Christina Emilie Emma von Hallberg, verh. Bunteschu, (* 18. Oktober 1824 in Köln;Geburtsurkunde Nr. 1573/1824. Nordrheinwestfäisches Personenstandsarchiv Rheinland. † 13. Dezember 1862 ebenda) war eine deutsche Dichterin und Revolutionärin. Gemeinsam mit Mathilde Franziska Anneke und einem Zirkel von weiteren Freunden engagierte sie sich in der Revolution von 1848/1849, insbesondere im Hinblick auf die Rechte von Frauen. Nach dem Scheitern der Revolution und dem Verlust von Freundschaften versank sie gegen Ende ihres Lebens in Depressionen. Lange waren sie und ihr schriftstellerisches Werk vergessen und wurden erst ab den 1980ern von der Literaturwissenschaft wiederentdeckt.
Biographie Emilie Emma von Hallberg wurde als eines von vier Kindern von Joseph Bitz (1800–1839), genannt von Hallberg, und Marie Auguste, geborene Köllner, (1793–1872) auf dem Eigelstein in Köln geboren. Sie hatte eine ältere Schwester und zwei jüngere Brüder, Leo und Rudolph. Die Eltern heirateten erst vier Jahre nach ihrer Geburt. Der Vater war ein nichtehelicher Sohn des Grafen Constantin August von Hallberg (1766–1824). Dieser war mit Luise Gräfin von Lichnowsky verheiratet, lebte aber viele Jahre lang mit Johanna Augustine Bitz zusammen. Aus dieser Verbindung stammten der Vater von Emilie Emma von Hallberg sowie ihr Onkel Johann Baptist (1804–1869). Das Scheidungsverfahren zwischen den Großeltern zog sich von 1794 bis 1815 hin und nach dem Tod von Constantin August von Hallberg gab es weitere jahrelange Gerichtsstreitigkeiten um die Zahlung einer Rente für dessen nichteheliche Söhne.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 236/37.
Über die Kindheit und die schulische Ausbildung von Emilie Emma von Hallberg ist wenig bekannt. Als sie 14 Jahre alt war, starb ihr Vater. Am 22. Mai 1844 heiratete sie Johann Degenhard Wilhelm Bunteschu (1820–1855), einen Privatsekretär und späteren städtischen Krahn- und Waagemeister.Kölnische Zeitung. Nr. 295, 11. Dezember 1849, S. (zeitpunkt.nrw). Auch Bunteschu verfasste und veröffentlichte Gedichte. Die Ehe blieb kinderlos.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 242/43. Durch Briefe von Mathilde Franziska Anneke ist bekannt, dass von Hallberg und ihr Mann zu dem Zirkel von oppositionellen jungen Intellektuellen in Köln gehörten, aus dem der Kölner Arbeiterverein entstand; Anneke nannte diesen Kreis „unser kommunistisch-ästherisches Klübchen“.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 239. Die Eheleute Bunteschu gehörten zu den aktivsten Mitgliedern des Kreises, bei denen man sich zweimal wöchentlich traf. Unter den Besuchern befanden sich Andreas Gottschalk, Begründer des Kölner Arbeitervereins, Nikolaus Hocker, August Willich, Emma und Georg Herwegh, Michail Bakunin sowie Ida und Ferdinand Freiligrath.
Aus diesem Kreis heraus entwickelten sich in Köln entscheidende Ereignisse während der Revolutionen 1848/1849, indem etwa Andreas Gottschalk, Fritz Anneke, Nikolaus Hocker und August Willich Kundgebungen organisierten, Flugblätter verfassten und schließlich den Kölner Arbeiterverein gründeten. Emilie Emma von Hallberg und Mathilde Franziska Anneke unterstützten diese Aktivitäten und versuchten, wenn auch erfolglos, einen demokratischen Frauenverein zu gründen.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 244/45.
mini|hochkant|Titelblatt der Waldmährchen und Balladen 1849 1849 wurde ein erstes Gedicht von Hallbergs mit dem Titel Eine alltägliche Geschichte in der Neuen Kölnischen Zeitung abgedruckt, in dem das Schicksal einer jungen Frau geschildert wird, die sich prostituiert, um ihr Kind zu retten. Diese „soziale Ballade“, so die Literaturwissenschaftlerin Maria Wagner, sei ihrer „Zeit weit voraus“, in Form und Inhalt. Es sei „Rebellion gegen die der Frau aufgezwungene Rolle in moralischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht“. Zitiert nach: Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 251. Diesem Gedicht folgten zahlreiche weitere, darunter auch politische, in denen sie etwa die Liebe zur Freiheit über die Liebe zu einem Mann setzte; Hintergrund könnte die Trennung von ihrem Mann im Jahre 1851 gewesen sein.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 243. Die Allgemeine Deutsche Biographie bescheinigte ihrer Poesie 1879 „die größten Gegensätze hart neben einander, oft in ein und demselben Gedichte: wilde Schmerzausbrüche neben der zartesten Wehmuth, weibliche Anmuth neben Trotz und Hohn, ja man muß hinzufügen, mitunter reizvolle Poesie neben trockener Prosa in der Auffassung“. Mehrere Gedichte von ihr wurden vertont, so etwa 1856 von Anton Mayer (1780–1854) ihr Gedicht Es rüttelt der Wind die Bäume.
