mini|Caspar David Friedrich im HauspelzDetlef Stapf: Caspar David Friedrich - Die Biographie. www.wallos-kulturschock.de, 6. September 2019. Abgerufen am 10. Dezember 2025. mit Lammfell (Caroline Bardua, 1840) Ein Hauspelz, historisch auch (Pelz-)Hausrock, war ein in Wohnräumen zu tragender Mantel oder Jacke, ausgestattet mit einem Fellinnenfutter oder, ebenso bezeichnet, sehr oft nur mit einer Pelzverbrämung.Eva Nienholdt: Pelzmden des 20. Jahrhunderts, Kapitel VIII der Beitragsfolge Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe Nr. 5, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., 1957, S. 217. In Zeiten meist weniger beheizter Wohnräume war er eine wärmende Winterbekleidung für Männer und Frauen. Ein Vorläufer war der im Büro getragene Comptoirpelz, nachgefolgt vom Pelz-Hausrock und dem Pelz-Schlafrock.

Allgemein Um den Beginn des 13. Jahrhunderts fanden Glasfenster eine erste Verbreitung. Als sie um 1600 allgemein üblicher und die Heizung effizienter wurde, war eine ganz besonders warme Kleidung für Innenräume meist weniger zwingend. Bademäntel waren in Deutschland schon seit dem Mittelalter bekannt. Im 19. Jahrhundert begann eine Mode spezieller Hauskleidung, die auch ein Fellfutter aufweisen konnte. Bis um 1900, als man in der Mode anfing Fellmäntel mit dem Haar nach außen zu tragen, wurde unter einem Pelz noch ein mit Fell ausgefüttertes Kleidungsstück verstanden, ein Hauspelz war dementsprechend ein pelzgefüttertes Hauskleidungsstück. Dieses konnte zusätzlich einen Besatz und auch eine Verbrämung aus Pelz aufweisen.

Geschichte Zur Kleidung der wohlhabenden Stände Englands ist um 1543/44 überliefert, dass das Futter für einen Morgenmantel aus „budge“, eine schwarze Lammfellart, 42 Pfund kostete.Elspeth M. Veale: The English Fur Trade in the Later Middle Ages. Clarendon Press, Oxford 1966, S. 144–145 (englisch).

Eine besondere Rolle spielte der Hauspelz in der orientalischen Mode. Hauptsächlich wurden dafür Fuchsfelle verwendet, die zuvor zu Talums (Pelzfutter) zusammengesetzt wurden. Wer 1886 noch nicht zur europäischen Kleidung gewechselt war, trug diesen Pelz auch zum Ausgehen. Mit dieser Arbeit beschäftigten sich vor allem die Kürschner in den griechischen Orten Kastoria und Ochrid,F. Rohnstock: Volkswirthschaftliche Studien über die Türkei. Commissionsverlag der G. Heinzeschen Buchhandlung, poln. Wartenberg, 1886, S. 170. ersterer noch im 21. Jahrhundert ein Zentrum der Pelzverarbeitung.

Der Breslauer Kürschner M. Boden inserierte 1881 im Grottkauer Kreisblatt neben anderen speziellen Pelzen, „Comptoir- Haus- und Jagdpelzröcke von 10 Thaler an“, „Herren-Schlafpelze von 12 Thaler an“. Noch 1902 waren sie in seinem Sortiment, im Lubnitzer Kreisblatt wurden sie jetzt für 30 Mark angeboten, die Herren-Schlafpelze ab 36 Mark.M. Boden, das große Pelzwaaren-Lager, Breslau (Inserat 1902)

Comptoirpelz Comptoirpelze, pelzgefütterte Hausmäntel oder ‑jacken, waren in Zeiten oft nur kaum beheizter Arbeitsräume eine wärmende Modebekleidung der männlichen Büroangestellten und ihrer Vorgesetzten. Die Europäische Modezeitung aus dem Jahr 1852 propagierte einen „Comptoir-Anzug“ mit nur leicht tailliertem, eng anliegenden Jackett, das eine rundherum laufende schmale Pelzverbrämung aufwies. Der im Büro getragene Comptoir-Anzug mit einer Jacke mit seiner Pelzverbrämung kann vielleicht als ein Vorläufer des Pelz-Schlafrocks der Biedermeierzeit angesehen werden.

Pelz-Hausrock In der allgemeinen Männermode im 19. Jahrhundert waren mit Pelz gefütterte Mäntel in der Form des Redingotes im Bürgertum bereits verbreitet. Im bequemen Hausrock blieben Pelzfutter und ‑verbrämung weiter erhalten. Obwohl nicht neu, wurde der wärmende Schlafrock mit Pelzkragen und Manschetten geradezu zum Symbol der beschaulichen Biedermeierzeit. Eva Nienholdt schrieb, „die Künstler der Romantik mit ihrer retrospektiven Vorliebe für das Altdeutsche suchen, ihn durch größere Stofffülle und weiter ausladenden Pelzkragen ein wenig der Schaube des 16. Jahrhunderts anzugleichen“. Zum pelzgefütterten Hausrock gehörte meist eine pelzumrandete Mütze.

In einem Essay der Fliegenden Blätter, etwa 1851, trägt der Wirt in seiner Gaststätte einen Hauspelz mit grauem Nanking überzogen.Münchhausens selige Erben. Böttner, Wehncke und Consorten In: Fliegende Blätter Nr. 325, 14. Band, Verlag Braun & Schneider, München, etwa 1891, S. 100. Der Radierer und Kupferstecher Nikolaus Heideloff bildete bereits in einer seiner 1794 bis 1803 erschienen Gallery of Fashion für den Januar einen französischen, mit weißem Fell verbrämten grauen Morgenmantel aus Satin ab, zusammen mit einer schulterlangen Stola mit schmalen Bändern aus weißem Pelz, deren Vorderenden fast bis zum Boden reichten.Elizabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd, London 1981, S. 86 (englisch).

Die amerikanische Modeautorin R. Turner Wilcox zeichnete ein in die Mitte des 18. Jahrhunderts datiertes „negligee cloth“, ein langer, pelzgefütterter, taillierter Herrenmantel mit Pelzkragen und Manschetten, der mit für den für Hausmäntel oft typischen, im Englischen „Brandenburg fastenings“ genannten Posamentenschnüren geschlossen wurde.R. Turner Wilcox: The Mode in Furs. Charles Scribner Son's, New York und London, 1951, S. 108 (englisch).Sigrid Flamand Christensen: Mantel. In: Die männliche Kleidung in der süddeutschen Renaissance. De Gruyter Brill, 1934, abgerufen am 22. November 2025.

Pelz-Schlafrock In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Hausrock zum eleganten Schlafrock. Statt der Pelzmanschetten erhielt er gewöhnlich Stoffaufschläge. Gibt es noch diverse Porträts von Personen im Schlafrock, so ließ sich in der ausschließlichen Negligékleidung kaum jemand mehr abbilden. Die pelzumrandete Nachtmütze blieb weiterhin erhalten.

Literatur

Siehe auch Pelz im Wohnbereich

Weblinks

Einzelnachweise Das große Pelzwaaren-Lager von Kürschner-Meister M. Boden, Breslau (Inserat 1884).

Eva Nienholdt: Pelz in der Mode des 19. Jahrhunderts. Kapitel VII der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe Nr. 2, 1957, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin/Leipzig, S. 84.

Kategorie:Pelzprodukt Kategorie:Kostümkunde Kategorie:Schulteraufliegendes Kleidungsstück