mini|hochkant=1.3|Jaguar C-Type; Siegerwagenmodell von Peter Whitehead und Stirling Moss mini|hochkant=1.3|Der nach dem Rennen disqualifizierte Ferrari 375 MM Berlinetta von Umberto Maglioli und Piero Carini mini|hochkant=1.3|Die Rennstrecke von Reims-Gueux 1953 Das erste 12-Stunden-Rennen von Reims, auch XXXX° Grand Prix de L'ACF, 12 Heures Inter Les Voitures Sport, Reims, fand am 5. Juli 1953 auf der Rennstrecke von Reims statt und zählte zu keiner Rennserie.
Das Rennen
Vor dem Rennen
Der Ablauf des ersten 12-Stunden-Rennens von Reims war eine Neuheit für Fahrer, Teambesitzer und Mitglieder sowie für die Zuschauer. Das Rennen fand im Vorfeld zum Großen Preis von Frankreich statt, und das wenige Stunden vor dem dortigen Rennstart. Um einen einigermaßen vernünftigen Ablauf zu ermöglichen, verlegten die Veranstalter den Beginn des Sportwagenrennens auf die Zeit von Mitternacht zwischen Samstag und Sonntag. Nach 12 Stunden Fahrzeit endete das Rennen am Sonntagmittag. Drei Stunden später, um 15 Uhr Ortszeit, begann der Grand Prix. Ein Rennen mitten in der Nacht zu starten war ungewöhnlich, die Befürchtung, es kämen zu dieser Zeit keine Zuschauer an die Strecke, bestätigte sich nicht. Im Gegenteil herrschte dort in der Nacht ein ordentliches Treiben. Viele Menschen strömten aus der Innenstadt zur Strecke, wo eine Art Volksfeststimmung herrschte. Musikgruppen spielten auf mehreren Bühnen, Stände mit Lebensmitteln waren genauso geöffnet wie Marktstände von Wanderhändlern. Die Restaurants in der Nähe des Circuit waren ausgebucht, es gab ein Feuerwerk und in der von der Rennbahn nicht getrennten Boxenanlage bestaunten Interessierte die Rennwagen.
Vor Rennbeginn wurden die Fahrzeuge zum Le-Mans-Start aufgestellt. Da es kein Qualifikationstraining gab, folgte die Reihenfolge der Wagen deren Hubraumgröße. Ganz vorn standen die beiden Cunningham mit ihren 5,5-Liter-Chrysler-V8-Motoren. Briggs Cunningham und Sherwood Johnston fuhren einen C4-R, deren Teamkollegen John Fitch und Phil Walters einen C5-R. Dahinter standen drei Talbots und zwei Ferrari, der Werks-375-MM-Berlinetta von Umberto Maglioli und Piero Carini sowie der von Luigi Chinetti für sich und Phil Hill gemeldete 340 Mexico.
Peter Whitehead und Stirling Moss steuerten einen von Whitehead gemeldeten Werks-Jaguar C-Type, James Scott-Douglas und Ninian Sanderson einen C-Type der Ecurie Ecosse. Am Start waren unter anderem auch zwei Bristol 450 Coupé, angetrieben von einem 2-Liter-Sechszylinder-Reihenmotor, gefahren von Peter Wilson, Jack Fairman, Lance Macklin und Graham Whitehead. Neben Gordinis mit unterschiedlicher Motorleistung ist auch der Peugeot 203C Constantin erwähnenswert. Der vom Rennfahrer Alexis Constantin aufgebaute Wagen hatte eine auf dem Peugeot 203 basierende Aluminium-Karosserie, in die ein 1,3-Liter-4-Zylinder-Reihenmotor mit Kompressor eingebaut war.
Der Rennverlauf
Beim Rennstart lag die Strecke – der Circuit de Reims-Gueux bestand aus Abschnitten von öffentlichen Landstraßen – mit Ausnahme der Boxengasse in der Dunkelheit. Umberto Maglioli übernahm im Ferrari Coupé die Führung, dahinter lagen die beiden Gordinis von Jean Behra und Maurice Trintignant, der Cunningham von Phil Walters sowie Stirling Moss im Jaguar C-Type und George Abecassis, der einen HWM mit Jaguar-Motor steuerte. Maglioli setzte sich bald vom restlichen Teilnehmerfeld ab und bis zum ersten Tankstopp um 2:30 Uhr fielen Jean Behra mit einem Reifenschaden und Graham Whitehead mit einem Kupplungsschaden am Bristol aus.
