mini|Das Denkmal auf einer Zeichnung von Hans Blum, 1862 als Stich von Wilhelm Aarland in der Gartenlaube veröffentlicht Das Heinrich-Simon-Denkmal ist eine Gedenkanlage in Murg im Schweizer Kanton St. Gallen, die an den deutschen demokratischen Politiker und Unternehmer Heinrich Simon (1805–1860) erinnert, der 1860 im Walensee ertrank. Die Anlage wurde 1862 nach Plänen von Luigi Chialiva erbaut. Das Reliefporträt stammt von Ludwig Keiser; Johann Jacoby verfasste die seitlich angebrachten Inschriften.

Geschichte Heinrich Simon stammte aus dem damals preussischen Breslau und wurde im Vormärz zu einer Schlüsselfigur der Linken. Nach der Märzrevolution 1848 gehörte er der Frankfurter Nationalversammlung an, musste nach deren Auflösung 1849 aber in die Schweiz flüchten, wo er ab 1851 in Zürich wohnhaft war. 1854 gründete er das Kupferbergwerk am Mürtschenstock, 1858 eine Gesellschaft zum Schieferabbau, die Steinbrüche in Engi GL und Pfäfers SG betrieb,Christian Baertschi: Heinrich Simon. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 25. November 2016, abgerufen am 3. Januar 2026. weswegen er oft in der Region um den Walensee weilte. Am 16. August 1860 ertrank er bei Murg im Walensee. Seine Leiche wurde nie gefunden.

Im September 1860 konstituierten Weggefährten in Berlin ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Simon und riefen öffentlich zu Spenden auf.Eidgenossenschaft. In: Berner Zeitung. Band 16, Nr. 221, 17. September 1860, S. 1 (online). Den Vorsitz hatte offenbar Johann Jacoby inne,Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 19, 19. Januar 1862, S. 74 (online). ferner waren auch Franz Duncker, Hermann Heidel, Julius Springer, Adolf Stahr, Hans Victor von Unruh, Gustav Coqui und Friedrich Zabel beteiligt.Heinrich Simon-Denkmal. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 275, 2. Oktober 1862, S. 1111 (online).Heinrich Simon’s Denkmal. In: Süddeutsche Zeitung. Abendblatt. Nr. 44, 24. Januar 1861, S. 4 (online). Das Denkmal sollte, «umgeben von Gebüsch und Ruheplätzen», «ein fernhin sichtbares Zeichen dankbarer Erinnerung an die unvergeßlichen Bestrebungen des begeisterten Arbeiters an dem Bau staatlicher Freiheit» werden. Die Gemeinde Murg hatte zuvor Simons Bruder Gustav ein Stück Land «in Mitte einer schön gelegenen Wiese» geschenkt.St. Gallen. In: Berner Zeitung. Band 16, Nr. 209, 3. September 1860, S. 2 (online).Die Präsidentin des Deutschen Bundestages schickte ein Grusswort. In: Oberländer Tagblatt. Band 22, Nr. 251, 27. Oktober 1995, S. 3 (PDF; 39,3 MB). Im Januar 1861 waren bereits genug Spenden eingegangen, um mit der konkreten Planung zu beginnen.Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung. Sonntagsausgabe. Nr. 27, 27. Januar 1861, S. 100 (online). Im Januar 1862 verfügte das Komitee über 1176 Taler, was ungefähr 4000 Schweizer Franken entsprach.Deutschland. In: St. Galler Zeitung. Nr. 19, 23. Januar 1862, S. 75 (online). Für die Baupläne zeichnete der Tessiner Luigi Chialiva verantwortlich, der soeben sein Architekturstudium am Zürcher Polytechnikum bei Gottfried Semper, dessen Lieblingsschüler er gewesen sein soll, abgeschlossen hatte.Heinrich Simon-Denkmal. In: Der Bund. Band 13, Nr. 265, 26. September 1862, S. 2 (online).

