mini|Gottfried Kümmerly (1822–1884) Gottfried Kümmerly (* 10. April 1822 in Olten;Registerband Kantonsberner und Schweizer (Wohnsitzregister Einsassen) lc – ca. 1830–1909 (SAB_1125_4_21). † 2. Januar 1884 in Bern) war ein Schweizer Lithograf und Verleger. Er gründete 1852 in Bern eine Lithographie-Anstalt,Kümmerly gründete 1852 eine Lithografiewerkstatt an der Marktgasse 32 in Bern, zunächst mit Partner Wittmer (bis 1856), dann Lamarche – als „Steindruckerei“ oder „Lithographie-Anstalt“ beschrieben, mit Fokus auf künstlerische Drucke, später Kartografie. Der Begriff „kartographisch-artistische Anstalt“ taucht erst in späteren Sekundärquellen (z. B. Firmenchroniken) auf und idealisiert die Gründung rückwirkend. die sich im 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Verlag für Atlanten, Zeitschriften und Bildbände Kümmerly & Frey entwickelte.
Herkunft und Ausbildung Gottfried Kümmerly war der Sohn des Strumpffabrikanten Philipp Kümmerly aus Olten und der Agatha Brigitte, geborene Hammer geboren. Er heiratete 1851 Magdalena Emilie Frey (1827–1882), Tochter des Posthalters Amanz Frey. Er absolvierte eine Lithografenlehre im Atelier SchulthessFriedrich Schulthess (1804–1869) führte in Zürich eine Verlags- und Kunstanstalt, die Lithographien produzierte in Zürich. mini|Eröffnung der Lithographieanstalt Kümmerly und Wittmer – Inserat im Intelligenzblatt für die Stadt Bern 9. August 1852
Werdegang mini|Inserat zur Eröffnung des Lithographie-Geschäfts von Albert Lamarche im Intelligenzblatt für die Stadt Bern vom 8. November 1865 Kümmerly verbrachte fünf Jahre im durch den Schweizer Lithographen Cristiano Richter gegründeten Atelier Richter & Cie.https://www.britishmuseum.org/collection/term/AUTH226080 Richter & Co.Hugo Dietschi: Adrian Kümmerli : Maler. In: Oltner Neujahrsblätter, 25, 1967. S. 13 Adrian Kümmerli ging 1845 zu seinem Bruder Gottfried Kümmerli nach Neapel und beschäftigte sich mit der Malerei. Ab 1849 hielt er sich in München auf und bildete sich an der Akademie der bildenden Künste zum Porträtmaler aus. in Neapel. 1852 eröffnete er an der Marktgasse 32 er in Bern als Dreissigjähriger ein eigenes Atelier, zunächst von 1852 bis 1856 als Kümmerly & WittmerIntelligenzblatt für die Stadt Bern, 9. August 1852 Etablierung der Lithographie Kümmerly & WittwerAuflösung des Geschäfts Kümmerly & WittwerKümmerly & Wittmer: Normdaten:GND Normdaten VIAF, danach bis 1865 als Kümmerly & LamarcheIntelligenzblatt für die Stadt Bern 8. November 1865 Der Unterzeichnete beehrt sich hiemit anzuzeigen, daß er von nun an auf eigene Rechnung ein Lithographie-Geschäft
Marktgasse Nr. 82 (bisheriges Geschäftslokal von Kümmerli und Lamarche) eröftnet hat und empfiehlt sich den Tit. Abministirationen, Geschäftsleuten und Privaten höflichst zu geneigten Aufträgen.
Bern, im November 1865.
Albert Lamarche, LithographKümmerly & LamarcheDer Bund, Band 83, Nummer 340, 24. Juli 1932. Im Artikel Kümmerly & Frey 80 jährig wird die Reihenfolge der Firmen Kümmerly & Lamarche sowie Kümmerly & Wittmer falsch wiedergeben. Richtig ist: Kümmerly & Wittmer und danach Kümmerly & Lamarche.Normdaten Konrad Albert Lamarche. Lamarche verliess das Unternehmen 1865, um ein eigenständiges Lithographie-Geschäft zu eröffnen.Denkschrift zur Feier des 50jährigen Bestandes der Berner Liedertafel, 1895. S. 144:: Albert Lamarche verstarb 1876: "Bald darauf, 21. März 1876, fanden sich die Sänger fast vollzählig ein zur Leichenfeier unseres langjährigen Aktivmitgliedes, Herrn Albert Lamarche, Lithograph." Die Lithographie von Kümmerly befand sich nun an der Schauplatzgasse 34.Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 5. November 1865 Die Lithographie von G. Kümmerly befindet sich nun an der Schauplatzgasse Nr. 234 . neben dem Café du Nord im ersten Stock Gottfried Kümmerly verlegte 1869 sein Druckereigeschäft von der Gurtengasse 4Ansichtsbild: Bern: Bundesgasse 14, 16; Gurtengasse 6, 4; Altstadt (obere)Weber, Berchtold: Historisch-Topographisches Lexikon der Stadt Bern, Bern, 2016.1869 verlegte Gottfried Kümmerly seine Druckerei aus dem unmittelbar nachher abgebrochenen Hinterhaus der heutigen Häuser Gurtengasse 4 und Schauplatzgasse 37 ins damals neu erbaute Haus Hallerstrasse 6, wo später und bis gegen das Ende des 20. Jahrhunderts auch der geographische Verlag Kümmerly+Frey seinen Sitz hatte. in einen Neubau an der Hallerstrasse 6 in Bern.Burgerbibliothek Bern: Bild: Bern: Länggasse; Hallerstrasse 6 -- Kümmerly & FreyBauinventar Länggasse 1988/96 1869 verlegte Gottfried Kümmerly sein Druckereigeschäft von der Gurtengasse [i.e. Marktgasse 32] in einen Neubau an der Hallerstrasse Nr. 6. Im Erdgeschoss des stöckliartigen Baus mit Satteldach und Gehrschild wurde die Druckerei und im Obergeschoss die Wohnung der Familie Kümmerly eingerichtet. Seit 1880 wurde der Betrieb mehrfach vergrössert, [...] Am 17. Februar 1872 schloss das Eidgenössische Stabsbureau mit Kümmerly einen Vertrag über den Druck derjenigen Blätter des Siegfriedatlas, die auf Stein graviert wurden.Staatsarchiv Bern, BB 15.6.11, fol. 12. Der Fall wurde vom Handelsgericht als Nr. 23 behandelt. Das Verfahren endete mit einem gerichtlichen Vergleich vom 31. März 1915. Die umfassenderen Untersuchungsakten (Nr. 23) befinden sich unter der Signatur BB 15.6.103. Durch den Druck lithografischer Blätter der Siegfriedkarten-Alpenreihe im Massstab 1:50'000 legte Kümmerly den Grundstein für den späteren Erfolg von Kümmerly+Frey in der Kartographie als Privatunternehmen. Zwischen 1872 und 1874 war Georg Christian von Hoven (1841–1924) anderthalb Jahre bei Kümmerly tätig.Erste Ingenieure in der Schweiz - ein biographisches Verzeichnis Ab 1881 arbeitete Rudolf Leuzinger (1826–1896) als Kartograph in freier Mitarbeit auch für die Firma Kümmerly. mini|Gebäude von Kümmerly an der Hallerstrasse 6 in Bern (Ausschnitt)
Ehe und Familie Kümmerly war seit 1851 mit Maria Magdalena Emilie Kümmerly (geb. Frey) verheiratet.Intelligenzblatt für die Stadt Bern 1. November 1851 Das Paar hatte drei Kinder.Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 30. September 1862 Gottfried Kümmerly (1853–1901), Hermann Heribert Kümmerly (1857–1905) und Gustav Arnold Kümmerly (1862–1931)
Tod und Nachfolge 1884 starb Gottfried Kümmerly und seine beiden Söhne Hermann und ArnoldSchweizerisches Bundesarchiv (BAR): Kümmerly Arnold, Druckereichef(Dossier) übernahmen das Geschäft, das sich danach „Gebrüder Kümmerly“ nannte.Adressbuch der Stadt Bern 1888–1889 IX. Verzeichniss der ständigen Einwohner, S. 168: Gebr. Herm. u. Arn., Inhaber der Lithographie G. Kümmerly
Nachwirkung Kümmerly vermachte der Bürgergemeinde Olten 10'000 Franken, welche dem Armenfonds zukommen soll.Tagblatt der Stadt Biel, Band 22, Nummer 5, 6. Januar 1884Swistoval. Basierend auf historischen Inflationsdaten (ca. 9-facher Faktor seit 1884 gemessen an Konsumentenpreisen) konnte man 1884 für diesen Betrag ein Einfamilienhaus kaufen. Präzise Rechner wie der des Bundesamts für Statistik (BFS CPI-Calculator) bestätigen einen Multiplikator von rund 110-150.
1963 wurde der Vorschlag diskutiert, einen bestehenden Strassennamen in "Kümmerlystrasse" umzubenennen, wie ein Leserbrief in der Tageszeitung "Der Bund"Der Bund, Band 114, Nummer 317, 29. Juli 1963 Gegen eine «Kümmerlystrasse» äusserte sich ein offenbar am Sulgenauweg wohnender Hausbesitzer; er glaubt, dass der geplante Name weder unter den Hausbesitzern noch unter den Mietern Anklang fände. Seit Jahren wird immer wieder der Wunsch geäussert, die zuständige Stelle möchte einige der zahlreichen in Strassennamen vorkommenden «Sulgen» ersetzen. [...] Der Gedanke, den Sulgenauweg inskünftig in Kümmerlystrasse umzutaufen, hat sicher seinen tiefen Sinn. Gottfried Kümmerly eröffnete im Jahre 1853 an der Marktgasse ein Lithographieatelier und legte damit den Grundstein für unsere Geographiekarte, welche seit gut 60 Jahren in allen Schulen benützt wird. Obschon Gottfried Kümmerli nicht am Sulgenbach wohnte, kennt doch jedes Schulkind den Namen Kümmerly. Im Laufe der letzten 30 Jahre ging man in Bern dazu über, Strassen nach den Namen von Malern, Bildhauern, Dichtern und Gelehrten zu bezeichnen; von diesen haben die wenigsten an einer dieser Strassen gewohnt oder sich während längerer Zeit in Bern aufgehalten. belegt und gegen den eine Unterschriftensammlung durchgeführt wurde.Zeitungsartikel zum Thema Kümmerlystrasse im Jahr 1963.
