Der Kindertransport im Spanischen Bürgerkrieg nach Großbritannien war Teil der Evakuierungsmaßnahmen durch die Kinder und Jugendliche vor den Angriffen der Franco-Truppen geschützt werden sollten. Die spanisch-republikanische Regierung und die Regierung des seit 1936 teilautonomen Baskenlandes (Euzkadi)Ingo Niebel: Baskenland, auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung, 7. Oktober 2025 unterstützten diese Vorsichtsmaßnahmen und fand dabei Unterstützung bei nationalen und internationalen Hilfsorganisationen. Neben Ländern wie Frankreich, Belgien und der Sowjetunion gehörte auch Großbritannien zu einem der Länder mit der größten Aufnahmequote – allerdings erst nachdem der zivilgesellschaftliche Druck auf die britische Regierung diese zu einer einmaligen Aufnahme von Kindern aus Spanien bewegen konnte.

Geschichte

Laut einer Broschüre des baskische Gewerkschaftsbundes UGT (Unión General de Trabajadores Euskadi) verließ der einzige Kindertransport nach Großbritannien am 21. Mai 1937 den baskischen Hafen Santurtzi und erreichte am 23. Mai 1937 Southampton.UGT Euskadi: Entre el Compromisco Político y el Humanitario Das war keine selbstverständliche Hilfsaktion der britischen Regierung, denn Großbritannien gehörte 1936 zu den Gründungsmitgliedern des Komitees für Nichteinmischung in die Angelegenheiten Spaniens und verweigerte deshalb nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs die Aufnahme von Flüchtlingen. Sie bekam dabei Unterstützung von der rechtskonservativen Presse, die eine Propagandakampagne gegen die Aufnahme baskischer Kinder auf britischem Boden durchführte. Um dem entgegenzuwirken, konstituierte sich Ende 1936 das überparteiliche National Joint Committee for Spanish ReliefSiehe hierzu den Artikel in der englischsprachigen Wikipedia: :en:National Joint Committee for Spanish Relief und startete Kampagnen, um die Regierung zur Aufnahme bedrohter baskischen Kinder zu drängen. Nach der Bombardierung von Guernica musste sich die britische Regierung schließlich dem öffentlichen Druck beugen und genehmigte einen Kindertransport per Schiff ins Vereinigte Königreich.BCA '37 UK: The 4,000 Basque refugee children evacuated to Britain mini|Erinnerung im Hafen von Santurtzi an das Schiff Habana und die mit ihr 1937 ins Exil geschickten Kinder. Mit dem laut der UGT von der Regierung von Euzkadi organisierten Transport nach Großbritannien brachte die Habana um die 4.000 Kinder und die sie begleitenden Erwachsenen auf dem Seeweg nach Southampton. Die BCA '37 UK (The Association for the UK Basque) geht davon aus, dass sich an Bord des für etwa 800 Passagiere ausgelegten Schiffes mehr als 3.860 Kinder, 95 Lehrer, 120 Helfer, 15 katholische Priester und 2 britische Ärzte befanden. An ihre Ankunft in Southampton erinnert dort seit 2022 ein Denkmal.Memorial to Basque refugee children unveiled in Southampton. bbc.com, 22. Oktober 2022. Die Seite enthält neben dem Foto der Gedenkplakette auch ein Foto der überfüllten Habana und ein Foto des Zeltlagers, das als Erstaufnahmeeinrichtung aufgebaut worden war.