Durch ungeschulte Streckenposten entstand in der Boxengasse ein Durcheinander. Während auf der einen Seite nur zwei Mechaniker an den Wagen arbeiten durften, waren es auf der anderen Seite drei. Laut dem damaligen Reglement durften neben der Person, die das Fahrzeug betankte, zwei weitere (einer davon konnte auch der Fahrer sein) sich am Wagen betätigen. Magliolis Teamkollege Piero Carini vergrößerte den Vorsprung auf die Konkurrenz beständig und fuhr eine schnellste Rennrunde, die für die zweite Startreihe der Startaufstellung für den Grand Prix gereicht hätte. Charles Faroux, der Mitbegründer des 24-Stunden-Rennens von Le Mans und wie dort auch in Reims als Rennleiter aktiv, gab vorab die Order aus, dass die Fahrzeuge bis 5 Uhr morgens mit eingeschaltetem Licht fahren mussten, eine Vorgabe, die Carini im Ferrari ignorierte, der ab 4:30 Uhr ohne Licht unterwegs war. Eine angedrohte Disqualifikation blieb aus, da auch andere Fahrzeuge bereits ohne Beleuchtung fuhren. Als Carini um 4:40 Uhr den Ferrari wieder an Maglioli übergab, sprang der Wagen nicht an und wurde von mehreren Personen angeschoben. Mit einem Vorsprung von drei Runden fuhr Maglioli erneut ohne Licht auf die Strecke. Nun sprach Faroux die Disqualifikation aus und forderte die Zeitnehmer auf, vom Ferrari keine Rundenzeiten mehr zu nehmen. Es folgte ein unwürdiges Schauspiel. Faroux und seine Kollegen in der Rennleitung blieben die präzise Erklärung schuldig, weshalb der Ferrari disqualifiziert wurde. Einmal war es das Fahren ohne Licht, dann wieder das Anschieben in der Boxengasse. Ferrari-Rennleiter Nello Ugolini reagierte heftig und warf Faroux vor, nur darauf gewartet zu haben, den überlegen führenden Ferrari aus irgendeinem nebulösen Grund disqualifizieren zu können.Über Nello Ugolini Als sich noch herausstellte, dass für das Aussprechen einer Disqualifikation das Zeigen der Schwarzen Flagge nötig sei, was vorerst unterblieben war, kam es in der Boxengasse zu tumultartigen Szenen. Der frühere Rennfahrer Albert Divo, der als Assistent von Faroux agierte, bastelte eine Flagge aus Stoffresten und zeigte sie prompt dem falschen Fahrzeug. Als es ihm endlich gelang, vor Maglioli die Fahne zu schwenken, fuhr dieser unbeirrt weiter. Erst als Ugolini einlenkte und Maglioli per Boxensignal zum Stoppen aufforderte, gab dieser unter heftigen Unmutsäußerungen des Publikums das Rennen auf.
Wegen des Qualifikationsdurcheinanders ging der Gesamtsieg von Moss und Whitehead, die im Jaguar C-Type ein fehlerfreies Rennen fuhren, fast unter. Ugolini ließ die Angelegenheit nicht auf sich beruhen und erklärte nach Rücksprache mit Enzo Ferrari den Rückzug der überlegenen Ferrari 500 von Alberto Ascari, Luigi Villoresi, Giuseppe Farina und Mike Hawthorn vom Grand Prix. Das alarmierte die Veranstalter, denn ein Großteil der Zuschauer war wegen den Monopostos der Scuderia Ferrari zur Rennstrecke gekommen. Charles Faroux musste klein beigegeben und sich persönlich bei Nello Ugolini und dem Ferrari-Team entschuldigen. Die vier Ferrari traten an (Mike Hawthorn gewann seinen ersten Weltmeisterschaftslauf), die Disqualifikation beim 12-Stunden-Rennen blieb aber aufrecht.
Ergebnisse
Schlussklassement
Pos. Klasse Nr. Team Fahrer Fahrzeug Runden 1 S + 2.0 4 P. N. Whitehead Peter Whitehead Stirling Moss Jaguar C-Type 243 2 S + 2.0 12 Talbot Louis Rosier Yves Giraud-Cabantous Talbot Lago T26GS 239 3 S + 2.0 11 Briggs Cunningham Briggs Cunningham Sherwood Johnston Cunningham C4-R 236 4 S + 2.0 6 Ecurie Ecosse James Scott-Douglas Ninian Sanderson Jaguar C-Type 228 5 S 2.0 23 Bristol Peter Wilson Jack Fairman Bristol 450 Coupé 214 6 S 2.0 27 François Picard François Picard Charles Pozzi Ferrari 166 MM/53 209 7 S 2.0 25 David Clarke Peter Scott-Russell Frazer Nash Le Mans Replica 208 8 S 750 36 Panhard et Levassor Pierre Chancel Robert Chancel Panhard