Der Ruf der Firma Kümmerly wurde ab 1870 auch durch den Druck lithografischer Blätter der Siegfriedkarten-Alpenreihe im Massstab 1:50'000 begründet, wobei die Aufträge der Eidgenössischen Landestopographie bewusst auf mehrere Schweizer Steingraveure und Druckereien verteilt wurden; damit legte Kümmerly den Grundstein für den späteren Erfolg von Kümmerly+Frey in der Kartographie als Privatunternehmen.
Ausgewählte Publikationen
mini|Uebersichtsplan über den Gemeindsbezirk Bern, 1879.Gestochen von C. v. Hoven [Georg Christian von Hoven (1841–1924)], Lithographie: Gottfried Kümmerly.Panorama des historischen Festzuges der Eintrittsfeier Bern's in den Schweizerbund 1853 : gezeichnet nach den Originalien des Herrn Dr. Stantz. Lithographie von Kümmerly & Wittmer, Bern, 1853Online-RessourceDer Bund, Band 4, Nummer 164, 15. Juni 1853: Zum Bundesfest: Karte über das ganze Gebiet der Juragewässer. Lithographie von Kümmerly und Wittmer, Bern, 1854Nach Anordnung des damaligen Sekretärs der Baudirektion des Kt. Bern W.R. Kutter, Ingenieur, und gestützt auf die direkten Aufnahmen von 1848 und 1849 sowie auf diejenigen für die eidgenössische Karte, ausgearbeitet durch J.R. Stengel, Ingenieur-Topograph, 1854. Lithographie von Kümmerly und Wittmer, Bern. «s'Toggeli von Gurwolf». In: Berner Taschenbuch, 1855, Druck von Kümmerly & Wittmer, Bern.Lithographie nach einer Zeichnung von Anton Engelhard, dem Sohn des Autors der Erzählung Plan zum neuen Quartier beim Bundesrathhause & dem obern Thore in Bern. 1:1000.1859.Burgerbibliothek Bern: Plan zum neuen Quartier beim Bundesrathhause & dem obern Thore in Bern. 1:1000. Unten rechts: Lith. v. G. Kümmerly, Bern.
mini|Officielle Distanzen- und Höhen-Karte der schweizerischen Eisenbahnen. Lithographie: G. Kümmerly, 1883Kriegs-Brücken-Material : genehmigt vom hohen Bundesrathe den 28. November 1862 / Schweizerische Eidgenossenschaft. Bern : Kümmerly und Lamarche, 1862.Online-Ausgabe: Frankfurt am Main : Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, 2024 Kirche der katholischen Pfarrei in der Bundesstadt Bern [Sankt Peter und Paul], ab 1864.Burgerbibliothek Bern Kirche der katholischen Pfarrei in der Bundesstadt Bern - Eglise de la paroisse catholique à Berne. Unten rechts im Bild: Lith. v. G. Kümmerly Fribourg, ses environs et ses nouvelles entreprises industrielles, 1872.Fribourg, ses environs et ses nouvelles entreprises industrielles Georg Christian von Hoven und Rudolf Leuzinger, Massstab: 1:17'300 oder 1:17'400; Verlag: Librairie Josué Labastrou (Fribourg), Imprimerie Gottfried Kümmerly (Bern). Lithographie. Uebersichtsplan über den Gemeindsbezirk Bern. 1:10'000. 1879.Burgerbibliothek Bern: Uebersichtsplan über den Gemeindsbezirk Bern 1879. Herausgegeben vom Kataster-Bureau der Stadt Bern. Sc. C. v. Hoven [Georg Christian von Hoven (1841–1924)]. Commissionsverlag von Huber & Cie Bern. Lith. von G. Kümmerly in Bern Quartier- & Strassenplan der Stadt Bern. 1:6250. 1883.Burgerbibliothek Bern. Quartier- & Strassenplan der Stadt Bern. 1883. Unten rechts: Lith. G. Kümmerly Bern. Officielle Distanzen- und Höhen-Karte der schweizerischen Eisenbahnen, 1883.
Literatur Neues vollständiges Handels- und Gewerbe-Adressbuch nebst Ortslexikon der gesammten Schweiz. Zürich, Verlag von Joh. Zollinger & Thiele, 1877.S. 73: Lithographen: Reinh.Arm-Armbruster; N. Bigler; Viktor Blouel; Friedr.Bühler; Fehlbaum; Feller; J. G. Freiburger; Rob. Graf; Joh. K.Hager; Chr. Haldimann; Chr. Kautz, W. Keller; G. Kümmerli; Albert Lamarche; F. Lips; Fried. Rud.Meyer; Chr. Mutti; F. Ch. Remke; Wwe. Selhofer; Wehrlin & Bühler.