Werner Wiemann (* 10. Juni 1944 in Dietfurt (Wartheland)) ist ein deutscher Politiker (AfD, vorher FDP), der von 1990 bis 1995 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin war.
Leben Wiemann ist gelernter Koch und diplomierter Lebensmittelchemiker, der in der DDR ein synthetisches Ananas-Aroma entwickelte. Ab 1987 studierte er Theologie, blieb jedoch ohne Abschluss. Mit der politischen Wende in der DDR machte sich Wiemann selbstständig und vertrieb von seinem Wohnort in Berlin-Biesdorf aus Obstweine sowie Met. Im Jahr 1990 gehörte er zu den Gründern des Lobbyverbandes Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis (MHWK).
Politik Ab September 1989 war Wiemann an der Gründung der FDP der DDR beteiligt,Aufruf zur Gründung einer F.D.P. In: Freiheit. 6. Januar 1990. Seite 5. dessen erstes Parteiprogramm er mitentwarf.Falk Illing: Die sächsische FDP seit 1990. Auf dem Weg zur etablierten Partei? Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-04656-9. Seite 62. Von Mai 1990 bis Dezember 1990 gehörte Wiemann für die FDP der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Berlin-Marzahn an. Anschließend wechselte er ins Berliner Abgeordnetenhaus. Ab der Wahl 1990 gehörte er bis Oktober 1994 der FDP-Fraktion an und wechselte dann bis zum Ende der Legislatur-Periode 1995 zur Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen.Christoph Sells: Die dritte Partei in vier Jahren. In: Die Tageszeitung. 12. Dezember 1994. Er warf der FDP Fehler bei der Privatisierung ostdeutscher Unternehmen vor und kritisierte die politische Strategie, nur um Zweitstimmen zu werben. Zuvor hatte Wiemann auch die Haltung seiner Partei zum früheren LDPD-Funktionär und letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR Manfred Gerlach kritisiert. Zur Bundestagswahl 1994 war Wiemann, obwohl er wenige Tage zuvor die Partei verlassen hatte, Direktkandidat der FDP im Wahlkreis Hellersdorf-Marzahn, der von Gregor Gysi (PDS) gewonnen wurde.Berliner FDP-Direktkandidat verlässt seine Partei. In: Süddeutsche Zeitung. 14. Oktober 1994. Bei der parlamentarischen Abstimmung über die Fusion der Bundesländer Berlin und Brandenburg stimmte Wiemann 1995 gegen den Staatsvertrag.Severin Weiland: Die grosse Stunde der Jasager. In: Die Tageszeitung. 23. Juni 1995.
Von 2016 bis 2026 war Wiemann für die AfD Berlin als Mitglied in der Bezirksverordnetenversammlung von Marzahn-Hellersdorf, seit 2021 als Fraktionsvorsitzender. In der BVV fiel er auf, indem er die NS-Verherrlichung durch seine Parteikollegen relativierte und den Zusammenarbeitsverzicht anderer Parteien mit der AfD als dem nationalsozialistischen Antisemitismus ebenbürtig bezeichnete.
Literatur Werner Breunig, Andreas Herbst (Hrsg.): Biografisches Handbuch der Berliner Abgeordneten 1963–1995 und Stadtverordneten 1990/1991 (= Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin. Band 19). Landesarchiv Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-9803303-5-0, S. 394.
Einzelnachweise
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