mini|Die renovierte Villa 31 (2024) mini|Video des Anwesens aus der Vogelperspektive (2019) Die Villa 31 (), auch als Hoxha-Villa bezeichnet, war das Wohnhaus des albanischen Diktators Enver Hoxha in der Hauptstadt Tirana.

Geschichte In den 1930er Jahren, als sich die junge Hauptstadt rasch entwickelte, wurde das Gebiet südlich der Lana in die Stadtplanung einbezogen und allmählich erschlossen. Im Gebiet, das später als Blloku bekannt werden sollte, wurden vor allem Villen errichtet, in denen die Elite des Landes ein Zuhause fand. Diese Entwicklung setzte sich fort, als Albanien von 1939 bis 1943 italienisch besetzt war.

Der ehemalige Parlamentsabgeordnete Hamit Myftiu (1947 von den Kommunisten hingerichtet) verpachtete 1940 ein Grundstück im Neubauviertel für 99 Jahre an den italienischen Unternehmer Vittorio Ercole BellotiIn gewissen Quellen (wie Funke), die nur seinen Nachnamen nennen, wird er auch „Belloni“ genannt.. Innerhalb von zwei Jahren baute die Italienerin Velleda Lucia Costa aus Genua ein Haus im Italienisierenden Stil auf dem Grundstück. 1942 wurde schließlich der Pachtvertrag aufgehoben und Haus sowie Grundstück an Costa verkauft. Trotz der veränderten Besitzverhältnisse lebte Belloti weiterhin darin.

Nach dem Einmarsch der Kommunisten in Tirana im November 1944 bezog der kommunistische Machthaber Hoxha zuerst im Hotel Dajti Quartier. Die meisten Bewohner des Villenviertels hatten zu diesem Zeitpunkt Albanien verlassen. Koçi Xoxe ließ die Villen beschlagnahmen. Hoxha interessierte sich für die „Belloti-Villa“, die er schließlich bezog. In deren unmittelbarer Nachbarschaft befand sich die Residenz seines Parteigenossen Koçi Xoxe, in der bis 1944 Ibrahim Biçakçiu gelebt hatte. Der Stadtteil Blloku, in dem sich die Gebäude befanden, wurde zum abgesperrten Wohngebiet für die Staatsführung Albaniens – ähnlich zu Wandlitz bei Berlin. Die Öffentlichkeit hatte keinen Zutritt zu diesem von Soldaten abgeschirmten Stadtteil im Herzen Tiranas. Einzig die Nomenklatura der Sozialistischen Volksrepublik verkehrte hier.

Nach Xoxes Hinrichtung 1949 bezog Hoxha gemeinsam mit seiner Frau Nexhmije auch dessen Villa, sodass er und seine drei Kinder – teilweise mit Ehepartnern und Enkeln – schließlich in beiden Häusern lebten. Die Platzverhältnisse waren trotzdem recht beengt, und als sich Hoxhas Gesundheit Anfang der 1970er-Jahre deutlich verschlechtert hatte, wurde entschieden, das Anwesen mit einem Anbau zu erweitern, der der eingeschränkten Mobilität und den Pflegebedürfnissen von Hoxha gerecht wurde. Die Renovierung und der Anbau wurden vom albanischen Architekten Sokrat Mosko durchgeführt, der von der chinesischen Architektur inspiriert war. In den 1960er- und 1970er-Jahren pflegte das albanische Regime enge Verbindungen zur Volksrepublik China. 1974 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Anfang der 1980er-Jahre wurde das Haus erweitert und große Glasfenster eingebaut. In der Villa 31 verbrachte Hoxha seine letzten zehn Lebensjahre, bis er 1985 verstarb. Zu diesem Zeitpunkt wohnten neun Erwachsene und sieben Kinder in der Residenz.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 1990 in Albanien musste Nexhmije Hoxha mit ihren Kindern und deren Familien das Haus verlassen und Möbel, Gemälde und viele Bücher zurücklassen: Die Residenzen galten als Staatseigentum.

Die neue Regierung beschlagnahmte das Gebäude und ließ das Innere vollständig unversehrt. Ab 1991 wurde die Villa gelegentlich für Empfänge der albanischen Regierung und als Gästehaus der Regierung genutzt. In der angrenzenden Xoxe-Villa sind ein Café, eine Sprachschule und andere Unternehmen untergebracht.

2024 wurde die Villa 31 von der französischen Stiftung Art Explora zu Künstlerresidenzen umgebaut. Seit 2025 dürfen Künstler mit Stipendium für jeweils drei Monate in der Villa wohnen.

Beschreibung des Gebäudes mini|Der Gebäudekomplex mit den beiden Villen in der linken Bildhälfte und dem Anbau dahinter rechts (2019) Die Hauptvilla mit Anbau, der als die eigentliche Villa 31 bezeichnet wird, besteht aus drei Stockwerken sowie Untergeschoss und bietet eine Wohnfläche von 3400 Quadratmetern. Hoxha, seine Frau Nexhmije, die drei Kinder und Hoxhas ledige Schwester Sanije verfügten je über eigene Wohnungen im Gebäude. Durch einen Korridor verbunden ist die zweite Villa, die nach 1974 primär für Hoxhas Büchersammlung genutzt wurde.

Die Villa umfasst geräumige Wohn- und Arbeitsbereiche. Das Erdgeschoss diente mit großem Saal, Wohn- und Esszimmern auch nicht-privaten Zwecken und konnte für Anlässe wie Empfänge oder Treffen des Politbüros genutzt werden. Neben den Wohnräumen in den Obergeschossen fanden sich in der Villa zwei Treppenhäuser, zwei Aufzüge (Hoxha hatte im Alter Mühe mit dem Treppensteigen), ein Kino, ein Schwimmbad, Küchen und mehrere zusätzliche Räume für das Personal.

Fliesen für die Bäder und Küchen, Möbel und Einrichtungsgegenstände stammten mehrheitlich aus dem Ausland. Einige Sonderanfertigungen wurden im Möbelkombinat in Tirana hergestellt. An den Wänden wurden Kunstwerke des sozialistischen Realismus angebracht.

Der große Garten umfasst Spazierwege, Teiche, Brunnen, Skulpturengruppen sowie Pflanzen, Sträucher und Bäume.

Ein Tunnel im Untergeschoss hätte ermöglicht, im Notfall schnell zu fliehen. Wo der Tunnel endet, lässt sich heute nicht mit Gewissheit sagen.Funke (2025) schreibt, dass sich die vielen Gerüchte nicht überprüfen lassen, da der Tunnel überflutet und nicht begehbar sei.

Anmerkungen

Literatur Philipp Funke: A Dictator’s Home. Inside Enver Hoxha’s Vila 31. Revolver Publishing, Berlin 2025, ISBN 978-3-95763-550-1.

Weblinks

Einzelnachweise Kategorie:Wohngebäude in Albanien Kategorie:Bauwerk in Tirana Kategorie:Erbaut in den 1970er Jahren Kategorie:Enver Hoxha Kategorie:Villa Kategorie:Umgenutztes Bauwerk Kategorie:Bauwerk der Moderne in Albanien Kategorie:Wikipedia:Artikel mit Video