Einweihung Die Einweihung fand am Vormittag des 5. Oktober 1862 statt. Die in Zürich tätigen deutschen Exilanten Hermann Köchly, Carl Nauwerck und Jodocus Temme avisierten die Feier in Schweizer Zeitungen und luden alle in der Schweiz lebenden Deutschen, «welche einem großen Patrioten die letzte Ehre erweisen möchten», dazu ein. Die meisten der etwa 400 TeilnehmerGlarus. In: Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz. Nr. 232, 8. Oktober 1862, S. 930 (online). kamen mit dem Zug, der um 5:10 Uhr in Zürich losfuhr. Ausser Jacobi, Temme und Nauwerck reisten weitere exilierte Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung an: Moritz Hartmann aus Genf, Karl Mayer aus Neuenburg, Philipp Schwarzenberg aus Florenz, Ludwig Simon aus Paris und Otto Carl Würth aus Chur. Der Journalist und Bankier Ludwig Bamberger reiste aus Paris an, der Anwalt Carl Hilty, der Simons Nichte Johanna Gaertner geheiratet hatte, aus Chur. Ebenfalls zugegen waren die Zürcher Studentenverbindung «Teutonia»Die Einweihungsfeier des Denkmals von Heinrich Simon. In: Der Landbote. Nr. 240, 8. Oktober 1862, S. 1 (online). und deutsche Arbeitervereine aus Glarus, Schwanden und Zürich.Denkmal Heinrich Simon’s. In: Der Bund. Band 13, Nr. 277, 8. Oktober 1862, S. 2 (online).Die Einweihung des Heinrich Simon-Denkmals. In: St. Galler Zeitung. Nr. 240, 10. Oktober 1862, S. 1 f. (online).

Die Festgemeinde besammelte sich um 11 Uhr am Bahnhof Murg und begab sich dann in einem feierlichen Umzug zum Denkmal. Die Zeremonie wurde vom Sängerverein Murg und vom Männerchor «Harmonie» aus Zürich, der unter anderem Die Wacht am Rhein sang, musikalisch untermalt. Nach einigen einleitenden Worten übergab Johann Jacoby das Denkmal der Gemeinde Murg, in deren Namen es der «greise» Gemeindepräsident Gmür dankend in Empfang nahm. Die Festrede hielt Moritz Hartmann. Nationalrat Josef Leonhard Bernold aus Walenstadt pries zum Schluss «den Segen der Geistes- und Stammesverwandtschaft zwischen Deutschland und der Schweiz». Im Namen des Kantons St. Gallen und der Schweiz versprach er, das Denkmal «heilig zu halten als ein Pfand der Einigkeit zwischen Deutschen und Schweizern, und als ein Vorzeichen einer bessern Zukunft, des Freiheitssieges auch in Deutschland». Vor ihrer Rückkehr speisten die Teilnehmer unter freiem Himmel gemeinsam zu Mittag, wobei weitere Reden gehalten wurden.Einweihung des Heinrich Simon-Denkmals am Wallensee. In: Der Bund. Band 13, Nr. 278, 9. Oktober 1862, S. 2 (online).Hans Blum: Die Todtenfeier eines deutschen Flüchtlings. In: Die Gartenlaube. Heft 46, 1862, S. 731–736 (Digitalisat auf Wikisource).

Der 21-jährige Hans Blum, Sohn des nach dem Wiener Oktoberaufstand 1848 hingerichteten Robert Blum, schrieb für die Gartenlaube einen ausführlichen Bericht über die Einweihung und trat damit zum ersten Mal «mit einer größern literarischen Arbeit» in Erscheinung.

Heinrich-Simon-Stiftung Gustav Simon wanderte kurz vor dem Tod seines Bruders nach Manchester aus. Seine Nachfahren blieben formell im Besitz des Denkmalgrundstücks, hielten über Generationen hinweg den Kontakt mit Murg aufrecht und unterstützen die Gemeinde bis heute finanziell beim Unterhalt. 1991 schlug der Murger Ortspräsident Titus Giger vor, eine Stiftung zu gründen, «um die Zukunft des Denkmals zu sichern und die Besitzverhältnisse klarzustellen». Die «Heinrich-Simon-Stiftung» wurde am 26. Oktober 1995 mit einer kleinen Feier beim Denkmal gegründet. Detlef K. Müller überbrachte zu diesem Anlass ein Grusswort der Präsidentin des Deutschen Bundestags Rita Süssmuth. Im Stiftungsrat nahmen nebst Giger auch Brian und Andrew Simon, die eigens aus England anreisten, Einsitz.Heinrich-Simon-Gedenkstiftung gestern in Murg gegründet. In: Oberländer Tagblatt. Band 22, Nr. 251, 27. Oktober 1995, S. 1 (PDF; 39,3 MB).

