Karljosef Schattner (* 24. August 1924 in Gommern; † 10. April 2012 in EichstättDieter Bartetzko: Zum Tod des Architekten Karljosef Schattner: Bauten aus Freude und Phantasie. In: FAZ, 12. April 2012, Seite 28.) war ein deutscher Architekt und Leiter des Diözesan- und Universitätsbauamtes Eichstätt. Er prägte über drei Jahrzehnte lang das Bild der Stadt mit seinem Werk – „bestimmt vom klaren und sensiblen Einklang zwischen Altem und Neuem“ – und setzte damit Maßstäbe in der Architektur.Die Kunst des Trennens und Verbindens. Zum 75. Geburtstag von Karljosef Schattner. In: BauNetz, 24. August 1999. mini|KU Eichstätt-Ingolstadt

Werdegang Karljosef Schattner besuchte von 1934 bis 1942 die Oberschule in Magdeburg und zog anschließend in den Kriegsdienst und kehrte 1945 mit einer lebensgefährlichen Verwundung aus dem Baltikum zurück. Zunächst wurde Schattner in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft im Militärlazarett Ingolstadt interniert. Von 1946 bis 1949 absolvierte er in Gommern eine Kaufmännische Lehre und heiratete nach seiner Übersiedlung nach Eichstätt Irmingard Ried. Schattner studierte von 1949 bis 1953 Architektur an der TH München, u. a. bei Döllgast, Elsaesser, Hart, F. Krauss und Werner. Anschließend arbeitete bis 1955 bei Franz Hart & Claus Winkler in München und bis 1956 bei Josef Elfinger in Ingolstadt, mit dem er später wichtige Bauten realisierte. Zwischen 1956 und 1957 war er als selbständiger Architekt in Eichstätt tätig, ehe er 1957 die Leitung des Diözesanbauamtes in Eichstätt und von 1972 an zudem auch die Leitung des Universitätsbauamtes der Katholischen Universität Eichstätt übernahm.-tze: Der Scarpa von Eichstätt. Zum Tod des Architekten Karljosef Schattner. In: BauNetz, 12. April 2012.

Karljosef Schattner lehrte als Honorarprofessor an der TH Darmstadt (1985–94), als Gastprofessor an der TU München bei Otto Meitinger (1987–88) und an der ETH Zürich (1989–91).

1991 ging er in den Ruhestand. 2007 stiftete er der Universitätsbibliothek der Bauhaus-Universität Weimar 800 Bücher.Bayerischer Architekt verschenkt 800 Bücher. In: BauNetz, 8. Juni 2007. 2012 starb er im Alter von 87 Jahren in Eichstätt.

Einfluss von Scarpa

Prägend für die Haltung von Schattner als Architekt waren die Arbeiten Carlo Scarpas (1906–1978).Karljosef Schattner: Scarpa als Vorbild und Anregung. In: Baumeister, Callwey, München 1981, Heft 10, S. 990ff. Das im Sinne Scarpas umgesetzte additive Fügen des Neuen zum vorhandenen Alten, der spannungsreiche Kontrast zwischen Schattners betont moderner Architektursprache und der bestehenden Bausubstanz formulieren das gestalterische Leitbild für seine Arbeit.

Architekturverständnis Er begann mit einer gemäßigten, regional beeinflussten Nachkriegsmoderne, die vom Brutalismus geprägt war – zum Beispiel bei den einzeln stehenden Gebäuden der ehemaligen PH Eichstätt von 1960–65 oder bei neuen Kirchenbauten. Seine wahre Stärke zeigte der Architekt jedoch bei der Umgestaltung und dem Wiederaufbau historischer Bausubstanz im barock geprägten Zentrum von Eichstätt. „Ich meine, daß der Dialog zwischen dem Heute und Gestern notwendig ist und eine Auseinandersetzung zwischen beiden stattfinden muß. Die Anpassung und noch so geschickt verpackte Imitation wird vorhandene historische Architektur entwerten. Wir kommen nicht umhin, mit unseren Mitteln, unseren Konstruktionen durch den Horizont unserer Zeit begrenzt, unsere Aufgaben zu lösen.“Schattner über Architektur. In: KU Eichstätt. „Wir werden dabei erfahren, daß durch eine Nachbarschaft moderner Architektur neue Anregungen für das Wahrnehmen, das Erkennen bislang unbekannter Eigenschaften historischer Architektur möglich gemacht wird. Architektur löste und löst immer dieselben Probleme: Material und dessen Struktur geltend zu machen. Rhythmus, Symmetrie und Asymmetrie anzuwenden. Licht und Schatten auszunutzen. Die Tektonik der architektonischen Massen, ihres Maßstabes und der wechselseitigen Proportionalität ihrer Bauteile einzusetzen.“ „Gerade die Vielfältigkeit und Vielseitigkeit historischer Architektur verlangt, daß wir mit Phantasie und Freude darauf reagieren. Wir müssen mit unseren Wünschen an die historischen Gebilde herangehen und sie lebendig machen. Der Wert, der von historischer Architektur ausgeht, liegt in der Vielfalt der Details, liegt in der Qualität derselben.“ „Es ist interessant, zu beobachten, wie unterschiedlich scheinbar gleiche Elemente sind. Diese Differenzierung macht den Reiz historischer Städte aus. Hierüber entsteht eine Individualität, die aber eine übergeordnete Verbindlichkeit nicht leugnet. Dies alles ist aus einer Geisteshaltung heraus entstanden und war niemals Tarnung. Ich meine, daß es auch heute möglich sein muß, die Probleme zu lösen allerdings nicht über die Tarnung und nicht über eine falsch verstandenen Individualismus, der im Grunde Egoismus ist.“

