Geraardsbergen (, deutsch Gerhardsbergen, lokal Giesbaargen) ist eine Stadt in der Denderstreek der belgischen Provinz Ostflandern. Sie besteht aus 16 Teilgemeinden: dem Stadtkern und 15 ländlichen Gemeinden. Die Stadt zählt Einwohner (Stand ). Eine Sehenswürdigkeit ist das Manneken Pis, dessen Original vermutlich älter ist als dasjenige in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Unter Radsportfans ist die Stadt, die sich direkt an den Oudenberg anlehnt, durch die dortige sogenannte Mauer von Geraardsbergen bekannt, einen berühmten Anstieg auf der ehemaligen Strecke der Flandernrundfahrt. Mit dem Bosberg befindet sich auch der ehemals letzte Anstieg dieses Radklassikers bei Geraardsbergen. Weiterhin bekannt ist Geraardsbergen für seine Mattentaart. Patronheilige der Stadt sind der Hl. Bartholomäus und Hl. Hadrian. mini|Geraardsbergen, 1649
Geschichte mini|Die Hunnegemer Priorei (2005) Geraardsbergen wurde nach 1060 durch Balduin VI. von Flandern wegen seiner strategischen Lage auf einem Hügel zum rechten Ufer der Dender an der Grenze zum Herzogtum Brabant gegründet. Die Grafschaft war bis 1046 durch die Schelde begrenzt, bis Balduin V. das Gebiet zwischen Schelde und Dender einnahm. Die Städte auf dem neuerworbenen Gebiet bzw. die Neugründungen mussten diesem entsprechend Schutz bieten. Daher kaufte Balduin den Hügel mit dem ihn umringenden Gebiet von Geraard van Hunnegem, woher sich der Name Geraardsbergen ableitet. Die lateinische Bezeichnung des Ortes Geroaldi Montem bestand schon vor der Gründung des Oppidums. Die vorstädtische fränkische Niederlassung Hunnegem liegt auf dem linken Ufer und außerhalb des ummauerten Stadtkernes auf dem rechten Ufer am Fuße des Oudenberges. 1068 erwarb der Ort die Stadtrechte durch den neuen Grafen Balduin VI. Die Stadtrechte wurden am Ende des 12. Jahrhunderts schriftlich durch Philipp vom Elsass bestätigt.
1081 überzeugte Robert I. mit Unterstützung durch den Herrn von Boelare die Benediktiner, ihre Abtei aus Dikkelvenne nach Geraardsbergen zu verlegen. 1175 wurden die Reliquien des hl. Adrian von Nikomedien zur St. Petersabtei gebracht, die daraufhin in St. Adriansabtei umbenannt wurde. Die Abtei sollte für die Stadtentwicklung von großer Bedeutung sein. Sie kannte ein lange und große Blüte, was sich in einem entsprechend wichtigen Abteikomplex niederschlug. Die Verehrung des hl. Adrian als Schutzpatron schützte gegen die Pest, sodass Geraardsbergen eine größere Bekanntheit, sodass die Stadt sogar manchmal Adrianopolis genannt wurde. Verschiedene Wunder wurden vor Ort der Verehrung des Hl. Adrian zugeschrieben.
Ab dem 12. Jahrhundert wurde Geraardsbergen ein Zentrum des Tuchhandels. Die Stadt entwickelte sich ab dem 13. Jahrhundert auf dem linken Ufer der Dender fort. 1332 wurden neue Festungsmauern, Türme und Stadttore gebaut. In der Folge entwickelte sich in Geraardsbergen eine Ober- und Unterstadt.
Im 15. und 16. Jahrhundert war Geraardsbergen so wie Oudenaarde, Brüssel, Aalst und Edingen durch die Produktion von Wandteppichen bekannt. Die Produktion war qualitativ auf einem sehr hochstehendem Niveau; die Prunkstücke sind weltweit in Museen verbreitet (u. a. Wien, Boston und Madrid).
Die Entwicklung der Stadt stagnierte verschiedene Male durch Belagerungen, Brände und Epidemien. Im Streit der Grafen von Flandern mit der Stadt Gent stellte sich Geraardsbergen auf die Seite Gents und wurde deshalb 1381 durch Truppen des Grafen niedergebrannt. Im Vergleich mit der Entwicklung anderer Städte zogen Aalst und Oudenaarde an Geraardsbergen vorbei. Im 16. Jahrhundert wurde 1549 die Stadt von einem großen Brand und durch verschiedene Pestepidemien zwischen 1558 und 1585 erfasst. Am Ende des 16. Jahrhunderts waren nur noch 182 Häuser bewohnt.
Ab dem 17. Jahrhundert begann Geraardsbergen wieder zu blühen, der Tuchhandel erreichte 1697 seinen Höhepunkt und die Produktion von Spitze nahm ihren Anfang, vor allem schwere Chantilly aus Geraardsbergen wurde weltweit gehandelt und erreichte zwischen 1849 und 1870 ihre größte Blüte.
