Grace C. Hertlein (* 5. April 1924 in Chicago (Illinois); † 13. Juli 2015 in Chico (Kalifornien)) war eine amerikanische Medienkünstlerin und Pionierin der Computerkunst. Leben Hertlein begann Mitte der 1940er Jahre als Künstlerin zu arbeiten und zeigte ihre ersten Arbeiten 1959. Sie studierte von 1961 bis 1965 Kunst, Drucktechniken und Bildhauerei am Art Institute of Chicago und erlangte 1968 den Bachelor und 1970 den Master mit der Arbeit Computer-Aided Graphics in Dimensional Form (Computergestützte Grafiken in dreidimensionaler Form). Anschließend arbeitete sie an der California State University, Chico und war dort von 1970 bis 1998 außerordentliche Professorin am Institut für Informatik.

In den 1970er bis in die frühen 1980er Jahren schuf sie computergestützte Druckgrafiken. Sie arbeitete interdisziplinär zwischen Informatik und bildender Kunst und unterrichtete sowohl Informatik- wie Kunststudenten. In ihren späten Jahren schrieb Hertlein philosophische Gedichte und komponierte Computermusik. 2025 wurde erstmals ein Kunstwerk Hertleins in Sotheby’s New York bei einer Auktion angeboten.Der Rekordpreis für Grace C. Hertlein im Jahr 2025 wurde für ein umfangreiches Archiv früher Computerkunst aus den 1950er- bis 1970er-Jahren erzielt. Ein Teil ihrer Werke sind im Besitz des Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe.Dort ausgestellt vom 5. April 2025 bis 21. Mai 2028, mit dem Werk Computerkunst Hertlein zählt zu den frühen Medienkünstlern, die Personal Computer zur Herstellung von Kunstwerken nutzten. Es entstanden Zeichnungen mit Hilfe von Plottern in Tinte oder Tusche auf Papier. Die computergenerierten Drucke wurden erzeugt zumeist mit Hilfe der 1957 entwickelten Programmiersprache Fortran. Charakteristisch für ihr Werk sind Naturthemen und organische Formen, keine geometrischen Konstruktionen. An der Universität führte sie IT-Spezialisten in die Computerkunst ein und machte Künstler auf Computerprogramme aufmerksam.

Hertlein verstand Computerkunst interdisziplinär und als Brücke zwischen Informatik und zeitgenössischer Kunst und sah sich zu Beginn Widerständen ausgesetzt. Ihre Erfahrung war, dass Kunstabteilungen das Fach Computerkunst zu technisch fanden und Computerabteilungen den Bereich zu künstlerisch. Sie arbeitete am Konzept des Computer Art Contest (Computerkunstwettbewerb) mit, deren Gewinner auf dem Cover der Zeitschrift Computers and Automation jährlich in der August-Ausgabe bis 1973 präsentiert wurden. Der 1963 gegründete Computer Art Contest war der vermutlich erste Wettbewerb in der aufkommenden Bewegung der Computerkunst.

In der Arbeit City Painting ging Hertlein den Möglichkeiten der Anwendung von Computertechnologie in der Textilproduktion nach und glaubte Ende der 1970er Jahre, dass Computerkunst eine computergestützter künstlerische Textilproduktion ermöglichen könne. Von 1974 bis 1976 war sie Herausgeberin der Zeitschrift Computers and People (zuvor Computers and Automation), und von 1976 bis 1982 des Jahrbuchs Computer Graphics and Art.Nachweis über Mitarbeit hier ## Werk Hertlein zählt zu der Bewegung Neue Tendenzen, eine der wichtigsten internationalen künstlerischen Strömungen der 1960er Jahre, die ab 1968 den Computer als Werkzeug künstlerischen Arbeitens propagierte, um mit dieser neuen Technologie ihren Avantgarde Anspruch zu behaupten und auch die Zukunft der Zivilisation mitzugestalten. Die in der ab 1974 von Hertlein mitherausgegebenen Zeitschrift Computers and Automation aufgenommen ersten Grafiken zeigten zunächst geometrische Formen. Weitere Künstler geometrischer Themen dort waren unter anderen Georg Nees, Frieder Nake und A. Michael Noll. Hertlein begann 1971 mit Naturthemen und später figürlichen Themen, darunter auch Picasso Derivationen. Durch die Nutzung der Programmiersprache Fortran unterscheiden sich Hertleins computergestützte Grafiken von der Schreibmaschinenkunst, etwa von Dom Sylvester Houédard, Henri Chopin und auch von der Visuellen Poesie und Mail Art der deutschen Schreibmaschienengrafikerin Ruth Wolf-Rehfeldt. Neben der französischen Medienkünstlerin ungarischer Herkunft Vera Molnár ist Hertlein eine der Pionierinnen der Computerkunst.

