mini|Vittore Carpaccio: Idealporträts der Bischöfe von Olivolo, zweiter von links „TANCREDVS“, unterhalb seines Porträts an der Balustrade dessen Nummer, die Bezeichnung als ‚Grieche‘ und das Jahr ‚809‘: „IIIGRAECVS DCCCVIIII“; Öl auf Leinwand, 176 mal 337,6 cm, geschaffen 1522–1523 für den Patriarchenpalast bei San Pietro di Castello, Pinacoteca Manfrediniana Christoforus II. von Olivolo, auch Christoforus Tancredi oder Cristoforo Tancredi genannt, war, folgt man der venezianischen Tradition, von etwa 807 oder 809, auch 810 wurde genannt, bis 813 (als sein Amtsvorgänger Christoforus I. aus dem Exil zurückkehrte) der dritte anerkannte Bischof der Diözese Olivolo. Er war zuvor plebanus an der Kirche San Moisè gewesen.
Welche Rolle er in den politischen Kämpfen der Fraktionen in den Städten der Lagune von Venedig spielte, bleibt unklar. Diese Konflikte sind mit dem übergreifenden Konflikt zwischen den Franken unter Karl dem Großen und dem Kaiserreich Byzanz verwoben, zu dem die Städte rund um die Lagune gehörten, ebenso wie die Städte in der Lagune von Grado. Kirchenrechtlich unterstand Olivolo dem dort ansässigen Patriarchen von Grado. Tancredi wurde abgesetzt, wie es bei Jacopo Filiasi heißt, der die frühesten Chroniken kannte, da er von einem Dämon besessen war. Über sein weiteres Schicksal, außer, dass er in seine Kirche zurückkehren musste, ist nichts bekannt.
Leben mini|Der Herrschaftsbereich um die Lagunen von Venedig und Grado um 840 Christoforus II. war, wie sein Namensvetter und Amtsvorgänger, von griechischer Abstammung. Auch er wurde Pfarrer an der Kirche San Moisè. Beider Abstammung war nichts Ungewöhnliches, da die Städte rund um die Lagune von Venedig zum Byzantinischen Reich gehörten. Die Chronologie der Ereignisse folgte lange Konventionen und lässt sich nur bedingt ermitteln.Typisch für diese Zusammenstellungen bis auf die Ebene der Pfarreien ist etwa Alessandro Orsoni: Dei piovani di Venezia promossi alla dignità vescovile dal principio del nono secolo fino al giorno presente. Serie istorico-cronologica. Arricchita d'annotazioni illustranti varj punti di ecclesiastico-civile veneta storia, Alvisopoli, Venedig 1815, S. 75 f.
Unter dem Gründer des Bistums Olivolo, dem Dogen Mauritius I., dann unter seinem Sohn Johannes und seinem Enkel Mauritius (II.), war es zu einer Art Dynastiegründung gekommen. Als der Patriarch Johannes von Grado den von den Dogen vorgeschlagenen Kandidaten für das Bischofsamt, nämlich Cristoforus I., ablehnte, ließ der jüngste Doge den Patriarchen ermorden. Der Neffe (mindestens aber Verwandte) und Nachfolger des ermordeten Patriarchen, Fortunatus II., sann auf Rache mit Hilfe der Franken. mini|Fränkische Eroberungen zwischen 768 und 816; venezianisches Territorium Vor dem Hintergrund der Kaiserkrönung des Frankenkönigs durch Papst Leo III. zu Weihnachten 800 erhielt dieser Konflikt zwischen Patriarch und Doge eine neue Dynamik, denn durch die Krönung in Rom kam es zu Konflikten um die Kaiserwürde, die als Zweikaiserproblem bekannt sind. Infolge der Krönung Karls I. kam es vor allem ab 803 zu Auseinandersetzungen, die sich bis zum Frieden von Aachen im Jahr 812 hinzogen.
Auf der lokalen Ebene versuchten die beiden Großmächte im Laufe dieses Konfliktes Einfluss zu nehmen, während sich in der Lagune entsprechende politische Fraktionen positionierten, oder aber zwischen diesen Großmächten lavierten. Die Hauptstadt der Lagune war zu dieser Zeit noch Metamaucum, das am Ostrand der Lagune von Venedig lag.
