 1864. Sie hat 13 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Disposition lautet: I. Manual C–f3 Bordun 16′ Rohrflöte 8′ Octave 4′ Nassat 3′ Octave 2′ Cornett III (ab a0) Mixtur III II. Manual C–f3 Doppelflöte 8′ Viola di Gamba 8′ Gemshorn 4′ Pedal C–d1 Subbass 16′ Violoncello 8′ Nebenregister Manualcoppel Klingel zum Calcant Pedalcoppel
Geläut Das Geläut besteht seit dem Jahr 1919 aus drei Glocken aus Gussstahl mit den Schlagtönen d1, f1 und as1 vom Bochumer Verein.Rainer Thümmel in: Glocken in Sachsen – Klang zwischen Himmel und Erde. Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 332 Die vorherigen Glocken aus Bronze mussten im Ersten Weltkrieg als sogenannte Metallspende für Rüstungszwecke abgegeben werden. Die kleinste Bronzeglocke blieb der Kirchgemeinde erhalten. Mit dem Erlös ihres Verkaufs wurden die Stahlgussglocken gekauft, die historische Bronzeglocke kam ins Erzgebirge.Info Altpfarrer Klaus-Peter Schmidt, 31. Juli 2026
Gottlob Friedrich Wagner, Samuel Wagner und eine Großspende aus Bayreuth Am einstigen Kantorenhaus direkt vor der Kirche erinnert eine Gedenktafel an Gottlob Friedrich Wagner – sie wurde anlässlich der Richard-Wagner-Ehrung in der DDR im Jahr 1963 angebracht und hat folgenden Text: „Hier wurde Gottlob Friedrich Wagner, der Großvater des großen Tondichters Richard Wagner, am 18.2.1736 geboren“.Quelle: https://wagner-verband-leipzig.de/engl/tl_files/daten%20de/journal/RWVJournal2013-04.pdf, PDF, Druckseite 2
Im Oktober 2001 erhielt die Kirche Müglenz eine Großspende von Opernregisseur Wolfgang Wagner und den Mitwirkenden eines Benefiz-Konzerts der Bayreuther Festspiele 2001 in Höhe von 200.000 D-Mark, die zur Orgel- und Kirchenfenstersanierung verwendet wurde.https://richard-wagner-zentrum.de/richard-wagner-in-sachsen/ Anlass dafür war, dass das Gotteshaus die Wirkungsstätte des Kantors, Organisten und Schulmeisters Samuel Wagnerhttps://d-nb.info/gnd/123769440X (1703–1750), des Urgroßvaters von Richard Wagner, war und dass das benachbarte Kantorenhaus das Geburtshaus von Gottlob Friedrich Wagner, dem Großvater von Richard Wagner, gewesen ist. Müglenz gilt daher als ein „Wagner-Ort in Mitteldeutschland“.
Pfarrer 1542: Egidius Nerlich 1560–1565: Kaspar Förster 1565: Samuel Brengel 1568: Michael Backmeister 1585: Nikolaus Oehler 1588: Georg Creutziger 1599: Gabriel Strauß 1610: Wolfgang Eger 1642: Samuel Zenker 1645: Johann Taubmann 1653: Michael Götze 1695: Samuel Schmidt 1741–1773: Christian Friedrich Schmidt 1817: Tobias Immanuel Hildebrand 1835: Theodor Moritz Frenkel 1873: Otto Reinhold Paul 1885: Paul Korn 1886–1922: Franz Theodor Ludewig 1894: Curt Adalbert Lehmannhttps://pfarrerbuch.de/sachsen/stelle/1241 1909–1947: Hugo Andrae 1947–1958: Helmut Friedrich 1958–1961: Johannes Grützner 1961–1971: Wolfgang Bilz 1971–1977: Dietmar Seidel 1979–1989: Andreas Türpe 1992–3/2022: Klaus-Peter SchmidtInfo Altpfarrer Klaus-Peter Schmidt, 2. August 2026; teilweise davon abweichend folgende Übersicht: 1909–1946: Paul Oskar Hugo Andrae, 1947: Helmut Friedrich, 1953: Andreas Türpe, 1960: Klaus Fritzsche, 1961–1971: Wolfgang Bilz, 1971: Dietmar Seidel, 1992: Klaus-Peter Schmidt - Quelle: https://pfarrerbuch.de/sachsen/stelle/1241
Literatur
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Kirche Müglenz auf architektur-blicklicht.de Müglenz auf de.wikisource.org
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Leipzig Kategorie:Kulturdenkmal in Lossatal Kategorie:Kirche in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Kategorie:Saalkirche in Sachsen Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Sachsen Kategorie:Erbaut in den 1770er Jahren Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Richard Wagner Kategorie:Geläut