Inzwischen wurde 1838 eine Streichholzfabrik errichtet und 1849 begann die Produktion von Zigarren. Geraardsbergen entwickelte sich zu einer immer belangreicher werdenden Industriestadt, die 1855–1867 zudem durch Eisenbahnlinien erschlossen wurde (Aalst-Brussel; Melle; 's Gravenbrakel).
Geraardsbergen entwickelte sich im 20. Jahrhundert zur Regionalstadt. Wegen der zu kleinen Stadtfläche zogen die Einwohner vermehrt in angrenzende Randgemeinden, die sich in der Folge auch nach Geraardsbergen selbst hin entwickelten und mit der Gemeindefusion 1971 zu großen Teilen zur Stadt Geraardsbergen verschmolzen. Die weiter entfernt gelegenen Randgemeinden kamen erst 1977 zur Stadt.
Stadtgliederung Neben der eigentlichen Stadt besteht Geraardsbergen noch aus verschiedenen Teilgemeinden, die 1971 (Onkerzele, Overboelare, Goeferdinge und Nederboelare) bzw. 1977 (Schendelbeke, Idegem, Moerbeke, Viane, Zarlardinge, Ophasselt, Smeerebbe-Vloerzegem, Grimminge, Zandbergen, Nieuwenhove und Waarbeke) eingemeindet wurden.
# Name Fläche(km²) Bevölkerung(31/12/2005) I Geraardsbergen 1,91 6.445 II Overboelare 7,60 3.916 III Zarlardinge 6,53 962 IV Goeferdinge 3,83 2.609 V Nederboelare 2,16 923 VI Schendelbeke 5,89 1.754 VII Ophasselt 7,49 1.662 VIII Smeerebbe-Vloerzegem 3,66 760 IX Idegem 3,41 1.631 X Zandbergen 6,90 1.614 XI Nieuwenhove 1,99 467 XII Waarbeke 2,58 236 XIII Grimminge 4,41 934 XIV Onkerzele 8,31 2.738 XV Moerbeke 6,43 2.968 XVI Viane 6,59 1.740 Quelle: Stadt Geraardsbergen
Overboelare mini|St.-Aldegondis-Kirche Overboelare liegt im Südwesten von Geraardsbergen. Der Dorfkern ist mit der Stadt zusammengewachsen. Es entstand im 13. Jahrhundert als die zweite Parochie auf der Domäne Boelare, zuerst 822 als 'Buonlare' vermeldet, was morastiges, waldbewachsenes Terrain (Germanisch 'hlaêri') auf flachem Grund (Germanisch 'bôn') bedeuten soll. Um den Unterschied zur bereits bestehenden Parochie Boelare deutlich zu machen, fügte man beiden Namen der Lage an der Dender gemäß Nieder- bzw. respektive Ober- zum Namen hinzu.
Bis zur Französischen Revolution gehörte es zum Kerngebiet der Baronie von Boelare, in der Kastellanei des Landes von Aalst und teilte daher dessen Geschichte. Mit dem nahegelegenen Nachbar Goeferdinge formte es eine Vierschar.
Sehenswert ist die dreischiffige ursprünglich klassizistische St.-Algondis-Kirche von 1770, der 1864 das neogotische Querschiff, sowie Chor, Turm und wesentliche Teile des Mobiliars hinzugefügt wurden. In Overboelare spielt auch der Fußballverein KVR Overboelare.
Zarlandinge mini|Sicht auf Zarlardinge Das Dorfzentrum liegt nicht mal einen Kilometer westlich von dem Goeferdinges. Besonderes Ereignis stellt die St. Antoniusverering am 17. Januar und der sogenannte Trippenworp dar.
Goeferdinge mini|Historisches Gebäude in Goeferdinge Goeferdinge ist durch Landstraßenbebauung mit Overboelare und dem Zentrum verbunden. Erst sehr spät, nämlich im 15. Jahrhundert, wird Goeferdinge als 'Goefferdinghen' (zurückgehend auf Godafrithinga Haim bzw. Hufe/Niederlassung von Godfrieds Nachkommen) vermeldet. Die Parochie gehörte bis zur Französischen Revolution zur Baronie von Boelare, in der Kastellanei und dem Land von Aalst, zusammen mit Overboelare formte es eine Vierschar. Die zahlreichen Funde aus der späten Frühgeschichte (Neolithicum) und der römischen Zeit verdeutlichen eine lange Besiedlungsgeschichte in der hügeligen Lehmlandschaft von Goeferdinge. Der Hogeweg auf der Grenze zu Overboelare gelegen, ist Teil einer römischen Wegtrasse, die Geraardsbergen mit der römischen Niederlassung Flobecq-Le Puvinage (Hennegau) verband. Auf den hochgelegenen, fruchtbaren Ackern entlang dieses Hogeweges fand man Reste einer gallorömischen Villa. Zusammen mit anderen Fundorten, bspw. den Resten eines merowingischen Gräberfeldes (6. und 7. Jahrhundert) in Overboelare und dem frühmittelalterlichen Siedlungskern von Hunnegem, weist dies auf eine Besiedlungskontinuität des südwestlichen Areals von Geraardsbergen seit der gallorömischen Zeit hin. Die St.-Bavo-Kirche wurde 1776 vollständig im klassizistischen Stil wiederaufgebaut, das Interieur entstammt der gleichen Epoche. Von der alten Kirche blieb nur ein quaderförmiges Taufbecken übrig.
