mini|Peter Joseph Schäffer (ca. 1803) Peter Joseph Schäffer, auch Peter Joseph Sche(e)fer, (* 25. Juli 1766 in Ahrweiler; † 29. Dezember 1803 in Aachen) war ein katholischer Geistlicher und Doppelmörder aus Köln. Er wurde durch die Guillotine öffentlich hingerichtet.

Biographie Herkunft, Ausbildung und Priesterweihe Peter Joseph Schäffer war ein Sohn von Matthias und Christine Schäffer, geborene Krichels; der Vater war Gerichtsschreiber. Von 1779 bis 1783 besuchte er eine Schule in seiner Geburtsstadt Ahrweiler und wurde anschließend bei den Minoriten in Sinzig ausgebildet. Er studierte Theologie und Philosophie in Köln und Bonn. Am 3. März 1792 erhielt er die kirchlichen Weihen, wurde Kaplan an der Magdalenenkirche in Straßburg, dann Pfarrer in Uffholtz und in Sennheim bei Colmar.Bürger, Die Guillotine im Schatten des Domes, S. 117 f. 1794 wurde Schäffer im Zuge der Französischen Revolution im Gefängnis von Besançon inhaftiert. Dort lernte er den ebenfalls inhaftierten Marc-Antoine Berdolet kennen, der später Bischof von Aachen wurde. Berdolet nahm Schäffer zunächst mit nach Aachen, ehe er ihn im Sommer 1803 als Sukkursalpfarrer (Hilfspfarrer, Pfarrer einer nicht selbständigen Gemeinde) an St. Maria in der Kupfergasse in Köln einsetzte. Der Pfarrer galt als „origineller Geist, glücklicher Dichter, berühmter Prediger“, dessen gedruckte Werke guten Absatz fanden.Hugo, Peter Joseph Schäffer, S. 97.

Zölibatsbruch, Mordplan und Tat Schon in Sennheim besorgten zwei Frauen für Schäffer das Haus, die ihn auch finanziell unterstützten, die Schwestern Barbara und Katharina Ritter aus dem Elsass. Mit der älteren der Schwestern, Barbara, schloss er um das Jahr 1796 durch einen „Privat-Contract eine heimliche Ehe, weder vor Priester, noch vor Municipalität“. Die Schwestern folgten ihm nach Köln, mutmaßlich gegen seinen Willen. Sie hatten alles verkauft, was sie besaßen, sogar ihr Haus. Schäffer sorgte dafür, dass niemand etwas von seiner Beziehung zu den Frauen erfuhr, die ohne Kontakte zurückgezogen lebten, versteckt in einem Gasthaus bei seiner Schwester – die später in Haft kam, weil sie ein Bordell betrieben hatte – und dann in einer geräumigen Pastorei. Als jedoch Schäffer, der ohnehin schon hohe Schulden hatte, vertraglich vereinbarte Ansprüche der Frauen nicht erfüllte und diese damit drohten, das Gericht und den Bischof zu informieren, sei seine Verzweiflung „aufs Höchste gestiegen“, so gab Schäffer später an, „Prostitution, Absetzung stand mir vor Augen, kein Geld hatte ich, keinen Freund wusste ich, der mich unterstützen würde. Da, da war es, als ich auf den verzweifelten Entschluß gerieth.“

Unter dem Vorwand, in Bonn Möbel einkaufen zu wollen, fuhr Schäffer am 6. September 1803 mit den beiden Frauen, die keinerlei Ortskenntnis hatten, in einer Postkutsche nach Wesseling südlich von Köln. Dabei versuchte er den Eindruck zu erwecken, nicht zu ihnen zu gehören. In Wesseling überquerten sie mit einer Fähre den Rhein nach Lülsdorf und gingen Richtung Deutz nach Norden. Gegen 23 Uhr erreichten sie die Umgebung von Poll. Unter dem Vorwand, er habe seine Uhr verloren, brachte er die Frauen dazu, im Gebüsch danach zu suchen. Dort erschlug er mit einem Weidenknüppel zunächst Barbara Ritter und danach Katharina, als diese versuchte zu fliehen. Beiden Frauen durchschnitt er zusätzlich die Kehle. Er versteckte die beiden Leichen zwischen Weidenbüschen.

