Johanna Kotlaris (* 1988 in Schaffhausen) ist eine Schweizer Künstlerin, die besonders für ihre Installationen und Performances bekannt ist.

Leben Johanna Kotlaris absolvierte einen Bachelor an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. Anschließend folgte ein Master mit Auszeichnung in Bildender Kunst am Piet Zwart Institute in Rotterdam. Kotlaris lebt und arbeitet in Zürich.

Werk Kotlaris Werk besteht u. a. aus Installationen, Skulpturen, Performances, Videos und Fotografien. In ihrer künstlerischen Praxis fokussiert Kotlaris auf die zwischenmenschliche Erfahrung und insbesondere auf die Dynamiken der Entstehung sowie der Auflösung räumlicher Grenzziehungen, die mit dieser Erfahrung assoziiert sind. Mit Hilfe unterschiedlicher Medien analysiert sie, wie das persönliche Erleben mit der sozialen und politischen Realität verflochten ist, wie dieses Zusammenspiel Machtverhältnisse und Ordnungssysteme erschafft, und wie dadurch verschiedenartige Sinne von Identität, Autonomie und Interdependenz gebildet werden.

Bibbidi-Bobbidi-Anima (2022) Diese Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit den Performerinnen Hannah Mehler und Marie Popall für den Performancepreis Schweiz entwickelt. Als Personifikation des Todes führte Kotlaris durch die Räume des Kunstmuseums Luzern und versuchte das Publikum in eine Auseinandersetzung mit Verlust, Aufbruch, Veränderung und der Unvermeidbarkeit des Endens zu motivieren. Reflexionen über die eigene Rolle sowie Textfragmente aus Erzählungen über das Sterben und die damit einhergehenden Neuanfänge wurden mit Gesang, Sound und Bewegungssequenzen zu einem zeitgenössischen Totentanz verbunden.

Humere (2024) Bei diesem Werk handelt es sich um einen 54-minütigen Digitalfilm, in welchem die Protagonistin, eine junge, ständig nasse Zombiefrau, die fortwährend stirbt und aus dem Wasser wieder aufersteht, Schutz, Heilung und menschliche Nähe sucht. Im Verlauf dieses Bestrebens gerät Humere, die von Kotlaris selbst dargestellt wird, in physisch und emotional unlösbare Widersprüche. Die Aussagen der Figur werden in eine vom Musical beeinflusste filmische Ausdrucksform verpackt. Die Sprache beinhaltet Wortspiele, um Situationen und Seelenzustände zu transformieren. Unbewusst setzt sich Humere so mit zwischenmenschlichen Beziehungen auseinander, hinterfragt dabei verschiedene Formen des Zusammenlebens und führt den Zuschauenden dabei die Paradoxien und Exzesse unserer Gesellschaft vor Augen. Während der gesamten Dauer des Films bleibt Humere ständig nass, eine Anspielung auf ihre gebrochene und ungelöste Verletzlichkeit, aber auch auf das Drama, das sie in sich trägt, als wäre sie ertrunken.

Weitere Werke (Auswahl)

