Die Bibliothek des Kunstmuseums Basel mit Kunsthistorischem Seminar der Universität Basel ist eine öffentliche Fachbibliothek für Kunst und neben ihrer Funktion als Museumsbibliothek zugleich Bibliothek des Kunsthistorischen Seminars der Universität Basel. Sie befindet sich im ehemaligen Gebäude der Vertretung der Schweizerischen Nationalbank in Basel. Die Bibliothek wird durch den Kanton Basel-Stadt mit Beteiligung der Universität Basel getragen.

Allgemeines

Die Bibliothek gehört mit ihrem Bestand von ca. 186.000 [Stand 2025] physischen Einheiten zu den grössten Fachbibliotheken für Kunst in der Schweiz und ist nach der Bibliothek des Schweizerischen Nationalmuseums die zweitälteste Kunstbibliothek des Landes.Nikolaus Meier, 1993, S. 17. Danach Gründungsdatum 1902. Die Entwicklung ihres Bestandes orientiert sich an der Arbeit des Museums, der universitären Lehre und Forschung sowie auf die kunstinteressierte Öffentlichkeit. Die Erwerbungen werden koordiniert mit der Universitätsbibliothek Basel, der Bibliothek für Gestaltung Basel, dem Historischen Museum Basel sowie der Kunsthalle Basel. Die Bibliothek ist Teil der Institution Zone (IZ) Basel des Servicenetzwerks SLSP. Die Bestände sind über den Verbundkatalog swisscovery recherchierbar.

Sammelschwerpunkte

Sammlungsschwerpunkte bilden Literatur zur Geschichte der Malerei, Zeichnung und Plastik seit dem ausgehenden Mittelalter bis zur Gegenwart, insbesondere zur deutschen und oberrheinischen Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts sowie der klassischen Moderne; ergänzt um Ausstellungskataloge, Künstlermonografien und Literatur zur kunstwissenschaftlichen Methodik sowie Kunst- und Bildtheorie. Im Verlauf der rund 170-jährigen Sammlungsgeschichte entstanden bedeutende historische Bestände, u. a. durch Legate und Schenkungen, etwa von Jacob Burckhardt, Heinrich Wölfflin, Heinrich Bodmer, Felix Sarasin-Brunner, Emilie Linder, Paul Ganz, Rudolf N. Brüderlin-Ronus, Adolph Goldschmidt oder Hans Graber.

Geschichte

Museum an der Augustinergasse 2 (1849–1921) mini|Studien- und Lesesaal (Raum IV) des Kupferstichkabinetts in Basel im Museum an der Augustinergasse 2 mit Blick in den Bibliotheksraum "C", 1907 Nach dem Einzug der Öffentlichen Kunstsammlung Basel in das Museums- und Universitätsgebäude an der Augustinergasse im Jahr 1849 orientierte sich der Erwerb von Literatur zunächst an den Bedürfnissen des Museums rspt. seiner Sammlung und war auf Werke zur Malerei, Zeichnung und Druckgraphik, insbesondere der altdeutschen Kunst ausgerichtet. Der Umfang der sich entwickelnden Hausbibliothek («Handbibliothek») hielt sich dabei jedoch in Grenzen, da kunstwissenschaftliche Literatur in der Universitätsbibliothek gesammelt wurde, die sich im selben Gebäude befand.Nikolaus Meier, 1993, S. 14; Sabine Stampfli, 1978.

Den ersten Entwurf einer Bibliothekssystematik im Kontext der Sammlung des Kupferstichkabinetts gab Jakob Burckhardt im Jahr 1859,Protokoll der Kunstkommission von 3.5.1859 [S. 63]: «Herr Prof. Burckhardt übergiebt der Commission ein von ihm angefertigtes Verzeichniss aller in den Schränken des Handzeichungensaales befindlichen Kupferstich- & Handzeichnungsbände & Mappen sowie der übrigen Kunstbücher, behufs einer bessern Übersicht, namentlich beim öffentlichen Besuch der Kupferstichsammlung.»; Vgl. auch Nikolaus Meier 1997, S. 65. Hier auch die Abbildung einer Seite des Burckhardt’schen Katalogs; Für diese Zeit ist bereits eine entsprechende Ausleihpraxis greifbar. Vgl. «Ordnung für den Conservator» im Protokoll der Kunstkommission vom 23.5.1860, [S. 91-93]. bevor dann Johann Jakob Bernoulli-Reber 1865 in einem «alphabetischen Catalog» den Bestand an «Kupferstich- und Handzeichnungsmappen, Kupferwerke[n] und Bücher[n]» verzeichnet.«Catalog aller unsrer Kupferstich- und Handzeichnungsmappen, Kupferwerke und Bücher»; Jahresbericht-Konzept des Präsidenten der Kommission His-Heusler aus dem Jahr 1866 (StaBS, PA 633d F 7-1); Protokoll der Kunstkommission vom 24. Januar 1866 [S. 148], Kunstmuseum Basel, Archiv B 001.001.000.000; Katalog, Kunstmuseum Basel, Archiv A 001.025.000.000. 1894 wurde erstmalig ein definiertes Budget für den Erwerb von Büchern festgesetzt, jedoch blieben die Anschaffungen für den weiteren Ausbau des Bestandes auch in den Folgejahren diskontinuierlich und unsystematisch. Ein Zuwachs entstand vor allem durch Schenkungen. Mit dem Auszug der Universitätsbibliothek aus dem Museums- und Universitätsgebäude 1895 erhielt die Funktion der Bibliothek als öffentliche Kunstbibliothek ein stärkeres Gewicht.