Levassor X85 193 9 S 750 35 Panhard et Levassor Charles Plantivaux Maurice van der Bruwaene Panhard Levassor X87 190 10 S 750 33 Automobiles D.B. Élie Bayol Jacques Dannenmuller DB HBR 185 11 S 750 44 Guy Michel Malleret Renault 4CV 184 12 S 750 32 Automobiles D.B. Marc Gignoux Michel Penon D.B. HBR 183 13 S 2.0 30 Alexis Constantin Alexis Constantin Jacques Poch Peugeot 203C Constantin 182 14 S 750 40 Monopole Yvonne Simon Jean Hémard Monopole Panhard X85 181 15 S 750 38 Georges Trouis Robert Barbey D.B. HBR 178 16 S 750 46 Régie Renault Jean-Louis Rosier Yves Lesur Renault 4CV 178 17 S 750 42 R. Touzot A. Persillon D.B. HBR 175 18 S 750 42 Louis Cornet Terpandro Fanfani D.B. HBR 19 S 750 43 Vernet et Pairard Just-Émile Vernet Jean Pairard VP 166R Disqualifiziert 20 S 2.0 18 Scuderia Ferrari Piero Carini Umberto Maglioli Ferrari 375 MM Berlinetta Ausgefallen 21 S 2.0 20 Henri de Clarens Roger Loyer Henri de Clarens Gordini T15S 2.0 22 S + 2.0 1 H.W. Motors George Abecassis Paul Frère HWM 23 S + 2.0 3 Armand Roboly Armand Roboly John Simone Jaguar C-Type 24 S + 2.0 5 Luigi Chinetti Phil Hill Luigi Chinetti Ferrari 340 Mexico 25 S + 2.0 8 Equipe Gordini Maurice Trintignant Harry Schell Gordini T16S 2.5 26 S + 2.0 9 Equipe Gordini Jean Behra Jean Lucas Gordini T24S 3.0 27 S + 2.0 10 Briggs Cunningham John Fitch Phil Walters Cunningham C5-R 28 S + 2.0 15 Talbot Guy Mairesse Georges Grignard Talbot Lago T26GS 29 S 2.0 19 Equipe Gordini Roberto Mieres André Guelfi Gordini T15S 2.0 30 S 2.0 21 René Bourrely René Bourrely Marceau Crespin Gordini T15S 1.5 31 S 2.0 22 Bristol Lance Macklin Graham Whitehead Bristol 450 Coupé 32 S 2.0 28 Porfirio Rubirosa Pierre Leygonie Ferrari 166 MM/53 33 S 750 34 Automobiles D.B. André Moynet Grousset D.B. 34 S 2.0 49 Bob Said Jean-Claude Vidilles Osca MT4 1350 35 S + 2.0 14 Talbot Pierre Levegh Pierre Meyrat Talbot Lago T26GS 36 S 2.0 26 Roy Salvadori Tony Crook Frazer Nash Le Mans Replica 37 S 750 31 Automobiles D.B. René Bonnet Alphonse de Burnay D.B. HBR 784 38 S 750 39 Monopole Pierre Flahault Eugène Dussous Monopole 39 S 750 45 Jean Rédélé Jean Rédélé Louis Pons Renault 4CV Nicht gestartet 40 S 750 37 Louis Cosson Francis Durand D.B. 1
1 Unfall im Training
Nur in der Meldeliste
Hier finden sich Teams, Fahrer und Fahrzeuge, die ursprünglich für das Rennen gemeldet waren, aber aus den unterschiedlichsten Gründen daran nicht teilnahmen.
Pos. Klasse Nr. Team Fahrer Chassis 41 Pegaso Pegaso Z-102 41 Pegaso Pegaso Z-102 42 Marcu 43 S + 2.0 2 John Simone René Marchand Jaguar C-Type 44 S + 2.0 7 Jaguar 45 S + 2.0 16 William Spear William Spear Phil Hill Ferrari 340 MM 46 S + 2.0 17 Scuderia Ferrari Luigi Villoresi Mike Hawthorn Ferrari 46 S 2.0 24 Alan Brown Adolfo Schwelm-Cruz Cooper 47 S 2.0 29 M. Bied Brun Porsche 48 S 750 47 Annie Bousquet D.B. 49 S 2.0 48 Barthelemy Abbo Aston Martin
Klassensieger
Klasse Fahrer Fahrer Fahrzeug Platzierung im Gesamtklassement S + 2.0 Peter Whitehead Stirling Moss Jaguar C-Type Gesamtsieg S 2.0 Peter Wilson Jack Fairman Bristol 450 Coupé Rang 5 S 750 Pierre Chancel Robert Chancel Panhard Levassor X85 Rang 8
Renndaten
Gemeldet: 49 Gestartet: 39 Gewertet: 19 Rennklassen: 3 Zuschauer: unbekannt Wetter am Renntag: warm und trocken Streckenlänge: 8,347 km Fahrzeit des Siegerteams: 12:00,000 Stunden Gesamtrunden des Siegerteams: 243 Gesamtdistanz des Siegerteams: 2063,356 km Siegerschnitt: 169,696 km/h Pole Position: keine Schnellste Rennrunde: Piero Carini – Ferrari 375 MM Berlinetta (#18) – 2:47,000 = 179,941 km/h Rennserie: zählte zu keiner Rennserie
Literatur
Peter Higham: The Guinness Guide to International Motor Racing. A complete Reference from Formula 1 to Touring Car. Guinness Publishing Ltd., London 1995, ISBN 0-85112-642-1.
Weblinks
Rennbericht Ergebnisse
Einzelnachweise
#1953 Kategorie:Motorsportveranstaltung 1953