mini|Karl Lauterbach (2024) rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Karl Lauterbach deutscher Gesundheitsökonom und Politiker der SPD Karl Wilhelm Lauterbach (* 21. Februar 1963 in Birkesdorf, jetzt Düren) ist ein deutscher Gesundheitsökonom und Politiker (SPD). Der Mediziner ist seit Beginn der 16. Legislaturperiode im Jahr 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages und war vom 8. Dezember 2021 bis zum 6. Mai 2025 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Seit 21. Mai 2025 ist er Vorsitzender des neuen Bundestags-Forschungsausschusses.Karl Lauterbach leitet Forschungsausschuss, bundestag.de, abgerufen am 21. Mai 2025.
Herkunft und Ausbildung Karl Lauterbach wurde im Februar 1963 in Birkesdorf (heute ein Stadtteil von Düren) als Sohn des Molkereiarbeiters Wilhelm Lauterbach und dessen Frau Gertrud, geb. Wirtz, geboren. Er wuchs „in einem strengen römisch-katholischen Elternhaus“ in Oberzier (Ortsteil von Niederzier) nahe dem Forschungszentrum Jülich auf.Lebenslauf im Diss.-MS: Karl W. Lauterbach: Weiterentwicklung des Parametric Gammascopes auf der Grundlage von experimentellen und klinischen Studien, Düsseldorf 1991. Seit 1969 besuchte er die Grundschule Niederzier. Trotz sehr guter Leistungen erhielt er nur eine Hauptschulempfehlung, was er später als eine Diskriminierung aufgrund seiner familiären Herkunft ansah. An der Hauptschule war er unterfordert und wechselte mit Unterstützung seiner Lehrer zuerst auf die Realschule, dann auf das Gymnasium am Wirteltor in Düren, an dem er 1983 sein Abitur ablegte.Karl Lauterbach et al.: Und Ihre Bildungshürde? Vier Politiker erzählen von ihrem Weg durch Schule und Universität. In: Die Zeit 22/2017, 24. Mai 2017 (online).
Ab 1983 studierte Lauterbach Humanmedizin an der RWTH Aachen, an der University of Arizona in Tucson und an der University of Texas at San Antonio (USA). Im Jahr 1989 legte er in Aachen die Ärztliche Prüfung ab und wurde 1991 mit einer von Ludwig E. Feinendegen betreuten, auf Studien an der Kernforschungsanlage Jülich und an der University of Arizona in Tucson beruhenden Dissertation über die Weiterentwicklung des Parametric Gammascopes auf der Grundlage von experimentellen und klinischen Studien an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Dr. med. promoviert. Von 1989 bis 1992 studierte er an der Harvard School of Public Health, wo er 1990 einen Master of Public Health (MPH) und 1992 einen Master of Science (M.Sc.) in Health Policy and Management erlangte. Von 1992 bis 1993 hatte er ein Fellowship der Harvard Medical School inne. Gefördert von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, erlangte Lauterbach dort 1995 den Abschluss Scientiæ Doctor (Sc.D.). Einer seiner Betreuer war Amartya Sen. Die Approbation als Arzt in Deutschland hatte Lauterbach nach dem Abschluss seines Medizinstudiums noch nicht beantragt;Personalien. Karl Lauterbach. In: Der Spiegel. Heft 35/2010, S. 152. dafür hätte er damals eine 18-monatige Pflichtzeit als Arzt im Praktikum nachweisen müssen. Im Jahr 2004 entfiel diese Voraussetzung, auf Antrag erhielt er 2010 seine Approbation.
