Folk-Economic Beliefs (deutsch etwa „volkswirtschaftliche Laien­überzeugungen“ oder „intuitive Wirtschaftsglaubenssätze“) bezeichnen weit verbreitete, explizite Überzeugungen über wirtschaftliche Phänomene und wirtschaftspolitische Themen, die von Personen ohne systematische Ausbildung in Ökonomie gehalten werden. Diese Laienüberzeugungen unterscheiden sich häufig deutlich von denjenigen, die in der professionellen ökonomischen Theorie vertreten werden.

Das Konzept ist verwandt mit naiver Physik (folk physics), also der ungeschulten menschlichen Alltagsauffassung grundlegender physikalischer Phänomene, da beide Formen auf intuitivem, vorwissenschaftlichem Wissen beruhen, das systematisch von wissenschaftlichen Erklärungen abweichen kann.

Ursprung und Hintergrund Der Ausdruck folk-economic beliefs ist eng verbunden mit der Forschung über intuitive Vorstellungen von Wirtschaft, die aus der kognitiven Wissenschaft und evolutionspsychologischen Ansätzen stammen. Ein einflussreicher empirischer Beitrag stammt von Pascal Boyer und Michael Bang Petersen, die 2017/2018 ein evolutionär-kognitives Modell vorstellten, in dem sie solche Laienüberzeugungen als Ergebnis kognitiver Mechanismen erklären, die sich in früheren sozialen Umgebungen entwickelt haben und heute auf komplexe Wirtschaftssysteme übertragen werden.

Ein früherer Bezugspunkt in der ökonomischen Literatur ist der Aufsatz von Paul H. Rubin (2003) zur „folk economics“, in dem er die intuitiven, oft nullsummenorientierten Sichtweisen untrainierter Personen über Märkte und Handel beschreibt.

Kennzeichen und Mechanismen Nach Boyer und Bang Petersen weisen folk-economic beliefs mehrere typische Merkmale auf, die sich aus evolutionär entstandenen kognitiven Mechanismen erklären lassen:

Nullsummenintuition: Wirtschaftlicher Gewinn wird häufig als Verlust für andere interpretiert; Wohlstand gilt nicht als vermehrbar, sondern als umverteilbar. Personalisierung ökonomischer Prozesse: Abstrakte Marktmechanismen werden auf das absichtliche Handeln einzelner Akteure zurückgeführt (z. B. „Unternehmen wollen uns schaden“). Misstrauen gegenüber Märkten: Märkte werden als moralisch verdächtig wahrgenommen, da sie als Orte unfairer Vorteilsnahme gelten. Bevorzugung lokaler Fairnessnormen: Intuitive Maßstäbe aus kleinen, überschaubaren Gemeinschaften (Gleichheit, Reziprozität, Verdientheit) werden auf komplexe Volkswirtschaften übertragen. Fehlende Intuition für unbeabsichtigte Effekte: Positive Effekte von Handel, Wettbewerb oder Preisbildung werden unterschätzt, da sie nicht direkt intentional erscheinen.

Boyer und Petersen betonen, dass diese Überzeugungen über Unwissen hinaus das Ergebnis kognitiver Anpassungen sind, die in vormodernen sozialen Umgebungen funktional waren, jedoch in modernen Wirtschaftssystemen systematisch in die Irre führen.

Bedeutung Solche Laienüberzeugungen sind relevant für die Erklärung politischer Einstellungen und die öffentliche Wahrnehmung wirtschaftlicher Politik, da sie beeinflussen, welche Maßnahmen Menschen intuitiv für sinnvoll halten.

Einzelnachweise

Kategorie:Wirtschaftspsychologie