2017: Johanna Kotlaris - The Passage Between Us, Performance, Nationalgalerie Vilnius, Vilnius 2021: Gib mir mehr davon, Installation aus Zigaretten 2021: Mach, dass es nie aufhört, lange und sehr lange Zigaretten 2021: Permanently in Transit, Couch und Kleidung 2021: Nicht verraten (Not Revealed, Not Betrayed), Holzschrank, Acrylfarbe und Eisennägel 2021: Wandaful Apple, Gips, Acryl- und Sprühfarbe, Apfelstängel 2021: Permanently in Transit, Couch und Kleidung 2021: Telling a Joke Starting With the Punchline, Glastische, gefundene und gemachte runde Objekte 2021: Quantum Theory Donut, Gips, Acrylfarbe, Heissleim, Couscous und Box 2021: Le Plagiat (repetition 1- 11), Bleistift und Öl auf Leinen 2021: Wannabe Tree, Kundenspezifische, geerbte Lampe der 3. Generation 2021: Huge Napkin Bill, Hardware-Tuch, Servietten und Tapetenkleister 2024: The weather … the everyday stress …, Segel, Bootsseil, Gipskarton, reflektierender Stoff 2024: I just wanna be chill and easy, I don’t wanna get into trouble, Photosensitive Farbe, Baumwollsocken und Epoxidharz auf Gipskarton 2024: Are you trying to kill me? Segel, Bootsseil, Gipskarton, reflektierender Stoff 2024: Tell me what you want baby, come on!, Epoxidharz auf Gipskarton 2024: TRA(there’s something I don’t know that’s stuck in my throat)VEL, Epoxidharz auf Gipskarton 2024:You said you’re sad, you said you’re sad, I’m gonna make you better, Gips, Couscous, Acrylfarbe und Epoxidharz 2024: The sun is standing at about 35° from the ground. Just the way it should be at this time of year and day, Photosensitive Farbe auf Gipskarton 2024: Yea good. Great actually, Jeansjacke und Epoxidharz auf Gipskarton 2024: SAINT, Photosensitive Farbe auf Gipskarton 2024: Tabula Rasa, Getrocknete Rosen und Epoxidharz 2024: 2(X)IST, Segel, Bootsseil, Gipskarton und reflektierender Stoff 2024: we will be better, 4-minütiger Song (Teil des Films Humere)

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2013: Castrum Peregrini, Amsterdam 2016: Che c'è di nuovo? Uno sguardo sulla scena artistica emergente in Ticino, Dienstgebäude, Zürich 2016: Che c'è di nuovo? Uno sguardo sulla scena artistica emergente in Ticino, Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano 2016: The New Gallery, Calgary 2017–18: Cantonale Berne Jura 2017, Kunsthaus Langenthal, Langenthal 2018: Blind Date #3. Johanna Kotlaris e Camille Lichtenstern, Galerie Sonnenstube, Lugano 2018: Löwenbräu lebt! Bruch / Break, Kunsthalle Zürich, Zürich 2018–19: Cantonale Berne Jura 2018: me, myself and I, Stadtgalerie Bern, Bern 2019: Annunciati i finalisti del Premio Fabbri 2019, Fondazione Francesco Fabbri, Treviso

2019–20: Cantonale Berne Jura 2019, Kunsthaus Pasquart, Biel 2021: Samuel Georgy, Johanna Kotlaris. You-Turn, standard/deluxe, Lausanne 2021: Laube zur schiefen Lage, Cabaret Voltaire, Zürich 2021: Les Urbaines (Festival), Arsenic, Lausanne 2021: Werkschau Kanton Zürich, Haus Konstruktiv, Zürich 2021–22: Cantonale Berne Jura, Kunsthalle Bern, Bern 2021–22: Cantonale Berne Jura 2021, Kunsthaus Biel, Biel 2024: Ninfe, Campane subacquee e Pesci gigantic, Bally Foundation, Lugano

Einzelausstellungen (Auswahl)

2017: These Little Truths, Skulpuren, Pakrante’s gallery space, Vilnius 2021: Johanna Kotlaris: We Used to Laugh About Frank, Stiftung BINZ39, Zürich 2021: Johnny Spelled Jenny – Johanna Kotlaris, Hamlet, Zürich 2023: KIOSKO Galería, Santa Cruz de la Sierra

2024–25: Johanna Kotlaris. Humere, Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano

Die Ausstellung Humere zeigt verschiedene Installationen und als zentrales Werk einen Film. Kotlaris führt das Publikum durch einen visuellen und akustischen Parcours, der sich mit den Herausforderungen sozialer Interaktionen und zwischenmenschlicher Beziehungen befasst und dabei humorvoll und zugleich tiefgründig Fragen nach sozialem Unbehagen und den Belastungen des Zusammenlebens aufgreift.

