mini|Andrée Viollis, 1933 Andrée Viollis (Viollis war das Pseudonym ihres zweiten Ehemannes), die auch die Ehenamen Andrée Téry und Andrée d’Ardenne de Tizac trug, (geboren als Andrée Françoise Caroline Jacquet am 9. Dezember 1870 in Les Mées; gestorben am 10. August 1950 in Paris) war eine französische Schriftstellerin und Journalistin. Sie gehörte zu den bedeutendsten Vertretern des investigativen Journalismus und der Kriegsberichterstattung ihrer Zeit.

Leben Andrée Jacquet war die Tochter von Antoine Marie Jacquet, eines Präfekten des Zweiten Kaiserreichs und einer Salonnière, Valentine Claudius-Jacquet, die literarische Persönlichkeiten der Dritten Republik zu sich einlud.Siehe Biographie von Nicole Racine im Weblink Le Maitron Die Malerin Thadée-Caroline Jacquet war ihre Schwester.

Nach ihrem Baccalauréat im Jahr 1890 verbrachte Andrée Viollis drei Jahre als Privatlehrerin in England und besuchte gleichzeitig Kurse in Oxford. Sie setzte ihr Studium in Frankreich fort und erwarb die Licence ès-lettresDie licence ès-lettres würde man heute als Bachelor übersetzen; um 1900 war es jedoch ein weit höherer Abschluss im Bereich der Geisteswissenschaften. Quelle hierzu: Gemini. an der Sorbonne.

Sie heiratete Gustave Téry, Absolvent der École normale supérieure, Professor für Philosophie, mit dem sie zwei Töchter hatte, darunter die Journalistin Simone Téry. Sie ließ sich 1901 scheiden. 1905 heiratete sie Henri d’Ardenne de Tizac, Historiker für klassische chinesische Kunst und Konservator des Musée Cernuschi. Er war Autor von Romanen unter dem Pseudonym Jean Viollis und das Paar hatte zwei Töchter. Mit ihm engagierte sie sich im literarischen Journalismus und nahm das Pseudonym Viollis an.

Ab 1929 war sie Mitglied des Club des belles perdrix (Club der schönen Rebhühner), einer Vereinigung von Schriftstellerinnen und Feinschmeckerinnen. Sie wurde als Offizier der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Andrée Viollis wurde auf dem Friedhof Montparnasse beigesetzt. Auf ihrem Grabstein ist kein Geburtsdatum angegeben.

Journalismus mini|Grabstätte Andrée Viollis Sie orientierte sich ab nach der Heirat mit Tizac in Richtung Journalismus und begann ihre Karriere mit dem Verfassen von Erzählungen und Studien für Le Petit Parisien, L’Écho de Paris, Excelsior und schließlich für die feministische Zeitung La Fronde von Marguerite Durand, wo sie den investigativen Journalismus für sich entdeckte. Dort setzte sie sich für die Emanzipation und die Rechte der Frauen ein.

Von 1914 bis 1916 engagierte sie sich an der Front als Krankenschwester in Bar-le-Duc und Sainte-Menehould. Le Petit Parisien veröffentlichte ihre Reportagen über die Verwundeten und schickte sie 1917 nach London, um den britischen Premierminister zu interviewen. Von 1919 bis 1922 war sie Redaktionsassistentin bei der Times und der Daily Mail. Anschließend wandte sie sich dem Featurejournalismus zu und kam als Sonderkorrespondentin zum Petit Parisien, wo sie über die unterschiedlichsten Themen berichtete: Sportveranstaltungen, große Gerichtsprozesse, politische Interviews, Kriegskorrespondenz. Dort blieb sie zwanzig Jahre lang.

Gleichzeitig war sie ab 1924 die einzige Frau in der Leitung der Journalistengewerkschaft, wo als Anekdote ihre schlagfertige Antwort im Jahr 1932 großen Anklang fand, als ein japanischer Offizier, der über ihre Anwesenheit während japanischer Übergriffe in Shanghai empört war, sie fragte, was sie hier mache, worauf sie antwortete: „Meinen Beruf!“