Nederboelare Nederboelare liegt im Norden des Geraardsberger Stadtzentrums, ist jedoch ebenfalls mit der Stadt verwachsen. Nederboelare hieß ursprünglich nur Boelare, erstmals 822 als 'Buonlare vermeldet'. (Zur Namensgeschichte siehe oben bei Overboelare.)
Bis zur Französischen Revolution war es das Zentrum der Baronie von Boelare, in der Kastellanei und dem Land von Aalst, mit dem es wie Overboelare dieselbe Geschichte teilt. Jedoch formte Nederboelare mit dem nahegelegenen Onkerzele eine Vierschar.
Sehenswert sind das umwallte Kastell von Boelare, ein aus dem 18. Jahrhundert anstelle der ursprünglichen feudalen Burg errichteter Komplex und früherer Sitz der gleichnamigen Baronie, sowie die moderne St.-Makarius-Kirche mit ihrem alleinstehenden Turm von 1971–72. Entwerfer waren die Architekten Leus und Gavel (Gent) und Borremans (Geraardsbergen).
Schendelbeke mini|Kirche von Schendelbeke 868 wird Schendelbeke erstmals als 'Scemtlebeke'; erwähnt, worauf erst 1186 Scindelbecca und 1186 dann Scendelbeke wird. Die darüber hinaus auftauchende Variante 'Scemtlebeke' wurde durch romanischsprachige Menschen aufgeschrieben und dürfte deshalb eher weniger als repräsentativ gelten. Ebenso bleibt der erste Teil des Namens rätselhaft. Die Herrschaft war zu Beginn ein eigenes Gut, Lehen der Grafschaft Aalst an eine Familie, die sich nach dem Ort benannte. Einer der Herren Willem Van Schendelbeke, war 1386 Oberer Vogt des Landes von Aalst. Am Ende des 13. Jahrhunderts fand man die Domäne in Händen von Jan Geylinck, Ratsherr des flämischen Grafen Lodewijk van Crécy. Er stiftete das Kartäuserkloster, das später nach Sint-Martens-Lierde übergehen sollte. Sein Erbe Jan Hergod gab die Herrschaft 1334 Nicolas Van Belle ab, Baron von Boelare und wurde Herzstück der Baronie von Boelare bis zur Französischen Revolution. Danach gehörte die Burg der Parochie. Der Ort formte mit Smeerebbe eine Vierschar. Sehenswert ist die St.-Amandus-Kirche von 1669. Inzwischen wurde sie mehrmals umgebaut, vor allem zwischen 1822 und 1890. Das Interieur beherbergt den Hauptaltar von 1783 aus der verschwundenen St. Adriansabtei von Geraardsbergen. Die Orgel vom Beginn des 19. Jahrhunderts ist seit 1980 denkmalgeschützt, seit 2003 gilt dies für die gesamte Kirche.
Ophasselt Die ältesten Meldungen von Ophasselt gehen zurück bis 963 und 1015, wo der Ort als „Haslud“ erwähnt wird. Die folgenden Jahrhunderte lag das Sagen bei den Herren von Hasselt. Ophasselt bestand aus drei Herrschaften im 15. Jahrhundert, nämlich Vrijheid, Moenebroek und dem Dorf, wo auch die Kirche stand. 1654 wurde es zur Grafschaft erhoben, im Besitze von Philip Frans du Faing erhoben.
Die Bevölkerung lebte im 19. Jahrhundert vornehmlich von Landbau, der Ort hatte jedoch auch Industrie. Die Rapide-Fabrik, spezialisiert in Landbauwerkzeuge und Waschmaschinen, dominierte zum großen Teil das tägliche Leben. Die Familie De Vleeschauwer, die Eigner der Fabrik, drückten dem Dorfleben einen deutlichen Stempel auf und stellten auch den letzten Bürgermeister vor der Gemeindefusion. Der Fabrikname lebt noch im Namen des lokalen Fußballvereins Rapide Club Ophasselt (grün-rot) fort. Auch die architektonisch wertvolle 'Villa Armand' vom Beginn des 20. Jahrhunderts geht auf die Familie zurück.