Bauwerke Bauten von Schattner wurden fotografisch von Sigrid Neubert, Klaus Kinold und Ingrid Voth-Amslinger dokumentiert.

Eigene Bautenmini|Hofgartenbibliothek, Eichstättmini|Haus Dr. Deinhart, Eichstättmini|Lehrstuhl für Journalistik, Eichstätt 1955: Haus Glossner, Eichstätt 1957, 1967: Haus Schattner, Eichstätt-Spindeltal 1960–61: Haus Rindfleisch, EichstättNeubau Wohnhaus Rindfleisch in Eichstätt (in: Werkverzeichnis 1960–1982). In: link.springer.com. Abgerufen am 12. Juli 2022. 1968–69: Haus Dr. Deinhart, Eichstätt-Schottenau mit Landschaftsarchitekt Gerhart Teutsch 1974–76: Haus Dr. Diener, Eichstätt 1983: Wohnhaus des Dompropstes, Eichstätt 1984: Dachausbau am Marktplatz, Eichstätt mit Jörg Homeier 1994–96: Haus Mutschler, Ulm mit Wilhelm und Maria Huber und Landschaftsarchitekt Dieter Kienast Bauten als Diözesan- und Universitätsbaumeister in Eichstätt

mini|Ehemaliges Waisenhaus, Eichstätt 195?: Anbau Heilig-Kreuz-Kirche 1959–61: Studentinnenheim Maria Ward mit Josef Elfinger (verändert) 1963–64: Hofgartenbibliothek (KU) mit Landschaftsarchitekt Gerhart Teutsch 1960–65, 1979–80: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) mit Josef Elfinger und Landschaftsarchitekt Gerhart Teutsch 1963–65: Heilige Familie mit Künstler Franz Rindfleisch und Blasius Gerg 1965–66: Umbau ehemalige Domdekanei zum Bischöflichen Ordinariat 1967–69: Schülerheim St. Richard 1964–70: Caritas Seniorenheim St. Elisabeth, Eichstätt Landschaftsarchitekt Gerhart Teutsch (verändert) 1970–74: Umbau der ehemaligen fürstbischöflichen Sommerresidenz zu einem Verwaltungsgebäude (KU) 1976–78: Domdekanei 1973–76: Juramuseum, Willibaldsburg 1978–80: Umbau Ulmer Hof 1979–81: Verwaltungsgebäude 1979–81: Studentenzentrum 1977–82: Ausbau des Diözesanmuseum 1981–84: Um- und Neubau Bischöfliches Seminar 1985: Anbau an das Diözesanarchiv 1985–87: Lehrstuhl für Journalistik, in Verbindung mit ehem. Kavalierhaus und Orangerie 1985–88: Umbau ehemaliges Waisenhaus 1985–88: Mensa (KU) 1993: Bischöfliches Archiv 1996: Umbau eines Altenwohnheims zum Pflegeheim außerhalb Eichstätts:

1963–64: Pfarrhaus, Möckenlohe 1964: Pfarrhof, Preith (2020 abgerissen) 1969–72: Personalgebäude, Schloss Pfünz mit Landschaftsarchitekt Gerhart Teutsch 1968–70: St. Martin, Etzelwang 1971–74: Langhaus St. Andreas, Adelschlag 1987–92: Sanierung, Um- und Teilneubau am Schloss Hirschberg, Beilngries mit Karl-Heinz Schmitz und Lichtplaner Walter Bamberger

Ehrungen und Preise als Diözesanbaumeister: 1977: Anerkennung – Deutscher Architekturpreis für Umbau der Sommerresidenz zu einem Verwaltungsgebäude der KU 1981: BDA Preis Bayern für Verwaltungsgebäude, Eichstätt 1981: Architekturpreis Beton für Verwaltungsgebäude, Eichstätt 1983: BDA Preis Bayern für Umbau des Ulmer Hofs, Eichstätt 1994: Nominierung – Mies van der Rohe Award für Bischöfliches Archiv, Eichstätt persönliche Ehrungen: 1982: Medaille für besondere Verdienste um den Denkmalschutz des Bayerischen Kultusministeriums 1986: Heinrich-Tessenow-Medaille 1988: Deutscher Kritikerpreis in der Kategorie Architektur 1990: Großer Architekturpreis des Bundes Deutscher Architekten 1994: Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken 1996: Honorary Fellow of the Royal Incorporation of Architects, Schottland 1997: Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1998: Ehrensenator der Katholischen Universität, Eichstätt 2004: Ordo Sancti Silvestri Papae (Ritter des Päpstlichen Ordens des Heiligen Silvester) 2008: Ehrenbürger der Stadt Eichstätt 2009: Leo-von-Klenze-MedailleKlenze-Medaille für Schattner. In: Eichstätter Kurier, 26. Juni 2009. Folgende Bauwerke sind Baudenkmäler und sind im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eingetragen:

