Hieronymus Gratzmüller (* 19. Januar 1824 in München; † 16. Mai 1895 in Augsburg) war ein deutscher Benediktiner und Pädagoge. Er gilt als derjenige, der die Gabelsberger-Kurzschrift (Stenographie) an Schulen einführte.

Leben und Wirken Gratzmüller legte 1845 seine Profess in St. Stephan (Augsburg) ab. Als Schüler und Freund Franz Xaver Gabelsbergers, des Erfinders der Gabelsberger-Kurzschrift, einer Form der Stenographie, legte er 1848 mit der Einführung des Stenographie-Unterrichts am Gymnasium bei St. Stephan (Augsburg) den Grundstein für den Kurzschriftunterricht an Schulen. Als Prior der Benediktinerabtei St. Stephan war er zugleich Direktor des angeschlossenen Studienseminars. Gratzmüller gründete am 11. Dezember 1856 den Gabelsberger Stenographenverein, den Vorgänger des Augsburger Stenografenvereins.

Für Stenographen ergaben sich in den deutschen Bundesstaaten, so auch in Bayern, im Zeitalter des Konstitutionalismus neue Berufschancen, weil dort nun nach dem Vorbild der französischen und englischen Kammern Parlamentsmitschriften angefertigt wurden. Aber auch im wissenschaftlichen und bildungsbürgerlichen Bereich, zunächst weniger im Bürobetrieb, setzte sich die "Gabelsberger" als die erfolgreichste aller Kurzschriften durch. Sie wurde auch im Ausland adaptiert.

Gratzmüllers Kurzgefasstes Lehrbuch der Gabelsbergerschen Stenographie erhielt 1853 den Preis für „das beste kurzgefasste, nach Gabelsbergers Lehre und den von der Versammlung selbst vereinbarten Schreibweisen gemäss bearbeitete Lehrbuch der Redezeichenkunst.“Vorrede zur ersten Auflage von Hieronymus Gratzmüller: Kurzgefasstes Lehrbuch der Gabelsbergerschen Stenographie (Redezeichenkunst). Preisschrift. Hgb. von der ersten allgemeinen Versammlung Gabelsberger’scher Stenographen zu München. 1. Aufl. 1853. Zitiert nach der 22. Auflage. München : Franz 1880, Vorwort. (Digitalisat).

Die kleine Schrift im Umfang von 55 Seiten mit weiteren 40 Seiten Schriftbeispielen erlebte – nur wenig umgearbeitet – in rascher Folge zahlreiche Auflagen und eine hohe Verbreitung. 1876 waren bereits 36.000 Exemplare verkauft.Vorwort zur 11. Aufl. (1876); ebda. Fast 70 Jahre nach dem ersten Erscheinen und 25 Jahre nach dem Tod des Verfassers kam um 1920 die 142. und wohl letzte Auflage heraus.

Ehrungen In Augsburg Benennung der Gratzmüllerstraße (1973), im Bahnhofs- und Bismarckviertel, früher: Gabelsbergerstraße.

Anmerkungen

Literatur Walther Feldbauer: Geschichte des Augsburger Stenographenvereins 1856 e.V. (1981). Thomas Wich: Gratzmüller, Hieronymus. In: Stadtlexikon Augsburg Digitalisat

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