Robert Massard (* 15. August 1925 in Pau, Département Pyrénées-Atlantiques; † 26. Dezember 2025Robert Massard, mort du dernier Empereur du chant français. Todesmeldung und Nachruf (französisch). Abgerufen am 29. Dezember 2025.Pau: le baryton Robert Massard est décédé, une grande voix s’est éteinte. Nachruf (französisch). Abgerufen am 29. Dezember 2025 ebenda) war ein französischer Opernsänger (Bariton).

Leben Robert Massard arbeitete zuerst als Automechaniker und begann nebenbei ein Gesangstudium in seiner Heimatstadt Pau, das er in Bayonne und später in Paris bei Madeleine Mathieu fortsetzte.Robert MASSARD wird 90. Online-Merker. Ausgabe August 2015. Abgerufen am 29. Dezember 2025

Nach dem Gewinn des Gesangwettbewerbs von Bayonne wurde er an die Grand Opéra Paris verpflichtet, deren Mitglied er bis 1978 blieb. An der Pariser Oper, wo er zunächst kleinere Partien sang, debütierte er 1952 als Grand Prêtre in Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns. Im Verlauf seiner Karriere entwickelte sich Massard zu einem der „bedeutendsten Vertreter seines Stimmfachs in Frankreich“. Er sang an der Grand Opéra u. a. den Rigoletto, den Germont-père in La Traviata, den Posa in Don Carlos, den Escamillo in Carmen, den Enrico in Lucia di Lammermoor, den Sancho Panza in Don Quichotte und den Lescaut in Manon. Parallel dazu gastierte er regelmäßig auch an der Opéra-Comique, u. a. als Figaro in Der Barbier von Sevilla und als Zurga in Les pêcheurs de perles. 1957 sang an der Opéra-Comique in der französischen Erstaufführung der Oper Capriccio von Richard Strauss. Er gastierte außerdem an den großen französischen Provinztheatern (Marseille, Lyon, Bordeaux, Toulouse, Nancy, Straßburg).

Er trat von 1954 bis 1978 regelmäßig am Grand Théâtre de Genève auf, u. a. als Figaro in Der Barbier von Sevilla, als Marcello in La Bohème, als Schaklowity in Chowanschtschina, als Valentin in Faust, als Germont-père und als Escmillo. In der Saison 1957/58 debütierte er als Ramiro in L’Heure espagnole an der Mailänder Scala.L'HEURE ESPAGNOLE / L'ENFANT / LA VALSE. Besetzungszettel vom 1. Februar 1958. Vorstellungsarchiv der Mailänder Scala. Abgerufen am 29. Dezember 2025 Im September 1961 gab er sein Debüt an der Covent Garden Opera in London als Oreste in Iphigénie en Tauride.Iphigénie en Tauride. Besetzungszettel vom 14. September 1961. Vorstellungsarchiv der Covent Garden Opera. Abgerufen am 29. Dezember 2025 1962 gab er ein Gastspiel am Bolschoi-Theater in Moskau als Rigoletto. 1964 debütierte er am Teatro Colón in Buenos Aires als Oreste in Iphigénie en Tauride.Robert Massard. Vorstellungsarchiv des Teatro Colon. Abgerufen am 29. Dezember 2025. Am Teatro Liceu in Barcelona trat er 1965 in L’Heure espagnole und 1969 als Germont-père in La Traviata auf. Im Mai 1970 sang er im „Grande Auditório“ der Stiftung Calouste Gulbenkian (Fundação Calouste Gulbenkian) in Lissabon in Iphigénie en Tauride.Ifigénia em Táurida. Abgerufen am 29. Dezember 2025 Er gastierte weiters am Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon (1970–1975), an der Opéra Royal de Wallonie in Lüttich (1979–1981), an der Opéra de Montréal (1981, als Valentin) und am Opernhaus von Bilbao (1983, als Mercutio). 1978 sang er an der Opéra de Marseille den Chorèbe in Les Troyens.MARSEILLE: LES TROYENS /konzertant. Aufführungskritik. Abgerufen am 29. Dezember 2025 Im April 1982 sang er Grand Théâtre de Tours noch einmal die Partie des Ourrias in einer Aufführung der Oper Mireille von Charles Gounod.Stéphane Lelièvre: Robert Massard a 100 ans !. Abgerufen am 29. Dezember 2025Mireille. Besetzungsliste. Vorstellungarchiv des Grand Théâtre de Tours. Abgerufen am 29. Dezember 2025

