Die Mediateka Wrocław ist eine Zweigstelle der Städtischen Öffentlichen Bibliothek im polnischen Breslau. Sie wurde im Juni 2004 als erste reine Multimedia-Bibliothek des Landes eröffnet. Das Projekt entstand als Modellbibliothek im Rahmen einer Initiative der Bertelsmann Stiftung zur Modernisierung des polnischen Bibliothekswesens und richtet sich mit ihrem Konzept an eine jüngere Zielgruppe.
Geschichte Die Gründung der Mediateka geht auf ein Projekt der Bertelsmann Stiftung zurück. Ziel war es, das polnische Bibliothekswesen im Vorfeld des EU-Beitritts 2004 zu modernisieren und an die Bedürfnisse der Altersgruppe der 13- bis 25-Jährigen anzupassen. Nach einer landesweiten Ausschreibung im Jahr 2002 wählte die Stiftung Breslau als einen von zwei Standorten für eine Modellbibliothek aus. Als Vorbild diente dabei die Dresdner Jugendbibliothek.
Die Bertelsmann Stiftung unterstützte das Vorhaben mit rund 450.000 Euro, die in die Innenausstattung, den Medienbestand und die Fortbildung der Mitarbeiter flossen. Die Stadt Breslau übernahm im Gegenzug die Bereitstellung und Sanierung der Räumlichkeiten. Der Name „Mediateka“ wurde im Rahmen eines öffentlichen Wettbewerbs von den Bürgern gewählt.
Die Eröffnung fand im Juni 2004 statt.
Gebäude Die Bibliothek befindet sich am Plac Teatralny 5 (Theaterplatz) im Stadtzentrum von Breslau. Das Gebäude wurde ursprünglich im späten 19. Jahrhundert unter der Leitung des Architekten Felix Henry für den Kaffeeröster Otto Stiebler umgebaut und beherbergte das Café Stiebler. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der entkernte Innenraum über Jahrzehnte als Sporthalle genutzt, während die historische Neorenaissance-Fassade erhalten blieb und unter Denkmalschutz steht.
Für die Umnutzung zur Bibliothek zeichnete das Dresdner Architektenbüro Schmitz verantwortlich. Das Raumkonzept bewahrt den offenen Loft-Charakter der ehemaligen Halle und nimmt Bezug zur historischen Hülle. Boden, Wände und Decken wurden in einheitlichem Papyrusweiß gehalten. Das zentrale Gestaltungselement ist eine rote „Medienschleife“ aus Kunststoff, die sich durch den gesamten Raum zieht. Dieses Band verbindet funktionale Bereiche wie die Verbuchungstheke und Computerarbeitsplätze optisch miteinander. Die Möblierung umfasst Lounge-Elemente und mobile Sitze.
Bestand Der Medienbestand der Mediateka unterschied sich zum Zeitpunkt der Eröffnung von den klassischen polnischen Bibliotheken. Das Konzept sah ein Verhältnis von jeweils 50 Prozent klassischen und neuen Medien vor. Das Angebot umfasst neben Belletristik und Sachliteratur auch audiovisuelle Formate wie Musik-CDs und Video-DVDs mit Hörbüchern und Filmen sowie Computer- und Konsolenspiele.
Ergänzt wird der physische Bestand durch eine technologische Ausstattung. Den Nutzern stehen Computerarbeitsplätze mit Internetzugang und Produktivitäts- sowie Recherche-Software zur Verfügung. Zudem führte die Mediateka als erste Bibliothek in Polen eine RFID-Technologie ein. Diese ermöglicht die selbstständige Verbuchung von Ausleihen und Rückgaben an Automaten.
Das Angebot wird durch Veranstaltungen wie Sprachcafés, Lesungen und Gaming-Turniere abgerundet.
Literatur
Weblinks Website der Mediateka (polnisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Bibliothek in Polen Kategorie:Bildungseinrichtung in Breslau Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 2004