mini|hochkant=0.7|Christian Vogel (2003)

Christian Vogel (* 25. Dezember 1940 in Athen; † 26. Juli 2026 in Assenheim) war ein oberhessischer Historiker und Heimatforscher. Er war von 2010 bis 2024 Vorsitzender der Vereinigung für Heimatforschung in Wetterau, Kinzigtal und Vogelsberg.

Leben Christian Vogel wuchs in einer Hamburger Diplomatenfamilie auf. Sein Vater war der Jurist und Diplomat Georg Vogel. Mit der Familie wohnte er in Oberhessen und Bonn. Während der Schulzeit verbrachte er anderthalb Jahre in Rhodesien. In Bonn begann er ein Studium der Geschichte und Katholischen Theologie. In Kuala Lumpur schrieb er sich für islamische Theologie ein. In Quito führte er Archivstudien zur Kirchengeschichte des 16. Jh. im Zusammenhang mit der 400-Jahr-Feier der Real Audiencia de Quito durch. In Spanien arbeitete er im Generalarchiv Simancas und im Archiv des Herzogs von Alba in Madrid an einer Abhandlung über die Geschichte der Niederlande und des spanischen Erbfolgekriegs. Seit 1971 war Vogel in Oberhessen ansässig.

Zeittafel 1940–1941 Athen, Griechenland 1942–1949 Ortenberg, Oberhessen 1950–1958 Bad Godesberg (Aloisiuskolleg) 1958–1963 Lißberg (Wohnsitz) 1958–1959 Salisbury, Rhodesien 1959–1959 Hinterzarten (Birklehof) 1960–1961 Bonn, Uni 1961–1961 Kuala Lumpur, Malaysia 1961–1962 Quito, Ecuador 1964–1970 Bonn, Köln 1971–1990 Wickstadt, Oberhessen 1991–2026 Assenheim, Oberhessen

Werk Christian Vogels Hauptwerk ist die 2-bändige Abhandlung Hessen-Darmstadt in den Revolutionskriegen. Er beschreibt darin das Verhalten der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt während der Französischen Revolutionskriege (ca. 1790–1799) und analysiert den Eintritt in den Krieg, das Verbleiben auf der kaiserlichen Seite und den späteren Weg zur Neutralität. Es gilt als wichtige Referenz für die Regionalgeschichte. Vogel betrieb eine umfangreiche und tiefgehende Quellenforschung, insbesondere im Staatsarchiv Darmstadt. Das Buch beschreibt nicht nur die großen politischen Entscheidungen, sondern auch die alltägliche Realität und die strategischen Herausforderungen der kleinen deutschen Fürstentümer in dieser turbulenten Zeit. Das Werk hat mit 970 Seiten den ursprünglich geplanten Umfang von 400 Seiten deutlich überschritten. Dafür gibt es einen Grund: Das Werk geht auf die Artikelserie Krieg in der Wetterau zurück, die etwa zeitgleich mit dem Buch entstand. Nach und nach meldeten sich mehr und mehr betroffene Gemeinden beim Autor und baten ihn, auch ihre Gemeinde in einem Artikel zu berücksichtigen.

Eine ganze Reihe von Dokumentenfunden zu dem angeblich edlen Räuber Schinderhannes gelegentlich umfangreicher Archivrecherchen zur Geschichte der Revolutionskriege haben Christian Vogel veranlasst, das gesamte vorliegende Material zu dem bekanntesten deutschen Räuber systematisch aufzuarbeiten. Dabei wurde dieser sogenannte Volksheld gründlich entzaubert. An dem großen Räuberhauptmann Schinderhannes ist im wahrsten Sinne des Wortes nichts dran.

Im Laufe seiner Archivstudien erwarb Christian Vogel profunde Kenntnisse der Rechtssysteme während der unterschiedlichen Staatsformen in der Region. Diese kamen ihm mehrfach zugute, wenn es vor Gericht darum ging, Rechte einzuklagen, die sich über Jahrhunderte fortgeschrieben hatten. Vogels Kampf um Zugang zu einem von zehn vormals standesherrlichen Archiven in Zentralhessen, nämlich dem Rentkammerarchiv in Büdingen, gipfelte in einem Rechtsstreit gegen das Land Hessen, der vor dem Verwaltungsgericht Gießen ausgetragen wurde. Vogel erzielte einen Teilerfolg. In seinem Urteil stellte das Gericht jedoch fest, dass die Klage abzuweisen sei, da der Beklagte selbst keinen Zugang zu dem Archiv habe.

An die tausendmal begab sich Christian Vogel mit Fahrrad und Eisenbahn als Altstraßenforscher ins Gelände, Fotoapparat, Messtischblätter und die Aufzeichnungen seiner Vorgänger im Rucksack, um den genauen Verlauf alter Heer- und Handelsstraßen aus Kelten- und Römerzeit sowie Früh- und Hochmittelalter im Gebiet von Wetterau, Kinzigtal und Vogelsberg zu erkunden.

Hauptwerke Der Rückzug der Sambre-Maas-Armee von der Kinzig zur Lahn durch den heutigen Wetteraukreis und die Zerstörung Lißbergs im September 1796. Historisches Archiv Rack, 1996, Hessen-Darmstadt in den Revolutionskriegen (1790–1799). Verlag der Vereinigung für Heimatforschung in Vogelsberg, Wetterau und Kinzigtal e.V., 2017, Schinderhannes, Schwarzer Jonas und andere Räuber, die nie eine Bande waren (1800-03). Selbstverlag, Niddatal-Assenheim, 2020, Alte Straßen in Wetterau, Kinzigtal und Vogelsberg. Selbstverlag, 2024,

Aufsätze (Auswahl) Hessen und Oberhessen. In: BüdingerGbll () Band 19, 2006, S. 339–348. Waldrechte im Büdinger Wald vom Hohen Mittelalter bis heute. In: BüdingerGbll () Band 20, 2007-08, S. 281–350. Die Inkorporation der Pfarrei Wingershausen in das Kloster Blankenau. In: Chronik von Wingershausen. Herausgegeben von der Stadt Schotten in Verbindung mit dem Arbeitskreis Historie Wingershausen, 2016, Repro., Satz und Druck: Geschichtswerkstatt Büdingen, S. 25 folgende. Das Gericht Burkhards. In: BüdingerGbll () Band 24, 2016, S. 271–304. Leustadt. In: BüdingerGbll () Band 27, 2022, S. 350–365 Prozess um das Rentkammerarchiv von Büdingen. In: BüdingerGbll () Band 28, 2024, S. 386–395.

Historische Quellen Das Hessische Staatsarchiv Darmstadt (HStAD) verwahrt die Materialsammlung von Christian Vogel zur Geschichte der Herren von Lißberg und des Amtes Lißberg unter der Signatur O 61 Vogel.Materialsammlung Vogel Archivinformationssystem Hessen; abgerufen am 28. Dezember 2025.

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Einzelnachweise

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