Der Wesir und sein Sohn ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 6), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten).

In der Handlung erlebt der Sohn eines Wesirs eine abenteuerliche Reise.

Handlung Als der Abbasiden-Kalif Harun al-Raschid die Barmakiden festnehmen ließ, konnte ein alter Wesir namens Abdallah mit seinem Sohn Muhammad aus ihrer Mitte fliehen. In Basra bestiegen sie ein Schiff nach Indien. Nach zwanzig Tagen auf dem Meer ereilte die beiden die Verzweiflung, da ihnen das Trinkwasser ausgegangen war. Da stürzte sich ein Seeungeheuer auf das Schiff und das Meer türmte sich auf und zerbarst das Schiff. Der Sohn des Wesirs konnte sich an einer Planke festklammern und wurde an eine Insel angespült. Auf der Insel gab es viele Früchte und Wasserquellen, sodass sich Muhammad stärken konnte.

Am nächsten Morgen sah er ein Boot mit zehn Männern an die Insel fahren. Muhammad versteckte sich und sah, wie die Männer einen alten gefesselten Scheich aus dem Boot holten, in einen nahen Brunnen warfen und wieder davonfuhren. Da zog Muhammad den Alten aus dem Brunnen und kümmerte sich um ihn. Nach fünf Tagen füllte sich die Insel mit Schiffen und Booten. Die beiden schlossen sich den Seefahrern an und folgten ihnen über das Meer, bis sie eine Stadt erreichten. Dort mietete der Alte eine Wohnung in einer Herberge. Dann gab er dem Wesirssohn die Anweisung ein Schiff und Ausrüstung zu kaufen. Dann offenbarte der Alte, dass er einst der König der Stadt gewesen war. Sie bestiegen das Schiff und fuhren weiter.

Nach 21 Tagen auf hoher See erblickten sie das Standbild eines Götzen, den Alexander der Große einst auf einer Insel aufgestellt hatte. Als sie die Insel erkundeten, fanden sie einen mächtigen Palast und betraten ihn. Dort erblickten sie auf einem Thron einen alten Mann namens Nadil Ibn Amir al-Hamdani, ein Nachfahre des Propheten Hud. In einem anderen Zimmer fanden sie auf einem weiteren Thron ebenfalls einen alten Mann, der eine mit Perlen, Rubinen und Smaragden geschmückte Krone trug. Als der Scheich die Krone entwenden wollte, erwachte der Alte plötzlich zum Leben und tötete den Scheich mit Pfeil und Bogen. Der Wesirssohn konnte jedoch entkommen, als er den Koran aufsagte. Er erfuhr, dass das Schloss von den Töchtern der Dschinn beherrscht wurde. Er kehrte nach Basra zurück.

Hintergrund Die Geschichte spielt in der 23.–28. Nacht von Hundertundeine Nacht.Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 65–75.

Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 241.

Literatur

Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 65–75.

Einzelnachweise

Kategorie:Hundertundeine Nacht Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Arabisch)