mini|Kastell- und Wachturmkette der Gask Ridge sowie Verlauf der Militärstraße (85 n. Chr.) mini|Münzportrait des Domitian mini|Die 1958 aus dem Almond geborgene Inschriftentafel (Perth Museum) mini|Befunde von 1973 Das Kastell Bertha war ein römisches Hilfstruppenkastell in Zentralschottland (Vereinigtes Königreich), nördlich der heutigen Stadt Perth, dem Verwaltungssitz der Region Perth and Kinross. Es wurde vermutlich um 83 n. Chr. während der Regierungszeit des Domitian (81–96) als Teil der Befestigungen des sogenannten Gask Ridge-Limes errichtet. Es gibt Hinweise auf eine Wiederbelegung in der antoninischen (2. Jahrhundert) und möglicherweise auch in der severischen Herrschaftsperiode (3. Jahrhundert). Rathinveramon war ein frühmittelalterliches Herrschaftszentrum in Schottland, das heute meist mit dem Standort dieses römischen Kastells gleichgesetzt wird. Heute ist das Lagerareal als Scheduled Ancient Monument geschützt, oberirdisch sind nur noch geringe Spuren seiner Erdwälle und Gräben erkennbar.Historic Environment Scotland. "Bertha, Roman fort (SM2403) (abgerufen am 30. Dezember 2025)
Name „Bertha“ ist eine mittelalterliche Namensvariante, die sich von „Berth“ ableitet und erstmals von den Chronisten John of Fordun und Walter Bower erwähnt wurde. Da beide nicht wussten wie der antike Name des Kastells gelautet hatte, adaptierten sie kurzerhand eine Version von "Perth"Abgeleitet vom piktischen pert, das Wäldchen oder Wald bedeutet. dafür. Ian Richmond vermutete, dass die Römer ihr Kastell "Tamia" nannten (nach dem Fluss Tay), dieser Ort wird Mitte des zweiten Jahrhunderts vom Geographen Ptolemäus erwähnt.Ian Richmond: Ptolmaic Scotland. Proc Soc Antiq Scot, Nr. 56, 1921-22, S. 288–301. Albert Rivet und Collin Smith verwarfen diese Theorie zugunsten von Kastell Cardean (). Im frühen Mittelalter wurde das Kastell von den regionalen Herrschern nachgenutzt, sie nannten den Platz "Rathinveramon" (= Festung an der Mündung des Almond).British History. Explanatory alphabetical list of Romano-British place-names: Bertha (abgerufen am 30. Dezember 2025)Albert Rivet, Collin Smith: The Place-Names of Roman Britain. Princeton University Press, Princeton 1979, S. 470.Perth and Bertha. Senchus - Notes on early medieval Scotland. (abgerufen am 30. Dezember 2025).
Lage und Funktion Das Kastell befand sich etwa 800 Meter östlich der Berthapark Farm. Es stand auf einer 10 Meter hohen, fluvio-glazialen Schotterterrasse, die nach Osten und Süden steil zum Tay abfällt. Die Terrasse liegt am Zusammenfluss von Almond und Tay. Es diente vorrangig zum Schutz einer Brücke über den Tay, zur Überwachung der Gask-Ridge-Straße und als Nachschubbasis für die Kastelle in Ardoch () und Strathmore, da es sich am Ende des schiffbaren Teils des Flusses befand. Durch diese günstige Position war wohl auch eine relativ störungsfreie Versorgung durch die britische Provinzflotte, der Classis Britannica, gewährleistet. Die damals verwendeten Prahme hatten nur einen sehr flachen Tiefgang (40 cm), konnten bis zu 53 Tonnen Ladung aufnehmen und so bis Bertha getreidelt werden. Es ist auch möglich, dass der Meeresspiegel im rund 6 km entfernten Firth of Tay damals etwas höher lag als heute. Eine Weiterfahrt ab Bertha war aber aufgrund von tückischen Stromschnellen und insbesondere der Wasserfälle bei Campsie Linn, etwa 8 km nördlich von Perth, nicht möglich. In Bertha musste man die gesamte Fracht löschen und über Land bis zu einem geeigneten Ankerplatz oberhalb der Wasserfälle transportieren, von dort waren es etwa noch 13 km bis zum damaligen schottischen Militärzentrum, dem Legionslager Inchtuthil () oder 17,7 km bis zum Kastell Cargill ()Pitts/St. Joseph 1985, S. 41–47.
