Der Fiat Ducato ist ein Kleintransporter. Er wurde von Fiat und Groupe PSA seit 1982 im Joint-Venture Sevel Sud produziert. Am 16. Januar 2021 fusionierten die beiden Kooperationspartner zu Stellantis, für die die Fahrzeuge seitdem gebaut werden. Die baugleichen Citroën C22/C25 (heute Citroën Jumper), Peugeot J5 (heute Peugeot Boxer), Opel/Vauxhall Movano (seit Ende 2021), Toyota Proace Max (seit 2024), Iveco eSuperJolly (ab 2026) und Ram ProMaster (seit 2013) unterscheiden sich hauptsächlich durch die verwendeten Motoren vom Ducato.
Fiat Ducato I/Alfa Romeo AR6/Citroën C25/Peugeot J5/Talbot Express (Typ 280/290, 1981–1994)
Allgemeines Der Fiat Ducato I (Typ 280/290), Alfa Romeo AR6, Citroën C22/C25, Peugeot J5 und Talbot Express war ein leichtes Nutzfahrzeug, das ab Januar 1982 produziert wurde. Das Joint Venture Sevel von Fiat und PSA zielte auf ein Nutzfahrzeug für den Güternah- und Verteilerverkehr mit 1,0 bis 1,3 Tonnen Nutzlast ab. Dazu wurde von Sevel in Atessa ein neues Werk mit einer projektierten Jahresstückzahl von 100.000 Stück errichtet, wobei die Hälfte der Fahrzeuge jeweils für PSA vorgesehen war. Die Transporter-Reihe wurde sorgfältig entwickelt: Schon ab 1978 wurden mit Versuchswagen ausgiebige Fahrerprobungen durchgeführt.Transporter aus dem Werk SEVEL. In: Kraftfahrzeugtechnik. 6/1982, S. 182–183.
Die erste Ducato-Generation war weitgehend baugleich mit dem Peugeot J5 und Citroën C22/C25. Unterschiede betrafen vor allem Details der Frontpartie-Gestaltung. In Italien wurde der Ducato von April 1985 bis Dezember 1989 auch unter dem Namen Alfa Romeo AR6 angeboten. In Großbritannien – hier mit Rechtslenkung – gab es den Talbot Express von Januar 1984 bis Dezember 1993 als letztes unter dem Markennamen Talbot verkauftes Kraftfahrzeug und als Nachfolger des Dodge Spacevan.
Nachdem 1989 der überarbeitete Typ 290 eingeführt wurde, endete die Produktion dieser ersten Fahrzeuggeneration im Februar 1994.
Technik Als Motoren gab es einerseits zwei Ottomotoren von Peugeot, deren Charakteristik an die Erfordernisse eines Nutzfahrzeugs angepasst wurde: Der 1,8-l-Motor kam schon seit längerem unter anderem im Peugeot 504 zum Einsatz. Er stellte im Transporter mit einer Verdichtung von 7,5 nur geringe Ansprüche an die Kraftstoffqualität, leistete 51 kW (69 PS) bei 4800/min und entfaltete eine Kraft von 136 Nm bei 2300/min. Den 2,0-l-Motor gab es zuvor unter anderem im Peugeot 505, im Transporter hatte er eine Verdichtung von 8,0, leistete 57 kW (78 PS) bei 5000/min und entfaltete eine Kraft von 152 Nm bei 2500/min. Andererseits gab es den vom Citroën CX bekannten 2,5-l-Dieselmotor mit hierbei 55 kW (75 PS) bei 4100/min und 147 Nm bei 2000/min. Diesen Motor mit fünffach gelagerter Kurbelwelle gab es auch im Iveco Daily I und er gilt als besonders langlebig, ausgereift und robust. Bei hohen Drehzahlen war der Geräuschpegel in der Fahrerkabine allerdings groß. Bei Dieselmotoren konnte die Motordrehzahl zusätzlich per Handhebel vom Fahrersitz aus reguliert werden. Alle Motoren hatten einen abschaltbaren Elektrolüfter und die Drehstromlichtmaschine hatte einen elektronischen Regler. Später gab es den Dieselmotor auch mit Turbolader, der und ein Drehmoment von über 200 Nm bei nur 2000/min entwickelte. Damit erreichte der Fiat Ducato in dieser Klasse bisher nicht übliche Fahrleistungen und eine hohe Endgeschwindigkeit. Später kamen weitere Motoren hinzu, darunter weiterentwickelte 2,0-l-Ottomotoren und weitere Dieselmotoren zwischen 1,9 und 2,5 Litern Hubraum mit und ohne Aufladung.
Für den Sevel-Transporter gab es Vier- und Fünfganggetriebe. Durch die Anordnung des Wählhebels als Armaturenbrettschaltung war der durchstieg durch die Fahrerkabine beziehungsweise die Mitnahme einer dritten Person in der ersten Sitzreihe bequem möglich. Mittlerweile übernahm auch die Konkurrenz dieses Detail. Anders als bei vielen anderen Transportern dieser Größe, erfolgte die Kraftübertragung auf die Vorderräder (Frontantrieb). Wahlweise konnte später auch ein Allradantrieb geordert werden.
