Ehrenfried Schäfer (* 16. November 1679 in Görlitz; † 13. Juli 1738) war im Jahr 1731/1732 der letzte regierende Bürgermeister in Görlitz, bevor das dortige Ratswesen reformiert wurde.
Leben Schäfer war ein Sohn des angesehenen Görlitzer Bürgers Friedrich Schäfer.Lexikon der seit dem funfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jeztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler, Band 3
Im Jahr 1703 disputierte er unter Heinrich Bode in Halle über die Anrechnung von Studienkosten auf das Erbe (vgl. Kollation im Erbrecht). Diese Disputation wurde posthum im Jahr 1747 in Halle gedruckt.
Unter dem Görlitzer Bürgermeister Johannes Kisling war Schäfer im Jahr 1705 Notar, unter dem Bürgermeister Abraham Friedrich Nicius wurde er Ratsherr. Ehrenfried Schäfer war der erste aus seiner Familie, der ein politisches Amt übernahm.
Im Jahr 1715 kam er in den Besitz des Lichthofs Untermarkt 3. Im Jahr 1716 baute er das Portal und die oberen Geschosse in ihr heutiges Gepräge bzw. Erscheinungsbild um.
Im Jahr 1720 wurde er Schöppe, 1729 Stadtrichter und Verwalter der von Görlitz neu erworbenen Güter Hennersdorf und Sohra. Im Jahr 1731 wurde er regierender Bürgermeister (Consul regens), wobei es im Folgejahr zur sogenannten Reformierung des Ratswesens in Görlitz kam. Schäfer musste die Fehlwirtschaft seiner Vorgänger tragen:Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 21–22. Online Görlitz hatte eine hohe Schuldenlast angehäuft, sodass „von allen Seiten“Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 26. Online Kündigungsbriefe in Hypothekenangelegenheiten eintrafen.Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 21, 26. Online Der Kreditruf der Stadt war völlig ruiniert, weshalb beispielsweise allein für das Gut Hennersdorf 12.000 Taler zurückgefordert wurden. Zu allem Überfluss stellten Minister Brühl und der Hof in Dresden weitere massive Geldforderungen.Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 23, 26. Online Als die Untersuchungskommission am 22. Juni 1733 eintraf, floh Schäfer „Hals über Kopf“Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 25. Online durch das Reichenbacher Tor nach Schlauroth, was von den Kommissaren als „höchst verdächtig“ betrachtet wurde. Noch im Jahr 1733 wurde er in Untersuchungshaft genommen. Während die Untersuchungskommission tagte, war Christian Naumann regierender Bürgermeister, später gab es bis 1738 keinen Görlitzer Bürgermeister mehr, die Kommission „vollendete“ in dieser Zeit „ihre Geschäfte“.
Schäfer hinterließ drei Töchter und wurde am alten Nikolaikirchhof begraben, er erhielt einen „wunderbaren barocken Grabstein“,Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 22. Online seine Inschrift sei „für barocke Gewohnheiten äußerst zurückhaltend“ gewesen.
Literatur Schäfer, (Ehrenfried) in: Gottlieb Friedrich Otto: Lexikon der seit dem funfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jeztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler, Band 3 (R–S). Görlitz 1803 (Online). Lokalkommission in Görlitz und der Bürgermeister in Arrest. In: Richard Jecht (Hrsg.): Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. Görlitz 1941. S. 21–28. Gerhard Henschel: Görlitz in den Jahren 1733–1735 (Online).
Einzelnachweise
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