mini|Kalksteinrelief von Hans Aesslinger, Schlacht Karls des Großen gegen die Hunnen bei Regensburg, um 1546, Gotha Stiftung Friedenstein.

Das Steinrelief mit der Darstellung der Schlacht Karls des Großen gegen die Hunnen bei Regensburg befindet sich seit dem 17. Jahrhundert in der Kunstkammer der Friedenstein Stiftung Gotha. Motiv ist die Schlacht Karls des Großen gegen die Hunnen bei Regensburg. Das Relief wurde zwischen 1546 und 1567 von Hans Aesslinger (gest. um 1567) gefertigt. Es ist aus Solnhofener Kalkstein gefertigt und misst 55 cm × 65,2 cm. Bis 1632 war das Relief Bestandteil der Münchner Kunstkammer. Die Auftraggeber sind nicht bekannt.

Darstellung Zu sehen ist eine zunächst unübersichtliche Schlachtenszene. Im Vordergrund treffen mehrere Ritter in schwerer Rüstung zu Pferd aufeinander, einige Ritter sind bereits durch Lanzenhiebe vom Pferd gestürzt, verletzt oder tot, auch Pferde sind zu Boden gegangen. Die von links heranreitenden Ritter scheinen die Sieger, die von rechts kommenden die Verlierer. Im Hintergrund setzt sich das Schlachtengetümmel bis weit in die Bildtiefe fort. Über allem schwebt ein mit einem Schwert bewaffneter Engel. Kaum sichtbar ist hinter dem Schlachtfeld, das von unzähligen, steil aufragenden und sich überkreuzenden Lanzen, Fahnen und Standarten geprägt ist, eine befestigte Stadt mit hohen Türmen. Auf einer Texttafel in der linken unteren Ecke wird das Bildthema genannt. Die zentrale Reiterfigur in prächtiger Rüstung ist demnach Karl der Große, der bewaffnete Engel in den Wolken ist direkt von Gott zur Hilfe gesandt. Der Text lautet: CAROLVS MAGNVS ASSISTENTE ANGELO CEDIT HVNOS RATISPONE IN COLLE WEICHANT PETER (Karl der Grosse hat, unterstützt vom Engel, die Hunnen in Regensburg am Hügel von Weih St. Peter besiegt). Die beiden letzten Wörter der Inschrift wurden irrtümlich als Name eines Künstlers Peter Weichant angesehen, gemeint ist aber Weih St. Peter (das Schottenkloster), in dessen Nähe die Schlacht stattgefunden haben soll. Neben der Schrifttafel der bayerische Löwe, der den Orden vom Goldenen Vlies trägt und Schilde mit dem bayerischen sowie dem österreichischen Wappen hält. Das Werk muss also nach 1546 entstanden sein, dem Jahr der Hochzeit Herzog Albrechts V. von Bayern mit Erzherzogin Anna von Österreich, auf die sich die Wappen beziehen, und der Verleihung des Ordens an Albrecht.

Legende Die Schlacht Karl des Großen gegen die Hunnen (Awaren) soll vor den Toren Regensburgs stattgefunden haben und zur Gründung des Regensburger Schottenklosters St. Jakob geführt haben. So heißt es im Libellus de fundacione ecclesiae consecrati Petri Ratisponae aus dem 13. Jahrhundert, doch diese beiden Ereignisse lagen über dreihundert Jahre auseinander. Diese Schlacht war eine beliebte Darstellung, die immer wieder als Herrscherallegorie benutzt wurde, weil jeder Kaiser sich gerne in der Nachfolge Karls des Großen sehen wollte. Insgesamt ist sie als Sinnbild des Christentums bzw. des Abendlands über das Heidentum, das Morgenland, zu lesen. Kaiser Karl der Große mit seinem Heer war der christliche Gewinner, die besiegten Hunnen waren die heidnischen Unterlegenen.

Provenienz Das Relief wird im sogenannten Ficklerschen Inventar der Münchner Kunstkammer von 1598 beschrieben: eine „Dafel […], […] von aschenfarben oder Khirchperger stain, in ein hülzen geleist eingefaßt, dem roten Marmelstain gleich angemahlt, zum thail vergult, darauf die Histori von Kaiser Carl dem großen, wie er die Hunnen bey Regenspurg geschlagen, und ime ein Engl vom Himmel ain schwert zugebracht“. 1632 wurde die Steintafel bei der Plünderung der Kunstkammer entwendet und befindet sich seit dem 17. Jahrhundert in der Kunstkammer in Gotha, heute Schlossmuseum Gotha.

Weitere Darstellung des Themas Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befindet sich ein Gemälde des Regensburger Malers Albrecht Altdorfer, das ebenfalls diese legendäre Schlacht zeigt.

Weblinks https://hainhofer.hab.de/register/objekte/muenchen_steinrelief_schlacht_karls_des_grossen_gegen_die_hunnen https://www.friedensteine.de/sammlung?item=BF21361D746F4AC2BE7F3A2AFBFC2D47

Literatur Die Herzogliche Kunstkammer in Gotha. Band 1: Inventare, Band 2: Katalog. Herausgegeben von Ingrid Dettmann und Agnes Strehlau für die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Petersberg 2021, ISBN 978-3-7319-0926-2. Die Münchner Kunstkammer. Bearbeitet von Dorothea Diemer u. a. (= Bayerische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse. Abhandlungen. Neue Folge. Band 129). 3 Bde., München 2008. Juliane Brandsch, Allmuth Schuttwolf: Ernst der Fromme (1601–1675) – Bauherr und Sammler: Katalog zum 400. Geburtstag Herzog Ernsts I. von Sachsen-Gotha und Altenburg. Aus den Sammlungen der Herzog-von-Sachsen-Coburg-und-Gotha’schen-Stiftung für Kunst und Wissenschaft. Gotha 2001, S. 81, Nr. 2.1 Allmuth Schuttwolf: Sammlung der Plastik, Schlossmuseum Gotha [1150–1850]. Gotha 1995, S. 96ff., Nr. 30 Christian Bruno von Klobuczynski, Kai Block: Der Krieg Karls des Großen gegen die Awaren 791 bis 796 - beschrieben durch Einhard in seiner "Vita Karloli Magni" aus dem Jahre 836. München 1996. Anne Langenkamp: Philipp Hainhofers Münchner Reisebeschreibungen. Eine kritische Ausgabe. 2 Bde., Diss. TU Berlin 1989, Berlin 1990, Bd. 2, S. 138–139, Anm. 217 Adolf Bube. Das Herzogliche Kunstkabinet zu Gotha. Gotha 1869, S. 49f., Nr. VII/5/8

Einzelnachweise

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