Viviane Sassen (geboren am 5. Juli 1972 in Amsterdam) ist eine niederländische Modefotografin und Fotokünstlerin. Sie arbeitet häufig mit absurden Bildinszenierungen, Collagen, Elementen aus der bildenden Kunst und Körperabstraktionen. Ihre Werke werden als surrelistisch beschrieben. Sie wurde zweimal mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet, 2007 erhielt sie den Niederländischen Prix de Rome und 2011 den Infinity Award des International Center of Photography in New York.

Leben Viviane Sassen lebte als Kind einige Jahre mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf in Kenia, Nyabondo, in der Nähe des Victoriasees, da ihr Vater dort die örtliche Polioklinik leitete. Sie hat zwei Brüder, die dort geboren wurden. Als sie fünf war, kehrten ihre Eltern in die Niederlande zurück, nach Zutphen. Ihr Vater starb durch Suizid, als sie 22 war. Sie begann 1990 ein Modedesign-Studium an der ArtEZ hogeschool voor de kunsten, der Kunsthochschule in Arnhem, wechselte jedoch 1992 an die Kunsthochschule nach Utrecht, wo sie Fotografie und Kunst studierte. Das Studium schloss sie 1997 mit einem Master of Fine Arts ab.

Seit 1992 arbeitet sie als freie Fotografin, ihr Atelier befindet sich in Amsterdam, unweit der Prinsengracht. Ihre erste Beziehung hatte sie mit dem niederländischen Schriftsteller Tommy Wieringa. Sie ist mit einem Niederländer verheiratet, das Paar hat einen Sohn, der 2008 geboren wurde.

Werk Viviane Sassen hat ihren Schwerpunkt in der künstlerischen und der Modefotografie. In einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit gab sie an, dass eine Tätigkeit als Model während ihres Modestudiums sie dazu gebracht habe, selbst die Kamera in die Hand zu nehmen, im Verlangen nach einer Art von Selbstermächtigung. Um die Jahrtausendwende begann sie Freundinnen und Kollegen als Subjekte in Fotografien einzubeziehen, die sich zu der Zeit mit Körperakten und der „Erforschung weiblicher Sexualität“ befassten. Die Bildstrecken wurden in Magazinen wie Purple und Dazed & Confused veröffentlicht.

Sie arbeitet oft mit Collagen und Abstraktionen ineinander verschlungener Körper, bei denen die Gesichter der Fotografierten nicht zu erkennen sind. Der menschliche Körper erscheint in ihren Fotografien oft fragmentiert und neu zusammengesetzt, in einem beinahe skulpturalen Verständnis von Fotografie. Sowohl während der Aufnahmen als auch in der anschließenden Bildbearbeitung spielt sie mit Farbfiltern, farbigen Kompositionen und geometrischen Formen im Bildkontext, die sowohl im Umgebungsraum durch Alltagsgegenstände entstehen als auch als Objekt von ihr für die Aufnahme ins Bild gesetzt werden oder anschließend durch Übermalung und Collagierung erzeugt werden.

Als Stilmittel nutzt sie helles Mittagslicht in ihren Aufnahmen, was in der Fotografie eher unüblich ist. In ihren frühen Arbeiten entwarf sie Bildinszenierungen zunächst in Skizzenbüchern und setzte sie dann mittels analoger Fotografie um, heute arbeitet sie ausschließlich digital mit einer Mittelformatkamera des Herstellers Phase One.

Im Jahr 2001, im Alter von 29 Jahren, kehrte sie zum ersten Mal seit ihrer Kindheit auf den afrikanischen Kontinent zurück, was sich im 2008 erschienenen Fotoband Flamboya spiegelt, der assoziativ Porträtfotos von Zufallsbegegnungen collagiert. Auch die Fotografien zum Buch Parasomnia (2011) sind in Afrika entstanden, an unterschiedlichen Schauplätzen. Sassen versteht die Bilder als eine künstlerische Auseinandersetzung mit ihren Kindheitserinnerungen an die Zeit in Kenia. Das Buch enthält neben ihren Bildern eine Kurzgeschichte des ugandischen Schriftstellers Moses Isegawa.

Das Buch Umbra (2015) und die dafür entstandenen Werke entstanden als Auseinandersetzung mit den Depressionen und dem Tod ihres Vaters. Sie spielt darin mit Variationen von Dunkelheit und Schatten. Für die Ausstellung Umbra im Nederlands Fotomuseum gelangte Sassen auf die Shortlist des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2015.

