Kryygi, auch Damiana genannt (geb. um 1894; gest. 1907), war eine Angehörige der indigenen Gruppe der Aché.Tavares, Pocahy & Mattos 2024, S. 2–3.

Leben und Tod Sie wurde um 1894 geboren und 1896 in Paraguay, nahe der Grenze zu Argentinien, nach einem bewaffneten Übergriff auf ihre Gemeinschaft als Kleinkind von Kolonisten entführt.Tavares, Pocahy & Mattos 2024, S. 2–3. Sie wurde in eine argentinische Familie gegeben, in der sie im Haushalt arbeitete.Vallejo 2019, S. 59. Über ihre Kindheit existieren nur wenige Aufzeichnungen.

Während ihrer Jugend verließ sie mehrfach das Haus, um einen jungen Mann zu treffen, zu dem sie eine Beziehung hatte. In den überlieferten Berichten wird beschrieben, dass sie dafür unter anderem den Wachhund der Familie außer Gefecht setzte, um unbemerkt entkommen zu können.Vallejo 2019, S. 59–60. Die Familie, bei der sie lebte, bewertete dieses Verhalten als nicht kontrollierbar und als Verstoß gegen die von ihnen erwarteten Regeln. Daraufhin entschieden sie, sie in die psychiatrische Anstalt Melchor Romero einzuweisen.Vallejo 2019, S. 59–60. Die Einweisung erfolgte nicht aufgrund einer medizinisch dokumentierten Diagnose, sondern aufgrund ihres als problematisch eingestuften Verhaltens und der Einschätzung der verantwortlichen Erwachsenen. In der Anstalt starb sie 1907 an einer Lungeninfektion.Vallejo 2019, S. 62.

Verbleib ihrer sterblichen Überreste Mehrere Anthropologen der damaligen Zeit führten körperliche Untersuchungen an ihr durch und fertigten Fotografien an.Coleman 2021, S. 200–201. Kurz nach ihrem Tod wurde ihr Körper geöffnet und der Kopf abgetrennt. Der Schädel, das Gehirn, die Augen, die Gesichtshaut und die Zunge wurden in einer konservierenden Flüssigkeit verpackt und an den Berliner Anatomen Hans Virchow geschickt, der an anatomischen Vergleichsstudien arbeitete.Vallejo 2019, S. 62. Die Überreste gelangten in die anatomischen Sammlungen Berlins und wurden dort inventarisiert. Im Laufe der Jahrzehnte kam es zu mehrfachen Umlagerungen innerhalb der Sammlungen, wodurch einige Teile später nicht mehr eindeutig auffindbar waren.Koel‑Abt & Winkelmann 2013.

Weitere Teile ihres Skeletts verblieben im Museum von La Plata in Argentinien. Erst im Zuge einer systematischen Bestandsaufnahme ab den 2000er‑Jahren wurden diese Überreste wieder eindeutig identifiziert.Coleman 2021, S. 206.

Rückführung der Gebeine Ab 2005 setzten sich verschiedene Gruppen in Argentinien und Paraguay für die Rückgabe der sterblichen Überreste ein.Arenas 2011, § 2. 2010 übergab das Museum von La Plata die in Argentinien befindlichen Teile an die paraguayische Aché‑Föderation Fenap.Ametrano 2010. 2012 folgte die Rückführung der in Berlin aufbewahrten Teile.Vallejo 2019, S. 75–76. Die endgültige Beisetzung fand im Nationalpark Caazapá in Paraguay statt.Ametrano 2010.

Rezeption Ihr Leben und die spätere Rückführung ihrer Überreste wurden in mehreren kulturellen Werken verarbeitet, darunter ein Gedichtband,Sepúlveda Eriz 2022. ein Theaterstück,Misemer 2022. ein DokumentarfilmColeman 2021, S. 208–212. und ein Lied im paraguayischen Musikstil namens Guarania.Vallejo 2019, S. 77.

Literatur Silvia Juana Ametrano: Historia de una restitución. In: Revista Museo, Nr. 24, 2010. Patricia Arenas: Restitución de restos humanos en el Museo de La Plata, 2011. Kevin Coleman: Photographic History and the Afterlives of Images, 2021. Katrin Koel‑Abt, Andreas Winkelmann: Human Remains in Berlin Anatomical Collections, 2013. Sarah M. Misemer: Objects of Study and Objetos teatrales in Roxana Aramburú and Patricia Suárez’s Damiana, una niña aché. In: Diálogo 25(1), 2022. Magda Sepúlveda Eriz: Poesía mapuche y decolonización de la fotografía etnográfica en Jaime Huenún. In: Revista de Crítica Literaria Latinoamericana 48(95), 2022. Tavares, Pocahy & Mattos: Estudios sobre la historia de Damiana Kryygi, 2024. Gustavo Vallejo: Ciencia, colecciones y restituciones en el Museo de La Plata, 2019.

Einzelnachweise

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