Da die britische Regierung nicht für die Kosten des Aufenthalts der Kinder in Großbritannien aufkommen wollte und gar auf Garantieleistungen für deren Unterhalt bestand, hatte sich im Frühjahr 1937 das Basque Children’s Committee (BCC) gegründet, dessen Vorsitz die Duchess of Atholl übernahm. In einem Statement of Policy (Grundsatzerklärung) definierte das Komitee seine Aufgaben.

mini|Die sechseckige Erkennungskarte wurde von den Kindern bei ihrer Evakuierung getragen. Das Foto entstand 2012 bei den Feiern zum 75. Jahrestag der Evakuierung in Southampton Nach ihrer Ankunft in Southampton wurden die Kinder in Bussen in ein zuvor für sie errichtetes großes ZeltlagerFür eine umfangreiche Fotodokumentation über das Camp und das Leben der Kinder dort siehe: University of Warwick: North Stoneham Camp for Basque Children. in North Stoneham gebracht. () Das North Stoneham Camp war nur eine Übergangslösung. Von Ende Mai bis Mitte September 1937 wurden die Kinder und ihre Begleitung in ungefähr 80 über ganz Großbritannien verstreute kleinere Kolonien verteilt,Basque Children Committee: 4,000 children saved, [c.1937]. Illustrierte Broschüre des Baskischen Kinderkomitees, in der um Hilfe bei der „Adoption“ der Kinder gebeten wurde. (auf der Webseite der University of Warwick) wo lokale Gruppen sich zusätzlich um die Betreuung kümmerten.Auf der Webseite Basque children in Britain der University of Warwick findet sich auch der Unterpunkt „Evacuation of North Stoneham camp: statistical data about the numbers of children sent to different locations on particular dates“. Von dort aus lassen sich mehrere digitalisierte Dokumente aufrufen, die einen Einblick darüber vermitteln, wann und wohin die Kinder verteilt wurden. Einen guten Einblick in die Situation vor Ort nach der Umsiedelung der Kinder gibt die Webseite des Cumbria County History Trust: Basque Children at Brampton: Background. Beispiele über die lokalen Verhältnisse an einzelnen Unterbringungsorten gibt es auch bei Charlie Nurse in dem Artikel “Expedición a Inglaterra”. Rumeana Jahangir macht in ihrem Beitrag für die BBC deutlich, dass das gesamte Projekt auch mit vielen Problemen behaftet war. Die schon erwähnte fehlende Unterstützung seitens der Regierung war ein Teil davon. Hinzu kamen wechselseitige Verständigungsschwierigkeiten, weil auf es auf beiden Seiten an Kenntnissen der je anderen Sprache mangelte, und neben vielen Einheimischen, die den Neuankömmlingen freundlich gesonnen waren, gab es auch solche, die den Kindern ablehnend bis feindlich gegenüberstanden. Auch unter den spanischen Kindern und Jugendlichen gab es einige, die durch ihr Verhalten innerhalb und außerhalb der Schule auffielen, was wiederum zu negativen Berichterstattungen darüber führte.Rumeana Jahangir: Spanish Civil War: The child refugees Britain didn't wantCharlie Nurse: “Expedición a Inglaterra”

