Die 15th Army Group () war eine Heeresgruppe der Westalliierten während der Schlacht um Sizilien und des Italienfeldzugs des Zweiten Weltkriegs. Aufgrund der multinationalen Zusammensetzung der alliierten Streitkräfte auf dem italienischen Kriegsschauplatz verfügte die Heeresgruppe über US-amerikanische, britische, freifranzösische, polnische, brasilianische, griechische und italienische Truppen.
Am 11. Januar 1944 erhielt das Hauptquartier der 15th Army Group die Bezeichnung Headquarters Allied Forces in Italy („AFI“, ), wurde eine Woche später zum Headquarters Allied Central Mediterranean Force () und am 9. März 1944 zum Headquarters Allied Armies in Italy („AAI“, ). Am 16. Dezember erhielt das Armeegruppenkommando erneut die Bezeichnung 15th Army Group, die sodann bis zum Kriegsende genutzt wurde.
Das Hauptquartier der 15th Army Group wurde im Juli 1945 aufgelöst und ihr Personal ins Hauptquartier der U.S. Occupational Forces Austria () überführt.
Aufstellung Im Afrikafeldzug hatte das Middle East Command die Commonwealth-Streitkräfte geführt, die im Wesentlichen um die britische 8. Armee aufgebaut waren. Ab Mitte 1942 hatten Harold Alexander das Middle East Command und Bernard Montgomery die 8. Armee geführt. Nach dem endgültigen alliierten Sieg in Nordafrika im Mai 1943 wurden britische und amerikanische Offiziere für die neuen Planungsstäbe für den Angriff auf Sizilien herangezogen.
Eine interalliierte Task Force 141 unter Alexander wurde hierbei von der amerikanischen Task Force 343 (zunächst in Rabat) und der britischen Task Force 545 (zunächst in Kairo) unterstützt, wobei die Koordination zwischen britischen und amerikanischen Stäben nicht immer reibungslos funktionierte. Die Planungen für den Angriff auf Sizilien begannen am 10. Februar 1943 und fassten unter der Annahme einer Kapitulation der Achsenmächte im Tunesienfeldzug spätestens zum 30. April zunächst den 10.–14. Juni als Invasionsdatum ins Auge. Aufgrund der Verzögerungen in Tunesien wurde der Angriffszeitpunkt am 13. April in den Juli verschoben. Am Tag der Kapitulation der Achsenmächte in Tunesien, dem 13. Mai 1943, stimmten die Combined Chiefs of Staff während der Trident-Konferenz dem Vorschlag von Dwight D. Eisenhower zu, alle verfügbaren westalliierten Ressourcen auf die Südostspitze von Sizilien zu konzentrieren, wo die Voraussetzungen für eine Landung am günstigsten schienen. Die Trident-Konferenz legte jedoch eine konservative Truppenzuteilung fest und befahl den Abzug vier amerikanischer und drei britischer Divisionen, die sich stattdessen auf einen Einsatz in Westeuropa vorbereiten sollten.
Am Tag der gegen Sizilien gerichteten Operation Husky, dem 10. Juli 1943, wurde Alexanders Stab förmlich als 15th Army Group aktiviert. Die 15th Army Group unter Alexander stellte die Landkomponente der unter dem Oberbefehl von Dwight D. Eisenhower stehenden Invasionstruppen dar, während Andrew Cunningham die See- und Arthur Tedder die Luftstreitkräfte befehligte.
Operationsgeschichte
Sizilien
mini|Operation Husky Die 15th Army Group diente als zentrales Oberkommando für Landoperationen der westalliierten Invasion von Sizilien (Operation Husky) und koordinierte die Truppen der von Bernard Montgomery kommandierten britischen 8. Armee an der Ostküste sowie der 7. US-Armee unter George S. Patton im Zentrum und Westen der Insel. Zwischen den britischen und amerikanischen Armeebefehlshabern entwickelte sich eine Rivalität und ein Wettrennen zur Straße von Messina, da sich Patton mit seiner unterstützenden Rolle nicht abfinden wollte.
Am 25. Juli koordinierten sich die Armeeführer im neuen Heeresgruppenkommando bei Cassibile, um die Augustoffensive am Ätna vorbei in Richtung Nordost zu planen. Am gleichen Tag wurde der italienische Diktator Benito Mussolini vom Faschistischen Großrat in Rom abgesetzt, was die britische Position einer schnellen Übertragung der Operation in Südeuropa auf das italienische Festland gegenüber den US-amerikanischen Skeptikern stärkte. Erst Mitte Juli 1943 hatte sich auch Eisenhower dieser Haltung vorsichtig angeschlossen, um die Gebietsgewinne auf Sizilien abzusichern. Eisenhower widersetzte sich damit dem US-amerikanischen Generalstabschef George C. Marshall und dem US-Kriegsminister Henry L. Stimson, die beide einer Operation in Italien feindselig gegenüber standen.
Zu den wichtigsten Gegnern der 15th Army Group zählte neben den italienischen Verteidigern auch die kampfstarke deutsche Panzer-Division Hermann Göring. Die deutschen und italienischen Verteidiger zogen sich angesichts überlegener westalliierter Angreifer schrittweise nordostwärts zurück und entkamen schließlich in einer effizient ausgeführten Evakuierungsoperation (Unternehmen Lehrgang) über die Straße von Messina aufs italienische Festland. Dabei retteten die Achsenmächte 50.000 deutsche und 60.000 italienische Soldaten, zuzüglich zu 47 deutschen Panzern, 94 deutschen Geschützen und etwa 10.000 deutschen Militärfahrzeugen sowie 227 italienischen Militärfahrzeugen, 41 italienischen Artilleriegeschützen und 12 italienischen Maultieren.
