Die Klasse H15 war eine Baureihe von insgesamt 26 Ten-Wheeler-Dampflokomotiven mit Schlepptender, die ab 1914 für die London and South Western Railway (LSWR) gebaut wurden. Die Lokomotiven waren die erste Konstruktion von Robert Urie für die LSWR und wurden für den gemischten Dienst vor Güter- und Personenzügen entwickelt. Weitere Serien entstanden nach dem Grouping unter der Southern Railway (SR). Alle Lokomotiven der heterogenen Klasse wurden zwischen 1955 und 1961 ausgemustert.
Geschichte
Bau Zu Beginn des 20. Jahrhunderts litt die LSWR unter einem Mangel an leistungsfähigen und zuverlässigen Lokomotiven für schwere Güter- und Schnellzüge. Robert Urie, der damalige Chief Mechanical Engineer (CME) entwickelte daher einen robusten Ten-Wheeler mit zwei außenliegenden Zylindern.
Die ersten elf Lokomotiven wurden 1914 in den Eastleigh Works gebaut, wobei nur zehn Lokomotiven Neubauten waren. Die elfte Lokomotiven entstand aus dem Umbau der einzigen Lokomotive der LSWR-Klasse E14, der Nr. 335. Weitere 15 Maschinen folgten in 1924 unter Southern Railway, wobei zehn Lokomotiven neu gebaut wurden und die fünf Maschinen der leistungsschwachen F13‑Klasse umgebaut wurden.
Einsatz Die H15‑Lokomotiven wurden im gesamten Netz der LSWR und später der Southern Railway eingesetzt. Sie zogen sowohl schwere Güterzüge als auch Schnellzüge und galten als zuverlässige Allroundmaschinen. Aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit erhielten sie den Spitznamen Junior King Arthurs, in Anspielung auf die größere N15‑Klasse. Alle Lokomotiven kamen 1948 zu British Railway, wo sie der Leistungsklasse 4MT, später 4P5F zugeteilt wurden. Die Maschinen waren in den Depots Salisbury, Nine Elms und Eastleigh beheimatet. Zwischen 1955 und 1961 wurden alle Lokomotiven nach ungefähr 40 Dienstjahren ausgemustert. Die aus den Baureihen F13 und E14 umgebauten Lokomotiven erreichten über 50 Dienstjahre.
Technik Die H15-Lokomotiven waren einfache Zweizylinder-Lokomotiven mit außenliegender Walschaerts-Steuerung, die leichter zu warten war als die komplexen Vierzylinder-Lokomotiven Dugald Drummond. Die Treibräder hatten einen Durchmesser von 6 Fuß (1829 mm) und der Kessel wurde mit einem Arbeitsdruck von 180 psi (12,4 bar) betrieben.LSWR H15 class – Southern Railway E‑Mail Group
Die Lokomotiven waren mit Schlepptender verschiedener Bauarten gekuppelt: Die Lokomotive Nr. 335 behielt ihren 4500 Gallonen (20,5 m³) Wasser fassenden Watercart-Tender von Drummond, die Neubaulokomotiven der ersten Serie verfügten über Tender mit zwei Drehgestellen, die 5200 Gallonen (23,6 m³) Wasser und 7,1 Tonnen Kohle aufnehmen konnten. Die 1924 gebauten Exemplare waren mit dem von Drummond entworfenen Watercart-Tender mit Innenrahmen ausgestattet, der 5000 Gallonen (22,7 m³) Wasser und 5,1 Tonnen Kohle fassen konnte.
Beim Aussehen der Lokomotiven gab es zwei Varianten: Die älteren Exemplare hatten einen tief liegenden Umlauf, der nur bei den Zylindern angehoben war, um darüber hinwegzuführen. Hier waren die Treibräder von einem einzigen, geraden Radschutzkasten abgedeckt. Die späteren Exemplare besaßen einen höher liegenden, geraden Umlauf, der über die Antriebsräder hinwegführte, sodass kein Radschutzkasten nötig war.