Die Eroberung Bilbaos durch Francos Truppen am 19. Juni 1937 gilt vielfach als Auslöser für die Rückführung der Kinder nach Spanien. Die UGT verweist auf den danach einsetzenden Druck des Franco-Regimes, aber auch auf die von der britischen Regierung gestartete Operation Rückkehr, durch die vor allem Druck auf das BCC ausgeübt werden sollte. Es gab aber auch Briefe spanischer Eltern, in denen diese nun die Rückführung ihrer Kinder verlangten, wobei zumindest in einigen Fällen nachweisbar ist, dass diese Briefe auf Druck der franquistischen Behörden verfasst worden waren. Bei Rumeana Jahangir heißt es, dass die Mehrheit der im Mai 1937 nach Großbritannien gekommenen Kinder bereits bis 1938 nach Spanien zurückgekehrt seien. Die Rückführungen selber endeten mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Erinnerungen an den Kindertransport nach Großbritannien Die Erinnerung an die geflüchteten baskischen Kinder wird in Großbritannien durch den Verein BCA’37 UK aufrechterhalten. Aber auch im Baskenland sind sie nicht vergessen. Im April 2022 eröffnete im Museum des Bilbaoer Sportklubs Athletic Bilbao eine Ausstellung über Die Kinder von 37 in Großbritannien, die zugleich an die 85 Jahre zurückliegende Bombardierung von Gernika (Guernica) erinnern sollte. Die Ausstellung widmete sich insbesondere dem Leben der jungen baskischen Flüchtlinge, die später erfolgreiche Fußballer geworden waren und fand in Zusammenarbeit mit dem britischen Verein BCA’37 UK und der einheimischen BCA’37 Euskadi statt. Sie sollte zeigen, dass viele baskische Flüchtlinge in Großbritannien Trost im Sport gefunden hatten und darüber Anschluss an britische Fußballklubs. In Wales hätten sie gar einen eigenen Klub gegründet, die Basque Boys AFC, und einige hätten nach Kriegsende auf Eliteniveau in Großbritannien und zu Hause gespielt, zwei auch bei Athletic Bilbao selber.Athletic Club Bilbao: The AC Museum to open exhibition about “The Children of 37 in the UK”. Siehe hierzu auch die Zusammenfassung einer Studie des Historikers Daniel Gray auf der Webseite des International Brigade Memorial Trust (IBMT): Refugee Boys to Professional Players, 14. Juni 2024. Dort werden ebenfalls mehrere Fallbeispiele skizziert.

Die University of Southampton unterhält eine Spezialsammlungen zu den baskischen Flüchtlingskindern, die 1937 mit der Habana nach Southampton kamen. Die Sammlung umfasst auch eine Reihe von Interviews mit Teilnehmern des Transports, die im Rahmen eines Oral-History-Projekts der Universität Southampton geführt wurdenUniversity of Southampton: Introduction to Basque child refugee archives und das Archiv der Association for the UK Basque Children. Auf deren Webseite ist sehr viel Material zum Schicksal der nach England evakuierten baskischen Kinder zu finden, darunter auch eine 2025 aktualisierte und modifizierte Passagierlisten der Habana. Auf der Webseite der Marx Memorial Library & Workers' School sind ebenfalls viele Fotos und Zeitungsartikel zu finden, die das Schicksal spanischer Flüchtlingskinder in England dokumentieren.Marx Memorial Library & Workers' School: Child refugees from the Spanish Civil War: a scrapbook tells a story Und mit dem Kindertransport nach Großbritannien befasst sich auch der auf youtube zur Verfügung stehende Film The Children of the Spanish Civil War.The Children of the Spanish Civil War (in englischer Sprache), youtube

Weblinks Archivo Multimedia de la Marina de Guerra Auxiliar de Euzkadi: “Los bous vascos-Euskal bouak” BCA’37 UK – The Association for the UK Basque Children:. The 4,000 Basque refugee children evacuated to Britain in May 1937 auf refugeehistory.org. PP Anderson: The Struggle over the Evacuation to the United Kingdom and Repatriation of Basque Refugee Children in the Spanish Civil War: Symbols and Souls, Journal of Contemporary History, 52 (2), 2016, pp. 297–318. Rumeana Jahangir: Spanish Civil War: The child refugees Britain didn't want, bbc.com, 17. Juli 2016. Meirian Jump: The Basque Refugee Children in Oxfordshire during the Spanish Civil War: Politically Charged Project or Humanitarian Endeavour?, in: Oxoniensia, Journal der Oxfordshire Architectural and Historical Society, 2007. * UGT Euskadi: Entre el Compromisco Político y el Humanitario: las Redes de Solidaridad Internacional con “Los Niños y la Niñas de la Guerra” en Euskadi, 2016 auf der Webseite www.ugteuskadi.org (UGT = Unión General de Trabajadores – Allgemeiner Gewerkschaftsbund des Baskenlandes) University of Warwick. Basque children in Britain. Über diese Seite sind eine große Anzahl von Dokumenten online zugänglich. North Stoneham Camp for Basque Children (mit umfangreichem Bildmaterial)

Einzelnachweise

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