Sie recherchierte 1927, zehn Jahre nach der Oktoberrevolution, in der Sowjetunion, berichtete 1929 über den Bürgerkrieg in Afghanistan und 1930 über den Aufstand in Indien, begleitete 1931 den Kolonialminister Paul Reynaud nach Indochina und verfolgte 1932 den Konflikt zwischen China und Japan. Während der Volksfront engagierte sie sich an der Seite antifaschistischer Intellektueller und leitete gemeinsam mit André Chamson und Jean Guéhenno die politisch-literarische Wochenzeitung Vendredi, in der sie sich für die Spanische Republik und die Opfer der französischen Kolonialisierung einsetzte.Siehe auch Werke

Sie war Mitglied des Weltkomitees der Frauen gegen Krieg und Faschismus. 1938 trat sie in die Redaktion der kommunistischen Tageszeitung Ce soir ein, die von Louis Aragon und Jean-Richard Bloch geleitet wurde. Sie stand kommunistischen Intellektuellen nah und engagierte sich während des Zweiten Weltkriegs in der Zone Sud in der Résistance. Den Krieg verbrachte sie in Lyon und Dieulefit. Sie veröffentlichte „Le Racisme hitlérien, machine de guerre contre la France“ (Hitlers Rassismus, Kriegsmaschine gegen Frankreich) und engagierte sich im Comité national des écrivains (Nationales Schriftstellerkomitee), einer Organisation des literarischen Widerstands unter der Leitung von Louis Aragon.

1945 arbeitete Andrée Viollis erneut für Ce soir. Außerdem schrieb sie für einige kommunistisch orientierte Publikationen. Mit 76 Jahren stellte sie Hồ Chí Minh, der am 2. Juli 1946 zu einem offiziellen Besuch in Frankreich war, um an der Friedenskonferenz von Fontainebleau teilzunehmen, ihrer jungen Kollegin Madeleine Riffaud vor, bevor sie Anfang 1947 zu einer Reportage nach Südafrika aufbrach. Eine Debatte über die „französischen Gräueltaten“ in Indochina bewegte die Öffentlichkeit ab Ende 1949, als das Buch von Andrée Viollis Indochine SOS, in dem Ho Chi Minh als Verkörperung des Geistes der Widerstandsbewegung beschrieben wird vor dem Hintergrund der Entkolonialisierung (Indien 1947, Burma 1948) neu aufgelegt wurde.

Werke mini|Buchtitel Criquet, Calmann-Lévy, 1913 mehrere Neuauflagen, u. a. 2025, La Gibecière à Mots, ISBN 978-2-38442-527-3 Lord Northcliffe, B. Grasset, mehrere Neuauflagen, u. a. 2025, Alpha Edition, ISBN 978-2-329-68203-7 La Perdrix dorée, Baudinière, 1925 La Vraie Mme de La Fayette, Bloud et Gay, 1926 Neuauflage 2021, Librofilio, ISBN 978-2-492-90014-3 Seule en Russie, de la Baltique à la Caspienne, Gallimard, 1927 Alsace et Lorraine au-dessus des passions, V. Attinger, 1928 L’Inde contre les Anglais, Éd. des portiques, 1930 Tourmente sur l’Afghanistan, Librairie Valois, 1930 mehrere Neuauflagen, u. a. 2025, Editions Kailash, ISBN 978-2-84268-244-6 Changhaï et le destin de la Chine, R.-A. Corrêa, 1933 Le Japon et son empire, B. Grasset, 1933 Le Japon intime, F. Aubier, 1934 Neuauflage 2021, Librofilio, ISBN 978-2-492-90000-6 Indochine S.O.S, Gallimard, 1935 mehrere Neuauflagen, u. a. 2025, Editions Kailash, ISBN 978-2-84268-247-7 Le conflit sino-japonais, Maupoint, 1938 Notre Tunisie, Gallimard, 1939 Le racisme hitlérien, machine de guerre contre la France, Les Éditions de la clandestinité, 1944 Neuauflage 2021, Librofilio, ISBN 978-2-492-90016-7 Le secret de la reine Christine, Éditions Agence Gutenberg, 1944 Neuauflage 2021, Prodinnova, ISBN 978-3-96787-935-3 Puycerrampion (mit Jean Viollis), La Bibliothèque française, 1947 L’Afrique du Sud, cette inconnue, Hachette, 1948 Deutsche Übersetzungen sind nicht bekannt.

Literatur

Weblinks

Wikisource zu Andrée Viollis

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Journalist (Frankreich) Kategorie:Kriegsberichterstattung Kategorie:Résistancekämpfer Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Offizier) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1870 Kategorie:Gestorben 1950 Kategorie:Frau