Werkliste Die undatierten Werke stammen aus der Periode 1970 bis 1973. Weitere Werke zumeist ohne Titel sind gesammelt abgebildet in der Anne and Michael Spalter Digital Art Collection Database. Beasts in the Field, computergenerierter Druck, 44,3 × 61,3 cm, Sammlung ZKM. Randomisierung von Psilotum, Kiefer, eine Sonnenform und eine Picasso-Tierableitung. Alternative Cover, Computers and the Humanities Magazine, computergenerierter Druck, 42,5 × 56,5 cm, Sammlung ZKM. Eine Collage aus Computerkunst verschiedener Künstler, die im Computers & People Magazin veröffentlicht wurde, mit Illustrationen von Hertlein. City Painting, computergenerierter Druck, Sammlung ZKM. Serienbilder, blau, grün, braune Tinten, mit Übermalung, Untermalung. Diese Serie wurde als abstraktes, aber erkennbares Bauhaus–Architekturmuster erkannt. 1970 The Field, computergenerierter Druck mit IBM 1620 computer, CalComp digital plotter Programmed in FORTRAN, Produced at California State University, Chico. 1972 Automated Forest, computergenerierter Druck, 30 × 40 cm, Sammlung ZKM. Randomisierung eines Musters, einer urzeitlichen Kiefer, mit vorgeplanter Platzierung. 1972 The Womb of Water with Color, computergenerierter Druck mit schwarzer Tinte, 30 × 40 cm, Sammlung ZKM. Kombination von Urwassermustern mit Muscheln, Baummustern. Ausstellungen 1969 Fall Joint Computer Conference, Las Vegas, Nevada. 1970 Data Designs, State University of New York, Brockport, New York. 1970 Computer Graphic 70, Brunel University, Uxbridge. 1973 Tendencije 5. Racionalno i iracionalno u vizualnim istrazivanjima danas. Technik Museum ZagrebNew Tendences and Bit International, 1961–1973, Seite 478. 2007 Ex Machina. Frühe Computergrafik bis 1979. Kunsthalle Bremen. 2026 The Story That Never Ends. Die Sammlung des ZKM. Zentrum für Kunst und MedientechnologieVom 5. April 2025 bis 21. Mai 2028, mit dem Werk Schriften Computer-Aided Graphics in Dimensional Form, Master Thesis, Chico, California, 1970. An Artist Views Discovery Through Computer-Aided Graphics, in: Computers and Automation, Berkeley entreprises, Washington 1970, S. 25–26.Computers and Automation. the magazine of the design, applications, and implications of information processing systems, Washington Berkeley entreprises, 1958–1972. ISSN 0887-4549 und ISSN 0010-4795, ZDB-ID 1200902. Computers and the quality of life?, in: CQL '90: Proceedings of the conference on Computers and the quality of life. Association for Computing Machiner, New York 1990, ISBN 978-0-89791-403-1, Seite 60–66. The Fire of Prometheus: Forging a New Millennium, in: CQL '96: Proceedings of the symposium on Computers and the quality of life. Association for Computing Machinery, New York 1996, ISBN 978-0-89791-827-5, Seite 32–40. Literatur Computer Graphics and Art. the magazine of interdisciplinary computer graphics for professional graphics people and computer artists. Ausgabe August 1977. Edward Zajec, Charles Csuri u. a.(Hrsg.), Enterprise Inc. Berkeley 1977.ZDB–ID 4238709 Ex Machina. Frühe Computergrafik bis 1979. Die Sammlung Franke und weitere Stiftungen in der Kunsthalle Bremen. Herbert W. Franke zum 80. Geburtstag. Wulf Herzogenrath u. Barbara Nierhoff-Wielk (Hrsg.). Deutscher Kunstverlag, Berlin 2007. ISBN 978-3-422-06689-2.anlässlich der gleichnamigen Ausstellung White Heat Cold Logic. British Computer Art 1960–1980. Jasia Reichardt, Paul Brown u. a. (Hrsg.). The MIT Press, Cambridge 2008. ISBN 978-0-262-02653-6. A Little-Known Story about a Movement, a Magazine, and the Computer's Arrival in Art: New Tendences and Bit International, 1961–1973. Edited by Margit Rosen in collaboration with Peter Weibel, Darko Fritz and Marija Gattin, published by ZKM | Center for Art and Media Karlsruhe, Germany. The MIT Press, Cambridge/London 2011, ISBN 978-0-262-51581-8.

Einzelnachweise

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