Sophie Eleonore, Gräfin zu Stolberg-Stolberg (* 6. August 1669 in Ortenberg in der Wetterau; † 3. November 1745 in Stolberg (Harz)) war eine religiös geprägte deutsche Adlige, die aus theologischem Interesse die größte deutsche Sammlung von Leichenpredigten schuf.Eva Labouvie: FrauenGestalten Jahrhunderte – eine Einleitung. In: dies. (Hrsg.): Frauen in Sachsen-Anhalt: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon, Band 1: Vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert. Böhlau Verlag, Köln und Weimar 2016, S. 15–41, hier S. 34.
Leben Sophie Eleonore wurde 1669 in Ortenberg geboren und wuchs in einem streng religiösen Umfeld auf. Als Tochter des Grafen Christoph Ludwig zu Stolberg-Stolberg und der Luise Christine, Tochter des Grafen Georg II. von Hessen-Darmstadt, gehörte sie dem Hochadel an. Bereits im Kindesalter legte sie, offenbar angeregt durch ihr eigenes historisch-genealogisches Interesse, insbesondere in Bezug auf ihre Großmutter Sophie Eleonore von Hessen-Darmstadt, eine beachtliche Sammlung an Leichenpredigten aus einem Zeitraum von zwei Jahrhunderten.Mareike Fingerhut-Säck: Stolberg-Stolberg, Sophie Eleonore zu (1669–1745). In: Eva Labouvie (Hrsg.): Frauen in Sachsen-Anhalt: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon, Band 1: Vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert. Böhlau Verlag, Köln und Weimar 2016, S. 345–347, hier S. 346. Sie entschied sich gegen eine Ehe und blieb zeitlebens ledig. Ihr Alltag war geprägt von tiefem Glauben und wissenschaftlichem Eifer.
Im September 1692 besuchte Rosamunde Juliane von der Asseburg Sophie Eleonore zu Stolberg-Stolberg als einen ihrer „persönliche[n] Kontakte zu pietistischen Kreisen“.Markus Matthias: Asseburg, Rosamunde Duliane von der (1672–1712). In: Eva Labouvie (Hrsg.): Frauen in Sachsen-Anhalt: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon, Band 1: Vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert. Böhlau Verlag, Köln und Weimar 2016, S. 89–91, hier S. 90.
Ab 1714 widmete sie sich fast ausschließlich dem Aufbau ihrer Sammlung und der Erstellung gedruckter Kataloge, was für eine Frau ihrer Zeit eine außergewöhnliche organisatorische Leistung bedeutete.
Ursprünglich wollte sie lediglich untersuchen, wie Geistliche unterschiedlicher Konfessionen Begräbnistexte auslegten. Mit Unterstützung der Geistlichen Johann Arnold Zeitfuchs, Johann Georg Scharff und Gottfried Balthasar Scharff wuchs das Vorhaben zu einem Archiv von etwa 40.000 Predigten an. Die Dokumente enthalten detaillierte Lebensläufe von Personen aus allen sozialen Schichten. Die Sammlung diente daher für die Deutsche Biographie und für Familienforschung im Allgemeinen als eine wichtige Quelle. Teile des Bestandes und die Kataloge werden in verschiedenen Bibliotheken und Archiven aufbewahrt.
Sophie Eleonore zu Stolberg-Stolberg lebte sehr zurückgezogen und konzentriert auf ihre Arbeit in Stolberg, wo sie 1745 im Alter von 76 Jahren starb.
Aus ihrem Nachlass geht hervor, dass sie eine Leidenschaft für Kleidung, Schmuck und Jagdflinten hatte.
Literatur Mareike Fingerhut-Säck: Stolberg-Stolberg, Sophie Eleonore zu (1669–1745). In: Eva Labouvie (Hrsg.): Frauen in Sachsen-Anhalt: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon, Band 1: Vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert. Böhlau Verlag, Köln und Weimar 2016, ISBN 978-3-412-50128-0, S. 345–347.
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