Der Sevel-Transport hatte eine selbsttragende Karosserie und kam ohne Fahrwerksrahmen aus. Nur für den Pritschenwagen wurde ein Hilfsrahmen verwendet. Der Radstand von Prischen- und selbsttragenden Aufbauten war identisch, beziehungsweise in Ausführungen von 2923 mm und 3653 mm erhältlich. 1989 kam der Talento als besonders kurze Ausführung hinzu. Für den Kastenwagen gab es auf Wunsch rechtsseitig eine Schiebetür. Das Ladevolumen konnte bei langem Radstand und Hochdach bis zu 10,2 m3 betragen. Die Fahrzeugauslegung als Kurzhauber mit Frontantrieb gestattete überdurchschnittlich gute Platzverhältnisse auch in der Fahrerkabine, die es wahlweise auch als Doppelkabine mit sechs Sitzplätzen gab. Allerdings war die Geräuschabschirmung nur mäßig. Anfangs gab es Kopfstützen nur für den Fahrersitz, und ab Werk wurde das Fahrzeug ohne Sicherheitsgurte geliefert. Das Reserverad war über dem Motor im Motorraum über einen Plastikteller mit einer Schraube befestigt. Die Handbremse war über einen Bremshebel links neben dem Fahrersitz zu betätigen. Unter dem Fahrersitz befand sich ein Staukasten.
Das Leergewicht lag je nach Modellvariante und Ausstattung bei etwa 1,5 Tonnen, sodass eine Zuladung bei den 2,8-Tonnern bis zu 1,3 Tonnen möglich war. Später gab es auch noch Ausführungen mit 1,4 und 1,8 Tonnen Nutzlast.
Dem Rostschutz wurde werksseitig bereits einige Aufmerksamkeit geschenkt: Türrahmen, Längs- und Querschweller wurden schon vor dem Zusammenbau mit Zink beschichtet, Türen und Schweller wurden außerdem hohlraumkonserviert. Nach dem üblichen Phosphatbad schloss sich für sämtliche Blechteile eine Kathaphorese-Grundierung an. Nach der eigentlichen Lackierung der Karosserie wurde noch einmal eine extra harte Klarlackschicht aufgetragen. Im Bereich des Fahrzeugunterbodens erfolgte außerdem noch eine PVC-Beschichtung.
Das Fahrwerk fiel konventionell aus: Die Vorderräder waren einzeln an MacPherson-Federbeinen und Querlenkern aufgehängt, dazu gab es Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfer. Hinten gab es eine Starrachse an Blattfedern mit Teleskopstoßdämpfern. Die Zweikreisbremsanlage hatte Bremskraftverstärker und lastabhängigen Bremskraftregler, hinten gab es Trommelbremsen und vorne Schwimmsattel-Scheibenbremsen. Die Zahnstangenlenkung war auf 4,4 Lenkradumdrehungen von Anschlag bis Anschlag ausgelegt, eine Servolenkung war nicht erhältlich.
Motoren
Modell Hubraumcm³ max. Leistung max. Drehmoment Motorhersteller Motorkennung erhältlich für (Marken)Ottomotoren1800 1796 51 kW (69 PS) bei 4800 min−1 136 Nm bei 2300 min−1 PSA XM7T/169B Fiat, Alfa Romeo, Citroën, Peugeot, Talbot2000 1971 57 kW (78 PS) bei 5000 min−1 152 Nm bei 2500 min−1 PSA 170B Fiat, Alfa Romeo, Citroën, Peugeot, Talbot 63 kW (86 PS) bei 4750 min−1 160 Nm bei 2500 min−1 170C 2000 Kat. 62 kW (84 PS) bei 4750 min−1 170D Dieselmotoren1.9 D 1905 51 kW (69 PS) bei 4600 min−1 120 Nm bei 2000 min−1 PSA XUD9 A (D9B) Citroën, Peugeot, Talbot1929 D 1929 120 Nm bei 2500 min−1 Fiat 149B1000 Fiat, Alfa Romeo1929 TD 60 kW (82 PS) bei 4100 min−1 181 Nm bei 2500 min−1 M705 (280A1000)2445 TD244568 kW (92 PS) bei 3800 min−1216 Nm bei 2200 min−1SOFIM8144.212.5 D250054 kW (73 PS) bei 4250 min−1149 Nm bei 2250 min−1PSACRD93L (U25/661)Citroën, Peugeot, Talbot2.4 D242853 kW (72 PS) bei 4200 min−1147 Nm bei 2400 min−1SOFIM8144.61Fiat, Alfa Romeo2500 D24458144.61244955 kW (75 PS) bei 4200 min−1162 Nm bei 2200 min−18144.6125008144.672.5 TD70 kW (95 PS) bei 3700 min−1210 Nm bei 2000 min−1PSACRD93-LS (U25/673)Citroën, Peugeot, Talbot2500 TD70 kW (95 PS) bei 3800 min−1216 Nm bei 2000 min−1SOFIM8140.27Fiat, Alfa Romeo
Varianten und Modellpflege Schon zu Serienbeginn war die Modellreihe in 16 verschiedenen Aufbau-Varianten in insgesamt 41 Ausführungen ab Werk erhältlich. Im Folgenden gab es Kastenwagen/Kastenwagen verglast (4 Längen, 3 Höhen), Kleinbus mit 13+1 Sitzen, Pritschenwagen mit Einzel- oder Doppelkabine, Fahrgestell mit Führerhaus (Einzel- oder Doppelkabine) oder ohne (Triebkopf). Als Modellbezeichnung wurde neben markenspezifischen Namen die Nutzlast der jeweiligen Ausführung heranzogen, sodass sich die Modelle 800, 950, 1000, 1300, 1400 und 1800 ergaben (zum Serienbeginn: Modelle 1000 und 1300).