Überhitzer Urie nutzte die Baureihe H15 für Versuche mit verschiedenen Überhitzer-Systemen – eine Technologie, die von der LSWR relativ spät eingeführt wurde: Aus der ersten Serie erhielten vier Lokomotiven Schmidt‑Überhitzer (Nr. 482–485) und vier Robinson‑Überhitzer (Nr. 486–498), die beiden Lokomotiven Nr. 490 und 491 wurden zunächst als Nassdampflokomotiven betrieben, ebenso die aus der E14 umgebaute Nr. 335. Mit den Erkenntnissen aus den Versuchen entwickelte Urie einen eigenen Überhitzer, der als Bauart Eastleigh bekannt wurde und in die Lokomotiven Nr. 490 und 491 eingebaut wurde.
Im Juni 1927 rüstete Richard Maunsell die Lokomotive Nr. 491 mit einem Kessel der King-Arthur-Klasse aus, der mit einem Druck von 200 psi (13,8 bar) arbeitete und mit einem Überhitzer der Bauart Maunsell ausgerüstet war. Anschließend wurden die anderen neun der oben genannten Lokomotiven mit Maunsell-Überhitzern ausgestattet, behielten jedoch ihre ursprünglichen Kessel.
Nummernliste SR-Nr.BR-Nr. InbetriebnahmeUmbau ausKlasseDatum derAusmusterungÜberhitzer-BauartenKesseldruckSchlepptender33030330F1311.05.1957Maunsell 1)12,4 bar5000 gal33130331F1318.03.1961Maunsell 1)12,4 bar5000 gal33230332F1303.11.1956Maunsell 1)12,4 bar5000 gal33330333F1325.10.1958Maunsell 1)12,4 bar5000 gal33430334F13Jun 58Maunsell 1)12,4 bar5000 gal33530335E1406.06.1959Eastleigh12,1 bar4500 gal47330473Eastleigh 12,4 bar5000 gal4743047430.04.1960Eastleigh 12,4 bar5000 gal4753047509.12.1961Eastleigh 12,4 bar5000 gal4763047609.12.1961Eastleigh 12,4 bar5000 gal4773047704.07.1959Eastleigh 12,4 bar5000 gal47830478Apr 59Eastleigh 12,4 bar5000 gal4823048209.05.1959Schmidt 1)12,4 bar5200 gal4833048322.06.1957Schmidt 1)12,4 bar5200 gal4843048409.05.1959Schmidt 1)12,4 bar5200 gal4853048509.04.1955Schmidt 1)12,4 bar5200 gal4863048611.07.1959Robinson 1)12,4 bar5200 gal48730487Nov 57Robinson 1)12,4 bar5200 gal4883048818.04.1959Robinson 1)12,4 bar5200 gal4893048928.01.1961Robinson 1)12,4 bar5200 gal49030490Eastleigh 2)12,4 bar5200 gal49130491Eastleigh 1),2)13,8 bar 3)5200 gal5213052109.12.1961Eastleigh12,4 bar5000 gal52230522Okt 61Eastleigh 12,4 bar5000 gal5233052309.12.1961Eastleigh 12,4 bar5000 gal5243052425.02.1961Maunsell 1)12,4 bar5000 gal 1) nach 1927 mit Maunsell-Überhitzer ausgerüstet
2) als Nassdampfmaschine geliefert, Überhitzer nachträglich eingebaut
3) nach 1927, zuvor 12,4 bar
Literatur Bradley, D. L.: An Illustrated History of LSWR Locomotives: The Urie and Maunsell Classes. Wild Swan Publications.
Weblinks
LSWR H15 class – Southern Railway E‑Mail Group
Einzelnachweise
Kategorie:Dampflokomotive Achsfolge 2C H15 Kategorie:Schienenfahrzeug (Eastleigh Works)