Früherwachen (frühmorgendliches Erwachen, ) ist ein Symptom in der Psychiatrie und Schlafmedizin und oft Teil der Symptome einer Depression.
Beschreibung Es handelt sich um eine deutliche Vorverlegung des Aufwachzeitpunktes, verbunden mit der Unmöglichkeit, wieder einschlafen zu können. Das Nicht-Wieder-Einschlafen-Können wird als unangenehm bis quälend erlebt: "„das zermürbende Früherwachen mit ‚Berg auf der Brust‘ und Grübelzwang“ (Faust).
Einordnung Bei einer psychiatrischen Erkrankung, hier v. a. Depression, können neben den eigentlichen psychiatrischen Symptomen (z. B. Stimmungsminderung) körperliche Symptome (auch Bauchbeschwerden, Schwindel u. a.) auftreten. Diese werden als somatischer Befund bezeichnet. Früherwachen und andere Schlafstörungen werden hier eingeordnet. Das ICD-10 zählt im Rahmen der somatischen Symptome der Depression das frühmorgendliche Erwachen zwei und mehr Stunden vor der gewohnten Zeit auf. Das AMDP-System führt es bei den Schlaf- und Vigilanzstörungen im Rahmen des somatischen Befundes auf (Nr. 104).
Depressionen wurden bis zum Erscheinen der heutigen Klassifikationen grob in endogen (biologisch erklärbar) und neurotisch (lebensgeschichtlich verständlich) unterschieden. Diese Einteilung ist in der modernen Psychiatrie verlassen worden. Früherwachen galt als endogenes Merkmal.
Diagnose Das Symptom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es wird nicht immer ohne weiteres spontan (ohne Frage danach) vom Patienten berichtet. Man kann dann folgende Fragen stellen: „Wann wachen Sie gegen Morgen auf?“ „Ist das früher als sonst?“ „Können Sie dann noch einmal einschlafen?“
Aus dem isolierten Vorliegen von frühmorgendlichem Aufwachen, ohne weitere Symptomatik, kann jedoch keinesfalls schon auf das Vorliegen einer psychiatrischen Krankheit geschlossen werden. Das einzelne Symptom erhält seinen diagnostischen Stellenwert erst im Rahmen des gesamten Symptomenverbandes.
Differentialdiagnose (Abgrenzung) vorverlagertes Schlafphasensyndrom: keine psychiatrische Erkrankung Durchschlafstörungen Veränderungen des Schlafes im Alter
Behandlung Diese erfolgt im Rahmen der Behandlung der Grunderkrankung. Mit dem Behandlungsfortschritt verschwinden Früherwachen wie andere Schlafstörungen allmählich. Bei der Wahl der antidepressiv wirkenden Substanz werden Früherwachen und andere Schlafstörungen – insbesondere wenn sie bei der Symptomatik im Vordergrund stehen – berücksichtigt.
Literatur Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (AMDP): Das AMDP-System. Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. 11. Auflage. Verlag hogrefe, 2023, ISBN 978-3-8017-3193-9; 254 Seiten.
Einzelnachweise
Kategorie:Krankheitssymptom Kategorie:Schlafstörung