Die Wissenschaft im Römischen Reich befasste sich mit der Systematisierung von Wissen, das in der vorhergegangenen Hellenistischen Epoche sowie in den weit entfernten Gebieten, welche die Römer erobert haben, gewonnen worden war. Es handelt sich hierbei größtenteils um Werke von Autoren aus der Römischen Kaiserzeit, das an spätere Generationen weitergegeben wurde.

Obwohl während der Römischen Herrschaft weiterhin wissenschaftliche Erkenntnisse gesammelt wurden, wurden die lateinischen Texte meist auf Grundlage früherer griechischer Werke geschrieben. Anspruchsvolle wissenschaftliche Forschung wurde weiterhin auf Griechisch betrieben. Die erhaltenen Werke griechischer und hellenistischer Forscher wurden im Byzantinischen Reich oder in der islamischen Welt aufbewahrt und später weiterentwickelt. Spätere römische Versuche, griechische Schriften ins Lateinische zu übersetzen, beispielsweise durch Boethius, waren nur bedingt erfolgreich und das unmittelbare Wissen aus antiken griechischen Texten erreichte Westeuropa erst ab dem 12. Jahrhundert.

Plinius der Ältere mini|hochkant|Ein Portrait von Plinius dem Älteren aus dem 19. Jahrhundert. Plinius der Ältere veröffentlichte im Jahr 77 n. Chr. seine Naturalis Historia, welche enzyklopädisch die Welt der heutigen Naturwissenschaften darstellt und bis ins Mittelalter fortbestand. Plinius zählte Materialien und Gegenstände nicht einfach auf, sondern er erklärte auch Phänomene. So war er der erste, der den Ursprung von Bernstein als fossilisiertes Harz von Nadelbäumen beschrieb. Diesen Schluss zog er aufgrund seiner Beobachtung von im Bernstein eingeschlossenen Insekten.

Plinius’ Werk unterteilt sich einerseits in die organismische Welt der Pflanzen und Tiere und andererseits in das Reich der anorganischen Materie. Ein besonderes Augenmerk legte er darauf, nicht ausschließlich über die Existenz von Pflanzen, Insekten und Tieren zu berichten, er beschrieb auch ihre Nutzung durch den Menschen. Die Beschreibung von Metallen und Mineralen war besonders detailliert und als umfangreichste Zusammenstellung aus der antiken Welt, die noch erhalten ist, wertvoll. Obwohl ein Großteil auf Grundlage anderer Schriften verfasst wurde, lieferte Plinius auch Augenzeugenberichte, beispielsweise über den Abbau von Gold im heutigen Spanien, wo er als Offizier stationiert war. Plinius ist von besonderer Bedeutung, weil er vollständige bibliografische Angaben zu den früheren Autoren und deren Werken lieferte, auf die er Bezug nahm. Da seine Enzyklopädie das dunkle Zeitalter überstand, sind verschiedene verschollene Werke heute bekannt, obwohl die Texte selbst verschwanden. Sein Buch war 1489 eines der ersten gedruckten Bücher und wurde zu einem Standardwerk von Gelehrten der Renaissance sowie zu einer Inspiration für die Entwicklung einer wissenschaftlichen und rationalen Sichtweise auf die Welt.

Heron von Alexandria Heron von Alexandria war ein griechisch-ägyptischer Mathematiker und Ingenieur, der oft als der größte Experimentator der Antike gilt. Zu seinen berühmtesten Erfindungen zählten ein Windrad, das früheste Beispiel für die Nutzung von Windkraft an Land, sowie eine Beschreibung einer dampfbetriebenen Vorrichtung namens Heronsball, bei der es sich um die erste überlieferte Dampfmaschine handelte.

Galenos Der im 2. Jahrhundert lebende Galenos gilt als der größte Arzt und Universalgelehrte seiner Zeit. Um die 100 Werke von ihm blieben bis heute erhalten. Galenos wurde in der antiken griechischen Stadt Pergamon, die im Gebiet der heutigen Türkei lag, als Sohn eines Architekten geboren, der ihn mit Zugang zur allgemeinen Bildung erzog. Galenos wurde in allen bedeutenden philosophischen Schulen (Platonismus, Aristotelismus, Stoa und Epikureismus) unterwiesen, bis sein Vater, veranlasst durch einen Traum über Asklepios, beschloss, dass er Medizin studieren sollte. Nach dem Tod seines Vaters reiste er auf der Suche nach den besten Ärzten in verschiedene Regionen, wie Smyrna, Korinth und schließlich Alexandria.