Die Galbaii hatten sich gegen die Franken positioniert. Sie wurden 803/804 durch Obelerius gestürzt, der zum Dogen avancierte.„Tunc hisdem Obelierius audacter Veneciam intravit“ (Johannes Diaconus, ed. Berto, ii, 24). Dieser ließ bald seinen Bruder Beatus zum Mitdogen wählen, der wiederum, wenn auch vielleicht nur nach außen, gemäßigt byzanzfreundlich auftrat. Patriarch Fortunatus nahm zwar seinen Sitz in Grado wieder ein, doch musste er wegen der Gegnerschaft des Obelerius Monate warten, bevor er die Lagune betreten durfte.
Da die Lagune nun Teil der fränkischen Sphäre zu sein schien, reisten Obelerius und sein Bruder Beatus Ende 805, ebenso wie Fortunatus, an den Hof Karls des Großen in Diedenhofen. Der Doge Obelerius heiratete eine fränkische Hofdame. Die Beziehungen zwischen Venedig und den Franken wurden nunmehr durch eine ordinatio de ducibus et populis tam Venetiae quam Dalmatiae geregelt, wie es in den Annales regni Francorum heißt.Annales regni Francorum, 1895, S. 121. Die Einzelheiten sind allerdings nicht überliefert. Etwas verkürzend heißt es bei Stefan Weinfurter „Karl der Große besetzte die Gebiete [i. e. Dalmatien und Venetien] 805/806 … 808 war Byzanz wieder Herr der Lage.“Stefan Weinfurter: Karl der Große. Der heilige Barbar, Piper, 2015, S. 239.
Nun sah sich Konstantinopel gezwungen, militärisch einzugreifen. So schickte Kaiser Nikephoros I. eine Flotte in die nördliche Adria, die von dem Patrizier Niketas kommandiert wurde.Ewald Kislinger: Byzantinische Flotten in der venezianischen Lagune 806 – 810/811. Zu chronologisch-inhaltlicher Manipulation in den Annales regni Francorum, in: Millennium 17 (2020) 303–322. Als die Flotte am Laguneneingang erschien, floh Fortunatus, während sich Obelerius und Beatus unterwarfen. Doch Beatus und auch Christoforus I., „ihr Anhänger und ihre Kreatur“ (Heinrich Kretschmayr),Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, Bd. 1: Bis zum Tode Enrico Dandolos, Gotha 1905, S. 55 (Digitalisat). gingen ins Exil, wohl nach Konstantinopel. Niketas gelang es, ein Abkommen mit Pippin, dem König von Italien und Sohn Kaiser Karls zu schließen.
Cirstoforus von Olivolo war nach Andrea Dandolo zwölf Jahre im Amt. Auf ihn folgte nun „Christoforus presbyter, qui sancti Moysi ecclesiae estitit plebanus.“Wie Andrea Dandolo erläutert: „Obellierius siquidem dux per Nicetam patricium spatharii honorem suscepit. Beatus vero, frater eius, cum predicto Niceta Constantinopolim ivit secumque deferens Veneticorum obsides et Christoforum episcopum et Felicem tribunum, quos augustus exilio dampnavit. Gubernavit autem predictus Christoforus Olivolensem ecclesiam annis duodecim; quem successit Christoforus presbyter, qui sancti Moysi ecclesiae estitit plebanus.“ (II, 26). Zuvor hatte sich Dandolo folgendermaßen geäußert: „Christophorus episcopus olivolensis, nacione grecus, sedit annis XII. Hic existens etatis annorum XXI, faventibus ducibus, episcopus factus est.“ (Ester Pastorello (Hrsg.): Andreae Danduli Ducis Venetiarum Chronica per extensum descripta aa. 46–1280 (= Rerum Italicarum Scriptores XII,1), Nicola Zanichelli, Bologna 1938, S. 124, Z. 10 f.) In den nachfolgenden Zeilen 12–14 heißt es: „Hoc tempore Aragessis et Scoparijs proceribus venetis, perfecta est ecclesia sancte Moysis prophete, vineaque et prediis ab eis dictata, pro salute animarum suarum, et Christoforus, conjunctus episcopi, plebanus ipsius constitutus est.“
Das Abkommen zwischen Niketas und Pippin war angesichts eines fehlenden Vertrages zwischen den Imperien nicht von langer Dauer. Im Jahr 809 führte Byzanz erneut eine Flotte in venezianische Gewässer. Die beiden Dogen lavierten weiterhin zwischen den Großmächten, so dass Pippin nach dem Abzug der Flotte eine Invasion vorbereitete. mini|Kaiser Karl (links) im Gespräch mit seinem Sohn Pippin von Italien, Facsimile einer Miniatur aus dem Liber legum des Lupus Ferrariensis, wahrscheinlich entstanden während seines Aufenthalts in Fulda 828/29–836 im Auftrag des Markgrafen Eberhard von Friaul, Biblioteca Capitolare zu Modena. Die zeitlich nächste Quelle nach den fränkischen Reichsannalen stammt von Johannes Diaconus, der die Schuld am Ausbruch des Konflikts in seiner Istoria Veneticorum ausschließlich Pippin zurechnete, der das Dukat unter Bruch der Abmachungen angriff. Er sei jedoch im Kampf unterlegen.Giovanni Monticolo (Hrsg.): Cronache veneziane antichissime, Bd. 1, Rom 1890, S. 104 f. Nach den fränkischen Reichsannalen sei hingegen ein Abkommen zwischen Konstantinopel und Pippin an den Machenschaften der beiden Dogen gescheitert, woraufhin Pippin die Venezianer unterworfen habe. Erst die byzantinische Flotte, die in der oberen Adria erschien, zwang ihn zum Abzug.