Zeitungsberichte und Ermittlungen mini|Umgebung des Fundorts, Ausschnitt einer Karte von 1752 Tags darauf wurden die Körper der toten Frauen gefunden; der Fundort befand sich im Bereich der heutigen Poller Wiesen. „Selten habe […] eine Sache […] soviel Abscheu und Grausen erreget […] jeder brannte vor gerechtem Eifer die Kannibalen (man vermuthete ihrer mehrere) die sich so schreklich an der Menschheit versündiget hatten, der rächenden Gerechtigkeit überliefert zu sehen“, schrieb die Kölnische Zeitung.Kölnische Zeitung, 20. September 1803.

Die Zeitungen beschrieben detailreich die beiden toten Frauen, deren Identität den Behörden unbekannt war: Deren Körper seien „in der Gegend bei Poll in den Weyden nahe bei Deutz“ gefunden worden, eine etwa 60-Jährige und eine etwa 30- bis 40-Jährige. „Der Anzug der Aelteren bestand in einer weißen Kappe, einem schwarz seidenen, blau gefütterten Mäntelchen mit einer Kapputz […].“Kölnische Zeitung, 14. September 1803 (damals 27. Fruktidor 11. Jahres der Republik). Zudem wurden die beiden Leichen in Deutz öffentlich ausgestellt, in der Hoffnung, dass jemand sie erkennen würde.Hugo, Peter Joseph Schäffer, S. 58. Ein Zeuge namens Coomans, Schwiegersohn des bekannten Juristen Heinrich Gottfried Wilhelm Daniels, meldete sich und berichtete, dass diese beiden Frauen mit ihm und einem Mann, offenbar einem Geistlichen, in der Kutsche gesessen hätten.Bürger, Die Guillotine im Schatten des Domes, S. 109. Die Polizei ermittelte aufgrund der Beschreibung von Coomans, dass dieser Mann der Pfarrer Peter Joseph Schäffer gewesen sein musste.

Verhör, Geständnis und Anklage mini|Die ehemalige Domdechanei in Köln: hier wurde Schäffer verhört Am 16. September 1803 wurde Schäffer erstmals vom städtischen Beigeordneten Friedrich Heinrich Herstatt verhört. Zunächst gab er an, die beiden Frauen aus der Postkutsche gar nicht gekannt und unmittelbar nach seiner Ankunft in Wesseling die Rückreise nach Köln angetreten zu haben. Nachdem man ihn mit der Aussage des Wesselinger Fährmanns konfrontiert hatte, änderte er seine eigene: Er habe die beiden Frauen auf ihrer Wallfahrt nach Pützchen begleitet. Unterwegs seien sie von Räubern überfallen worden, er selbst habe fliehen können. Am Tag darauf legte Schäffer ein Geständnis ab, nachdem man ihm einen blutbefleckten Mantel gezeigt hatte, der in seinem Haus gefunden worden war.Kölnische Zeitung, 21. November 1803. Am 7. Oktober wurde er unter großem Aufsehen durch die Straßen Kölns zum Kriminalgericht geführt, das sich in der ehemaligen Domdechanei in der Trankgasse befand.Bürger, Die Guillotine im Schatten des Domes, S. 7. Dort hatten Geschworene über die Zulassung der Anklage zu entscheiden. Währenddessen saß Schäffer in der Arrestanstalt („Bleche Botz“ im Volksmund genannt) in der Schildergasse ein, in derselben Zelle, in der zuvor der Räuber Mathias Weber, genannt „der Fetzer“, inhaftiert gewesen war. In den letzten Tagen seines Aufenthalts in Köln, bevor er am 27. Oktober unter der Bewachung von neun Gendarmen nach Aachen vor das Kriminalgericht des Rur-Departements gebracht wurde,Kölnische Zeitung, 1. November 1803. verfasste Schäffer eine kleine Autobiographie, in deren Einleitung er schrieb:

mini|Schäffer in seiner Zelle (zeitgenössische Zeichnung)

Gerichtsverhandlung, Urteil und Hinrichtung Die Verhandlung vor dem Aachener Kriminalgericht gegen Schäffer begann am 17. November 1803, „eine unermesslich Volksmenge füllt die Säle“. Die Anklageschrift wurde auf Französisch und Deutsch vorgelesen sowie das Gutachten eines Arztes. Dieser hatte die jüngere der beiden Frauen auf eine Schwangerschaft hin untersucht, die sich aber nicht bestätigt hatte. Überraschend widerrief Schäffer sein Geständnis und präsentierte eine neue Tatversion: Er wiederholte die Geschichte mit den Räubern, gab dann aber an, der wirkliche Mörder habe ihm die Tat gebeichtet; dass der Täter ihm, einem der Opfer, gebeichtet habe, sei Zufall gewesen. Da er das Beichtgeheimnis habe bewahren müssen, habe er die Schuld auf sich genommen.