Die Revolution scheiterte, und Mathilde Franziska Anneke und ihr Mann mussten das Land verlassen. In den folgenden Jahren veröffentlichte von Hallberg nur einige Liebesgedichte in einem Musen-Almanach, bis 1854 Waldmährchen und Balladen, ein Gedichtband in zwei Bänden mit Balladen, Märchen und Liedern, von ihr publiziert wurde, in denen sie sich weiterhin kämpferisch und selbstbewusst zeigte: „Ich bin kein Stern – ich bin die Fackel nur“.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 259. In anderen Gedichten schrieb sie: Die deutschen Frauen haben gezeigt, Sich frei im Denken und Handeln, Und wie sie das Joch der Sklaverei, In blühenden Lorbeer verwandeln.Zitiert nach: Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 264.Der Frauen Klugheit wurde zur List, Ihr Witz ist Bosheit geworden, Und ihre Thatkraft erschöpften sie nur Ihren guten Namen zu morden.
mini|hochkant|Sterbeurkunde von Emilie Emma von Hallberg Als Reaktion auf solche kritischen Gedichte wurde versucht, Emilie Emma von Hallberg „mundtot“ zu machen, indem man sie mit persönlichen Verdächtigungen überzog bis hin zu einem Prozess wegen Beleidigung vor einem Gericht in Trier.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 265.
1857 verfasste von Hallberg als „glühende Anhängerin“ von Heine anonym Heinrich Heines Himmelfahrt. Eine Geisterstimme als Replik auf Wolfgang Müllers Schmähschrift Höllenfahrt von Heinrich Heine. Sie sei empört gewesen über die „wahrhaften pöbelhaften Angriffe auf den kürzlich […] entschlafenen Dichter […]“. Auch habe sie sich gegen Müllers Versuche gestellt, die emanzipatorischen Bemühungen von Frauen wie Bettina von Arnim oder Fanny Lewald verächtlicht zu machen, so Kiehnbaum.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 262/63. Allerdings hatte sie bereits Ende 1857 „den Schleier der Anonymität, in den sie sich zeither hüllte, zerrissen“ und sich als Verfasserin des Werkes bekannt.
1857 und 1858 veröffentlichte von Hallberg zwei Hefte mit dem Titel Die neue deutsche Nationalliteratur, kritisch, satyrisch vom Verfasser von Heinrich Heines Himmelfahrt, in denen sie in Versen die Werke verschiedener Dichter kritisch beurteilte. So lobte sie Heines Dichtungen, wohingegen sie etwa dem patriotischen Dichter Wolfgang Müller prophezeite, „in die Rumpelkammer verwiesen zu werden“.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 267. Darauf antwortete Hermann Marggraff, Herausgeber der Blätter für literarische Unterhaltung, diese „Dame“ habe das Recht verwirkt, „galant behandelt zu werden“, und sie täte besser daran, „die Löcher an den Strümpfen als die Löcher der Literatur zu stopfen“.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 251.
In den folgenden Jahren erschienen nur noch wenige Texte von Emilie Emma von Hallberg, die zum Teil von gesellschaftlicher Einsamkeit und persönlicher Perspektivlosigkeit geprägt waren, wie etwa das Gedicht Wohin?, in dem sie die Starre des Winters und damit die Erstarrung nach der Revolution thematisiert. Kiehnbaum: „Es mag wohl ihre widerborstige Art gewesen sein, die unter Bedingungen, wo sich nicht nur Verleger, sondern auch frühere Freunde sich an ein reaktionäre System anpassten […] zu einer Einsamkeit führte, die kaum zu ertragen war und an ihren Kräften zehrte.“Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 275. Ihre letzte bekannte Veröffentlichung erschien 1860 im Illustrirten Familien-Journal.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 273. Im selben Jahr erhielt sie Besuch von Anneke, die sich in einem Brief ablehnend über die „hässliche Frau Bunteschu“ äußerte.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 276.
Emilie Emma von Hallberg verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Haus ihres Bruders Rudolph in der Königstraße 7, der eine Feinkosthandlung und eine Likörfabrik unterhielt. Sie starb am 13. Dezember 1862 im Alter von 38 Jahren in der Großen Telegraphenstraße Nr. 25 in Köln. Im Jahr darauf kam Mathilde Anneke erneut nach Köln und besuchte Nikolaus Hocker, den von Hallberg als „Judas“ bezeichnet und mit ihm gebrochen hatte, weil er sich von den revolutionären Ideen abgewandt hatte. Dieser „mache“ – so Anneke – nun „in Literatur“ und habe sich ein „hübsches Haus zusammengeschrieben“. Er berichtete Anneke über von Hallbergs „tiefe Versunkenheit am Ende“, ohne offenbar, wie Kiehnbaum schreibt, „einen Gedanken daran, welchen Anteil er selbst an diesem Zustand gehabt haben mag“.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 277. So sei nach ihrem Tod das Gerücht von einer „vereinsamten, möglicherweise geisteskranken oder gemütsverwirrten Frau“ in die Welt gesetzt worden.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 278.
Über 100 Jahre war Emilie Emma von Hallberg eine „vergessene Dichterin“, bis die Forschung sie ab den 1980er Jahren wiederentdeckte.Kiehnbaum, Emilie Emma von Hallberg, S. 233.
Publikationen
Waldmährchen und Balladen. 2 Bände. Troschel, Trier 1854–1855 (Digitalisat).
Literatur
Einzelnachweise
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