Die Serie von Bombendrohungen gegen jüdische Gemeindeeinrichtungen ereignete sich Anfang 2017 und richtete sich vorwiegend gegen jüdische Gemeindezentren in den USA, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Norwegen und Dänemark. Von den mehr als 2000 Bombendrohungen waren auch nichtjüdische Einrichtungen, wie Schulen, Einkaufszentren, Polizeistationen, Krankenhäuser und Fluggesellschaften betroffen. Die mediale Berichterstattung erfolgte zunächst wegen der Häufung von Drohungen gegen jüdische Einrichtungen, während das gesamte Ausmaß der Tatserie erst später bekannt wurde. Als Täter wurde 2017 ein in Israel wohnhafter 19-jähriger Mann ermittelt, der zu zehn Jahren Freiheitsstrafe wegen Swatting verurteilt wurde. Ein Komplize erhielt eine fünfjährige Gefängnisstrafe.
Ereignisse Am 22. Februar berichtete der Tagesspiegel, dass es innerhalb eines Monats zu 70 anonymen Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen gekommen war. Jüdische und muslimische Aktivisten vermuteten laut Tagesspiegel von einem Zusammenhang zu rechtsgerichteten Gruppen und sprachen von einem „Klima des Hasses und der Gewalt“.
Am 28. Februar 2017 berichtete der Spiegel von Bombendrohungen Gemeindezentren und Tagesschulen. Hierdurch mussten in Washington zwei Schulen evakuiert werden. Zudem sei es zu Bombendrohungen in weiteren Bundesstaaten wie „New Jersey, North Carolina, Alabama, Pennsylvania und New York“ gekommen. Der damals in seiner ersten Amtszeit amtierende Präsident Donald Trump sprach von Enttäuschung und Sorge und verurteilte die Drohungen scharf. Im April 2017 berichtete der Deutschlandfunk von einer mehrwöchigen Serie von Bombendrohungen im Bundesstaat Missouri.
Strafverfolgung Am 23. März 2017 wurde berichtet, dass der 19-jährige Michael Kadar, der über die amerikanische und israelische Staatsbürgerschaft verfügte, in Israel unter dem Verdacht festgenommen wurde, mit 140 Bombendrohungen in den USA und Kanada in Verbindung zu stehen.
Am 27. März 2017 berichtete die Jüdische Allgemeine davon, dass das amerikanische Federal Bureau of Investigation (FBI) in Zusammenarbeit mit einer israelischen Spezialeinheit den Täter und seinen Vater festgenommen hatte, der zu dem Zeitpunkt als möglicher Mitwisser galt. Israelische Zeitungen berichteten zu dem Zeitpunkt bereits von mehr als 1000 Drohungen gegen Einrichtungen weltweit.
Am 22. November 2018 berichtete BBC, dass Michael Kadar mehr als 2000 Drohungen nachgewiesen werden konnten. Er wurde von einem Bezirksgericht in Tel Aviv zu einer Gefängnisstrafe von 10 Jahren und einer Geldstrafe von 60.000 Shekel verurteilt.
Laut dem Gericht bot Kadar Swattings als Dienstleistung im Darknet an und erlangte so Bitcoin im Wert von 240.000 US-Dollar. Zum Zeitpunkt des Urteils war dieses Vermögen durch Kursgewinne auf einen Wert von mehr als eine Million US-Dollar angewachsen. Kadar weigerte sich, die Seed Phrase zu seiner Bitcoin-Wallet offenzulegen.
Am 22. Juni 2026 gab das US-Justizministerium bekannt, dass Kadar vier Tage zuvor von Norwegen an die USA ausgeliefert worden war und Anklage erhoben wurde. Die Klage umfasst Vorwürfe von Hassverbrechen, Bombendrohungen und weitere Drohungen.
Zivilgesellschaftliche Reaktionen Der Counsil on American-Islamic Relations (CAIR) setzte eine Belohnung von 5000 € für Hinweise auf die Täter aus und erklärte Unterstützung der Juden zur Pflicht der amerikanischen Muslime, was als Zeichen der interreligiösen Solidarität gewertet wurde.
Nachdem die Vermutung, dass rechtsgerichtete Akteure hinter den Drohungen stünden, widerlegt werden konnten, wurde die Offenlegung, dass es sich bei dem Täter um einen jüdischen Israeli handelte, mit Erleichterung aufgenommen.
Belege
Kategorie:Kriminalfall 2017 Kategorie:Antisemitismus