Renovation Da das Denkmal von Touristen nur schwer auffindbar sei und sein ehedem idyllischer Standort durch den Bau der Autobahn A3 stark gelitten habe, regte der Ortspräsident Titus Gmür 2015 an, es ans Ufer des Walensees zu versetzen.Marlies Dyk: Heinrich Simon – denk mal drüber nach. In: Sarganserländer. 20. April 2015, S. 7 (PDF; 442 kB). Es wurde schliesslich am ursprünglichen Ort belassen und in den Jahren 2018 und 2019 für rund 70'000 Franken umfassend renoviert. Dabei wurden unter anderem die Bodenplatten ersetzt, die Bänke abgebaut, saniert und neu verfugt, die Inschriften neu vergoldet und der Lorbeerkranz durch eine Replik ersetzt.Sepp Azzola: Renovationsbericht. Mels, 26. August 1919 (PDF; 2,7 MB). Zudem wurde der Zugang von der Strasse her verbessert. Den Grossteil der Kosten bestritten die Ortsgemeinde Murg, der Lotteriefonds des Kantons St. Gallen und der Bund, ferner gingen Spenden aus England und Deutschland ein.Heinrich Simon-Stiftung: Bauabrechnung Sanierung Heinrich Simon Denkmal. Murg, 20. Januar 2020 (PDF; 797 kB).

Beschreibung Das Heinrich-Simon-Denkmal steht oberhalb des Dorfes Murg, am «Denkmalweg» unter der Autobahn A3 (Walenseestrasse). Vom Bahnhof Murg aus ist es in einem fünfminütigen Fussmarsch erreichbar.

Es ist an eine Berghalde angelehnt und bildet eine breite, tempelartige Anlage. Das zentrale Element ist eine in die Stützmauer eingebaute, von zwei mit Festons geschmückten ionischen Säulen getragene Ädikula. Auf deren Fries steht in goldenen Lettern: «HEINRICH SIMON». Im Oberfeld der Rückwand ist ein Medaillon aus weissem Laaser Marmor eingelassen, das Simons Brustbild im Relief zeigt und mit «L. Keiser sc. in Zürich 1862» signiert ist. Zwischen den Säulensockeln ruht ein Lorbeerkranz. Links und rechts der Ädikula sind Gedenktafeln mit von Johann Jacoby verfassten Inschriften angebracht.

Die offene Veranda ist mit Sitzbänken versehen, die wie der Zwischengurt aus Rotem Mainsandstein bestehen. Für die Sockelblöcke und Schrifttafeln wurde einheimischer grau-blauer Malmkalk verwendet, für die meisten übrigen Elemente grau-grüner Bollinger Sandstein. Einzelne Elemente wie die seitlichen Balken wurden im 20. Jahrhundert durch grauen Kunststein ersetzt.

Siehe auch

Liste von Denkmälern im Kanton St. Gallen

Literatur Heinrich Simon-Denkmal. In: Der Bund. Band 13, Nr. 265, 26. September 1862, S. 2 (online). Die Einweihung des Heinrich Simon-Denkmals. In: St. Galler Zeitung. Nr. 240, 10. Oktober 1862, S. 1 f. (online). Hans Blum: Die Todtenfeier eines deutschen Flüchtlings. In: Die Gartenlaube. Heft 46, 1862, S. 731–736 (Digitalisat auf Wikisource).

Weblinks

Heinrich Simon Denkmal auf der Website der Ortschaft Murg

Einzelnachweise

Kategorie:Denkmal in der Schweiz Kategorie:Quarten