Im Jahr 1996 beauftragte die Universität zu Köln Lauterbach als neu berufenen Professor mit der Gründung ihres Instituts für Gesundheitsökonomie, Medizin und Gesellschaft (IGMG), das Ende Februar 1997 den Betrieb aufnahm.Gesundheitsökonomie: Interdisziplinärer Ansatz. Deutsches Ärzteblatt 1997. 1998 wurde er Direktor dieser Einrichtung, inzwischen umbenannt in Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE). Dort ist er wegen seines Bundestagsmandats beurlaubt. Von 1999 bis zur Wahl in den Bundestag im September 2005 war Lauterbach Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Im Jahr 2003 war er Mitglied in der Kommission zur Untersuchung der Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme („Rürup-Kommission“). Seit 2008 ist er Adjunct Professor für Gesundheitspolitik und -management an der Harvard School of Public Health, wo er auch noch regelmäßig unterrichtet. Bis zum Jahr 2003 war er Autor oder Co-Autor von 294 Publikationen und verfasste bzw. teilverfasste zehn Bücher.
Lauterbach hat durch seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen 2021 laut Scopus einen h-Index von 24.
Im März 2023 berichtete Welt am Sonntag über angeblich falsche Angaben in einem Lebenslauf, mit dem sich Lauterbach am 12. Dezember 1995 auf eine C4-Professur an der Tübinger Eberhard-Karls-Universität beworben habe. Er sei mit dieser Bewerbung erfolgreich gewesen, habe aber den erfolgten Ruf abgelehnt und stattdessen eine Professur an der Universität zu Köln angenommen. Ein Artikel in Table Media bezeichnete die Vorwürfe als substanzlos und hält den Fall für „ein Beispiel für das, was passieren kann, wenn Menschen mit einer Agenda etwas versuchen aufzuklären, von dem sie inhaltlich wenig verstehen“. Lauterbach selbst äußerte gegenüber dem Merkur, dass er den konkreten Fall nicht mehr rekonstruieren könne. Eine Kommission der Universität zu Köln hat die Vorwürfe geprüft und entkräftet. An Lauterbach gerichtet schrieb sie: „Ein großer Teil der erhobenen Vorwürfe hat wenig Substanz“. In der Bewerbung fänden sich allerdings „Ungenauigkeiten in der Darstellung von Angaben aus dem Publikationsverzeichnis und Ihrer Position zum Zeitpunkt der Bewerbung.“ Die Kommission sei aber „einstimmig der Auffassung, dass weder grobe Fahrlässigkeit noch Vorsatz feststellbar sind. Somit liegt kein wissenschaftliches Fehlverhalten vor.“Kölner Uni sieht kein Fehlverhalten bei Bewerbung von Karl Lauterbach. In: Der Spiegel, 21. Juli 2023.
Politische Karriere Lauterbach war früher Mitglied der CDU,Ludmilla Hauser, Peter Korn: Karl Lauterbach: „Ich kann in Berlin viel bewegen“. In: RP Online. 11. September 2013. im Jahr 2001 trat er der SPD bei. Seit 2005 wurde er stets per Direktmandat im Wahlkreis Leverkusen – Köln IV in den Bundestag gewählt (2005 mit 48,6 %, 2009 mit 37,1 %, 2013 mit 41,4 %, 2017 mit 38,5 % und 2021 mit 45,6 %). 2013 wurde er in das Kompetenzteam von Peer Steinbrück berufen.Steinbrück holt Lauterbach in sein Kompetenzteam. In: Zeit.de. 5. Juni 2013, abgerufen am 9. Juni 2013. Er war in der 17. Legislaturperiode Sprecher der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion, seine Nachfolgerin wurde Hilde Mattheis. Von Ende 2013 bis September 2019„Keine glaubwürdige Haltung“. Lauterbach zieht sich aus SPD-Fraktionsspitze zurück. In: Der Tagesspiegel. 6. September 2019, abgerufen am 6. September 2019. war er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und dort zuständig für die Themen Gesundheit, Bildung und Forschung sowie für Petitionen. Er gehörte dem Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz als ordentliches Mitglied und dem Finanzausschuss als stellvertretendes Mitglied an.
mini|Karl Lauterbach und Nina Scheer (links) bei der Regionalkonferenz 2019 in Nieder-Olm anlässlich der Wahl zum SPD-Vorsitz Im Juli 2019 gab er seine Kandidatur als SPD-Vorsitzender im Duo mit der Bundestagsabgeordneten Nina Scheer bekannt. In der ersten Mitgliederbefragungsrunde errang das Duo den 4. Platz mit 31.271 Stimmen (14,6 %).