Galenos trug das Wissen früherer Ärzte zusammen und führte selbst Obduktionen und Vivisektionen an Berberaffen, Ochsen, Schweinen und anderen Tieren durch, um die Kenntnisse über die Funktion von Organen zu vertiefen. Im Jahr 158 war er als oberster Arzt für Gladiatoren in seiner Heimatstadt Pergamon tätig, so dass er verschiedene Arten von Wunden studieren konnte, ohne Sektionen an Menschen durchführen zu müssen. Durch seine Untersuchungen konnte er viele lange gehegte Überzeugungen widerlegen, beispielsweise, dass Arterien Luft enthalten, die vom Herzen und der Lunge aus in alle Teile des Körpers geleitet wurde. Diese Fehlvorstellung hatte ihren Ursprung in Beobachtungen von Arterien toter Tiere, die bei Sektionen leer waren. Galenos konnte nachweisen, dass lebende Arterien Blut enthalten, gleichzeitig schlussfolgerte er jedoch selbst eine falsche Vorstellung, die über Jahrhunderte hinweg zu einer etablierten medizinischen Lehrmeinung wurde, nämlich, dass sich das Blut wie Ebbe und Flut zwischen dem Herz und dem Körper hin und her bewegte.

Die Anatomie war eine wichtiger Teil von Galenos Lehre und nahm zeitlebens ein zentrales Interessensgebiet. Er verfasste zwei wichtige anatomische Werke. Die Informationen in diesen Schriften bildeten für die folgenden 1300 Jahre die maßgebliche Grundlage für alle medizinischen Schriften und Ärzte, bis sie ab dem 16. Jahrhundert von Andreas Vesalius und William Harvey aufgrund derer Untersuchungen in Frage gestellt wurden.

Ptolemäus mini|Georgios Trapezuntios’ lateinische Übersetzung von Ptolemäus’ Almagest (ca. 1451) Claudius Ptolemäus lebte in 2. Jahrhundert n. Chr. in oder bei Alexandria. In seiner wissenschaftlichen Laufbahn schrieb der ungefähr ein Dutzend Bücher über Astronomie, Astrologie, Kartografie, die Naturtonreihe und Optik. Ein Großteil dieser Werke ist erhalten geblieben. Zwei wesentliche Themen, die sich durch Ptolemäus’ Schriften ziehen, sind die mathematische Modellierung physikalischer Phänomene sowie Methoden zur visuellen Darstellung der physikalischen Realität.

Zu Ptolemäus’ wissenschaftlicher Arbeit gehörte eine Kombination aus theoretischer Analyse und empirischen Überlegungen, wie sie sich beispielsweise in seiner systematischen Untersuchung der Astronomie zeigte. Seine Mathematiké Sýntaxis (, „mathematische Zusammenstellung“), die als Almagest bekannter ist, versuchte, die Arbeit seiner Vorgänger zu verbessern, indem er die Astronomie nicht nur auf eine gesicherte mathematische Grundlage stellte, sondern auch den Zusammenhang zwischen astronomischen Beobachtungen und der daraus resultierenden astronomischen Theorie aufzeigte. In seinen Planetenhypothesen beschrieb er detailliert physische Darstellungen der mathematischen Modelle, die er im Almagest dargelegt hatte. Er befasste sich ebenfalls mit Geographie, in dem er präzise Karten anfertigte, für die er astronomische Informationen verwendete. Auch seine Arbeiten über Optik und die Naturtonreihe enthalten zusätzlich zu den mathematischen Analysen von dem Sehen beziehungsweise Klang auch Anleitungen zum Bau und zur Verwendung experimenteller Instrumente, um die theoretischen Inhalte zu untermauern. Im Nachhinein ist offensichtlich, dass Ptolemäus einige der berichteten Messwerte an seine (falsche) Annahme anpasste, beispielsweise, dass der Brechungswinkel proportional zum Einfallswinkel sei.

Ptolemäus’ Gründlichkeit und sein Bestreben nach einer übersichtlichen Datendarstellung, etwa durch die weitverbreitete Verwendung von Tabellen, führten dazu, dass frühere Arbeiten anderer zu diesen Themen vernachlässigt oder als veraltet betrachtet wurden, sodass von den Werken, auf die sich Ptolemäus häufig bezieht, kaum noch welche erhalten sind. Insbesondere seine astronomischen Arbeiten prägten über Jahrhunderte hinweg die Forschung dieses Fachgebiets, das ptolemäische System entwickelte sich bis ins 17. Jahrhundert zum vorherrschenden Modell für die Himmelsbewegungen.

Siehe auch Technik im Römischen Reich Protowissenschaft

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Wissenschaftsgeschichte Kategorie:Wissenschaft (Europa) Kategorie:Römisches Reich