Zunächst übernahm ein ‚Usurpator‘ namens „Iohanes diaconus“ das Amt des Christoforus, der Venedig verlassen mussteChristoforus „de Venecia exivit, in cuius sede lohanes diaconus, conlaudacione publice concionis, intrusus est.“ (Ester Pastorello (Hrsg.): Andreae Danduli Ducis Venetiarum Chronica per extensum descripta aa. 46–1280, Nicola Zanichelli, Bologna 1938, S. 128, Z. 7 f.). – und wie mit Hilfe des Fortunatus die Rückkehr gelang, noch bevor die Flotte unter Niketas die Verhältnisse neu ordnete. Nach Dandolo wurde der „Usurpator“ sogar mit Willen des Concio, der Volksversammlung, bestätigt. Zeitweise gelang es Fortunatus, den Usurpator und Diakon Iohannes gefangen zu nehmen. Doch in der Nacht gelang dem Usurpator die Flucht zum Dogen Obelerius. Nun musste Fortunatus selbst fliehen, und Iohannes wurde sogar als Patriarch eingesetzt.„Olyvolensis namque sedis, que proprio pastore vacua videbatur, Iohanni diacono electo a plebe fuerat adtributa. Post aliquod vero tempus Fortunatus patriarcha cum Christoforo episcopo de Francia repedavit. Quibus cum fas non esset Veneciam penetrare, in sancti Cipriani ecclesia, plebe scilicet Altinatis episcopii, quae scita est apud Mistrinam, ospitati et aliquamdiu commorati sunt. Verum postquam domnus Fortunatus Christofori episcopi sedem a Iohanne diacono iniuste usurpatam didicit, prorsus doluit, et tractare studiosissime cepit qualiter sibi faveret ut eum ad propriam sedem restituere posset. Iohannes siquidem predictus diaconus quadam die cum incautus iret, a Fortunato patriarcha captus et diu detentus est. Sed ubi excogitaret quid de illo agere deberet, nocte fuga lapsus evasit et instanter Obellierium ducem adivit. Cui cum ea que passus a Fortunato fuerat ordine recitaret, pocius ducis animum adversus eundem patriarcham in odium quam antea esset excitavit. Tamen, consulente patriarcha, Christoforus sedem suam tandem recepit; Iohannes vero diaconus reversus est ad propriam domum. Igitur Fortunatus patriarcha, cum per aliquanta temporum spacia exsul a propria sede maneret, Gradensem disposuit reciprocare urbem. Et quia valde Nicetae patricii adventum prestolari formidabat, qui tunc missus ab imperatore cum exercitu in partes Dalmaciarum atque Veneciarum veniebat, relicta sede et propria urbe, iterum Franciam petiit. Iohannes vero diaconus, qui electus fuerat in episcopatu Olyvolensi, ordinatus est patriarcha.“ (II, 25).
Obelerius und Beatus versuchten ihre prekäre Herrschaft zu sichern, indem sie sich auf die Seite der Sieger stellten. Doch die Franken lieferten ihn 810 an Byzanz aus. Der Doge wurde als Gefangener nach Konstantinopel geschickt und sein Bruder Beatus nach Dalmatien verbracht, wo er im nächsten Jahr starb.
Der neugewählte Doge Agnellus Particiacus verlegte 811 seine Residenz nach Rialto, genauer gesagt in den Dogenpalast. Dort residierten die Dogen fortan für fast ein Jahrtausend. Nach einer anderen Tradition war es Beatus, der den Sitz der Dogen an die besagte Stelle verlegte, wie noch das erste der Dogenporträts im Dogenpalast weiß.
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