Auf Vorschlag von Bundeskanzler Olaf Scholz ernannte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihn am 8. Dezember 2021 zum Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz.
Am 14. Dezember 2024 wurde er auf der Wahlkreiskonferenz erneut für seinen Wahlkreis als Direktkandidat für die Bundestagswahl 2025 nominiert.Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 17. Dezember 2024: Lauterbach, Mützenich. Kölner SPD benennt Kandidaten für den Bundestag – Premiere für Schauspielerin, von Susanne Rohlfing, abgerufen am 19. Dezember 2024
Privates 1996 heiratete Lauterbach die Epidemiologin und Ärztin Angela Spelsberg,Epidemiologin Angela Spelsberg: Karl Lauterbachs Ex-Frau stichelt gegen seine Corona-Politik, bz-berlin.de, 29. August 2020. mit der er vier Kinder hat. Sie lebten ab 2004 getrennt und ließen sich 2010 scheiden. Aus seiner Beziehung mit Ulrike Winkelmann hat er ein weiteres Kind. Anfang 2024 wurde eine Beziehung mit der Journalistin Elisabeth Niejahr bekannt. Lauterbach ist Pescetarier.
Nach Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche verließ er diese; dennoch stehe er ihr weiterhin nahe. Seinen Amtseid als Gesundheitsminister bekräftigte er mit den Worten „So wahr mir Gott helfe“.
Politische Schwerpunkte Gesundheitspolitik Lauterbach war an der Einführung des Fallpauschalensystems beteiligt, das in der Kritik steht, Fehlanreize zu setzen und in manchen Bereichen zu einer Mangelversorgung zu führen. Später forderte er Modifikationen des Systems und eine teilweise Abkehr davon in einzelnen Bereichen. Im Juli 2023 einigte er sich mit den Gesundheitsministern der Länder auf die Eckpunkte einer ab Januar 2025 geplanten Krankenhausreform, die auch eine Abkehr von den Fallpauschalen bedeutet.
Zu den von Lauterbach vertretenen Thesen zur Gesundheitspolitik gehören:
Einführung einer Bürgerversicherung im Gesundheitswesen bzw. eine einheitliche Gebührenordnung für privat und gesetzlich Versicherte, was Tendenzen in Richtung einer Zwei-Klassen-Medizin entgegenwirken soll. Einführung einer Bürgerversicherung unter Berücksichtigung aller Einkommensarten zur Beitragsbemessung auch in der Pflege, um die gestiegenen Kosten für Pflegeleistungen auszugleichen. Die Zahl der Krankenhäuser sollte reduziert werden, um die Qualität zu verbessern und „überflüssige Eingriffe“ zu vermeiden. Dabei sieht er insbesondere in Metropolen, in denen Einkommens- und Bildungsstärkere leben, eine Überversorgung. Die Forderung der Bertelsmann Stiftung, die 2019 einen Abbau von zwei Dritteln der Krankenhäuser forderte, hält er aber für „überzogen“. Ausrichtung der medizinischen Versorgung an Evidenz und Kosten-Effektivität. Totalverbot von Tabakwerbung. Schrittweise Legalisierung von leichten und härteren Drogen, wie beispielsweise Cannabis und Kokain.
Lauterbach hat sich schon in seiner Zeit als Wissenschaftler für seine gesundheitspolitischen Vorstellungen eingesetzt, u. a. als Berater der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. In dieser Zeit war er an einer Studie über den Fettsenker Lipobay beteiligt. Im Jahr 2001 wurde das Medikament der Herstellerfirma Bayer wegen tödlicher Zwischenfälle wieder vom Markt genommen. Später trat Karl Lauterbach als Gegner der Pharmalobby auf, setzte sich für die Positivliste ein und für weitere Kontrollphasen bei der Zulassung von Arzneimitteln.
COVID-19-Pandemie mini|hochkant|Karl Lauterbach mit FFP2-Maske bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags der 20. Wahlperiode des deutschen Bundestags am 7. Dezember 2021 in Berlin