Ostenstraße 18 ist Baudenkmal von Eichstätt Kollegiengebäude der Katholischen Universität ist Baudenkmal von Eichstätt Katholische Kirche Zur Heiligen Familie ist Baudenkmal von Eichstätt Institut für Journalismus der KU ist Baudenkmal von Eichstätt Waisenhaus ist Baudenkmal von Eichstätt Studentenzentrum ist Baudenkmal von Eichstätt Mensa der KU ist Baudenkmal von Eichstätt Haus Schattner ist Baudenkmal von Eichstätt Haus Dr. Deinhart ist Baudenkmal von Eichstätt Haus Dr. Diener ist Baudenkmal von Eichstätt Langhaus St. Andreas ist Baudenkmal von Adelschlag St. Martin ist Baudenkmal von Etzelwang

Zitate

„Die Gegenwart leugnen hieße die Geschichte leugnen.“

Mitarbeiter von Schattner im Diözesanbauamt Eichstätt

1960–88: Andreas Fürsich 1977–88: Jörg Homeier 1982–88: Norbert Diezinger 1959–89: Anton Nitsch 1985–89: Wilhelm Huber 1961–91: Hans Polak 1987–92: Karl-Heinz Schmitz

Akademische Mitarbeiter

Patrick Gmür

Ausstellungen

1980: Antwerpen 1983: Berlin IDZ 1984: Augsburger Zeughaus 1986 Universität Köln, Technische Universität Eindhoven 1986: Sevilla 1989: Bauten und Projekte – Architekturforum Zürich 1990: École polytechnique fédérale de Lausanne 1991: Architekturmuseum Brügge 1993: Universität Karlsruhe 1994: Sächsischer Landtag Dresden 1994: L’ordre des Architectes et des Ingénieurs-Conseils 2024: 100 Jahre Schattner – Ausstellung im Eichstätter Diözesanmuseum

Literatur Ulrich Conrads und Manfred Sack (Hrsg.): Karljosef Schattner. Eichstätt. Reissbrett 2. Vieweg Verlag, Braunschweig Wiesbaden 1983 Bund Deutscher Architekten (Hrsg.): Architekturführer Bayern. Süddeutscher Verlag, München 1985. Ulrich Weisner: Neue Architektur im Detail. Heinz Bienefeld, Gottfried Böhm, Karljosef Schattner. Kerber Verlag, Bielefeld 1989, ISBN 3-924639-09-4, Ausstellungskatalog. Wolfgang Pehnt: Karljosef Schattner. Ein Architekt aus Eichstätt. Hatje, Stuttgart 1988. Neuauflage 1999, ISBN 3-7757-0818-9 Karljosef Schattner, Architekt. Ein Führer zu seinen Bauten. Architekturmuseum der Technischen Universität München 1998, 12 S. Frank Dengler: Bauen in historischer Umgebung. Die Architekten Dieter Oesterlen, Gottfried Böhm und Karljosef Schattner. Olms, Hildesheim u. a. 2001, ISBN 3-487-11882-3, Dissertation der Universität Bochum. Karljosef Schattner und Klaus Kinold: Architektur und Fotografie – Korrespondenzen. Birkhäuser, Basel 2003, ISBN 3-7643-6934-5. Nicolette Baumeister: Baukulturführer 26 – Jugendhaus, Schloss Pfünz. Koch, Schmidt u. Wilhelm 2006, ISBN 978-3-936721-76-8. Karl-Heinz Schmitz (Hrsg.): Karljosef Schattner. Architekt in Eichstätt. Festschrift zum 80. Geburtstag. Bauhaus-Universität Weimar, Weimar 2004.

Filmografie Neue Architektur im alten Palais. Dokumentarfilm, Deutschland, 1984, 43 Min., Buch und Regie: Dieter Wieland, Kamera: Hermann Reichmann, Produktion: Bayerischer Rundfunk, Reihe: Topographie, Inhaltsangabe und online-Video vom BR.

Weblinks

Schattner über Architektur, ku.de (Webarchiv 2012) Karljosef Schattner, auf bauwelt.de, 26. April 2012, Bildstrecke Der Scarpa von Eichstätt. Zum Tod des Architekten Karljosef Schattner, auf baunetz.de, 2012

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Darmstadt) Kategorie:Träger des Silvesterordens (Ritter)