Forschungsgeschichte Das Lagerareal wurde 1757 erstmals von William Maitland als „römische Station“ beschrieben. Die Überreste des Kastells wurden 1773 von William Roy eindeutig als römisch identifiziert und hierfür von ihm eine Planzeichnung verfasst. Die Berichte von Maitland und Roy stimmen allerdings nicht überein, man nimmt an, dass Maitlands Beschreibung wesentlich präziser ist. Helen Adamsons Ausgrabungen im Auftrag des Department of the Environment (heute SDD, Historic Buildings and Monuments Directorate) aufgrund der Errichtung einer neuen Brücke für die A9 im Jahr 1973, legten im Rahmen von vier Suchschnitten einen V-Graben und die Überreste eines Torf- und Erdwalles frei. Sie waren über die Jahrhunderte durch Erosion und landwirtschaftliche Nutzung stark beschädigt worden. Das Lager wurde jedoch nie vollständig ausgegraben. Die einzige zweifelsfrei datierbare Keramik, besteht aus einer einzelnen Scherbe südgallischer Terra Sigillata, die als flavisch identifiziert wurde, außerdem andere kleine Bruchstücke (Terra Sigillata und Grobkeramik), die sowohl aus der flavischen als auch in die antoninische Zeit stammen könnten. Mitglieder der Cumbernauld Historical Society führten Mitte der 1970er Jahre Begehungen auf dem Kastellareal durch und sammelten dabei eine größere Anzahl an Keramikscherben auf. Die antoninische Nutzungsphase ist auch durch diese Funde seitdem etwas besser belegt, da alle entweder als „antoninisch“ oder „wahrscheinlich antoninisch“ eingeordnet wurden. Zu den Artefakten aus Bertha gehören (neben der rot-orangefarbenen Keramik) eine Glasperle, ein Mahlstein, sowie die Fragmente eines Helms und eine Speerspitze. Auf dem Kastellareal wurden außerdem noch fünf Scherben mittelalterlicher Keramik gefunden, die auf eine poströmische Besiedlung des Geländes schließen lassen. Die Auswertungsgräben erbrachten auch Hinweise auf vorrömische Siedlungsaktivitäten während der Eisen- und Bronzezeit.Helen C. Adamson, D. B. Gallagher: The Roman fort at Bertha, the 1973 excavation. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Band 116, 1986, S. 195–204.
Inschrift Aus dem Almond wurde 1958, nahe der Eisenbahnbrücke, eine 33 × 46 cm große Sandsteinplatte mit folgender Inschrift geborgen:
D.h., sie ist „Der Disziplin des Kaisers“ gewidmet. An den vier Ecken sind Efeublätter zu sehen (hedera). Aufgrund seiner Immergrünheit und Beständigkeit galt der Efeu in der Antike als Symbol für Ewigkeit, Treue und Unsterblichkeit. Derartige Inschriften waren für gewöhnlich im Kommandogebäude des Kastells (Principia), im aedes principiorum (Fahnenheiligtum) angebracht. Die Disciplina war die personifizierte Tugend der Selbstbeherrschung. Ihr Name leitet sich vom lateinischen discipulus („Schüler“) ab, der Kult sollte eine gute Erziehung, die körperliche Ertüchtigung und eine tadellose Lebensführung fördern. Sie verkörperte auch die militärischen Ideale der
frugalitas (Bescheidenheit), severitas (Strenge/Ernsthaftigkeit) und fidelis (Treue).
Die Göttin war besonders unter den römischen Soldaten beliebt, vor allem bei jenen, die an den Grenzen des Reiches stationiert waren. Der Kult wurde unter Kaiser Hadrian (76–138) eingeführt, daher kann diese Platte auch nicht flavisch sein, sie gehört also eindeutig in die Zeit der antoninischen Wiederbelegung Berthas.RIB 3515; Lawrence J. F. Keppie: Roman inscriptions from Scotland: some additions and corrections to RIB I. In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Band 113, 1984, S. 391–404, hier S. 402 Nr. 16 (PDF).