mini|Übersichtsplan 2. Obergeschoss Museum an der Augustinergasse Basel, 1908 Neben eigenen Räumlichkeiten im 2. Stockwerk des Museums (Raum «C») diente jetzt ein Studiensaal mit 18 Arbeitsplätzen (Raum IV) nicht nur der Einsicht der Originale des Kupferstichkabinetts, sondern auch der Bibliothek als Lesesaal. Hier konnten zusätzlich die Vergleichsabbildungen der ebenfalls im Aufbau befindlichen und an die Bibliothek angegliederten Sammlung von Reproduktionsphotographien (Fotothek) konsultiert werden. In dieser Zeit entwickelt sich das bis in die Gegenwart bestehende Dispositiv der (räumlichen) Verschränkung von Bibliothek, Museum und Kunsthistorischem Seminar, welches einen Raum im 1. Stockwerk des Museums an der Augustinergasse für die Aufbewahrung der Diapositivsammlung bezog, während sich die eigentlichen Seminarräumlichkeiten bis zum Umzug des Seminars in den Augustinerhof im Universitätsgebäude am Rheinsprung 21 befanden.Edgar Bonjour, 1971, 701ff.; Nikolaus Meier, 1993, S. 15; Joseph Gantner, 1976, S. 20. Der ersten Ordnung für die «Benutzung der Handbibliothek» von 1902 ist zu entnehmen, dass es neben der Möglichkeit der Konsultation des Präsenzbestandes auch eine organisierte Heimausleihe gab und sich der Bibliotheksbetrieb insbesondere auf ein universitäres Publikum orientierte.Protokoll der Kunstkommission vom 5. Nov. 1902, Protokollbuch 1882-1904 S. 193. Hier auch die Erwähnung von «Anmeldekarten für Studenten»; «Ordnung für die Benützung des Kupferstichkabinetts und der Handbibliothek der öffentlichen Sammlung in Basel» (Kunstmuseum Basel, Archiv: E 001.008.001.000) Der in der Folge greifbare aktivere Bestandsaufbau, die Ergänzung der «Handbibliothek der Sammlung» mit «modernen Nachschlagewerken sowie Kunstgeschichten allgemeiner Art» und die systematisierende Ordnung des übrigen Bibliotheksbestandes reflektieren schliesslich den zunehmenden Institutionalisierungsgrad der Bibliothek als öffentliche kunsthistorische Fachbibliothek.Jahresbericht der Öffentlichen Kunstsammlung 1904, S. 10ff. So vermerkt etwa das Protokoll der Kunstkommission vom 7. Februar 1905, dass die Sitzung der Kommission «in der Bibliothek der Kunstsammlung» stattfindet. Sowohl das Anwachsen des Bestandes als auch ein zunehmender Ausleihverkehr machten sodann den Aufbau eines Zettelkatalogs notwendig. Eine retrograde Erschliessung des Bestandes wurde 1906 abgeschlossen.Vgl. Jahresberichte der Öffentlichen Kunstsammlung, 1906, S. 14. u. 1905, S. 5

Augustinerhof (1920–1936) mini|Studien- und Lesesaal des Kupferstichkabinetts in Basel im 1. Obergeschoss des Augustinerhofes, 1922 Fortschreitender Platzmangel in den Räumlichkeiten des Museums führte schliesslich zum Umzug des Kupferstichkabinetts und der Bibliothek in den gegenüberliegenden «Augustinerhof» im Jahr 1920.Ratschlag betreffend Ankauf der Liegenschaft «Zum Augustinerhof», StABS DS BS 9 2379 Im ersten Stock des Gebäudes waren der durch das Kupferstichkabinett und die Bibliothek gemeinsam genutzte Studien- und Lesesaal untergebracht. Er beinhaltete zugleich eine Handbibliothek. Daneben bestand ein «Zeitschriftenzimmer» sowie mehrere Räume, in denen der Bibliotheksbestand in Freihandaufstellung konsultierbar war. Das Kunsthistorische Seminar bezog den zweiten Stock. Hier waren zusätzlich Ausstellungsräume eingerichtet.Jahresbericht der Öffentlichen Kunstsammlung von 1921, S. 8; Rudolf Riggenbach 1922, S. 61 Die Fusionierung der Bibliotheksbestände mit denen des Kunsthistorischen Seminars im Jahr 1922 führte schliesslich zur Neuordnung des gesamten Bestandes durch Rudolf Riggenbach, Kustos des Kupferstichkabinetts von 1918-1927. Durch ihn erfolgte auch die Koordinierung des Bestandes mit den Bibliotheken des Basler Kunstvereins sowie des Gewerbemuseums. Der Bestandsaufbau war von nun an in stärkerem Masse nicht nur auf die Bedürfnisse des Museums orientiert, sondern zugleich auch an denjenigen einer kunsthistorischen Fachbibliothek für universitäre Zwecke.Jahresbericht der Öffentlichen Kunstsammlung 1927, S. 9. Die neue «Ordnung für die Benützung des Kupferstichkabinetts und der Bibliothek der Öffentlichen Kunstsammlung» von 1924 sieht weiterhin einen regulären Ausleihbetrieb mit Heimausleihe vor. Ebenfalls enthält sie die Aufstellungssystematik der Bibliothek. Die Ordnung macht ferner deutlich, dass die Bibliothek institutionell ein Teil des Kupferstichkabinetts war und noch keine eigenständige Organisationseinheit innerhalb des Museums darstellte.Ordnung für die Benützung des Kupferstichkabinetts und der Bibliothek der Öffentlichen Kunstsammlung, Kunstmuseum Basel, Archiv, E 001.010.00.00

Museum am St. Alban-Graben (1936–2005) mini|Studien- und Lesesaal des Kunstmuseums Basel am St. Alban-Graben 16, ca. 1950