mini|Japan ist ein Land mit nuklearer Latenz. Bild: Kernkraftwerk Ōi Als nukleare Latenz bezeichnet man das Potenzial eines Landes, innerhalb einer kurzen Zeit zu einer Atommacht zu werden.

Nukleare Absicherung Länder mit nuklearer Latenz besitzen nukleare Dual-Use-Fähigkeiten im Rahmen eines zivilen Atomprogramms. Strebt ein solches Land danach, die Zeit zum Bau von einsatzfähigen Nuklearwaffen zu verkürzen, bezeichnet man dies als nukleare Absicherung (engl. nuclear hedging). John Carlson, ein Experte für Non-Proliferation, nennt technologische und politische Indikatoren für nukleare Absicherung, z. B.:

Es wird mehr spaltbares Material erzeugt, als zum Betrieb der Kernreaktoren notwendig ist. Dies betrifft insbesondere die Produktion von kernwaffentauglichem spaltbaren Material (Uran-235 durch Uran-Anreicherung und Plutonium-239 durch einen Brutreaktor oder durch Wiederaufarbeitung).

Es wird mehr nukleares Material gelagert, als für zivile Zwecke (z. B. Stromerzeugung, Forschungsreaktoren, Kernenergieantriebe oder Nuklearmedizin) notwendig ist. Es werden Anlagen und Infrastruktur gebaut, welche eher dem Bau von Kernwaffen statt zivilen Zwecken dienen, z. B. Reaktoren, welche große Mengen Plutonium erzeugen.

Erwerb von Kerntechnologie, nuklearem Material und Trägersystemen auf dem Schwarzmarkt Entwicklung und Bau von Trägersystemen, insbesondere Interkontinentalraketen Atomprogramm, an dem das Militär beteiligt ist keine oder mangelhafte Kooperation mit der IAEA Das Land befindet sich in einer Konfliktregion. Das Land ist bzw. sieht sich von außen bedroht. Das Land gehört keinem Militärbündnis an.

Beispiel Japan mini|Start-Test des Hyper Velocity Gliding Projectile In Rokkasho befindet sich die gleichnamige Anlage zur Urananreicherung und Wiederaufarbeitung. Im Jahr 2016 hatte Japan von allen Nicht-Atommächten den höchsten Bestand an Plutonium (47 Tonnen). Mit dieser Menge kann man schätzungsweise 6.000 Nuklearsprengköpfe herstellen. Laut Experten benötigt das Land sechs Monate, um einen Nuklearsprengkopf herzustellen. Im Englischen wird daher nukleare Latenz auch als „Japan Option“ bezeichnet.

2011 sagte der damalige japanische Verteidigungsminister Shigeru Ishiba:

Japan und die USA unterzeichneten im Januar 2024 ein Abkommen, das den Kauf von 400 nuklear bestückbaren Tomahawk-Raketen vorsieht. Acht Zerstörer mit Aegis-Kampfsystem – darunter vier der Kongō-Klasse und jeweils zwei der Atago- und der Maya-Klasse – sollen mit diesen Raketen bewaffnet werden. Im November 2025 testeten die Selbstverteidigungsstreitkräfte den Einsatz des Hyperschallgleiters Hyper Velocity Gliding Projectile.

Die Sicherheitsexpertin Naoko Aoki glaubt, dass „größere exogene Schocks“ – etwa ein chinesischer Angriff auf Taiwan kombiniert mit einer Erschütterung des Vertrauens in die Schutzmacht USA – Japan veranlassen könnten, Nuklearwaffen zu entwickeln.

Mögliche Folgen mini|Flugabwehrstellung an der Nuklearanlage Natanz Betreibt ein Staat nukleare Absicherung, kann dies dazu führen, dass andere Staaten – insbesondere feindlich gesinnte Nachbarstaaten – es ihm gleichtun. Dies kann zu einem virtuellen und anschließend realen nuklearen Rüstungswettlauf führen.

Befindet sich der Staat in einer Konfliktregion, kann die nukleare Absicherung (bzw. ein mögliches Streben danach) dazu führen, dass die Nuklearanlagen zu militärischen und Sabotagezielen werden. Beteiligte Wissenschaftler können Opfer von Attentaten werden. Siehe auch: Irakisches Atomprogramm, Operation Orchard, Stuxnet, israelisch-iranischer Krieg, Person (Iranisches Atomprogramm)

Einzelnachweise

Kategorie:Nuklearwaffenpolitik