Gerichtspräsident Meller wies hingegen darauf hin, dass ihm Schäffer die Tat vollständig gestanden und angegeben habe, dass er die beiden Frauen „mit Vorbedacht“ ermordet habe. „Ich würde mit Vergnügen“, so Meller, „etwas zu Gunsten des Angeklagten sagen, allein meine Ehre und mein Gewissen legen mir die Verbindlichkeit auf, feyerlich zu erklären, dass in der ganzen Prozedur auch nicht der mindeste Umstand obwaltet, der zu seinem Vortheile angeführt werden kann.“ Am 18. November 1803 wurde Peter Joseph Schäffer von einem Geschworenengericht zum Tode verurteilt. Schäffer hatte seinen früheren Förderer Berdolet angeschrieben, der Bischof möge sich dafür einsetzen, dass er nicht zum Tode verurteilt werde; Berdolet lehnte ein solches Einschreiten jedoch ab und distanzierte sich von Schäffer.Bürger, Die Guillotine im Schatten des Domes, S. 114/15. Schäffer legte Berufung beim Kassationshof in Paris ein, die aber verworfen wurde. Angesichts dieser Nachricht soll er „bitterlich geweinet und winselnd sich über das Bett hingeworfen haben“, berichtete die Kölnische Zeitung.Kölnische Zeitung, 31. Dezember 1803. Er wurde am Nachmittag des 29. Dezember 1803 im Alter von 37 Jahren in Aachen durch die Guillotine öffentlich hingerichtet. Vor der Vollstreckung gestand er in einer Rede vor den Anwesenden seine Schuld: „Ich bin der erste Priester, der so eine schreckliche That begieng, ich hoffe, dass ich auch der letzte seyn werde.“

Rezeption Franz Georg Joseph von Lassaulx nahm den Fall von Schäffer 1804 in sein Journal für Gesetzkunde und Rechtsgelehrsamkeit auf. Noch rund 40 Jahre später maß der Historiker Friedrich Everhard von Mering diesem Mordfall eine solche Bedeutung zu, dass er in seinem Werk Die Bischöfe und Erzbischöfe von Köln nach ihrer Reihenfolge neben der Darstellung dieser Geistlichen und der Kölner Kirchen diesen ausführlich schilderte.

O. F. Hugo befasste sich in seinem 1858 erschienenen Buch über den Fall mit der Persönlichkeit von Peter Joseph Schäffer: Dessen Äußeres habe Spuren einer „feindseligen unglücklichen Schwermuth“ erkennen lassen. Es empörte ihn, dass Schäffer zwei Tage nach der Tat noch einen Gottesdienst zelebrierte: „Er hält eine hohe Messe, und mit den vom Blute zweier unschuldigen Menschen fast noch rauchenden Händen, wagt er das Allerheiligste zu berühren, und einer großen Anzahl seiner Pfarrkinder das Abendmahl zu reichen.“Hugo, Peter Joseph Schäffer, S. 59. Er analysierte einige von Schäffers Predigten, in denen sich dieser mit den Themen Tugend und Heuchelei beschäftigte: „Zeigen wir Priester uns dem treuen Volk als ein Schauwerk aller Tugenden, nach dem Beispiele Jesu Christi.“ Hugo: „Ein solcher Grad von Verstellung und Heuchelei erscheint fast unglaublich.“ Sein schlichtes Fazit: „Schäffer war ein ganz gemeiner Verbrecher.“Hugo, Peter Joseph Schäffer, S. 148/49.

Unter dem Titel „Ein Vampyr im Priestergewand“ wird der Fall in der Criminal-Bibliothek aus den 1870er Jahren dargestellt sowie im Neuen Pitaval, einer Sammlung historischer Strafrechtsfälle von 1869.

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