Die Truppen der 15th Army Group hatten den Sizilienfeldzug in 38 Tagen siegreich abgeschlossen und dabei 8781 amerikanische und 11.843 Commonwealth-Verluste (9617 Briten, 2226 Kanadier) hinnehmen müssen. Auf Seiten der Achsenmächte hatten die Deutschen annähernd 29.000 und die Italiener über 140.000 Verluste zu beklagen. Trotzdem gilt die westalliierte Kriegführung auf Sizilien in der modernen Militärgeschichtsschreibung als unnötig langsam, wobei besonders der vorsichtige Montgomery an der Spitze der britischen 8. Armee für seine zögerlichen Vorstöße entlang der sizilianischen Ostküste heftig kritisiert worden ist. Besonders der gut koordinierte deutsche Rückzug hätte möglicherweise vereitelt werden können, wenn die Westalliierten in ihrem Vormarsch auf Catania und Messina schneller und entschlossener gewesen wären.
Italien
Die Fortschritte auf Sizilien hatten Eisenhower am 18. Juli (noch während der Kämpfe auf Sizilien) bewogen, die Vorbereitung eines Angriffs auf Italien als nächstem Schritt der Operationen in Südeuropa zu befehlen. Zu diesem Zweck sollte die noch in Marokko in Aufstellung befindliche 5. US-Armee unter Mark W. Clark herangezogen werden.
Landungen in Italien
mini|Alliierte Landungen in Italien, Anfang September 1943 Am 3. September landeten die ersten Verbände der britischen 8. Armee im Raum Reggio Calabria, gefolgt am Morgen des 9. September von der Landung der amerikanischen 5. Armee nahe Salerno und der Landung britischer Fallschirmjäger bei Taranto. Am Abend des 8. September hatte Eisenhower der Weltöffentlichkeit den bisher geheim gehaltenen Waffenstillstand von Cassibile mit der nach Mussolini ins Amt getretenen italienischen Badoglio-Regierung verkündet, was die deutsche Besatzungsoperation Fall Achse provozierte, von der sich die italienische Armee aufgrund widersprüchlicher und unzureichender Befehle der Badoglio-Regierung überraschen und entwaffnen ließ. Bei Salerno, wo sich das VI. US-Korps und das britische X. Korps heftigen Gegenangriffen der Panzerdivision Hermann Göring und der 15. Panzergrenadier-Division ausgesetzt sahen, konnte der Brückenkopf bis zum 16. September gesichert werden. Zwischenzeitlich hatte Armeegruppenoberbefehlshaber Alexander die Landungsstrände besucht, um Gerüchte eines Rückzugs zu zerstreuen.
Alliierte Eroberung Süditaliens Die unerwartet geringe Truppenstärke der alliierten Invasion erlaubte es dem deutschen Oberbefehlshaber in Italien, Albert Kesselring, sich auf eine linienbasierte Verteidigungsstrategie einzustellen, bei der sich die deutschen Verteidiger langsam entlang mehrerer vorbereiteter Abwehrstellungen in West-Ost-Richtung von Süd nach Nord zurückziehen könnten. Der alliierte Einmarsch in Rom, ursprünglich für Oktober 1943 angedacht, wurde von den deutschen Abwehrkämpfen bis Juni 1944 verzögert. Am 1. Oktober 1943 stand die 5. US-Armee erst in Neapel, während die britische 8. Armee am 3. Oktober Termoli einnahm. Die 5. Armee kämpfte an der Westküste, die 8. Armee an der Ostküste. Die 8. Armee bestand zu diesem Zeitpunkt aus dem V. Korps und dem XIII. Korps. Im Winter 1943/1944 arbeiteten sich die alliierten Truppen an die Volturno-Linie, die Barbara-Linie und die Gustav-Linie heran, wobei es u. a. an der Ostküste zur hauptsächlich von den letztlich siegreichen Kanadiern ausgefochtenen Schlacht um Ortona (Dezember 1943) kam. Auf die ab dem 5. November 1943 beginnenden Durchbruchsgefechte an der Westküste folgte ab dem 20. November eine alliierte Attacke in Richtung Sangro, wo die deutsche 65. Infanterie-Division empfindliche Verluste erlitt, und ab Anfang Dezember eine weitere Welle von Attacken gegen die westlichen Bergmassive Monte Camino, Monte La Difensa, Monte Maggiore und Monte Lungo, die bis Mitte Dezember von den alliierten Angreifern erobert wurden. Im Dezember 1943 beklagte der Leiter für militärische Ausbildung der 15th Army Group mit Zustimmung von Harold Alexander, dass die Armeegruppe „aufgrund mangelnden Einsatzes bei der Ausnutzung selten den vollen Nutzen“ aus ihren geplanten Attacken ziehen könne und dass die taktischen Methoden der Armeegruppe „gründlich und methodisch, aber langsam und schwerfällig“ seien.
Obwohl sich besonders Winston Churchill in den Jahren 1943/1944 wiederholt für die Vergrößerung der westalliierten Truppenkontingente in Italien sowie eine Ausweitung des Kriegsschauplatzes auf den Balkan einsetzte, traf er auf die Skepsis der US-Amerikaner, welche die für Mitte 1944 angepeilte Invasion Westeuropa priorisieren wollten. Die Konferenz von Teheran (November/Dezember 1943) war hierbei ein Rückschlag für Churchill, da sich US-Präsident Franklin D. Roosevelt den sowjetischen Diktator Josef Stalin als Schiedsrichter aussuchte und sich Stalin stark für die Landung in Frankreich aussprach, für die er zusätzlich eine sowjetische Großoffensive im Sommer 1944 versprach. mini|Situation an der italienischen Westküste Anfang 1944, zu Beginn der Schlachten am Monte Cassino und der Operation Shingle