Er trat in Italien am Teatro San Carlo in Neapel, am Teatro dell’Opera di Roma, am Teatro Regio di Torino und am Teatro Massimo in Palermo auf. Er gastierte bei den Festspielen von Aix-en-Provence (1952), beim Glyndebourne Festival (1958), beim Edinburgh Festival, beim Maggio Musicale Fiorentino (1962) sowie 1955–77 bei den Festspielen von Orange. Internationale Auftritte hatte er auch in Chicago, in der Carnegie Hall in New York City, in Leningrad, Kiew, Tokio und Osaka.

Zu seinen Bühnenpartnern und -partnerinnen gehörten u. a. Maria Callas, Joan Sutherland, Marilyn Horne, Montserrat Caballé, Ileana Cotrubaș, Nicolai Gedda, Gustave Botiaux, Alain Vanzo und Nicolai Ghiaurov.Stéphane Lelièvre: In memoriam: ROBERT MASSARD (1925–2025). Abgerufen am 29. Dezember 2025

1984 beendete Massard, der auch als Operettensänger hervortrat, seine Bühnenkarriere. Von 1978 bis 1986 war er als Gesangspädagoge am Konservatorium von Bordeaux tätig.

Massard besaß eine „warm timbrierte, mit großer dramatischer Ausdruckskraft geführte Stimme“, die auf der Bühne durch sein bedeutendes darstellerisches Talent ergänzt wurde. Von seiner Stimme sind sehr viele Schallplattenaufnahmen vorhanden, darunter auch vollständige Opern aus der französischen und der italienischen Opernliteratur. Seine bekanntesten Opernaufnahmen sind Faust (1966) mit Joan Sutherland, Franco Corelli und Nicolai Ghiaurov als Partnern und Carmen (1964) mit Maria Callas, Nicolai Gedda und Andréa Guiot unter der musikalischen Leitung von Georges Prêtre. Operetten-Aufnahmen erschienen auf mehreren französischen Marken.

Massard erhielt zahlreiche Ehrungen. Er war Officier de la Légion d’honneur und Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres.

Nach einem Sturz im Oktober 2025 und einer anschließenden Operation lebte Massard in der Seniorenresidenz „La Résidence Nouste-Soureilh“ in Pau, wo er im Dezember 2025 im Alter von 100 Jahren starb.Norman Lebrecht: Famed French baritone dies at 100. Todesmeldung vom 27. Dezember 2025. Abgerufen am 29. Dezember 2025Ralph Moore: RIP Robert Massard, celebrated French baritone, aged 100. Nachruf (englisch) vom 28. Dezember 2025. Abgerufen am 29. Dezember 2025

Rollenrepertoire (Auswahl)

Literatur Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Band 4: Kainz–Menkes. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. München 2003, ISBN 3-598-11598-9, Seite 2975.

Weblinks

Robert Massard bei Bach Cantatas (englisch) Robert Massard bei Art Lyrique (französisch) Le baryton Robert Massard est mort, Nachruf (französisch), in Le Monde vom 29. Dezember 2025 Robert Massard, Rollenvereichnis beim Glyndebourne Festival

Votre Toast, Tondokument (Torero-Lied) aus dem 2. Akt der Oper Carmen (Studioaufnahme, 1964) Largo al factotum, Tondokument aus der Oper Der Barbier von Sevilla (Live-Mitschnitt, um 1960)

Einzelnachweise

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