Sie fotografierte zahlreiche Bildstrecken für internationale Magazine und Zeitungen und ist auch in der Werbefotografie tätig. So fotografierte sie etwa für Bottega Veneta Mica Argañaraz und Sven de Vries im Kröller-Müller Museum für die Frühjahrs-/Sommer-Kollektion 2016 und Natalie Portman und Yara Shahidi für Dior im Jahr 2022.

2018 gestaltete sie für ein Jahr lang eine Fotokolumne für das Zeit-Magazin, in deren Rahmen Kurzlyrik der Dichterin Maria Barnas, mit der sie seit vielen Jahren bekannt ist, zu ihren Bildern gestellt wurden.

Viviane Sassen wird international von der in Südafrika ansässigen Stevenson Gallery vertreten, die Niederlassungen in Johannesburg und Kapstadt unterhält. Werke von ihr befinden sich unter anderem in der Mercedes-Benz Art Collection, im Museum of Modern Art in New York, im San Francisco Museum of Modern Art, im Museum Arnhem und im Nederlands Fotomuseum in Rotterdam.

Publikationen (Auswahl) Flamboya. Contrasto, Amsterdam 2008, ISBN 978-88-6965-139-7. Sol & Luna. Libraryman, Hägersten 2009, ISBN 978-91-86269-24-1. Sketches. Polaroids made in Africa. 1. Auflage. Kominek, Berlin 2010. (2. Auflage 2015) Parasomnia. Prestel Verlag, München 2011, ISBN 978-3-7913-4521-5. Die Son Sien Alles. Libraryman, Hägersten 2011, ISBN 978-91-86269-19-7. Roxane. Oodee, London und Paris 2012, ISBN 978-0-9570389-1-2. In and Out of Fashion. Prestel, München 2012, ISBN 978-3-7913-4828-5. Etan & Me. Odee, London und Paris 2013, ISBN 978-0-9570389-4-3. Lexicon. Art Beat, Tokio 2014, ISBN 978-4-902080-48-3. Pikin Slee. Prestel, München 2014, ISBN 978-3-7913-4953-4. Umbra. Prestel, München 2015, ISBN 978-3-7913-8160-2. Roxane II. Odee, London und Paris 2017, ISBN 978-0-9570389-9-8. Shigeo Goto, Sawako Fukai (Hrsg.): Of Mud And Lotus. Art Beat, Tokio 2017, ISBN 978-4-902080-63-6. Heliotrope. TBW Books, Oakland 2018, ISBN 978-1-942953-33-3. Hot Mirror. Prestel, München 2018, ISBN 978-3-7913-8476-4.

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 2001: I see you gorgeous blossom special, Fotofestival Naarden 2005: mit Emmeline de Mooij: Realm, Motive Gallery, Amsterdam 2006: Die son sien alles, Motive Gallery, Amsterdam 2007: As the crow flies, Museum Jan Cunen, Oss 2008: Flamboya, FOAM Fotografiemuseum, Amsterdam 2008: Flamboya, De Gang, Haarlem 2010: Moshi, Stevenson Gallery, Kapstadt 2010: Sketches & Flamboya, Kominek Galerie, Berlin 2011: Sketches & Flamboya, Fotohof, Salzburg 2011: Parasomnia, Motive Gallery, Amsterdam 2012: Youth Code, Photo Biennale Daegu, Südkorea 2012: There There, Crawford Gallery, Cork, Irland 2013: In and Out of Fashion, Rencontres d’Arles 2013: In and Out of Fashion, Scottish National Portrait Gallery, Edinburgh 2013: Three Magi, Kunstverein Arnsberg 2014: Umbra, Nederlands Fotomuseum, Rotterdam 2014: Analemma: Fashion Photography 1992–2012, The Photographers’ Gallery, London 2014: In and Out of Fashion, Fotomuseum Winterthur 2014: In and Out of Fashion, Fotografie Forum Frankfurt 2014: Lexicon, Moontower Foundation (Rebecca Horn) 2015: Pikin Slee, Etan & Me, Museum Hilversum 2015: Pikin Slee, Centre PasquArt, Biel 2015: Pikin Slee, Institute of Contemporary Arts, London 2016: Lexicon, Hordaland Kunstsenter, Bergen 2017: Of Mud and Lotus, Stevenson Gallery, Johannesburg 2017: Umbra, Fotografiska, Stockholm 2017: Umbra, Deichtorhallen, Hamburg 2017: Umbra, Museum of Contemporary Photography, Chicago 2018: Hot Mirror, Hepworth Wakefield 2019: Visible/Invisible, Grand Trianon im Schloss Versailles, Frankreich 2020: Venus & Mercury, Huis Marseille Museum für Fotografie, Amsterdam 2022: Stanze, Foto Forum Bolzano 2022: Venus and Mercury, Museum of Contemporary Art Zagreb 2023: Phosphor – Art & Fashion, Maison Européenne de la Photographie, Paris 2023: Fabulous Monsters, Dat Bolwerck, Zutphen 2024: Phosphor – Art & Fashion, Fotografiemuseum Amsterdam 2024: Phosphor – Art & Fashion, Fotografiska, Shanghai 2024: Phosphor – Art & Fashion, 12th Kyotographie Festival, Japan 2025: This Body Made of Stardust, Collezione Maramotti, Reggio Emilia 2025: The Body as Sculpture, Fotografiska Berlin