Der Film zeigt die Erlebnisse einer zeitgenössischen Antiheldin namens Humere. Mit einer vom Musikgenre inspirierten Filmsprache spricht Kotlaris Themen an wie die Unbequemlichkeiten und Schwierigkeiten des gesellschaftlichen Lebens und die Paradoxien und Exzesse der Gesellschaft, in der wir leben.

Die Arbeiten der Ausstellung, die skulpturale und malerische Verfahren zu raumgreifenden Installationen verbinden, erscheinen auf großformatigen Gipskartonplatten mittels Gravur, lichtempfindlicher Farbe oder Druck ausgearbeitete Schauplätze. Mit Kunstharz behandelte Kleidungsstücke stehen als Objekte einer permanenten, jedoch unerfüllbaren Trocknungssituation im Raum. Ergänzt werden diese Elemente durch groß dimensionierte Segel und geborgene Seile, die eine Atmosphäre des inneren wie physischen Schiffbruchs evozieren – ein Motiv, das auf die im Film dargestellte „Trainingsreise“ der Figur Humere verweist. Begleitet werden die Bilder von einigen Worten, Namen fiktiver Modemarken, die an Filmkostüme erinnern.

Preise und Auszeichnungen

2013: Gerrit Rietveld Academie Award 2014: Young Photography Talent Fellowship, Pro Helvetia 2016: Engere Auswahl für den Ticino Artistic Creation Award 2016: Engere Auswahl für den VFG Young Swiss Talent Award 2017: Artist in Residence, Rupert, Vilnius 2017: Patronagefonds für junge Schweizer Kunstschaffende, Basler Kunstverein 2018: Patronagefonds für junge Schweizer Kunstschaffende, Basler Kunstverein 2019: Kunst-Stipendium der UBS Kulturstiftung 2019: Artist in Residence, AIR Berlin Alexanderplatz, Berlin 2020–21: Atelierstipendium der Stiftung Binz39, Zürich 2022: Stipendium des Kantons Zürich für einen Aufenthalt im F+F Kunstatelier und in Berlin 2022: Finalistin beim Performancepreis Schweiz, Kunstmuseum Luzern 2022: Finalistin des Prix Mobilière, Art Gèneve, Genf 2023: Atelierstipendium des Kantons Zürich 2024: Manor Kunstpreis

Rezeption Laut Ausstellungsartikel des MASI Lugano zur Ausstellung Humere wurde Kotlaris’ Werk dahingehend beschrieben, dass ihre Videos, Installationen und Performances häufig auf die Entwicklung und Verkörperung fiktiver Figuren zurückgreifen. Sprache fungiere dabei als wesentliches Ausdrucksmittel, mit dem sie etablierte Situationen und emotionale Zustände verfremde. Durch die Gegenüberstellung gesellschaftlich relevanter Fragestellungen mit alltäglichen Beobachtungen erzeuge die Künstlerin so pointierte, oftmals humorvolle Verfremdungseffekte, die Themen wie Geschlechterstereotypen, Scham oder Machtverhältnisse prägnant herausarbeiten.

Giorgia Fasola von Radiotelevisione svizzera hebt in einem Artikel zur Ausstellung hervor, dass Kotlaris’ Arbeit ihre Fähigkeit zeigt, mit unterschiedlichen Medien zu arbeiten und komplexe Themen in eine zugleich humorvolle wie berührende Erzählung zu überführen. Der Artikel enthält zudem ein dreiminütiges Interview mit der Künstlerin, in dem sie Einblicke in ihre Arbeitsweise und die Entstehung des Projekts gibt.

In einem kuratorischen Begleittext zur Ausstellung Johnny Spelled Jenny – Johanna Kotlaris beschreiben Danai Rossalidis und Clifford E. Bruckmann die Wirkung von Kotlaris‘ Werk als Grenzbewegung im Denken:

Publikationen

Das Werk besteht aus in Briefform verfassten Texten, die an Jessica adressiert sind.

Weblinks

Johanna Kotlaris im SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz Website der Künstlerin

Einzelnachweise

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