Als Ersatz für den Fiat 900 wurde 1989 der Talento eingeführt, eine Version mit kürzerem Radstand in allen Varianten, die es nur von Fiat gab. Mit der Einführung der 2. Generation wurde der Fiat Talento bzw. die Kurzversion nicht mehr produziert, stattdessen startete 1996 der Fiat Scudo der jeweils baugleich mit Peugeot Expert und Citroën Jumpy ist und von Sevel Nord (heute Stellantis Hordain) produziert wird.
1989 wurde der Ducato Typ 280 überarbeitet, und der Typ 290 kam auf den Markt. Innenraum und Technik wurden verbessert und der Fensterausschnitt in den Türen für eine bessere Rundumsicht verändert. Ab Juli 1990Bosch Produktfinder, Scheibenwischer 2007/2008. wurde nur noch der Typ 290 angeboten.
Der Ducato I gab den Anstoß dazu, dass bis heute eine Vielzahl von Wohnmobilen auf dessen Basis produziert wird. Speziell für diesen Zweck gibt es den Ducato und seine Schwestermodelle auch als Fahrgestell mit Einzelkabine und als Triebkopf (Fahrgestell inklusive Motor ohne Karosserie für integrierte Wohnmobile) oder mit zusätzlichem Cockpit, Sitzen und nach oben und hinten offener Frontverkleidung (für teilintegrierte und Alkoven-Mobile).
Eine elektrisch angetriebene Version des Ducato Typ 290 wurde in einer Kleinserie mit dem bis zu 43 kW (58,5 PS) starken Gleichstrommotor T29C CLT250 (Nebenschluss 120/180 V Spannung) von Leroy-Somer ausgeliefert. Die 28 reihengeschalteten Blei-Gel-Batterien von Sonnenschein DRYFIT TRACTION 6 V-160 Ah jeweils 31,5 kg wurden mit einem Batteriemanagementsystem ausgestattet und in einem 868 kg schweren Akkublock in der Fahrzeugmitte zwischen den Achsen angebracht, dieser verringerte die dort nutzbare Innenraumhöhe. Der Fiat Ducato Elettra ermöglichte noch eine Zuladung bis 750 kg bei einem Gesamtgewicht von 3190 kg. Die Reichweite wurde mit 70 km bei einer Speicherkapazität von bis zu 130 Ah angegeben, die Maximalgeschwindigkeit im fünften Gang lag bei 80 km/h.Fiat Ducato Elettra – Arbeits- und Informations-Unterlagen. August 1992, Fiat Automobil AG / KD-Schule / Hauptabteilung Technik / 74 000 620.
Fiat Ducato II/Citroën Jumper I/Peugeot Boxer I (Typ 230/244, 1994–2006)
Die Serie II (Typ 230) wurde ab März 1994 wieder von der Sevel produziert und war auch wieder mit verschiedenen Aufbauten erhältlich. Die meistverkaufte Version war auch bei Fiat der geschlossene Kastenwagen. Bei PSA hießen die entsprechenden Modelle jetzt Peugeot Boxer und Citroën Jumper. Eine Alfa Romeo- oder Talbot-Variante gab es nicht mehr. Die zweite Generation des Ducato sowie der Citroën Jumper I und Peugeot Boxer I wurden 1994 zum Van of the Year gewählt.
Hervorstechend am zweiten Ducato war der 2,5-Liter-Turbodieselmotor mit Direkteinspritzung und 85 kW (115 PS), der von Iveco stammte und gebaut wurde. Diesen gab es nur im Ducato; je nach Version ermöglichte er eine Höchstgeschwindigkeit bis zu 150 km/h. Neben optionalem Allradantrieb waren nun auch ein Fahrer-Airbag und ein Antiblockiersystem als Option erhältlich. Zudem gab es optional nun auch ein Automatikgetriebe.
1998 wurde der 2,5-Liter-TDI-Motor durch den 90 kW (122 PS) leistenden 2,8-Liter-i.d.-TD ersetzt, ab 2000 gab es den 2,8-Liter-JTD/HDi mit 94 kW (128 PS) und Common-Rail-Einspritzung. Dieser Motor kam nun auch in den Schwestermodellen von PSA zum Einsatz.