Gruppenausstellungen 2000: Kinship, Amsterdam Centrum voor Fotografie, Amsterdam 2003: Rotterdam Design Prijs, Museum Booijmans van Beuningen, Rotterdam 2006: Die Liebe zum Licht, Städtische Galerie Delmenhorst 2006: Die Liebe zum Licht, Robert Simon Stiftung, Celle 2007: Festival International de Mode et de Photographie, Villa Noailles, Hyères 2007: Dutch Fantasy – Nouvelles images de mode Néerlandaises, Institut Néerlandais, Paris 2010: Flamboya, Brighton Photo Biennial, kuratiert von Martin Parr, Brighton 2011: New Photography 2011, Museum of Modern Art, New York, mit Moyra Davey, Zhang Dali, George Georgiou, Deana Lawson und Doug Rickard 2011: No fashion, please!, Kunsthalle Wien 2012: The Youth Code, im Rahmen der Daegu Photo Biennale, Südkorea, mit Anouk Kruithof, Ryan McGinley und Willem Popelier 2012: Young People, Fotomuseum Winterthur 2012: Six Yards: Guaranteed Dutch Design, Museum for Modern Art, Arnhem 2013: The Encyclopedic Palace, 55. Biennale di Venezia 2013: Art and Textile: Fabric as Material and Concept in Modern Art from Klimt to the Present, Kunstmuseum Wolfsburg 2013: Oranje, Schlifka-Molina Gallery, Buenos Aires 2013: 43 Salón (inter) Naçional de Artistas, Museo de Antioquia, Medellín 2014: Where there’s smoke, Fraenkel Gallery, San Francisco 2014: Kunst & Textil, Staatsgalerie Stuttgart 2015: Umbra, Deutsche Börse Photography Foundation Prize, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 2015: Umbra, Deutsche Börse Photography Foundation Prize, TPG London 2015: Ray DE 2015, Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt am Main 2015: When I give, I give myself, Van Gogh Museum, Amsterdam 2016: Freundschaftsspiel Istanbul-Freiburg, Museum für Neue Kunst Freiburg 2017: Blue Black, Pulitzer Arts Foundation, St. Louis, USA 2017: Blurred Lines: A Matter of Attitude, Ulster Museum, Belfast 2017: Sea Views, Rijksmuseum Amsterdam

Preise und Auszeichnungen 2007: Prix de Rome für die Serie Ultra Violet 2009: Finalistin beim Best Book Award für Flamboya, Rencontres d’Arles 2009: Finalistin beim Kees Scherer Prize für Flamboya, Fotofestival Naarden 2011: Infinity Award in der Kategorie Angewandte Fotografie/Mode-/Werbefotografie des International Center of Photography 2013: Deutscher Fotobuchpreis für Parasomnia 2013: Kees Scherer Prize für In and Out of Fashion, Fotofestival Naarden 2015: Honorary Fellowship Award der Royal Photographic Society 2015: Kunstpreis der Stadt Leinfelden-Echterdingen 2015: David Octavius Hill Medaille der Deutschen Fotografischen Akademie 2016: Deutscher Fotobuchpreis für Umbra

Weblinks Website von Viviane Sassen Viviane Sassen auf artnet.de

Einzelnachweise

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