Entwicklung Da Bertha eines der drei Hilfstruppenkastelle an der Militärstraße war, wird angenommen, dass es in derselben Zeitperiode errichtet wurde wie die Holz-Erde-Kastelle in Ardoch und Strageath (), die beide eine flavische und antoninische Nutzungsphase durchliefen. Die Ausgrabung erbrachte keine eindeutigen Beweise für die Datierung von Bertha, obwohl die zuvor beschriebenen Funde sowohl auf eine Besatzung im späten 1. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. hindeuten. Das Kastell war Teil des Gask-Ridge-Limes, einer Kette von Befestigungsanlagen, die im späten 1. Jahrhundert n. Chr. (ca. 70–80 n. Chr.), entweder während der Feldzüge des Gnaeus Iulius Agricola (Agricolas Armee soll das Gebiet um den Fluss Tay im Jahr 80 n. Chr. erreicht haben), oder möglicherweise etwas später unter dem Statthalter Sallustius Lucullus (ca. 85 n. Chr.) errichtet worden waren. Er verlief entlang des südlichen Randes der Highlands und gilt als der früheste fassbare römische Limes in Britannien. Obwohl er um das Jahr 90 wieder aufgegeben wurde, wurden einige seiner Kastelle zu einem späteren Zeitpunkt offenbar wieder instandgesetzt. Kleinfunde deuten darauf hin, dass es während der Feldzüge des Septimius Severus (193–211) im frühen 3. Jahrhundert erneut besetzt wurde.David Woolliscroft, Beate Hoffmann: Rome's First Frontier. Tempus, Stroud 2006, S. 144–147. Es wurden keine Belege für eine poströmische/frühmittelalterliche Besiedlung des Kastellareals gefunden, obwohl es möglicherweise – laut der Chronicle of the Kings of Alba – als Rathinveramon (Rathinveramond / Raith-inver-amon) identifiziert werden kann, wo zwei Könige verstarben. Domnall mac Ailpín, Sohn des Kenneth McAlpin, im Jahr 862 und Causantín mac Cuiléin, Sohn des Culen nach der Schlacht von Rathinveramon, im Jahr 997. Einiges deutet darauf hin, dass Bertha im 9. und 10. Jahrhundert das Machtzentrum des Königreichs Alba war, da es sich auch in der Nähe von Scone befand, dem ersten bekannten Krönungsort der schottischen Könige. Das nahe bei Perth gelegene Dorf Scone war eines der Kult-Zentren der Pikten (Tom-a-mhoid) gewesen.
Kastell Die Überreste des mehrphasigen Holz-Erde-Kastells sind noch anhand leichter Bodenerhebungen und flacher Gräben erkennbar. Die Gesamtfläche des Kastells Bertha lässt sich nicht exakt bestimmen, da berechtigte Zweifel an der römischen Provenienz des Erdwerks bestehen, das als südöstlicher Wallabschnitt angesehen wird. Bertha dürfte etwas größer als die anderen Kastelle an der Straße Doune-Stracathro gewesen sein, Cardean und Stracathro (), umfassen beide an die 3,2 ha. Allerdings ist zu wenig über dieses Kastell bekannt, sodass es möglich sein könnte, dass die sichtbaren und dokumentierten Erdwälle nicht zu einem einzigen Lager gehörten, sondern vielmehr die Verteidigungsanlagen einer viel kleineren Festung mit Annex (wie in Stracathro) gewesen sein könnten. Der Lehmboden von Bertha ist der Ausprägung von Bewuchsmerkmalen nicht förderlich, aber einige waren aus der Luft deutlich genug erkennbar, um deren Interpretation zu ermöglichen.
Umwehrung Das Kastellareal umfasste etwa eine Fläche von 3,9 Hektar und hatte vermutlich einen spielkartenförmigen Grundriss. Die Umwehrung bestand aus einem ca. 5,1 m breiten Wall aus Rasensoden und Erde, der an der West- und Nordseite noch als sehr niedrige Bodenerhebungen sichtbar ist. Sie sind auch auf alten Luftaufnahmen als Bewuchsmarken sichtbar. Als Fundament diente eine Schicht aus aufgeschütteten Flusskieseln. Ost- und Südseite werden durch den steilen Abhang zum Flussufer markiert. Etwa auf halber Höhe der Südseite sind noch zwei bis zu 2,5 m hohe Erdwälle erhalten, bei denen es sich – möglicherweise – ebenfalls um Reste des Kastellwalls handelt. Hinter dem Erdwall befand sich eine aus Torf aufgeschüttete Rampe, durchschnittliche Breite 6,4 m, die als Wehrgang diente. Am westlichen Ende des Walls wurde 1973 eine 15 cm starke Kiesschicht beobachtet die den darunterliegenden Bodenhorizont überlagerte, wahrscheinlich der Rest der Intervallumstraße.
Toranlagen